modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Nichtoffener Wettbewerb | 03/2025

Wohnungsbau Am Johannisbrunnen in Krumbach

Perspektive

Perspektive

3. Preis

Preisgeld: 16.500 EUR

Architekt Tobias Pretscher

Architektur

schürmann dettinger architekten

Architektur

VALENTIEN + VALENTIEN Landschaftsarchitekten und Stadtplaner SRL

Landschaftsarchitektur

Matthes Max Modellbau GmbH

Modellbau

Erläuterungstext

Kommunaler Wohnungsbau am Johannisbrunnen Krumbach

Das Grundstück am Johannisbrunnen zeigt unserer Meinung nach einige Chancen und einige Herausforderungen auf. Zwar liegt das Gelände am nördlichen Rand von Wohngebieten und ist daher dreiseitig eingefasst von Gewerbe und Industrie. Andererseits entwächst aus der Nähe zur Kammel, zur Radwegeverbindung und der parkähnlichen Anlage die Möglichkeit eines angenehmen Wohngebiets. Aus diesen positiven Aspekten des Grundstücks einen größtmöglichen Nutzen für das Wohnumfeld zu ziehen, ist Grundlage unseres Entwurfs.

Baukörperformung + Städtebau
Die Potentiale des Grundstücks liegen in seiner Lage an der Kammel, in seinem schönen Blick auf die gegenüberliegende Backsteinarchitektur und seiner übergeordneten Anbindung an die Krumbacher Altstadt. Daher orientieren sich die Blickbeziehungen, die Freiraumverknüpfungen und die Baukörperstaffelung darauf hin.
Wir schlagen eine flexible und leistungsfähige Struktur aus Baukörpern quadratischer Grundfläche vor, die sich aber auch netzartig zu längeren Gebäuden verbinden. Aus diesen bildet sich an der Nord- und Westseite des Grundstücks ein Rücken, der die Grünflächen von der umgebenden Industrie abschirmt. Nach Westen ist dabei in erster Linie der Laubengang sortiert, so dass sich die Wohnungen dort Richtung Osten, also Richtung Park und Fluss orientieren.
Im Osten und Süden wird die Struktur der Baukörper durchlässiger und entwickelt sich von den langgestreckten Häusern hin zu Punkthäusern am Fluss.
Da sich das Gebiet am Nordrand der Wohngebiete befindet, schlagen wir vor, hier mit Hochpunkten bis zu 6 Geschossen einen städtebaulichen Auftakt zu setzen und damit auch die Möglichkeiten des Fernblicks auf die Krumbacher Altstadt, auf Stadtpfarrkirche und Schloss zu bieten.

Gemeinsam + Privat
Uns ist wichtig, auf dem Gelände verschiedene Themen gleichzeitig vermitteln zu können:
- Ein eigenständiges Quartier für ein vitales Miteinander der Bewohner*innen
- Ein kräftiger Auftritt und Ausstrahlung zur Belebung der Umgebung
- Eine flexible und leistungsfähige Gebäudestruktur, die dem Gebiet Offenheit und Anpassbarkeit ermöglicht.
Dies wollen wir erreichen durch:
- Eine übergeordnete Struktur des Geländes mit einer spürbaren Verzahnung der Freiflächen
- Vielfältige Freiräume unterschiedlicher Prägung – von der Kammel-Promenade zu beruhigten Wohnhöfen – von offenen Bereichen zu privaten Gärten

Wohnungsmix + soziales Gefüge
Der gewünschte Wohnungsmix kann in 105 Wohnungen gut abgebildet werden. Die 1-Personen-Wohnungen sind auf die westlichen Gebäude (mit Orientierung nach Osten) konzentriert, die Familienwohnungen sind in die Grünflächen eingebettet und können so die Freiflächen optimal mitnutzen. Durch die strukturelle Offenheit des Tragwerks können Wohnungsgrundrisse auch später noch angepasst, zusammengelegt oder unterteilt werden. Eine optimale Voraussetzung für zukünftige Anpassbarkeit.

Flexibilität + Wirtschaftlichkeit
Die vorgeschlagenen Gebäude bauen alle auf einem gleichen Trag- und Ausbauraster auf. Damit kann auch im Zuge der weiteren Planung und darüber hinaus leicht reagiert werden und beispielsweise alternative Wohnungsgrundrisse, nutzungsoffene Strukturen, zusätzliche Nutzungen untersucht werden.
Durch die Ähnlichkeit der Häuser und repetitiver Ausstattungskomponenten können im Bau vorgefertigte Module (Fertigbäder, Fassadenelemente) genutzt werden, so dass die Gebäude schnell und wirtschaftlich errichtet werden können.
Die Punkthäuser im Osten kommen ohne Untergeschosse aus, bei den anderen Häusern beschränken sich die Kellergeschosse auf das notwendige Maß der Abstellflächen. Auch hier könnten vorgefertigte und sich wiederholende Module für die Errichtung eingesetzt werden.
Das Projekt kann in drei Bauabschnitten umgesetzt werden, in denen auch die ansässigen Mieter*innen jeweils in einer Wohnung auf dem Gelände wohnen können. Durch Modularisierung und eine schnelle Bauzeit kann diese Übergangszeit möglichst kurzgehalten werden.

Ökologie + Material
Die nutzungsoffene Struktur ist in den ökologischen und wirtschaftlichen Ambitionen in verschiedenen Ausführungen denkbar – vom Stahlbetonskelett mit Leichtbauwänden, über die Umsetzung als Ziegelbau mit recycelten mineralischen Baustoffen bis zum reinen Holzbau.
Vorschlagen möchten wir die Umsetzung als einen Holzbau (Holzstützen und -träger), Fassadenelemente als Holzrahmenwände mit einem tragenden und aussteifenden Treppenkern aus Stahlbeton. Gerade der Holzbau kann durch seine Vorfertigung und Modularisierung hier seine Potentiale für die Schaffung von günstigem Wohnraum ausspielen.

Ruhender Verkehr
Der Herausforderung des ruhenden Verkehrs begegnen wir durch:
- Eine Gemeinschaftsgarage unter den westlichen Gebäude (Haus 1 und 2). Dies nutzt den vorhanden Geländeverlauf für eine harmlose Erschließungsrampe und bietet einen Großteil der Stellplätze. Durch Öffnungen nach Osten und Westen kann eine maschinelle Lüftung vermieden werden.
- Maßvolleberirdische Stellplätze, die die ohnehin vorhandenen, aber nicht sehr stark befahrenen Erschließungsstraßen nutzen. Bei perspektivischer Reduzierung des Stellplatzbedarfs können oberirdische Stellplätze leicht aufgelassen und der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden.
- Dezentrale und eingangsnahe Fahrradstellplätze im Gebiet.

Wegestrukturen
Die bestehenden Wegestrukturen des umlaufenden Areals werden aufgegriffen und im Bearbeitungsgebiet fortgeführt. Es gibt drei Nord-Süd Wegeverbindungen, wobei die östlichste den bestehenden Radweg aufgreift und als Promenade neu inszeniert. Zudem gibt es eine Verbindung von Westen nach Osten durch das gesamte Areal bis hin zum Ufer. Diese Durchwegung soll eine offene und transparente Struktur des Quartiers schaffen. Kleine Plätze dienen als Verteiler.

Retentionsflächen
Das Freiraumkonzept sieht zahlreiche Retentionsflächen vor, die bei Starkregenereignissen große Wassermengen aufnehmen können. Die Flächen sind sanft vertiefte Mulden in den Grünflächen, die im Normalfall für verschiedenste Aktivitäten genutzt werden können.

Grünstrukturen + Entsiegelung
Das Piktogramm zu den Grünstrukturen zeigt gut, wieviel neuer Freiraum entstanden ist und dabei eine minimale Versiegelung nötig ist.

Klima + Energie
Zur Aufnahme der Dachwässer und der Starkregenereignisse befinden sich in den Freianlagen entsprechend dimensionierte Sickermulden und Retentionsflächen.
Die Grundstruktur der Gebäude bietet wesentliche klimatische und energetische Qualitäten ohne den Einsatz von Technik:
- Eine vorgelagerte Struktur aus Gitterrostumgängen als feststehender Sonnenschutz zur Verringerung des sommerlichen Wärmeeintrags
- Weitestgehende Querlüftungsmöglichkeiten
- Hoher Anteil an Speichermassen in den Wohnungen
- Laubengänge bzw. Balkone, Loggien und Umgänge als Klimapuffer
- Fassadenbegrünung als zusätzlicher Klima- / Windpuffer
- Klare Kubatur mit günstigem A/V-Verhältnis
Darüber hinaus können energetische Standards im Planungsprozess und in Abstimmung mit den Zielen und Möglichkeiten des Bauherrn fein abgestuft und umgesetzt werden.

Beurteilung durch das Preisgericht

Vorgeschlagen wird eine sinnvolle städtebauliche Struktur, die sich von West nach Ost auflockert. Die Baukörper sind unterschiedlich in der Geschossigkeit, von 2 – 6 Geschosse, die Struktur wird dadurch aufgelockert. Fünf der Gebäude sind abgetreppt, auf den niedrigeren Gebäudestufen sind gemeinschaftliche Terrassen angeordnet.

In den oberen Stockwerken sind die Treppenhäuser von außen belichtet, in den unteren allerdings innenliegend.

Die Stellplätze sind teilweise oberirdisch an der Erschließungsstraße angeordnet, teilweise in einem sinnvoll strukturierten Obergeschoss im westlich sitzenden Gebäude untergebracht. Eine relativ hohe Wohnqualität ist zu erwarten, allerdings sind die Wohn- und Essbereiche relativ klein. Neben offenen Wohn-, Ess- und Kochbereichen werden auch abgeschlossene Küchen angeboten.
Die Barrierefreiheit ist gegeben, im Erdgeschoss werden auch 2 rollstuhlgerechte Wohnungen angeboten. Einige Wohnungen, die als 2 Zimmer definiert sind, sind eher 1,5 Zimmer Wohnungen, weil ein abgeschlossenes Schlafzimmer fehlt.

Zur Haustechnik werden mit Ausnahme der vorgeschlagenen PV-Anlage keine Angaben gemacht,. Die Verfasser schlagen für die Konstruktion der Gebäude eine Ausführung in Holzbauweise (Wände aus Holzrahmenbau und Brettsperrholzdecken) in Kombination mit aussteifenden Stahlbetonkernen vor.

Die Fassaden zeigen eine hohe architektonische Qualität, aufgrund des großen Fensteranteils ist jedoch ein vergleichsweise höherer Energiebedarf zu erwarten. Als Sonnenschutz sind umlaufende Gitterrostkonstruktionen angedacht, unterstützt durch textile Fallmarkisen bei tiefen Sonnenständen.

Das Grundstück ist im Durchschnitt wenig ausgenutzt. Die Wirtschaftlichkeit ist daher eher im unteren Bereich, auch eine Folge der aufwendigen Fassade (Fenster-Konstruktion).

Hinsichtlich der Einbindung in den straßenräumlichen Kontext ist der umlaufende Stellplatzgürtel zu hinterfragen, welcher auch die Adressbildung des neuen Quartiers schwächt. Der Ansatz 2 Quartierplätze entstehen zu lassen wird anerkannt, funktioniert in der räumlichen Fassung jedoch für den nördlichen Platz deutlich besser als für das südliche Pendant. Die zur Raumbildung verwendeten Heckenscheiben kommen überproportional oft zum Einsatz und sind in ihrer raumbildenden Wirkung fragwürdig.

Die freiräumlichen Qualitäten am ansprechend gestalteten Uferbereich und in den funktional eindeutig belegten Höfen setzen sich in den gleichförmigen, funktional wenig ausdifferenzierten Grünachsen nicht fort. Der Erhalt des Baumbestands, trotz hoher städtebaulicher Dichte, ist anerkennenswert. Das Angebot der gemeinschaftlich nutzbaren Dachterrassen, welche durch unterschiedliche Geschossigkeiten innerhalb der Baukörper entstehen, ist eine Stärke des Entwurfs.
Lageplan

Lageplan

Schwarzplan

Schwarzplan

Erdgeschoss

Erdgeschoss

Schnittansicht Süd

Schnittansicht Süd

Modellfoto

Modellfoto