Nichtoffener Wettbewerb | 03/2025
Wohnungsbau Am Johannisbrunnen in Krumbach
5
Perspektive
©Lorber Paul Architektur & Städtebau
Anerkennung
Preisgeld: 7.333 EUR
Erläuterungstext
Gemeinschaftliches, bezahlbares und nachhaltiges Wohnen verankert die genossenschaftliche Quartiersentwicklung bodenständig in Krumbach und schafft zugleich Identität und Perspektive für die Zukunft.
Im Norden von Krumbach entsteht ein genossenschaftliches Wohnquartier als Ersatz für die rückgebaute 60er-Jahre-Siedlung an der Kammel. In effizienter Dichte und wirtschaftlicher Holzhybridbauweise verbindet der Entwurf soziale und ökologische Aspekte zu einem nachhaltigen, autofreien Quartier. Begrünte Dächer, Photovoltaikanlagen und biodiversitätsfördernde Freiräume prägen das Umfeld und sorgen für eine hohe Wohnqualität.
Das Quartier wächst behutsam aus der bestehenden Bebauung heraus, verdichtet sich zur Kammel hin und öffnet sich zum Fluss. Der Quartiersweg verbindet zentrale Bereiche und wird durch Quartierspfade ergänzt, die das Quartier durchziehen. Gezielte Öffnungen und Sichtachsen machen die besondere Lage an der Kammel erlebbar. Drei Quartiersplätze fördern das Miteinander, zwei davon mit Gemeinschaftsräumen in den Punkthäusern. Ein dritter Platz im Südosten kombiniert eine Wendemöglichkeit mit Sport- und Bewegungsangeboten. Zwei effiziente Haustypen und eine Systemgarage ermöglichen eine wirtschaftliche, serielle Bauweise und schaffen flexibel nutzbaren, kostensensiblen Wohnraum. Mit dieser durchdachten Struktur entsteht nicht nur neuer Wohnraum, sondern ein lebendiger, nachhaltiger Stadtraum für Krumbach.
Höhenentwicklung
Das Quartier nimmt die Höhenstruktur der südlich angrenzenden Siedlung auf und wächst nach Norden hin – zum Fluss und den Gewerbeflächen – in die Höhe. So entsteht ein ausgewogenes
Verhältnis zwischen städtebaulicher Einbindung und wirtschaftlicher Dichte für bezahlbares Wohnen.
Nachhaltigkeit
Extensiv begrünte Dächer, Retentionsflächen und die Grünstrukturen kühlen das Quartier und reduzieren den Niederschlagsabfluss. Photovoltaik auf allen Dächern, inklusive der Quartiersgarage, versorgt das Quartier direkt mit Strom. Biodiversität wird durch Freiräume, Nisthilfen und eine begrünte Garage gefördert. Soziale Treffpunkte mit Plätzen, Bänken und Erholungsbereichen entlang des Flusses stärken die Nachbarschaft. Die Mobilitätsstation bietet Sharing-Angebote für Pkw, E-Fahrräder und E-Lastenräder. Ein autofreies Quartier schafft Sicherheit und Ruhe, besonders für Familien. Fahrradfreundlichkeit wird durch den Anschluss ans Radwegenetz und gut platzierte Stellplätze gewährleistet. Lastenradstellplätze stehen als nachhaltige Pkw-Alternative zur Verfügung.
Typologie
Haustyp A - Die Dachgartenhäuser beherbergen mittlere und größere Wohnungen. Haustyp B - Die Punkthäuser mit Gemeinschaftsräumen bieten Raum für kleinere Wohnungen. Quartiersgarage - Die Quartiersgarage in der nordöstlichen Ecke übernimmt den gesamten Pkw-Verkehr des Quartiers. Zudem kann hier das Blockheizkraftwerk (BHKW) integriert werden.
Freiraum
Der Quartiersweg durchquert das Quartier und strukturiert die Erschließung. Ergänzend dazu
sorgen Quartierspfade für eine Anbindung an die umliegenden Wege und erleichtern den Zugang zum Quartier. Im Inneren befinden sich die beiden Nachbarschaftsplätze, an die auch die Gemeinschaftsräume angeschlossen sind. Diese erweitern sich auf die Platzflächen und beleben sie durch gemeinschaftliche Nutzungen. Am Fluss lädt eine Aktivitätsfläche im Bereich der Wendefläche zu Bewegungsangeboten ein. Direkt angrenzend bietet ein Gemeinschaftsgarten den Bewohnern die Möglichkeit zur gemeinschaftlichen Nutzung und Pflege. Zusätzliche Dachgärten auf den Haustypen A dienen als gemeinschaftliche Dachterrassen, die vorrangig den jeweiligen Hausgemeinschaften zur Verfügung stehen.
Bauabschnitte
Die Entwicklung erfolgt schrittweise entlang des Bestands. Der 1. Bauabschnitt umfasst zwei Neubauten und die Quartiersgarage. Der 2. Bauabschnitt vervollständigt den Süden, einschließlich der Spielstraßen. Der 3. Bauabschnittrundet das Quartier im Norden ab.
Architektur
Alle Häuser sind mit hoher Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an die unterschiedlichen Bedürfnisse der Bewohner konzipiert – von Auszubildenden über Familien bis hin zu Senioren. Die kompakte Bauweise ermöglicht eine effiziente Nutzung der Flächen. Sämtliche Gebäude sind barrierefrei erschließbar und bieten großzügige Treppenhäuser als Begegnungsräume. Jede Wohnung verfügt über einen eigenen Freisitz am Wohn-Essbereich, der privaten Außenraum und Aufenthaltsqualität schafft. Haus Typ A beherbergt mittlere und große Wohnungen und bietet der Hausgemeinschaft einen gemeinschaftlichen Dachbereich. Im Erdgeschoss befindet sich eine kleine Wohnung, die als bezahlbares Wohnangebot für Auszubildende dient. Optional könnten 1–2 dieser Wohnungen auch als Gästewohnungen genutzt werden. Haus Typ B nimmt kleine und mittlere Wohnungen auf und integriert zwei Gemeinschaftsräume für das Quartier. Als Besonderheit sind Abstellräume in die Fassade integriert, sodass sie flexibel auch als kleines Kinderzimmer oder Home-Office genutzt werden können. Diese Häuser sind stets an einem Nachbarschaftsplatz gelegen, um den sozialen Austausch zu fördern. Im Erdgeschoss beider Gebäudetypen sind Abstellflächen (Kinderwagen, Rollator, etc.) sowie Flächen für die Anschlüsse an das Nahwärmenetz, die Stromversorgung und die Frischwasserübergabe vorgesehen.
Barrierefreiheit
Die klare städtebauliche Gliederung des Quartiers sorgt für eine gute Orientierung für
alle. Hauseingänge sind überwiegend von den Plätzen oder Haupterschließungen aus erreichbar. Alle Wohnungen und Freisitze sind barrierefrei nutzbar, zudem stehen ausreichend rollstuhlgerechte Wohnungen zur Verfügung.
Fassade
Die Wohngebäude zeichnen sich durch eine schlichte und klare Erscheinung aus. Die hölzernen Fassaden in Beige und Grün verleihen ihnen eine helle und freundliche Ausstrahlung. Eine feine vertikale Struktur betont die Höhe, während eine dezente horizontale Gliederung die Geschossigkeit sichtbar macht. Bodentiefe Fenster mit französischen Balkonen sorgen für eine hohe Tageslichtqualität in den Wohnungen. Der Sonnenschutz in mildem Korallton ergänzt das Farbspektrum und setzt warme Akzente. Balkone an den Eckenverleihen der Fassade eine spielerische Note und schaffen mehr Privatheit für die Freisitze. In den Wohnungen kommen lediglich drei Fenstertypen zum Einsatz, was die Wirtschaftlichkeit erhöht. Alle verwendeten Materialien sind besonders langlebig und nachhaltig. Die Quartiersgarage verfügt über begrünte Fassaden, die die städtebauliche Einbindung verbessern. Zusätzlich sorgen Lichtschutzelemente für einen angemessenen Sichtschutz zu den angrenzenden Gebäuden.
Konstruktion und Bauweise
Die Haustypen A & B verfügen über übereinander gestapelte Wohneinheiten, ohne Versatz tragender Elemente über die Geschosse. Die eingeschnittenen Balkone sind klar angeordnet und vermeiden thermisch anspruchsvolle Übergänge. Das Tragwerk wird in wirtschaftlicher Stahlbetonbauweise errichtet und mit einer präzise vorgefertigten Holzelementfassade ergänzt. Diese Hybridkonstruktion kombiniert die Robustheit und Tragfähigkeit des Betons mit der Präzision und Nachhaltigkeit des Holzes. Die hochwärmegedämmten Fassadenelemente minimieren den Energieverbrauch und ermöglichen durch ihre Vorfertigung eine schnelle, witterungsgeschützte Bauweise, die das Risiko von Bauschäden durch Feuchtigkeit reduziert. Eine reduzierte Anzahl standardisierter Elemente und nur drei Fenstertypen steigern zusätzlich die Wirtschaftlichkeit. Auch im Innenraum wird auf bewährte, langlebige und wirtschaftliche Oberflächen gesetzt. Die Quartiersgarage kann ebenfalls als Systembau realisiert werden.
Freianlagen
Das autofreie Quartier fördert gemeinschaftliches Wohnen und nachhaltige Freiräume. Der Quartiersweg als zentrale Hauptachse erschließt das Gebiet, während kleinere Quartierspade die Umgebung vernetzen. Entlang der Wege entstehen Nachbarschaftsplätze mit Spiel- und Aufenthaltsbereichen, die soziale Begegnungen ermöglichen. Die besondere Lage an der Kammel wird durch gezielte Platzflächen und Grünräume inszeniert, ergänzt durch Liegewiesen, Sportbereiche und Sitzstufen am Ufer. Das Quartier folgt dem Prinzip der Schwammstadt: sickerfähige Pflasterflächen, Zisternensysteme zur Regenwassernutzung und Retentionsmulden in den Fußwegen sorgen für eine natürliche Versickerung und Wasserrückhaltung. Starke Durchgrünung und vielfältige Pflanzbereiche schaffen wertvolle Lebensräume für Insekten, Vögel und Kleintiere, steigern die Biodiversität und fördern das Wohlbefinden der Bewohner:innen.
Beurteilung durch das Preisgericht
Die städtebauliche Setzung der sieben Wohngebäude und des freistehenden Parkhauses überzeugt, da sich für die Außenräume akzeptable Abstände und Aufenthaltsmöglichkeiten ergeben. Auch die differenzierte Höhenentwicklung der verschiedenen Gebäude und Gebäudeteile bereichert das Ensemble.
Die Erschließungskerne der einzelnen Gebäude sind vernünftig platziert und ausgeformt und verfügen über ausreichend Tageslicht. Der erdgeschossige Gemeinschaftsraum ist richtig am Grillplatz platziert. Die einzelnen Wohnungsgrundrisse sind gut organisiert. Die teilweise vorhandenen großen Flurlängen wären zu überprüfen.
Kritisch gesehen werden die rein nordorientierten Kleinwohnungen. Die geometrische Ausformung der übereinander versetzt angeordneten Balkone überzeugt weder funktional noch gestalterisch.
Der architektonische Ausdruck ist angenehm zurückhaltend und der Aufgabe angemessen.
Der hohe Erschließungsaufwand des Parkhauses ist unnötig und ggf. auf das notwendige Maß zu reduzieren. Barrierefreiheit ist nachgewiesen.
Die vorgeschlagene Konstruktion in Hybridbauweise (Stahlbeton und Holz) ist nachvollziehbar und wirtschaftlich umsetzbar. Sie ermöglicht einen hohen Vorfertigungsgrad und damit eine schnelle Umsetzung. Die Forderungen zur Nachhaltigkeit sind mit dieser Bauweise umsetzbar. Der geforderte Wohnungsmix ist sehr gut eingehalten, die wirtschaftlichen Kennzahlen bewegen sich im mittleren Bereich.
Die Wärmeversorgung über das vorgeschlagene BHKW ist zu hinterfragen und wäre im Bedarfsfall zu präzisieren.
Trotz hoher städtebaulicher Dichte überzeugt der Entwurf durch eine intensive Durchgrünung des Plangebiets, wenngleich keine klare Adressbildung erfolgt bzw. keine Auftaktsituation zum Wohnquartier im umgebenden Straßenraum ablesbar ist. Die Durchgrünung erfolgt überwiegend durch Neupflanzungen, ein Erhalt von Bestandbäumen ist kaum möglich.
Durch die Setzung der Baukörper entstehen im Quartier 2 klar erkennbare Quartiersplätze und eine räumlich ansprechende Verzahnung der Freianlagen mit dem Uferbereich entlang der Kammel. Die effiziente, konzentrierte Erschließung lässt ein autofreies Quartier mit vernetzenden Grünachsen und privaten, durch Bepflanzung abgesetzte Gebäudevorzonen entstehen, die Entwässerung der Außenanlagen lässt sich über die Grünflächen bzw. Retentionsmulden und -gräben lösen. Aufgrund der Höhe der umgebenden Gebäude ist jedoch von einer erheblichen Verschattung der Freiräume auszugehen. Positiv hervorzuheben ist, dass die teilweise mehrfachkodierten Freiflächen v.a. entlang der Kammel auch dem städtebaulichen Umfeld zu Gute kommen.
Perspektive
©Lorber Paul Architektur & Städtebau
Lageplan
©Lorber Paul Architektur & Städtebau | KRAFT.RAUM.
Schnitt
©Lorber Paul Architektur & Städtebau
Pikto Freiraum
©Lorber Paul Architektur & Städtebau