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Nichtoffener Wettbewerb | 03/2025

Wohnungsbau Am Johannisbrunnen in Krumbach

Lageplan Freiraum
6

Lageplan Freiraum

Anerkennung

Preisgeld: 7.333 EUR

Beer Bembé Dellinger Architekten und Stadtplaner

Architektur

TERRABIOTA Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Städtebau

Die Baugenossenschaft Krumbach e.G. beabsichtigt, zwischen dem Kammelweg, der
Markgrafenstraße und dem Fluss Kammel bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die bestehenden fünf
Wohngebäude sollen rückgebaut und durch qualitativ hochwertigen Wohnraum, insbesondere für
Familien, ersetzt werden.

Unser Entwurf gruppiert acht neue Wohngebäude entlang eines ringförmig verbindenden
Laubengangs um einen gemeinsamen Innenhof. Die Bebauung schafft so neben den privaten
Wohnbereichen kommunikative und gemeinschaftsorientierte Erschließungszonen, die den Gedanken
des genossenschaftlichen Wohnens neu aufleben lassen.
Mit kleinteiligen Einzelbaukörpern reagiert das Konzept auf die bestehende Umgebung und fügt sich
städtebaulich in die Körnungsstruktur der südlichen Wohnbebauung ein. Die Gebäudestruktur öffnet
sich gezielt zu den neu entstehenden Spielstraßen in der Markgrafenstraße und dem Kammelweg und
schafft hier attraktive Raumbezüge.

Nach innen schafft die Bebauung einen großzügigen gemeinschaftlichen Innenhof, der sich nach
Westen hin zur Kammel öffnet. Dieser Grünraum stellt nicht nur einen Zugang zum Fluss dar, sondern
auch einen wertvollen Erholungs- und Aufenthaltsort für die Bewohner:innen.
Die Erschließung der Wohnbebauung erfolgt über drei kommunikative Eingangsbereiche mit
Zugängen zu den Laubengängen. Überdachte Fahrradstellplätze, Müllräume und private
Kellerersatzräume finden hier ihren Platz.

Um auf eine Tiefgarage verzichten zu können, liegen die Stellplätze halboffen unter den Gebäuden im
westlichen Teil der Anlage. So kann die natürliche Gefällesituation des Grundstücks genutzt werden,
und die Stellplätze werden mit kurzen Rampen von der Hauptstraße direkt angefahren. Auch die
Kellerersatzräume befinden sich in diesem Zwischengeschoss und machen ein aufwendiges
Kellergeschoss überflüssig. Die Bebauung ist in zwei Bauabschnitte erstellbar: Der erste Bauabschnitt erfolgt im nördlichen
Bereich, während der zweite im Süden realisiert wird.

Grundrissorganisation
Das Projekt umfasst sechs verschiedene Grundrisstypen, die durch einen Laubengang erschlossen
werden. Der Laubengang fungiert als halbprivater Raum und bietet sowohl einen Ort der Begegnung
als auch attraktive Ausblicke auf den Innenhof und die angrenzende Kammel. Bis auf wenige
Individualräume der sehr großen Wohnungen liegen alle Schlafräume dem Laubengang abgewandt
oder sind mit Lufträumen und ausreichend Abstand vom Laubengang abgerückt.

Gemeinschaft und Freiräume
Der große Hof im Inneren der Bebauung ist ein zentraler gemeinschaftlicher Raum, der zur Förderung
sozialer Interaktionen dient. Die Verbindung zur Kammel schafft zudem einen naturnahen
Rückzugsort mit hoher Aufenthaltsqualität. Ergänzend dazu sorgen begrünte Dachgärten für
zusätzliche Freiflächen, die nicht nur zur Gemeinschaft beitragen, sondern auch die ökologische
Qualität des Projekts steigern.

Nachhaltigkeit
Die Bebauung ist als elementierter Holzbau vorgesehen. Durch die Vorfertigung der Holzbauelemente
wird ein besonders schneller und effizienter Bauablauf ermöglicht. Dadurch werden nicht nur
Baukosten gesenkt, sondern auch die Belastung der Umgebung durch Lärm und Bauverkehr reduziert.
Gleichzeitig ermöglicht der Einsatz von Holz eine ressourcenschonende Bauweise, die zur Förderung
einer klimafreundlichen Baukultur beiträgt. In Kombination mit den begrünten Dachgärten und den
naturnahen Freiräumen entsteht so ein Wohnprojekt, das sowohl ökologische als auch soziale
Nachhaltigkeitsziele erfüllt.

Unser Beitrag setzt auf eine nachhaltige und energieeffiziente Gebäudetechnik, die sich optimal in die
Gegebenheiten der Umgebung einfügt. Ein zentrales Element ist die Kombination aus einer
Photovoltaikanlage (PV) und einer Flusswärmepumpe, die durch die Lage des Projekts an der Kammel
ideal betrieben werden kann.

Die PV-Anlage liefert Strom direkt vor Ort und reduziert die Abhängigkeit von externen
Energiequellen. Dieser Strom wird genutzt, um die Flusswärmepumpe zu betreiben, die aus dem
Wasser der Kammel Wärme gewinnt. Dieses System arbeitet äußerst effizient, da die Wärmequelle –
der Fluss – eine konstante Temperatur liefert, was besonders im Winter von Vorteil ist. Durch die
direkte Nutzung der vor Ort erzeugten Energie in Kombination mit der natürlichen Ressource Wasser
wird nicht nur der CO₂-Ausstoß deutlich reduziert, sondern auch die Betriebskosten langfristig
gesenkt.

Die Fensterlüftung der Wohnungen ermöglicht eine einfache und kostengünstige Belüftung ohne
zusätzlichen technischen Aufwand. Bewohner:innen können flexibel lüften, wodurch nicht nur die
Luftqualität verbessert, sondern auch die individuellen Vorlieben berücksichtigt werden. Im Vergleich
zu komplexen, wartungsintensiven Lüftungssystemen bleibt diese Lösung nicht nur wartungsfrei,
sondern senkt gleichzeitig die Bau- und Betriebskosten des Gebäudes.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Verfasser schlägt eine eigenständige, städtebauliche Struktur vor, die den Baumbestand teilweise berücksichtigt. Es werden 8 Baukörper vorgeschlagen, die über eine großzügige Laubengangstruktur verbunden sind. Diese Laubengänge ermöglichen kommunikative Begegnungen der Bewohner, was zu einer Identifikation mit dem Wohnquartier beitragen kann. Auf den Laubengängen sind an sinnvollen Stellen Aufweitungen als mögliche Treffpunkte für die Bewohner konzipiert. Die offene Laubengangerschließung ist hinsichtlich des Unterhalts problematisch zu bewerten (Schnee, Frost, Glatteis etc.). Im Gegenzug kommt das Konzept mit 8 Baukörpern jedoch mit 3 Aufzügen aus.

Die Stellplätze sind sinnvoll entlang der Straße angeordnet, teilweise in einem halboffenen Parkdeck, das mit einem begrünten Deckel oder Gebäude überbaut ist. Die Anlage fügt sich in die Topographie ein.

Die Wohnungen sind barrierefrei konzipiert. Individualräume liegen zum Teil an den Laubengängen, bei kleinen Wohnungen fehlen Eingangsbereiche – Flure, Vorräume. Die Wohnungen bieten insgesamt eine gute Wohnqualität. Die Abstellräume für Waschmaschinen sind unbrauchbar, weil zu schmal.

Vorgeschlagen wird eine Ausführung in Holzbauweise, das energetische Konzept sieht eine Photovoltaikanlage mit Fluss-Wärmepumpe vor. Ob dies möglich ist, wäre zu prüfen. Das Grundstück wird vergleichsweise wenig ausgenutzt, die Wirtschaftlichkeit liegt im unteren Bereich.

Der Verfasser bildet klar ablesbare Eingangssituationen entlang der umgebenden Straßenräume aus, welche den umlaufenden Stellplatzgürtel brechen und so die Außenansicht des Quartiers deutlich auflockern. Die Eingangsbereiche bilden gleichsam die Ankerpunkte für die Wegeverbindungen, welche durch den halböffentlichen Innenhof bis zum hochwertig gestalteten Uferpark an der Kammel führen. Die fließende, landschaftsparkartige Grünraumgestaltung arbeitet bewusst mit der Topographie und dem Baumbestand. Die effiziente Erschließung ist positiv hervorzuheben, die Entwässerung gelingt über die Grünflächen.

Die Laubengänge wirken als vertikale Erweiterungsflächen der Freianlagen mit unmittelbarem Gebäudebezug, ergänzt um die angebotenen Dachgärten.
Skizze

Skizze