Nichtoffener Wettbewerb | 04/2026
Zuhause im Stadtteil: Neubau Wohnhaus mit Mehrfachnutzung in Filderstadt
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©Günter Hermann Architekten
1. Preis
Preisgeld: 30.000 EUR
Architektur, Stadtplanung / Städtebau
-
Mitarbeitende:
Schuler und Winz Landschaftsarchitekten
Landschaftsarchitektur
Erläuterungstext
STÄDTEBAU UND ARCHITEKTUR
An zentraler Stelle im Stadtteil Bernhausen plant die Stadt Filderstadt den Neubau eines Wohnhauses, das einen Beitrag zur Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum leisten soll. Vorgesehen ist ein großer Anteil barrierefreier Wohnungen, die zu 100 % sozial förderfähig sind. Im Erdgeschoss ist eine öffentliche Nutzung in Form eines Multifunktionsraums für unterschiedliche Veranstaltungen geplant. Ergänzt wird die Erdgeschosszone durch Gastronomie mit Außenbewirtung.
Der Neubau eröffnet die Möglichkeit, diese zentralen Orte räumlich miteinander zu verknüpfen und der Ortsmitte von Bernhausen eine prägnante städtebauliche Adresse zu geben.
Der Entwurf baut auf dem städtebaulichen Rahmenplan auf. Die Raumkanten werden klar ausgebildet. Entlang der Nürtinger Straße und der Bernhäuser Hauptstraße fügt sich der Neubau in seiner Körnung in die bestehende Bebauung ein und prägt durch seine viergeschossige Akzentuierung den Abschluss des nördlich angrenzenden Platzraums. Entlang der Volmarstraße wird eine dreigeschossige Bebauung entwickelt, welche die dort bestehenden Gebäude ergänzt.
Der Multifunktionsraum bildet das Herz des Neubaus und liegt an der Nordseite des Gebäudes. Er befindet sich im Schnittpunkt der umliegenden Straßen- und Stadträume und ist leicht über das Niveau der Bernhäuser Hauptstraße angehoben, wodurch seine öffentliche Bedeutung unterstrichen wird. Durch seine großzügigen Öffnungen strahlt er in die Umgebung aus.
Die Gastronomie befindet sich an der Südseite des Neubaus; hier ist ausreichend Platz für einen bewirteten Außenbereich vorhanden. Beide Nutzungen werden über ein gemeinsames Foyer erschlossen, dessen Zugang sich an der Volmarstraße befindet. Die Nebenräume liegen an der Ostseite des Gebäudes, die Andienung erfolgt über den Innenhof. Der Eingang zu den Wohnungen sowie die Zufahrt zur Tiefgarage befinden sich an der Nürtinger Straße.
Die Wohnungen befinden sich in den Obergeschossen. Der gewünschte Wohnungsmix wird umgesetzt. Vorgesehen sind angemessene Wohnungsgrößen von ca. 60, 75 und 90 m² für jeweils zwei bis fünf Personen. Die Wohnungsgrößen und Grundrisskonfigurationen ermöglichen sowohl die Umsetzung sozial geförderter Wohnungen als auch – im Sinne der Nachhaltigkeit – eine mögliche freie Vermarktung zu einem späteren Zeitpunkt. In allen Wohnungen sind die Bewegungsflächen entsprechend der DIN 18040-2 bemessen.
FREIANLAGEN
Ziel bei der Neuplanung der Freianlagen ist eine bessere Vernetzung der bisher isolierten Stadträume; die Überwindung von Barrieren und Trennungen und eine gute Einbindung des neuen Wohnhauses in die Umgebung. Dabei wird die bestehende Situation analysiert, positive Gestaltungselemente bei-behalten und weiterentwickelt, Hindernisse entfernt und durch neue Elemente ersetzt.
Beurteilung durch das Preisgericht
Zwei gut gesetzte Baukörper werden aus der umliegenden Körnung abgeleitet. Der nördliche Baukörper setzt sich als kraftvoller Akzent in die Achse der Fußgängerzone und nimmt die Richtung der Nürtinger Straße auf. Durch den Versatz der beiden Baukörper wird selbstverständlich in die Volmarstraße geleitet.
Die Organisation der Zufahrt zur Tiefgarage von der Nürtinger Straße aus ist grundsätzlich gut gedacht. Allerdings liegt diese nicht innerhalb des Gebäudevolumens und führt in Kombination mit den Fahrradstellplätzen zu Konfliktsituationen. Die Lage der Rampe sollte daher kritisch überprüft werden. Auch die Freiraumplanung zum Grundstück wirft hinsichtlich Topografie und Freiflächenqualität noch Fragen auf.
Durch die Geste des Versatzes wird der Hauptzugang betont, der hier gut verankert ist und zu Mehr-zweckraum und Gastronomie führt. Diese öffentlichen Nutzungen flankieren die Ostseite des neuen Hauses. Durch die Lage des Eingangs wird der Stadtraum im Norden jedoch nicht aktiviert; der Mehr-zweckraum ist lediglich über ein Schaufenster erlebbar. Positiv hervorzuheben ist die hier positionierte Adressbildung für das Wohnen.
Die Besucher werden durch ein gut proportioniertes Foyer empfangen, und der Mehrzweckraum über-zeugt durch seine Dimension, die unterschiedliche Nutzungen zulässt. Die Nebenräume sind kompakt im Scharnier angeordnet, sodass beide Nutzungen davon profitieren.
Der angebotene, gut ausgewogene Wohnungsmix in den oberen Geschossen überzeugt mit qualitätvollen und klar organisierten Wohneinheiten sowie einer gut belichteten linearen Erschließung mit Tages-licht. Das Angebot an gemeinschaftlichen Außenräumen steigert die Wohnqualität und bietet Möglichkeiten zur Begegnung.
Die roten Fassaden nehmen Bezug auf das alte Rathaus in Bernhausen und überzeugen durch eine ruhige, präzise Gliederung sowie einen handwerklich gut durcharbeiteten Detaillierungsgrad.
Die wirtschaftlichen Kenndaten liegen aufgrund der ungünstigen Flächeneffizienz im unteren Bereich. Leider liegt die Arbeit in Bezug auf die angebotene Wohnfläche unter dem Durchschnitt aller eingereichten Arbeiten.
Der neue hybride Stadtbaustein in Bernhausen trifft mit seiner Körnung und der baukörperlichen Hinwendung zum Kontext den Ton der Umgebung – trotz der Entscheidung für ein flaches Dach – und setzt einen identitätsstiftenden Akzent. Dieser sensible Umgang mit dem Ort wird auf allen Maßstabsebenen konsequent weitergeführt.
©Günter Hermann Architekten
©Günter Hermann Architekten
©Günter Hermann Architekten
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