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Nichtoffener Wettbewerb | 05/2026

Zukunft Stadthaus-Areal in Bonn

Haupteingang Elisabeth-Selbert-Platz
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Haupteingang Elisabeth-Selbert-Platz

ein 2. Preis

Preisgeld: 150.000 EUR

O&O Baukunst

Architektur, Stadtplanung / Städtebau

capattistaubach urbane landschaften

Landschaftsarchitektur

RSP Remmel+Sattler Ingenieurgesellschaft mbH

Tragwerksplanung

Transsolar Energietechnik GmbH

Energieplanung, Nachhaltigkeitskonzept

Ingenieure für Brandschutz Peter Stanek

Brandschutzplanung

Erläuterungstext

Im Wettbewerb zur Zukunft des Stadthaus-Areals in Bonn steht die Frage im Mittelpunkt, wie ein zentraler Verwaltungsstandort von morgen aussehen kann: der verantwortungsvolle Umgang mit dem Bestand aus den 1970er-Jahren, neue Arbeitswelten für die Stadtverwaltung, ergänzende Nutzungen für das Quartier sowie die stadträumliche Verknüpfung von Innen- und Nordstadt.

Der Entwurf erneuert das Stadthaus aus dem Bestand heraus. Der Sockel wird auf eine klare Grundform reduziert und erhält ein neues, allseitig zugängliches Stadtgeschoss mit Bürgerservice unter einer begrünten Platte. Die Türme bleiben erhalten und werden energetisch sowie gestalterisch neu gefasst, ergänzt um Wohnen, Skyrestaurant und Dachterrasse. Eingebettet in ein neues Stadtwäldchen entsteht ein offenes Haus der demokratischen Stadtgesellschaft.


Wettbewerbsteam: Florian Matzker, Fabian Maurer, Morana Mažuran, Franziska Alt, Roman Piontkowski, Pascal Dworak, Mathilda Wee Si Ying, Nico Linnartz, Simon Steffen-Dräger, Noah Höfer

Beurteilung durch das Preisgericht

Durch den Rückbau der ausgreifenden Sockelbebauung im Osten, Norden und Westen, einschließlich der Untergeschosse wird das Ensemble auf eine klare, zusammenfassende, rechteckig überbaute Fläche reduziert mit konsequenter Abgrenzung zum umgebenden Außenbereich. Diese radikale raumgreifende städtebauliche Figur erzeugt neue grünbestimmte Freiräume an den Rändern des Stadthaus-Quartiers. Insbesondere der großzügige Freiraum im Norden hat das Potential zu einem neuen Pocketpark für das Quartier zu werden. Der Zusammenhang zwischen den vier einzelnen Freiräumen und Plätzen muss jedoch noch gestärkt werden.

Die Grünbereiche sind weitgehend nicht unterbaut, sodass die Grünanlagen nachhaltig auf natürlichem Grund angelegt werden können. Ein weiterer Vorteil dieser Konfiguration ist, dass für den Stadtbereich wirksame Flächen zur Klimaanpassung entstehen. Diese sind auch bezüglich das Regenwassermanagements vorteilhaft. Vielversprechend ist insbesondere der im nördlichen Bereich zur Altstadt hin entstehende große unversiegelte Bereich mit dem sog. „Stadtwäldchen“ und einem kleinem Theaterbereich in Verbindung mit dem Außenbereich des Forums. Im Gegensatz zum „Abstandsgrün“ entlang der Maxstraße entsteht hier eine gute Symbiose zwischen dem Außenbereich Stadthaus und dem angrenzenden Stadtteil. Dass die Größe des vorgeschlagenen Spielplatzbereichs innerhalb der großzügigen Grünflächen nur Mindestanforderungen erfüllt, sollte überprüft werden.

Das Ensemble der Türme bleibt innerhalb der verbleibenden rechteckigen Grundfläche erhalten und wird aufgestockt. Dies erfolgt städtebaulich verträglich. Allerdings werden zentrale Festsetzungen des geltenden Bebauungsplanes verletzt und dessen Grundzüge der Planung in erheblicher Weise tangiert. Während die Aufstockungen der in den Obergeschossen für das Wohnen umgenutzten Türme D und E voraussichtlich gem. §31 BauGB befreit werden können, erscheint dies für die Geschossaufstockung in Turm B durch die Sky-Gastronomie fraglich. Die Notwendigkeit einer Anpassung des Bebauungsplans kann nicht ausgeschlossen werden.

Der neue Haupteingang der Verwaltung liegt am Elisabeth -Selbert-Platz auf der Stadtebene. Die gesamte heutigen Garage in der U-1 Ebene wird als luftiges Foyer umgestaltet. Das Entrée bildet ein zweigeschossiger großflächig verglaster Pavillon. Die durch einen Lichthof belichtete Foyerhalle verfügt über einen neu über prominente Zugänge axial an der Franzstraße und auch zum Berliner Platz hin, wo im heutigen Carglass-Bereich ein neues Fahrradparkhaus angeordnet wird. Überzeugend gelöst ist die Integration des Stadthausforums in diesen Bereich. Durch die Nachbarschaft zur Gastronomie ergeben sich zudem vielfältige Synergien in der Nutzung. Kritisch diskutiert wird die funktionale Verknüpfung dieser deutlich überdimensionierten Foyerhalle mit den darüberliegenden Servicegeschossen. Der Empfang auf Stadtebene liegt somit von diesen Bereichen isoliert und abgekoppelt. Für den Tageszugang von der Loggia-Brücke fehlt ein Empfang.

Das Raumkonzept der um den Lichthof gruppierten Foyerbereiche bedingt, dass die halböffentlichen Flächen der Serviceangebote daran angrenzend angeordnet werden. Die Zielsetzung an eine einfache Orientierung und Auffindbarkeit einerseits und niedrigschwelligen Service andererseits wird durch die resultierende Aufteilung der Flächen in verschiedene Gebäudeteile nicht umgesetzt. Gut gelöst ist dagegen die Integration des bestehenden Ratssaals und des zugehörigen Sitzungszentrums. Mehrere Raumgruppen sind deutlich größer als gefordert. Während dies im Bereich der zentralen Dienste sicherlich der Funktionalität zugutekommt, wirft die Übergröße der Hausgastronomie wirtschaftliche Fragen der Tragfähigkeit auf.

Besonders kritisch diskutiert wird zudem die aus dem Konzept resultierende Funktionsunterlagerung des Wohnens in den Türmen D und E und der Kita in Turm E durch Verwaltungsnutzungen, die den gleichen Erschließungskern Nutzen. Diese Konfiguration gefährdet die Förderfähigkeit des Wohnens und wird auch unter Sicherheitsaspekten als problematisch bewertet. Auch die konzeptbedingte Zweiteilung und Geometrie des Kita-Außengeländes auf dem Dach der Sockelbebauung wird unter funktionalen und betrieblichen Aspekten kritisch bewertet.

Architektonisch kann die Transformation des Hochhauskomplexes noch nicht überzeugen. Die Fassade ist klar horizontal gegliedert, die Geschosse mit horizontalen Fensterbändern und schräg angestellten neuen „Gesimsen“ neu stark betont. Allerdings erscheint die Anmutung in den 60er Jahren stecken geblieben und kein architektonischer Gewinn.

Zum Parken steht aus dem Bestand weiter die in Randbereichen rückbaute Ebene -U 2 zur Verfügung. Zusätzlich wird unter dem neuen Platz am Haupteingang ein mehrgeschossiges automatisiertes Parken mit einer Paternosterlösung vorgesehen. Einschließlich dieses neuen Parkangebots kann voraussichtlich nur die gemäß Stellplatzsatzung zu realisierende Mindestanzahl der Stellplätze realisiert werden, dagegen keine zusätzliche Quartiersgarage. Die einstreifige Zufahrt ist für das zu erwartenden Verkehrsaufkommen noch nicht ausreichend. Die vorgeschlagene Lösung für das automatisierte Parken sollte zudem bezüglich Herstellungs- und vor allem. Unterhaltungskosten kritisch hinterfragt werden.

Der dargestellte Wirtschaftshof ist in seiner Enge und seiner Zufahrt nicht zweckmäßig.

Die Lage und Anordnung des Fahrradparkhauses am Berliner Platz, ist im Hinblick auf die Umsetzung eines Mobilitätshubs besonders vorteilhaft. Das neue Fahrradparkhau ist genauso wie Dachflächen der Erschließungsebene des Gebäudes begrünt.

In gebäudetechnischer Hinsicht erscheinen die dargestellten Lösungsansätze teilweise noch widersprüchlich. Insbesondere die Konzentration von Technikflächen im untersten Untergeschoss wird kritisch diskutiert. Die Fassade aus der bestehenden Fassade zu entwickeln, mit der möglichen Nutzung von Photovoltaik an den Brüstungselementen, ist ein sehr gutes Konzept. Das dargestellte Fassaden- und Lüftungskonzept zur Technikminimierung, mit Zuluft durch das Fassadenelement und technischer Abluft im Inneren des Gebäudes erscheint allerdings in der vorgestellten Form zur Durchlüftung eines gesamten Geschosses nicht plausibel

Die Tragwerkskonzepte sind dagegen nachvollziehbar erläutert und erscheinen plausibel und umsetzbar, die geplanten Aufstockungen im Hochhausbereich in Holzhybridbauweise jedoch nur mit erheblichem brandschutztechnischem Kompensationsaufwand.

Auch die weiteren Fragestellungen des Brandschutzes erfordern eine Überarbeitung. Die Brandabschnittsbildung im Sockelbereich ist unvollständig. Eine Anpassung erscheint hier zudem nur mit erheblichen Eingriffen in den Entwurf möglich. Sicherheitstreppenräume und Feuerwehraufzug sind grundsätzlich berücksichtigt. Vorteilhaft ist zudem der Verzicht auf Aufenthaltsbereich oberhalb 60 m über Straßenniveau und die Anordnung der Gastronomie in Turm B, weil dadurch die Anforderungen an eine sichere Entfluchtung einfacher eingehalten werden können.
Durch umfangreichen Erhalt von Bestandssubstanz und die Minimierung des Rückbauanteils lässt das Projekt nicht nur eine günstige Klimabilanz erwarten. Es liegt damit auch mit den relevanten baulichen Kennwerten für die Erstbewertung der Wirtschaftlichkeit der Erstellung im günstigen Bereich. Die umfangreichen Verkehrsflächen im Sockelbereich wirken sich dagegen ungünstig auf die Flächeneffizienz des Gebäudes, und damit auf die Betriebskosten aus. Zudem sind im Hinblick auf eine Umsetzung noch erhebliche Kostenrisiken zu berücksichtigen, insbesondere durch Anforderungen an den Brandschutz und in Zusammenhang mit der Umsetzung von verkehrlichen Grundanforderungen.

Mit der Konzeption des neuen Stadthauses als inselartiger Gebäudekomplex bietet die Arbeit vor allem in städtebaulicher, freiräumlicher und im Hinblick auf die Klimabilanz eine Lösung mit vielen Qualitäten. Diese gehen jedoch mit Abstrichen in der inneren Organisation und Funktionalität sowie dem Verzicht auf eine Quartiersgarage einher.
Foyer Eingangsebene

Foyer Eingangsebene

Ansicht Ost, Elisabeth-Selbert-Platz

Ansicht Ost, Elisabeth-Selbert-Platz

Ansicht Nord

Ansicht Nord

Lageplan

Lageplan

Entwurfskonzept

Entwurfskonzept