Willkommen im neuen Entwurfs- und Planungsjahr! Am 31. Januar wird Großbritannien formell aus der EU austreten – endlich, möchte man fast sagen. Anschließend wollen sich die britische Regierung und die Europäische Union in einer elfmonatigen Übergangsphase auf ein Handelsabkommen verständigen.

Am 3. November findet in den USA die Präsidentschaftswahl statt. Donald Trumps Chancen, wiedergewählt zu werden, stehen nicht schlecht. Der Ausgang der Wahl wird davon abhängen, wie sehr sein Gegenpart auf Seiten der Demokraten die demokratische Wählerschaft sowie die Unentschlossenen und Nichtwähler mobilisieren kann. Los geht es bereits ab dem 3. Februar in Iowa mit den Vorwahlen des oder der demokratischen Kandidat*in. In den kommenden Monaten wird sich zudem entscheiden, ob die USA in einen offenen militärischen Schlagabtausch mit dem Iran geraten, der sich zu einem neuen Golfkrieg entwickeln könnte.

2020 wird das Jahr des Brexit – endlich möchte man fast sagen.

Was das mit Architektur- und Ingenieurbüros zu tun hat? Diese drei Ereignisse werden – neben weiteren unabsehbaren – die Entwicklung unserer Konjunktur beeinflussen. Davon wiederum hängt ab, wie sich die Zentralbanken in ihrer Zinspolitik verhalten, wie sich der Immobilienmarkt entwickelt, wie viele Steuereinnahmen in die öffentlichen Kassen fließen und wie groß die Investitionsfreudigkeit der Unternehmen ausfällt – Faktoren, die zeitversetzt auch Auswirkungen auf die Planer- und Baubranche haben.

Auftragslage bleibt gut

Um ihre Auftragslage müssen sich Architekten und Ingenieure 2020 keine Sorgen machen. Die Auftragswelle rollt, die Ausschreibungszahlen steigen, die Zahl der Wettbewerbe pro Architekturbüro wächst, und die Bilanzen vieler Architekturbüros entwickeln sich prächtig. Entsprechend positiv ist ihre Stimmung (siehe Kasten).

Aktiv kümmern sollten sich Architekten und Ingenieure daher um die Leistungsfähigkeit ihrer Büros. Denn auch 2020 wird die Zahl der Ausschreibungen wachsen, prognostiziert competitionline-Datenanalyst Sebastian Weber. Was allerdings fehlt, sind Fachkräfte, ob in den Amtsstuben, in vielen Büros oder auf den Baustellen. „Gäbe es hier keine Engpässe, hätten deutsche Architekten und Ingenieure noch deutlich mehr Arbeit“, behauptet Weber.

Architekten blicken optimistisch auf das kommende Jahr

Zwar beginnt das neue Jahr für die Architekten mit einem leichten Stimmungsdämpfer: Laut dem Münchner Ifo-Institut haben die Planungsbüros im Dezember ihr Geschäft so zurückhaltend beurteilt wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Jedoch unterstreicht der Indikator mit 64 Punkten die nach wie vor gute Lage. Ab Werten von über 50 Punkten spricht man von einer durchgehend positiven Stimmung unter den Befragten.

 

Die Ifo-Wirtschaftsforscher fragen zum Ende eines jeden Jahres auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate ab. Bei den Architekten liegt der Wert für 2020 mit 8,1 Punkten leicht unter dem des Vorjahres (9,8 Punkte). Aber: Wenige Jahre zuvor befand sich der Indikator eine ganze Zeit lang im negativen Bereich. Sprich, die Zahl der Büros, die keine großen Investitionen im nächsten Jahr planten, überwog gegenüber denen, die mit hohen Ausgaben liebäugelten.

Fachkräftemangel wird noch größer

Ökonomen sehen den Fachkräftemangel als eines der Hauptprobleme der konjunkturellen Entwicklung. Mit diesem Jahr beginnen nun auch noch die Baby-Boomer, also die geburtenstarken Jahrgänge infolge des Wirtschaftswunders, in Rente zu gehen. Ohne massive Zuwanderung wird sich der Fachkräftemangel potenzieren.

Der demografische Knick bedeutet auch, dass auf eine Arbeitskraft in Zukunft zwei Rentner kommen werden. Eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre wird das Rentensystem nicht retten können. Möchten wir unseren Wohlstand und Lebensstil beibehalten – und davon muss man ausgehen –, ist eine deutliche Steigerung der Produktivität unabdingbar. Und das bedeutet: mehr Automatisierung, Robotik und den Einsatz von künstlicher Intelligenz sowie digitaler Technologien.

Hier hat die Planungs- und Baubranche erheblichen Nachholbedarf. Auf dem Digitalisierungsindex des Beratungsunternehmens McKinsey belegte die Bauindustrie 2017 den vorletzten Platz. „In den vergangenen 25 Jahren gab es keinerlei sichtbare Verbesserung der Wertschöpfung“, bestätigt gegenüber competitionline auch Felix Embacher von Bulwiengesa, einem der großen unabhängigen Analyseunternehmen der Immobilienbranche in Europa. „Die Relation von Beschäftigten und Fertigstellungen ist exakt gleich geblieben.“

Recruiting, Effizienzsteigerung, Digitalisierung

Recruiting, Effizienzsteigerung, Digitalisierung lauten folglich einige der wichtigsten Herausforderungen, vor denen Entwurfs- und Planungsbüros in den kommenden Jahren (weiterhin) stehen. Sie werden 2020 im Mittelpunkt unserer Berichterstattung liegen.

Baubesprechung im Immersive Engineering Lab (Cave) am Fraunhofer Institut

Dazu werden wir Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, neben Umfragen und Marktanalysen, die für Ihre strategischen Planungen hilfreich sind, konkrete Tipps liefern: etwa wie man sich erfolgreich um neue Mitarbeiter bewirbt und auf welchen Kanälen man diese erreicht, wie man seine Leistung noch effizienter einsetzen kann, um die Auftragslast zu meistern, oder wie man vorhandene Potenziale im Team aufspürt und fördert.

Die Digitalisierung der Arbeitswelt bleibt auch 2020 ein Dauerbrenner. Aktuell am vordringlichsten ist dabei das Thema BIM. Wer sein gesamtes Büro nicht durchgängig auf die Arbeit mittels BIM einstellt, wird schon bald den Anforderungen des Marktes hinterherrennen. Es reicht nicht aus, nur in eine*n Mitarbeiter*in zu investieren – der oder die könnte morgen schon wieder weg sein. Und jetzt, solange die Auftragslage gut und die Kassen gefüllt sind, ist der richtige Zeitpunkt, in die Umstellung und das Know-how zu investieren. Unsere Hintergrundberichte und Best-Practice-Porträts wollen Sie 2020 zu diesem Schritt ermutigen und auf dem Weg begleiten.

Arbeiten mit BIM bei ATP Architekten Ingenieure

Strategische Unternehmensführung

Auch die Liberalisierung der Honorargestaltung für Planungsleistungen wird vielen Büros einen Entwicklungsschub in Sachen betriebswirtschaftlicher und unternehmerischer Kompetenz abverlangen. Wir werden sie 2020 dabei mit einer mehrteiligen Serie zum Thema Betriebswirtschaft im Planungsbüro unterstützen. Die Themenpalette reicht von der Projektkalkulation über Büromanagement bis hin zur strategischen Unternehmensführung.

Ab sofort erhalten Sie von uns jedes Quartal einen Überblick über die konjunkturelle Entwicklung sowie die Prognosen für die Planer- und Baubranche, damit Sie Ihre strategischen Entscheidungen frühzeitig treffen können.

Im 1. Quartal erscheint zudem wie jedes Jahr der competitionline-Monitor, Deutschlands umfangreichste Statistik über Ausschreibungen und Planungswettbewerbe. Nach der Lektüre wissen Sie, in welchen Marktsegmenten die meisten Aufträge zu holen sind und wo Sie Ihr Portfolio anpassen sollten.

Im Frühjahr veröffentlichen wir die wichtigste Rangliste der Wettbewerbsbranche. Das jährliche competitionline-Ranking der erfolgreichsten Wettbewerbsbüros in Deutschland verrät, welche Büros in den vergangenen anderthalb Jahren die Preisgerichte besonders häufig überzeugen konnten. Porträts und Interviews zeigen die Macher*innen und Erfolgsrezepte dahinter.

Old friends on the block: Club L94 sind seit 24 Jahren befreundet, seit 17 Jahren Partner – und das erfolgreichste Landschaftsarchitekturbüro in der competitionline Ranking-Historie.

Vorsprung durch Nachhaltigkeit

Ein Megatrend, an dem kein Büro mehr vorbeikommen wird, ist das Thema klimaneutrale und nachhaltige Architektur. Firmenzentralen aus Lehm-Holzkonstruktionen, Holzmodulschulen und dergleichen werden keine Solitäre sein, sondern sich in der Breite durchsetzen. Umweltverträgliches Planen und Bauen entwickelt sich von der Spezialisierungsnische zur Querschnittskompetenz, ohne die es Büros in Zukunft am Markt schwerer haben werden. Porträts, Interviews und Best-Practice-Beispiele zeigen, wie sich Architekten und Ingenieure auf diesem Zukunftsmarkt profilieren können.

Darüber hinaus führen wir die 2019 begonnene Serie „Was Architekten tun können“ weiter. Darin bereichern profilierte Gastautoren mit pointierten Statements die Diskussion um einen ökologischen Wandel der Branche.

Damit Sie nichts verpassen, erhalten Sie ab sofort übrigens an jedem Monatsende eine Zusammenstellung aller Artikel des vorangegangenen Monats: relevante Inspiration, um Perspektiven zu schaffen und wichtige Weichenstellungen zu identifizieren. Der Zug rollt. Springen Sie auf. Vorankommen ist alles.

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Was 2020 sonst noch so passiert

2020 ist ein Schaltjahr mit 366 Tagen. Das bedeutet: Wir bekommen einen Tag, den 29. Februar, geschenkt. Die Berliner genehmigen sich mit dem 8. Mai gar einen außerplanmäßigen Feiertag, um den 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs zu begehen.

Am 21. Mai beginnt das Pre-opening der 17. Architekturbiennale in Venedig (Motto: „How will we live together?“) mit dem deutschen Beitrag „Rückblick aus der Zukunft“ von Team 2038 rund um Arno Brandlhuber. Vom 19. bis 26. Juli findet der Weltkongress der Internationalen Vereinigung der Architekten in Rio de Janeiro statt. Und am 20. Oktober eröffnet die Weltausstellung in Dubai mit dem deutschen Pavillon „Campus Germany“ von Lava.

2020 feiert Deutschland den 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven und Österreich den 150. Geburtstag von Adolf Loos, dem wichtigsten Vertreter der Wiener Moderne (und vermutlichen Kinderschänder und Besitzer von Kinderpornografie). Am 10. Juni startet die 16. Fußball-Europameisterschaft in elf europäischen Städten sowie in Baku (Aserbaidschan), und in Tokio finden vom 24. Juli bis zum 9. August die Olympischen Sommerspiele statt.

Ab März können die Bürger des Kleinstaates Luxemburg kostenlos Bahn, Bus und Tram benutzen. Das Humboldt Forum im rekonstruierten Berliner Stadtschloss soll im September sieben Jahre nach Baubeginn und zwölf Jahre nach Bekanntgabe des Wettbewerbsergebnisses eröffnet werden. Am 18. September endet die Amtszeit von Bundesarchitektenkammerpräsidentin Ettinger-Brinckmann, und ein neues Präsidium wird gewählt. Und für den 31. Oktober ist die Eröffnung des BER geplant – kein Scherz!