Die Sonne spiegelt sich in den smaragdenen Seen aus Götterspeise, ein grüner Weingummifrosch hüpft quakend durchs Gras, Kinder klettern ausgelassen im Stadtgebirge aus Amarettini – und in der Ferne grasen, was sonst, Kamele. So könnte sie sein, die Stadt der Zukunft: autofrei, exotisch und auf lässige Art entschleunigt. Weitläufige Grünzüge durchziehen dieses blühende Utopia bis ins Zentrum und bieten Naherholung für alle, Straßen braucht es selbstverständlich nicht mehr, denn der Verkehr findet längst in der Luft statt.

Die Stadt der Zukunft leuchtet auch in der Nacht verheißungsvoll grün.

Die Stadt der Zukunft leuchtet auch in der Nacht verheißungsvoll grün.

Die Probleme, die die Großstädte unserer Zeit quälen: von Feinstaubalarm und Parkplatzkrieg bis Gentrifizierung und Wohnungsnot sind in dem mit dem 1. Preis ausgezeichneten Wettbewerbsbeitrag, „the future is green“ einfach passé. Das klingt verheißungsvoll, begeisterte das Preisgericht aber auch, weil der Beitrag mit großer Professionalität wichtige Themen der städtebaulichen Agenda wie das nachhaltige oder das modulare Bauen bearbeitet: So entstehen die künstlichen Felsmodule als Transformationsprodukt aus dem Abfall der Stadt, Wohn- und Geschäftseinheiten werden auf überdimensionale  Scheiben gebaut und sind bei Bedarf auch leicht an andere Orte transportierbar.
 
Unter dem Motto „BACKE, BACKE ZUKUNFT?“ hatte competitionline im November zu einem offenen Ideenwettbewerb aufgerufen. Gesucht wurden gebackene und aus essbaren Materialien aller Art montierte futuristische Ideen. Insgesamt 18 Antworten auf die Frage: „Wie wirst du im Jahr 2050 wohnen, arbeiten, reisen, mobil sein, kommunizieren?“ gingen beim Auslober ein.
Erstaunt waren die Jurymitglieder über den überwiegend positiven Blick der Teilnehmer auf die Zukunft. „Ich hätte deutlich mehr Dystopien erwartet“, kommentierte Jurymitglied Udo Gleim, Professor für Baugeschichte an der Hochschule Darmstadt, schließlich könne man die Situation der Menschheit auf diesem Planeten zurzeit schon als kritisch beurteilen.

Gut gelaunt gelandet auf der Dachterasse des neuen competitionline- Büros: das Preisgericht des aktuellen eat city-Lebkuchenwettbewerbs. Von links nach rechts: competitionline-Herausgeber und Wettbewerbsauslober Dirk Bonnkirch und die Jury-Mitglieder Udo Gleim, Silvia Schellenberg-Thaut, Nicolai Blank, Jan Musikowski und Deniz Dezici.

Gut gelaunt gelandet auf der Dachterasse des neuen competitionline- Büros: das Preisgericht des aktuellen eat city-Lebkuchenwettbewerbs. Von links nach rechts: competitionline-Herausgeber und Wettbewerbsauslober Dirk Bonnkirch und die Jury-Mitglieder Udo Gleim, Silvia Schellenberg-Thaut, Nicolai Blank, Jan Musikowski und Deniz Dezici.

Intensive Diskussionen kurz vor der finalen Entscheidung über die Preisträger.

Intensive Diskussionen kurz vor der finalen Entscheidung über die Preisträger.

Die Jury, zu der neben Professor Gleim auch der Berliner Landschaftsarchitekt Deniz Dizici von TH Treibhaus,  Futurium- Architekt Jan Musikowski von RICHTER MUSIKOWSKI Architekten, Silvia Schellenberg-Thaut vom Leipziger Atelier ST und Nicolai Blank, Chefredakteur competitionline NEWS, gehörten, vergab nach einem langen vergnüglichen Nachmittag, intensiven Diskussionen und mit Hilfe von viel Schokolade  und Weingummi-Colafläschen auf dem Konferenztisch insgesamt zwei 1. (jeweils 1.750 Euro) und einen 3. Preis (1.000 Euro) für die bestgebackenen Zukunftsvisionen.

Zwei Arbeiten wurden Anerkennungen von jeweils 250 Euro zugesprochen. Zusätzlich bekommen alle Gewinner einen Soundwaver WHD, und natürlich werden alle teilnehmenden Kinder ebenfalls mit für weitere Wettbewerbsteilnahmen motivierenden Geschenken für Ihren Einsatz belohnt. Geld und Sachpreise des diesjährigen eatcity-Wettbewerbs unterstützten freundlicherweise die Firmen PROJEKT PRO, Grohe  und BASWA acoustic.

Ein echtes Teamworkspektakel und sehr ambitioniert in Richtung digitale Zukunft unterwegs: die bunte Schokowürfelstadt "sweet city" erhielt eine Anerkennung des Preisgerichts.

Ein echtes Teamworkspektakel und sehr ambitioniert in Richtung digitale Zukunft unterwegs: die bunte Schokowürfelstadt "sweet city" erhielt eine Anerkennung des Preisgerichts.

Frankfurt am Main – zukünftig ein Kräuterdschungel? Eine geradezu zwingende Idee, fand die Jury. Eine Anerkennung für die „friedliche Revolution der 7 Kräuter“ von Sabrina Gödde und Daniel Pfeifer.

Frankfurt am Main – zukünftig ein Kräuterdschungel? Eine geradezu zwingende Idee, fand die Jury. Eine Anerkennung für die „friedliche Revolution der 7 Kräuter“ von Sabrina Gödde und Daniel Pfeifer.

Zu den Anerkennungen gehörte auch einer der Jurylieblinge, der „Frankfurter Grüne Soße Tower“ von Sabrina Gödde und Daniel Pfeifer, ein Hochhaus mit unverkennbar mächtiger Aura, wenn auch das Baumaterial nicht final identifiziert werden konnte. Eventuell Butter? Den Tower umwuchert in der Vision von der „friedlichen Revolution der 7 Kräuter“ ein Dschungel von Riesen-Borretsch, Kerbel und Pimpinelle und all den anderen Zutaten der klassischen „Frankfurter Grünen Soße“, ein virtuoses Spritzbeutel-Gesamtkunstwerk und  leidenschaftliches Plädoyer für die Rückbesinnung der Stadtplanung auf regionale Wurzeln und Traditionen.
 
In der „tectonic city“ von Beatrice Puschkarski aus Leipzig, dem zweiten 1. Preis des Wettbewerbs, ist das Leben auf der Erde zwar um einiges unwirtlicher geworden, allerdings nicht durch menschliches Versagen, sondern Kometeneinsturz und Eiszeit. Gebackene Grundlage dieser klirrend kalten Zukunftsvision ist der sogenannte Thüringer Aufläufer, auch Huggel- oder Prophetenkuchen genannt, und nach Aussage der Leipzigerin in der Jury, Silvia Schellenberg-Thaut, eine wunderbar zuckrige Köstlichkeit, „besonders wegen der kleinen Butterseen in den Teigfalten“.

Faltenlandschaft mit städtebaulichem Potential: die "tectonic city" von Beatrice Puschkarsky aus Leipzig gewann ebenfalls den 1. Preis.

Faltenlandschaft mit städtebaulichem Potential: die "tectonic city" von Beatrice Puschkarsky aus Leipzig gewann ebenfalls den 1. Preis.

In das Traditionsrezept gehört eine gehörige Portion Schnaps, die dafür sorgt, dass der Teig seine spezielle Blasen- und Hügelform schlägt. Die ist es, die der Entwurf „tectonic city“ durch genaues Hinsehen und coole Schnitte in eine faszinierende, zwar kalte aber mit Lebensfreude bewohnbare Symbiose aus Stadt und Landschaft transformiert.

Die offenbar ebenfalls ziemlich coolen Bewohner dieser Welt nutzen die Teighöhlen als Shopping Malls, Wohnsiedlungen und Freizeitzentren, tanzen gegen die ewige Dunkelheit im Techno-Club an und sausen mit ihren Skiern und Schlitten über die puderzuckerbestäubten Abhänge, um sich die vielen Kalorien ihrer butter- und zuckerhaltigen Nahrung wieder abzutrainieren. Es könnte schlimmer sein.
 
Zum Beispiel in der „Bremer Überseestadt“, dem drittplatzierten Entwurf von Henrik Plumeyer, einem von gleich mehreren Wettbewerbsbeiträgen, in denen das Ansteigen der Meeresspiegel thematisiert wird - und die Menschheit notgedrungen auf dem Wasser zu leben lernt. In dem aufwändig gebackenen Beitrag aus Norddeutschland müssen die Menschen auf Plattformen leben, die meisten von ihnen auf einem eng bebauten bedrohlich nah am Wasserspiegel liegenden Wohnteller ohne jeden Zugang zur Natur.

Die beklemmende Zukunftsvision "Bremer Überseestadt" von Sophie Aulich, Mara Wolters, Heinrik Plumeyer und Mirjana Ruffert erhielt den 3. Preis.

Die beklemmende Zukunftsvision "Bremer Überseestadt" von Sophie Aulich, Mara Wolters, Heinrik Plumeyer und Mirjana Ruffert erhielt den 3. Preis.

Nur eine kleine Oberschicht hat noch die Mittel und Möglichkeiten, sich per Drohne zur grünen Parkplattform aus granatapfelkernverzierten Brokkoli-Bäumen fliegen zu lassen und dort ein winziges Stückchen vom allerletzten echten Apfel zu naschen. Ein beklemmendes Szenario. Aber zum Glück ja nur eine Backvision – wenn auch zugleich ein ernster Appell, mit dem Planen und Gestalten einer lebenswerten und nachhaltigen Zukunft für alle endlich Ernst zu machen.