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  • DE-06366 Köthen
  • Realisiertes Projekt

Johann-Sebastian-Bach Saal im Schloss Köthen


Projektbeschreibung:
Beurteilung durch das Preisgericht - Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2010

Köthen ist ein Ort vielfältiger Geschichte(n) – anhaltische Residenz, Wirkungsort Johann Sebastian Bachs und Samuel Hahnemanns, des Erfinders der Homöopathie, erster Bahnknotenpunkt Deutschlands, Standort einer der herausragendsten historischen Sammlungen zur Vogelkunde.

Die historische Vielfalt spiegelt sich in zahlreichen bedeutenden Bauten wider. Am wichtigsten ist das Ensemble aus Schloss, Schlosspark... +
Beurteilung durch das Preisgericht - Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2010

Köthen ist ein Ort vielfältiger Geschichte(n) – anhaltische Residenz, Wirkungsort Johann Sebastian Bachs und Samuel Hahnemanns, des Erfinders der Homöopathie, erster Bahnknotenpunkt Deutschlands, Standort einer der herausragendsten historischen Sammlungen zur Vogelkunde.

Die historische Vielfalt spiegelt sich in zahlreichen bedeutenden Bauten wider. Am wichtigsten ist das Ensemble aus Schloss, Schlosspark sowie der klassizistischen Schlosskirche. Den Schlosshof begrenzen Marstall, Remise und die 1821 vom begabten Köthener Hofarchitekten Christian Gottfried Bandhauer entworfene klassizistische Reithalle. Sie war 1940 ausgebrannt.

Aus seinem Dornröschenschlaf wurde dieses Ensemble durch den Neubau einer Konzerthalle in den Grundmauern der ehemaligen Reithalle geweckt, die
der Stadt unter anderem als angemessener Aufführungsort für die renommierten Bach-Festtage dienen soll.

Die beim Weiterbauen am Bestand anzustrebende Balance zwischen architektonischer Eigenständigkeit des Neuen und Rücksichtnahme auf das Alte tendiert hier zur mutigen Dominanz des Zeitgenössischen: Die neue Konzerthalle von Busmann + Haberer bildet den Mittelpunkt innerhalb des ehemaligen Wirtschaftshofes. Über den erhaltenen Fensterarkaden der Reithalle erhebt sich der Hallenkubus mit einer stark reliefierten Struktur aus Faserzementplatten.

Geradezu schwerelos erscheint dagegen das Innere. Holzlamellen vor den unverputzten Wänden und Fensterarkaden, eine holzverkleidete Decke, hölzerne Einbauten sowie die dezente Beleuchtung verströmen Wärme und Festlichkeit, letztlich mit der Konzentration auf das Wesentliche: die gute Akustik der Halle. Gut gelungen erscheint auch die Anbindung an die Vorräume, die durch viele Glastüren mit dem Außenraum verbunden sind.

Nun steht die Konzerthalle schon eine Weile und es wirkt, als wäre sie schon immer da gewesen. Auch diese Selbstverständlichkeit macht gute Architektur aus und war ein Grund für die Jury, das Projekt mit dem Architekturpreis auszuzeichnen.

Vor allem kann der Johann-Sebastian-Bach Saal in Köthen aber als herausragendes Beispiel für einen selbstbewussten und dennoch bis in das Detail sensiblen Umgang mit denkmalgeschützter Bausubstanz bezeichnet werden. Durch diese Haltung wird der Ort erfolgreich neu interpretiert und die Stadt Köthe¬n um eine Sehenswürdigkeit reicher.


Dr. Ulrike Wendland
Prof. Angela Mensing-de Jong -



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