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Innenhof im Juli 2011 Innenhof im Juli 2011
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  • DE-01217 Dresden
  • Realisiertes Projekt

IÖR - Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e.V.


Projektbeschreibung:
Im Jahre 1968 wurde in Dresden in räumlicher Nähe zur Universität ein Institutsgebäude errichtet, das den Projektnamen „Experimentalbau" trug. Anspruchsvolles Ziel war es, einen Gebäudetyp zu verwirklichen, der durch industriell vorgefertigte Bauteile und einen minimalen Materialeinsatz bestimmt ist. Das Gebäude erstreckt sich eingeschossig in Rechteckform um einen großzügigen begrünten Innenhof.Räumlich beherbergte der Bau einheitlich große Büroräume die entlang der langen Flure angeordnet... +
Im Jahre 1968 wurde in Dresden in räumlicher Nähe zur Universität ein Institutsgebäude errichtet, das den Projektnamen „Experimentalbau" trug. Anspruchsvolles Ziel war es, einen Gebäudetyp zu verwirklichen, der durch industriell vorgefertigte Bauteile und einen minimalen Materialeinsatz bestimmt ist. Das Gebäude erstreckt sich eingeschossig in Rechteckform um einen großzügigen begrünten Innenhof.Räumlich beherbergte der Bau einheitlich große Büroräume die entlang der langen Flure angeordnet wurden.
Kommunikative Bereiche und ein repräsentativer Eingang fehlten nahezu vollständig.

Zu DDR-Zeiten schon Forschungseinrichtung, wurde das Gebäude 1992 vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung – kurz IÖR - bezogen. Der ständige Zuwachs an wissenschaftlichen Mitarbeitern sprengte bald den Rahmen der räumlichen Kapazitäten, zudem waren bauliche Mängel aufgetreten und das Gebäude entsprach in keiner Weise heutigen energetischen Ansprüchen.
Neben diesen technischen und quantitativen Aspekten sollte die Architektur ein wesentliches Element einer Forschungseinrichtung besonders fördern: Kommunikation und Vernetzung als wichtige Faktoren für erfolgreiches wissenschaftliches Arbeiten. Die räumlichen Möglichkeiten für Begegnung, Besprechung und Austausch innerhalb des Hauses sollten erweitert und variierter ausgestaltet werden.

Nach einem im Jahre 2008 ausgelobten Gutachterverfahren entschied sich die Jury für einen Um- und Erweiterungsbau nach den Entwürfen von F29Architekten.
Zwei wesentliche Maßnahmen im Innern kennzeichnen den Entwurf: einerseits wird das Arbeitsplatzangebot vergrößert. Neben den vorhandenen Zellenbüros für je zwei Mitarbeiter werden sowohl kleine Büroeinheiten mit Einzelarbeitsplätzen als auch Gruppenarbeitsräume neu geschaffen. Andererseits wird der mittlere Bereich des Erdgeschosses zum kommunikativen Zentrum umgebaut. Foyer, Bibliothek und Vortragssaal bilden mit dem bestehenden Innenhof die neue Mitte des Instituts. Blickbeziehungen zu den bestehenden Flügeln und in die Obergeschosse sind entstanden, das neue Foyer ist zentraler Ausgangs- und Orientierungspunkt mit spannungsreichen Licht- und Raumsequenzen.

Von außen betrachtet tritt der Erweiterungsbau nur an einer Stelle an die Außenfassade des bestehenden Gebäudes heran: am Eingang. Dadurch ist ein neues signifikantes Entrée entstanden, das vom Straßenraum aus deutlich erkennbar ist.
In der Gestaltung der Fassaden hebt sich der Erweiterungsbau nicht vom Bestand ab. Alle Außenflächen sind geprägt von hohen umlaufenden Fensterbändern mit dunkelbraunen Fensterrahmen und einer Verkleidung der Brüstungen mit cremefarbenen fasergebundenen Zementplatten. Alt- und Neubau gestalterisch und volumetrisch zu einer Einheit zu verschmelzen führte zu einer deutlich verbesserten Wahrnehmung des Hauses im städtebaulichen Umfeld, aber auch zu neuen sinnvollen Synergien im Innern.

Im Bestandsbereich wurden alle Außenwandelemente entfernt, stehen blieb lediglich die tragende Stahlkonstruktion aus Stützen und geneigten Fachwerkbinder, sowie der Aufbau des Kaltdaches. Anstelle des Stahlfenster wurden hochwertige Holz-Alufenster eingebaut, die Porengipsbrüstungen durch Brettschichtholz-Elemente ersetzt, ein Bauteil, das sich durch gute Wärmeeigenschaften auszeichnet, verhältnismäßig leicht ist, keine Feuchtigkeit ins Bauwerk bringt und vorgefertigt werden kann. Brüstungen und Attikabereiche wurden gut gedämmt und verkleidet.

Während im Bestand eine Reduzierung des Primärenergiebedarfes von 25% erreicht wurde, entspricht der Erweiterungsbau heutigen Passivhaus-Kriterien.
Erzielt wurde dies durch die Nutzung der durch Sonne, Computer und Personen entstehende Wärme, die mittels einer kontrollierten Lüftung an Frischluft übergeben und somit den Räumen wieder zugeführt werden kann. Der Restwärmebedarf für die Zulufterwärmung in Spitzenzeiten wird über den bestehenden Fernwärmeanschluss abgedeckt. Die Kühlung erfolgt nachts mittels gesteuerter Fensterlüftung; über einen Bypass in der Lüftungsanlage können die Büroräume mit Frischluft gespült werden.

Konstruktiv besteht der Neubau aus einem im Inneren sichtbaren Stahlbetonskelett mit massiven Decken- und Brüstungselementen aus Brettsperrholz. Damit konnte ein leichtes Tragwerk geschaffen werden, das durch geringe Trocknungszeiten zügig errichtet werden konnte. Sämtliche Installationen für Elektro, Datenvernetzung und Lüftung liegen hinter den Brüstungsverkleidungen.
Geprägt ist die Atmosphäre der neuen Räume durch den hohen Anteil an Tageslicht und die Wirkung natürlicher Materialien mit großer Oberflächenqualität: geschlitzte Furnierschicht-Akustikplatten an den Decken, hochwertige Schlingenware im Bürobereich, sandfarbener Juramarmor auf allen repräsentativ genutzten Flächen: Foyer, Bibliothek, Treppen und Veranstaltungssaal.

Eine Herausforderung stellte die Tatsache dar, dass die Baumaßnahme bei laufendem Forschungsbetrieb erfolgte. Ab März 2009 wurde der Bereich der Erweiterung leergeräumt, zum Teil ausgelagert. Im Mai 2011 schließlich konnte unter großer öffentlicher Anteilnahme die Eröffnung des gesamten Gebäudes gefeiert werden.

Das IÖR kann sich nun den eigenen Maximen entsprechend präsentieren: transparent, nachhaltig und offen. Der Anspruch an Nachhaltigkeit und ökologisches Bauen konnte an der Erweiterung und Sanierung des eigenen Gebäudes anschaulich umgesetzt werden. So wurden über die gesamte Baumaßnahme ca. 200 m3 Holz verbaut, was einer CO2-Absorption von ca. 170 t entspricht. Der Ertrag der Photovoltaikanlagen auf den Dächern deckt den Strombedarf für die Servertechnik und damit schon ein Drittel der benötigten Gesamtleistung. Die Leistungen der energetischen Maßnahme am Gesamtgebäude führten zu einer Zertifizierung im Rahmen des EU GreenBuilding Programmes.

Der Freiraumentwurf nimmt sich der einfachen linearen Gestaltung der Architekten an. Durch die neuen luftigen Pflanzungen mit vielen Gräser- und Staudenpflanzungen, den hellen Wegebelag aus Betonstein mit Natursteinvorsatz und den dadurch entstehenden Lichtverhältnissen kommt es zu einer spannungsreichen Neugestaltung des Innenhofes. Dieser verbindet nicht nur optisch sondern jetzt auch wegetechnisch Bibliothek und Veranstaltungssaal. Der Innenhof bietet jetzt Platz für Veranstaltungen und ist willkommener Aufenthaltsraum der Mitarbeiter und Gäste. -



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