loading
Besucherinformationszentrum Sparrenburg Besucherinformationszentrum Sparrenburg, © Stefan Müller
Diashow »
  • DE-33602 Bielefeld
  • Realisiertes Projekt

Besucherinformationszentrum Sparrenburg und Informationspunkt Parklandschaft Johannisberg


Projektbeschreibung:
Die Stadt Bielefeld wird von einem Mittelgebirgszug durchschnitten. Der Pass durch den Teutoburger Wald, der vor 800 Jahren die Ursache für die Gründung der Handelsstadt war, wurde ehemals durch die historische Sparrenburg gesichert. Im 19. Jahrhundert wurde der 200 Meter hohe Johannisberg vis-à-vis dem Pass in eine Parkanlage für Ausflügler umgestaltet. Heute ist er darüber hinaus ein wichtiger Ort des Gedenkens an die Gefallenen und Verwundeten des Ersten Weltkrieges sowie an die... +
Die Stadt Bielefeld wird von einem Mittelgebirgszug durchschnitten. Der Pass durch den Teutoburger Wald, der vor 800 Jahren die Ursache für die Gründung der Handelsstadt war, wurde ehemals durch die historische Sparrenburg gesichert. Im 19. Jahrhundert wurde der 200 Meter hohe Johannisberg vis-à-vis dem Pass in eine Parkanlage für Ausflügler umgestaltet. Heute ist er darüber hinaus ein wichtiger Ort des Gedenkens an die Gefallenen und Verwundeten des Ersten Weltkrieges sowie an die Zwangsarbeiter, die hier während des Dritten Reiches in Lagern lebten. Das durch Max Dudler geplante Projekt – bestehend aus einem Besucherinformationszentrum für die Sparrenburg und einem Informationspunkt für die Parklandschaft Johannisberg – setzt nun das Kulturdenkmal mit dem Landschaftsdenkmal durch zwei ungleiche Zwillingsbauten miteinander in Beziehung.

Von der Festung Sparrenburg sind nur wenige prägende Elemente erhalten. Der eingeschossige Neubau des Besucherinformationszentrums ist als eigenständiger Baustein in die südöstliche Flanke des Burghofes eingesetzt. Gemeinsam mit dem Torso des Torhauses bildet der Baukörper einen neuen Torraum aus, der die historische Torschwelle wieder erlebbar macht. Zugleich gelingt durch die Baufigur eine räumliche Fassung des Burghofes. Wie ein Kompass klärt der Eingriff die Abfolgen und Ausrichtungen der Außenräume und verbessert die funktionalen Voraussetzungen der heutigen Nutzung der Burg als Monument und Aussichtsplattform.
Vorgefundene Motive, wie etwa das Thema der Wandnischen im Festungsmauerwerk, werden im Neubau aufgenommen und neu interpretiert. Vor allem der Stampfbeton, aus dem der Körper des Besucherzentrums geschichtet wurde, macht diese architektonische Haltung sinnlich erfahrbar. Wie die Sedimentschichten gewachsener Steine fließen in die Wandflächen die Farben und Texturen der Burgruine ein: der Muschelkalk der Mauern und der Sandstein der Gewände. Die lebendige Struktur des trockenen Betons und der Stampfschichten visualisieren gleichzeitig die hier geleistete handwerkliche Arbeit.
Der Neubau berührt das Fragment des Torhauses an keiner Stelle, sondern lässt einen Spalt zwischen Alt und Neu offen. Dadurch wird der Torraum für einen nach rechts und einen nach links abzweigenden Weg geöffnet. Der eine Weg führt auf die Terrasse des Hauptgebäudes, der andere zum hinteren Personaleingang. Der geradeaus laufende Hauptweg führt auch am Haupteingang des Besucherzentrums vorbei. Das neu geschaffene Ensemble aus Alt- und Neubau formuliert auf diese Weise einen Ort des Ankommens, der Verteilung und der Information. Im Besucherzentrum befinden sich ein Museumsshop und der Ticketbereich sowie ein zum Burghof orientierter Kiosk.

Die Gestaltung des Informationspunktes Johannisberg lehnt sich in Form, Dimension und Material an den Eingriff am Torhaus der Sparrenburg an. Während das Besucherzentrum der Sparrenburg in Verbindung mit dem Fragment des Torhauses einen neuen Torraum formuliert, wirkt der Informationspunkt wie ein räumliches Echo auf dessen Konfiguration. Auf unterschwellige Art vermittelt sich so die „Torfunktion“ des Hauses am nördlichen Eingang des Parks. Die Besucher des eingeschossigen Pavillons können sich über die Möglichkeiten in dem Park informieren. Es gibt eine Toilettenanlage und Sitzgelegenheiten.
Um die Ensemblewirkung zu unterstreichen, wurden beide Häuser aus Stampfbeton errichtet. Das Außergewöhnliche des Materials besteht vor allem da¬rin, dass sich seine Struktur und Farbe im gleichen Maße mit den historischen Bauwerksschichten der Sparrenburg wie mit den Farben der Natur spannungsvoll verbindet.

Projektleiter: Simone Boldrin
Mitarbeiter: Kilian Teckemeier -



Anzeige