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Fassade Vordergebäude Fassade Vordergebäude, © Holzfurtner und Bahner, München
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  • DE-81673 München
  • Realisiertes Projekt

Künstleratelierwohnungen Streitfeldstraße


Projektbeschreibung:
Die energetische Sanierung des Vordergebäudes erfolgte mit einem innovativen Fassadensystem aus Holzelementen. Mittels moderner Messtechniken wurden die Fassadenelemente im Werk vorgefertigt, was einen äußerst präzisen und schnellen Bauablauf ermöglichte.
Die neue vorgehängte Fassade beinhaltet neben der erforderlichen Wärmedämmung auch die Fensterebene und Brüstungsverkleidung. Im ersten Schritt wurden die Betonfertigteile entfernt und durch hochwärmegedämmte Holzfassadenelemente mit... +
Die energetische Sanierung des Vordergebäudes erfolgte mit einem innovativen Fassadensystem aus Holzelementen. Mittels moderner Messtechniken wurden die Fassadenelemente im Werk vorgefertigt, was einen äußerst präzisen und schnellen Bauablauf ermöglichte.
Die neue vorgehängte Fassade beinhaltet neben der erforderlichen Wärmedämmung auch die Fensterebene und Brüstungsverkleidung. Im ersten Schritt wurden die Betonfertigteile entfernt und durch hochwärmegedämmte Holzfassadenelemente mit Lärchenholzstülpschalung ersetzt. Von außen wurden die neuen Fenster im EnEV-Standard eingebaut. Anschließend erfolgte ein sukzessiver Abbruch der Bestandsfenster von innen. Dies ermöglichte eine Fassadensanierung bei durchgängiger Bewohnbarkeit des Gebäudes.
Durch den Abbruch und Wiedereinbau in einem Stück, konnte besonders effizient und damit kostengünstig gearbeitet werden. Für die Realisierung der Arbeiten war die Aufstellung eines Gerüsts nicht erforderlich. Besonderen Wert wurde auch auf die Verwendung ausschließlich ökologisch nachhaltigen Baustoffe gelegt.

Die einprägsame Fassadenstruktur, insbesondere der hervortretenden Betonstützen mit ihren Proportionen und Schattenspiel, des 1971 von dem Münchener Architekturprofessor Paolo Nestler als hochwertiger Verwaltungsbau in Stahlbeton-Skelettbauweise konzipierten Gebäudes, bleibt im neuen Konzept trotz der energetischer Sanierung erhalten. Das Projekt ist eines von wenigen mit Holzfassade über 5 Geschosse in Deutschland.

Die Künstleratelierwohnungen in der Streitfeldstraße entstanden aus der nicht zufrieden stellenden Situation, dass Künstler in einer Stadt wie München wegen des hohen Siedlungsdrucks nur als Zwischennutzer in Industriebrachen beherbergt werden. Deren Nutzungsdauer ist durch den Abbruch der Industriegebäude zugunsten von Neubauprojekten in innerstädtischen Entwicklungsflächen stets befristet. Um eine dauerhafte und selbstbestimmte Bleibe für Ateliers, Werkstätten und Probenräume zu schaffen, sollte alternativ ein genossenschaftliches Projekt realisiert werden.

Hierfür bot sich eine frühere Kleiderfabrik in einem Gewerbegebiet im Münchener Osten an. Durch ihre bauzeittypischen Charaktere und Bausubstanzen liefert das aus Vorder- und Rückgebäude bestehende Ensemble viel Potenzial für ganz unterschiedliche künstlerische Arbeitsstätten. Die Ateliers werden dabei mit Wohneinheiten kombiniert und schaffen so ein nachhaltiges Konzept von Wohnen und Arbeiten unter einem Dach.

Aufgrund der Flexibilität der Skelettbauweise sind unterschiedlich große Ateliers sowie individuelle Künstlerwohnungen mit angrenzenden Arbeitsflächen entstanden. Durchgängige Fensterbänder und tiefe Brüstungen bieten Kreativen, wie Malern, Graphikdesignern, Musikern und Autoren, ideale Arbeitsräume.

Der aufgeständerte Erdgeschossbereich des Vordergebäudes wurde nicht verbaut und bleibt vom Stadtraum aus frei zugänglich. Er dient zusammen mit dem Innenhof als Begegnungs- und Aktionsfläche für gesellschaftliche Veranstaltungen und Ausstellungen für alle Arten von Kunst im Stadtviertel.

Das Bauvorhaben ist ein gelungenes Beispiel für eine energetische Sanierung die auf die Architektursprache ihrer Entstehungszeit der 60er und 70er Jahre eingeht, versucht die Charakteristika dieser zu erhalten und dennoch ihre Schwächen ausmerzt.


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Energie- und Gebäudetechnik:

Zu Beginn des Projekts war man bei der Bauherrschaft KunstWohnWerke eG hinsichtlich des energetischen Standards äußerst ambitioniert. Aus dem ehemaligen Fabrikgebäude sollte ein Passivhaus werden, das aus eigener Kraft-Wärme-Kopplung und/oder erneuerbaren Energien mit Strom und Wärme versorgt wird.

Aus diesem Grund wurde das Ingenieurbüro en.eco aus München beauftragt, das hinsichtlich anspruchsvoller energietechnischer Planung bereits über reichlich Erfahrung verfügte.

Nach Ermittlung des Investitionsbedarfs für verschiedene technische Lösungen mit hoher Effizienz bzw. der Möglichkeit zur Nutzung regenerativer Energien durch das Büro en.eco und Vergleich der Ergebnisse mit dem Budget des Bauherrn wurde schnell klar, dass die Herausforderung bei diesem Bauvorhaben nicht bei der energietechnischen Optimierung, sondern bei einer möglichst kostengünstigen technischen Neuausstattung des Gebäudes liegen würde.

Es wurde also ein gebäudetechnisches Konzept entwickelt, das durch die Verwendung kostengünstiger Komponenten, die Vermeidung von Eingriffen in die Bausubstanz - z.B. durch die Nutzung vorhandener Bauteil-Aussparungen - die Weiterverwendung noch brauchbarer Anlagenteile, wie der Schmutzwasser-Sammelleitungen sowie die Ermöglichung von Bauherrn-Eigenleistungen mit nur geringen Investitionsmitteln einen ordentlichen Standard ermöglicht.

Schließlich wurde im Kosten- und Terminrahmen eine Wärmeversorgung über Fernwärme, eine dezentrale Trinkwassererwärmung über Frischwasserstationen in den Wohnungen bzw. Elektro-Durchlauferhitzern in den Atelierbereichen, eine mechanische Lüftung, die sich auf die Kern- und Sanitärbereiche beschränkt sowie eine konzentrierte Wärme- und Trinkwasserverteilung realisiert.

So konnte zur Zufriedenheit der Bauherrschaft für die Ateliers und Wohnungen in dem ehemaligen Fabrikgebäude mit geringem finanziellen Aufwand ein guter gebäudetechnischer Standard verwirklicht werden, der gleichermaßen den Bedürfnissen der Nutzer, als auch den Anforderungen der EnEV an einen Neubau gerecht wird. -



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