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Ansicht von Westen Ansicht von Westen, © Stefan Müller, Berlin
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  • DE-06886 Lutherstadt Wittenberg
  • Realisiertes Projekt

Lutherstadt Wittenberg | Die große Rochade zum 500. Reformationsjubiläum 2017


Projektbeschreibung:
Das Schloss Wittenberg blickt als baugeschichtliches Zeugnis auf eine Historie von mehr als 800 Jahren zurück, die allesamt ihre Spuren hinterlassen haben. Friedrich der Weise baute an Stelle der einstigen Burg ein Residenzschloss, das dann im frühen 19. Jahrhundert zur Festung und Kaserne umgebaut und im 20. Jahrhundert als Archiv, Museum und Jugendherberge genutzt wurde. Seit Anbeginn ist der Sakralbau integrativer Bestandteil der Schloss- und Befestigungsanlage. Zum Reformationsjubiläum... +
Das Schloss Wittenberg blickt als baugeschichtliches Zeugnis auf eine Historie von mehr als 800 Jahren zurück, die allesamt ihre Spuren hinterlassen haben. Friedrich der Weise baute an Stelle der einstigen Burg ein Residenzschloss, das dann im frühen 19. Jahrhundert zur Festung und Kaserne umgebaut und im 20. Jahrhundert als Archiv, Museum und Jugendherberge genutzt wurde. Seit Anbeginn ist der Sakralbau integrativer Bestandteil der Schloss- und Befestigungsanlage. Zum Reformationsjubiläum 2017 wurde das Schloss umgebaut, erweitert und saniert. Neben einer ebenerdigen Anbindung an die Schlosskirche wurden ein Besucherzentrum, ein kulturhistorischer Rundgang, der die ehemaligen Wohnräume des Fürsten im Südturm mit einbindet, eine theologische Ausstellung, eine Forschungsbibliothek mit zugehörigem Magazin und wertvollen Buchbeständen sowie das Predigerseminar in dem historischen Bestand installiert.
Unser theoretisch-konzeptioneller Ansatz bei dem Umbau des Wittenberger Schlosses basiert auf unserem Verständnis von dem Gebäude als eine Art architektonisches Palimpsest.
Der Begriff Palimpsest steht für ein mehrfach beschriebenes Pergament, dessen Oberfläche - der geschriebene Text - immer wieder abgeschabt wurde, damit es neu beschrieben werden konnte. Ebenso wie das Pergament hat die historische Bausubstanz im Laufe der Jahrhunderte Veränderungen und Überformungen erfahren, die sich zeitlich und räumlich überlagern und sich anhand von Mustern und Spuren abzeichnen. Für uns gewinnt das Gebäude erst in seiner Ganzheit, mit all seinen Geschichten und Ablagerungen, seinen Wert: nicht trotz, sondern genau wegen der Fragmentierungen wird es zu einem „Datenträger“, in den die Transformationen der Zeit eingeschrieben sind. Das Gebäude kann als ein Buch des Wandels gelesen werden.
Für die erneute Nutzungsänderung und Erweiterung des Gebäudes entwickelten wir Strategien, die einerseits den zeitgemäßen Nutzungen gerecht werden und gleichzeitig die Lesbarkeit der ehemaligen typologischen Spuren erhalten und sogar verstärken.
Aufgrund der Komplexität des Gebäudes, seinen überlagernden Sedimenten und dem heterogenen Raumprogramm, wendeten wir mit dem „Editing“, „Deleting“ und „Post-scriptum“ unterschiedliche Strategien an, die den jeweiligen spezifischen Situationen angepasst waren.
Als Beispiel für das „Post-scriptum“ stehen die neuen Räumlichkeiten für das Predigerseminar, die als „zusätzliche Information dem vorhandenen ‚Manuskript’ hinzugefügt wurden. In monolithisch konstruierten Leichtbetonkuben untergebracht, die sich als Neuinterpretation von historischen, klösterlichen Anlagen im Wechsel mit offenen Patios auf dem Dach entlang eines Kreuzgangs entwickeln, konnte der Neubau auf dem bestehenden Tragwerk abgelastet werden. -



INFO-BOX

veröffentlicht am 10.10.2018
Zuletzt aktualisiert 10.07.2019
Projekt-ID 5-70018
Seitenaufrufe 114



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