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© Achim Birnbaum
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  • DE-79336 Herbolzheim
  • Realisiertes Projekt

Evangelisches Gemeindezentrum Herbolzheim


Projektbeschreibung:
Würdigung der Jury:

Das evangelische Gemeindezentrum in Herbolzheim
besticht durch die Wirkung des zentralen
Veranstaltungsraumes. Begrenzt nur durch vier
Volumina in den Ecken entsteht ein sakraler
Raum, der ebenso nach außen fließen kann wie
er gleichzeitig auf das Innere konzentriert bleibt.
Das aufgelöste Tragwerk spielt mit dem Licht, ist
sensibel detailliert und vermittelt Robustheit für
die alltägliche Nutzung. Die vier Kuben, welche
die untergeordneten Nutzungen aufnehmen,
gliedern... +
Würdigung der Jury:

Das evangelische Gemeindezentrum in Herbolzheim
besticht durch die Wirkung des zentralen
Veranstaltungsraumes. Begrenzt nur durch vier
Volumina in den Ecken entsteht ein sakraler
Raum, der ebenso nach außen fließen kann wie
er gleichzeitig auf das Innere konzentriert bleibt.
Das aufgelöste Tragwerk spielt mit dem Licht, ist
sensibel detailliert und vermittelt Robustheit für
die alltägliche Nutzung. Die vier Kuben, welche
die untergeordneten Nutzungen aufnehmen,
gliedern den Innenraum und schaffen Territorien
für die unterschiedlichsten Nutzungen. Es entstand
ein sinnlicher, multifunktionaler Sakralbau, der
Gelegenheiten
bietet und nicht baut.


Offen nach allen Seiten

Das neue Gemeindehaus steht zentral und offen nach allen Seiten im Gemeindegarten. Das Zentrum des Hauses ist der Gemeindesaal, der in alle Himmelsrichtungen eine direkte Beziehung mit dem großzügigen Außenraum eingeht. Überdachte Vorbereiche bilden jeweils den Übergang von Innen nach Außen. Zur Hansjakobstraße wird der Eingang mit einem großen Vorplatz markiert und nach Osten erhält der große Saal eine Loggia in den rückwärtigen Garten. Dem Kinderhaus gegenüber entsteht ein geschützter Freibereich, der auch mit dem kleineren Saal zusammen bespielt werden kann.
Die Saalfläche wird nur an den Ecken durch vier geschlossene Baukörper begrenzt, die alle untergeordneten Funktionen aufnehmen. Es entsteht ein zentraler von oben belichteter Raum, der durch vier nach außen orientierte Flügel behutsam gegliedert wird. Die geteilten Säle sind jeweils einem Flügel zugeordnet. Das Foyer besetzt den westlichen Flügel zur Hansjakobstraße und kann wie ein vierter Saal genutzt werden. Der kleinste südliche Flügel beherbergt den Sakralraum, der auch direkt vom Foyer zugänglich ist und im geöffneten Zustand ähnlich einer Seitenkapelle ablesbar bleibt.
Als Ganzes gewährt der Saal vielfältige Nutzungsmöglichkeiten mit allseitig natürlicher Belichtung und Belüftung. Das markant gefaltete metallische Dach wird von den vier Eckkörpern getragen, die mit einer grauen Holzschalung verkleidet sind. Metallverblendete Holzprofile rahmen die großen Fensteröffnungen. In Saal und Foyer liegt ein warmer Holzdielen-boden aus Weißtanne.
Es entsteht ein ruhiger homogener Baukörper, der durch die eigenständige Materialität das Zentrum der Gemeinde in dem heterogenen Wohnviertel signalisiert.

Angemessen nachhaltig

Der Entwurf für das neue Gemeindehaus gründet auf der integrierenden Strategie einer umfassenden sanften Nach-haltigkeit, die auf eine Übertechnisierung verzichtet. Im Vordergrund stehen eine hohe Raumqualität durch die enge Einbeziehung des umgebenden Gartens und die langfristig flexible Nutzung bei sparsamen Flächen- und Ressourcen-verbrauch. Es gibt keine Erschließungsflächen. Verschiedene sich überlagernde Nutzungen sind möglich, so dass das Haus sehr flexibel bespielt werden kann.
Die untergeordneten Funktionen in den Eckkörpern werden mit niedrigerem Temperaturniveau betrieben, so dass die Wärmeversorgung auf den zentralen Kernbereich des Saales konzentriert werden kann. Eine Grundwasser-Wärmepumpe versorgt die Fußbodenheizung und bietet darüber hinaus die komfortable Möglichkeit, die Säle im Sommer bei Bedarf kühlen zu können. Öffenbare Oberlichter in den 4 Außenfassaden übernehmen die Funktion der natürlichen Belüftung, insbesondere auch der natürlichen Nachtauskühlung. Eine einfache Lüftungsanlage belüftet zusätzlich die Säle. Die Abluft strömt über die Nebenräume und erwärmt über eine Wärmerückgewinnung die Zuluft.

Angemessen sakral

Multifunktionale Kirchenräume bergen per se den Zwiespalt, sich mit ihren rein funktionalen Anforderungen den Bedürf-nissen der Spiritualität zu widersprechen. Für die verschiedenen Nutzungsszenarien mit den jeweiligen Raumformaten lässt sich der gesamte Raum mit zwei mobilen Wänden in verschiedenen Kombinationen öffnen oder begrenzen. Nicht be-nötigte Wandteile verschwinden über Wandtaschen in den Nebenräumen. Dort können auch Tische und Stühle verstaut und in den Einbauschränken das Material der verschiedenen Gemeindegruppen untergebracht werden. Die Türen der Nebenräume und die Wandtaschen der Trennwände sind unmerklich in der für den Innenraum prägenden Holzschalung integriert. Die Anmut des feierlichen Raumes kann dadurch im Großen wie im Kleinen stets erhalten bleiben. Die Geborgenheit des gemeinsamen Daches wird im Innenraum durch die Vierung der Firstbinder mit neun Lichtfeldern überhöht. Das Himmelslicht wird von einem Filterwerk aus filigranen Holzleisten in heimischer Weißtanne gerahmt. Das helle Holz steht im Kontrast zur grauen Holzschalung und verleiht dem Gemeindezentrum in der Reflexion des einfallenden Lichts eine warme und feierliche Atmosphäre. Die gedämpfte Lichtwirkung der hölzernen Filterwand vor der Öffnung im Südgiebel betont den sakralen Andachtsbereich. Auch von Außen wird dieser besondere Ort durch die sich subtil ändernde Struktur der Schalungsleisten ablesbar. Der überwiegende Einsatz des nachwachsenden Baustoffs Holz, innen wie außen, verbindet das Haus in angemessener und eleganter Zurückhaltung mit dem parkähnlichen Charakter des Ortes und verleiht Gemeinderaum eine weltoffene Geborgenheit. -



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