English version: beta!

loading
  • DE-13589 Berlin, DE-13583 Berlin
  • 07/2017
  • Result
  • (ID 2-260850)

Umbau der evangelischen Zufluchtskirche Spandau zum gemeinwohlorientierten Zentrum


  • 2nd Prize


    Advertisement


    Architects
    as-if Architekten, Berlin (DE), Wien (AT)

    Collaboration
    Shanna Ahlborn, Jana Bartsch, Christopher Schmidpeter

    Prize money
    15.000 EUR

    Explanatory text
    STÄDTEBAU

    Mit dem neuen Stadteilzentrum in der ehemaligen Zufluchtskirche und der ausgebauten Kita wird dem Quartier des östlichen Falkenhagener Felds ein wichtiger Infrastrukturbaustein hinzugefügt. Nach dem Umbau bleibt das Gebäudeensemble aus Kirche, Gemeindesaal und Glockenturm mit seiner markanten Architektursprache als zentraler Identifikationsort für das Quartier erhalten und entwickelt über den neu angelegten Vorplatz Bezug zum benachbarten Klubhaus und der Bibliothek, sodass ein für die Nachbarschaft wertvolles städtebauliches Gefüge von öffentlichen Einrichtungen entsteht.

    Der Umbau verfolgt das Ziel die Potentiale des vorhandenen Raumgefüges zu nutzen, zu stärken und zu erweitern. Synergien einer gemeinsame Nutzung von Raumbereichen und Interaktionen zwischen Stadtteilzentrum und Platz ermöglicht werden.

    ENTWURFSKONZEPT

    Die Funktionsverteilung in den Bestandsgebäuden trägt der städtebaulichen Situation Rechnung. Das Stadtteilzentrum wird im ehemaligen Gemeindesaal mit Bezug zum Vorplatz angeordnet und über den südlichen Eingang am baumbestandenen kleinen Platz erschlossen. Die Kita wird etwas abgeschirmt im Kirchenraum untergebracht und über den nördlichen Eingang erreicht. Die Cateringküche befindet sich im Untergeschoss unter der neu angelegten Terrasse des Stadtteilzentrums und wird über einen Stich von der Westerwaldstraße angeliefert.

    Übergeordnete Themen des Entwurfs sind Kommunikation und Austausch – sowohl zwischen dem Stadtteilzentrum und seinem städtischen Umfeld als auch zwischen den verschiedenen Funktionen innerhalb der Zufluchtskirche selbst. Im Gebäude wird das räumlich prägende Element des bestehenden Innenhofs als Instrument der Kommunikation aufgegriffen und weiter geführt: Auch im Kirchenraum werden zwei neue ineinander übergehende „Plätzchen“ ausgebildet von denen aus – ähnlich wie sich die Funktionsräume des Stadtteilzentrums ringförmig um den offenen Hof angliedern - die Räume von Kita und Krippe erschlossen werden, In diesen Räumen überlagern sich die Funktionen von Essen, Spielen und Bewegung. Die Räume bieten Anregung und Auslauf und einen Ort der Aneignung an dem besondere Veranstaltungen stattfinden können. Dem Prinzip der Austauschförderung folgt auch der weiter bestehende sechseckige „Schaltraum“ zwischen Kita und Stadtteilzentrum: der Raum wird primär als Gruppenraum der Kita genutzt, kann sich aber über die Faltwände auch zum Stadtteilzentrum öffnen zum Zweck der Interaktion z.B. zwischen Senioren und Kindern oder um bei besonderen Anlässen den kompletten Rundweg im Stadtteilzentrum frei zu geben.

    KINDERTAGESSTÄTTE

    Die Kindertagesstätte wird im Bereich der ehem. Kirche auf zwei Ebenen organisiert. Der Eingang erfolgt von Norden. Kinderwägen können in einer Nische des Foyers abgestellt werden. Die Garderoben befinden sich ebenso wie die Büros im Erdgeschoss des bestehenden Wohnungstraktes. Der Kirchenraum erhält an den Flanken zwei symmetrische Einbauten, die als Tische eingestellt werden und in der Mitte über eine Brücke verbunden sind. Im südlichen Bereich und im ehemaligen Taufraum finden sich die Räume der Krippe. Die Kita ist im nördlichen Einbau und auf der oberen Ebene sowie in einem eingeschossigen zum Volumen des Taufraums spiegelbildlichen Anbau untergebracht. Der Anbau ist über ein Glasdach mit dem Wohntrakt verbunden sodass sich hier ein direkter Zugang zu den Garderoben ergibt.

    Die Fassaden der Einbauten im Erdgeschoss sind zu den „Plätzchen“ teilweise transparent gestaltet um diese zu beleben. Die Küche ist an zentraler Stelle angeordnet und bedient sowohl den für das Essen vorgesehenen östlichen Platz, der nachmittags zusammen mit dem westlichen „Platz“ als Open Space dient. Ein seitlich eingestellter Aufzug verbindet die Ebenen. Die obere Ebene ist als Plattform in den Kirchenraum eingestellt und hat keine raumabschließenden Wände. Die Themenbereiche gehen offen ineinander über und werden durch Möbel und ggf. Vorhänge zoniert. Die Räume werden über die bestehenden Außenfenster belichtet. Die hell lasierte Betondecke nimmt dieses Tageslicht als Streiflicht auf und reflektiert es in die offenen Platzbereiches des Erdgeschosses, sodass hier eine lichte Atmosphäre entsteht. Die Empore im OG dient als ruhige Zone abgeteilt und wird als Schlafbereich der Kita genutzt.

    Zwei Treppen erlauben einen kontinuierlichen Bewegungsfluss durch den offenen Bereich der Kita, wo das Raumerlebnis des hohen Kirchenraums spürbar bleibt und sich gleichzeitig ein differenziertes und lebendiges Kita-Leben auf mehreren Ebenen abspielt.

    Die obere Ebene wird mit einem hellen Teppich belegt, Akustikelemente werden in die Möbel integriert und als einzelne objekthafte Segel von der Decke abgehängt. Auch die Vorhänge tragen zur Schallabsorption bei. Im Erdgeschoss ist ein trittschalldämpfender Kautschukbelag vorgesehen. Die bestehenden Sichtbetonflächen erhalten einen lasierenden hellen Anstrich. Einbauten und Anbau werden als Holzkonstruktion, die Innenfassaden werden als elementierte Wände errichtet. Der Kitagarten erstreckt sich über den östlichen Bereich des Grundstücks. Er ist von den Gruppenräumen und Open Space im Erdgeschoss sowie über eine Treppe von der Terrasse des Anbaus zugänglich.

    STADTTEILZENTRUM

    Dieser Bereich wird über den südlichen bestehenden Eingang erschlossen. Von dem sich über mehrere Ebenen erstreckenden Foyer erreicht man einen neuen, dem Saal vorgelagerten Wandelgang, der über neue Rampen auch barrierefrei zugänglich ist und als Saal-Foyer sowie als Verteiler zwischen den verschiedenen Gruppen- und Verwaltungsräumen dient. Die nördlichen Gruppenräume sind über den Innenhof barrierefrei zu erreichen. Die im Bestand vorhandenen Gruppenräume im UG werden weiter genutzt und über einen neuen Übereck-Aufzug barrierefrei erreicht. Der Saal erhält zur vorgelagerten neuen Terrasse und zum Platz hin eine neue Glasfassade. Über den so zum Stadtraum geöffneten Saal entsteht eine neue Durchlässigkeit vom Platz in den Innenhof und ggf. bis zu den Räumen der Kita sodass das Stadtteilzentrum einen vielfältigen Veranstaltungsort auch für größere stadtteilbezogene Anlässe bieten kann. Der Innenhof wird als Freifläche neu gestaltet und teilweise bepflanzt, z.B. Wasserfläche mit Schilf o.ä.).

    Evaluation by the jury

    Die Arbeit respektiert die vorhandene Bausubstanz, nutzt deren räumlichen Po-tenziale und kommt mit wenigen baulichen Ergänzungen aus.

    Die Jury würdigt die einladende Geste, mit der über eine, dem Café und Veranstaltungssaal vorgelagerte Terrassen- und Treppenanlage, das Haus zum Platz hin geöffnet wird. Unter dieser neuen Treppenanlage wiederum ordnen die Entwurfsverfasser Neubauflächen als ergänzende Flächen für die Cateringküche an. Mit dieser Maßnahme ist jedoch zum einen der Verlust der beiden bestehenden Bäume verbunden, und zum anderen die Aufgabe eines wesent-lichen baulichen Merkmals der Kirche, der des aufgeständerten schwebenden Erdgeschosses, verbunden.

    Grundsätzlich wird die funktionale Trennung der beiden Bereiche Kita und Stadtteilzentrum durch zwei getrennt geführte Eingangsbereiche ermöglicht. Zugleich können die Bereiche aber durch geschickt schaltbare Räume im Zent-rum auch miteinander verbunden werden. Die Jury diskutiert kontrovers, ob über diese gemeinsame Nutzung eine unübersichtliche Situation für die Kita erreicht wird, zumal das Stadtteilzentrum über keinen eigenen abschließbaren Bereich verfügt.

    Die geforderten Räume für das Stadtteilzentrum werden sowohl im Erdgeschoß, als auch im Untergeschoß, durch ein Treppenhaus und Aufzug er-schlossen, angesiedelt. Es wird kritisch angemerkt, dass zumindest ein Gruppenraum im EG nicht barrierefrei erschlossen ist, und dass die Gruppenräume im Untergeschoß funktional zu den Räumen im EG nicht angebunden sind. Diese Anordnung ist umso mehr unverständlich, als dass das Raumprogramm für das Stadtteilzentrum um ca. 180 m² überschritten wird.

    Der Bereich der Kita, von Westen erschlossen, ist funktional optimal gelöst. Die Jury würdigt die sehr gelungenen räumlichen Erweiterungen auf Gartenniveau.

    Weniger gelungen erscheint die räumliche Organisation der Kitaflächen im Kirchraum, die funktional zwar optimiert, aber räumlich unbefriedigend gelöst wird. Die Grundfläche im Erdgeschoß wird mit zwei eingestellten Treppenanla-gen, zwei kleinen Lufträumen und einem aufgeständerten Steg zergliedert und ohne Zentrum.


Information box

Created on 01.08.2017, 13:18
Last updated 04.08.2017, 15:35
Entry ID 4-143871
Page views 41

Advertisement





Advertisement