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  • 2nd Prize

    Perspektive außen

    Architects
    HINRICHS WILKENING ARCHITEKTEN, Berlin (DE) Büroprofil

    Author
    Sven Hinrichs , Ralf Wilkening

    In collaboration with:
    Architects: Studio Schröder, Hamburg (DE)

    Explanatory text
    Die städtebauliche Aufgabe, das Schulzentrum Feldkirch um den Neubau der BHAK BHASCH zu erweitern. wird als Herausforderung begriffen. Die besondere Situation am Rande des Schulzentrums, am Übergang zur Wohnbebauung in die Landschaft mit den Alpen als Panorama. Die Topographie als Schwelle, das größtenteils auf dem Niveau des angrenzenden Parks liegende Grundstück wird so aufgeteilt, daß die Möglichkeit der Erweiterung des Altenheimes gegeben ist. Das zur Verfügung stehende Grundstück wird in drei Teile geteilt, von der Strasse aus verläuft eine breite Promenade in der Richtung des vorhandenen Fußweges zum Park und bildet den Auftakt zur neuen Schule. Die Promenade teilt sich in zwei Wege rechts und links, in der Mitte sind unter den Bäumen die geforderten Parkplätze angeordnet, auf diese Weise ergibt sich eine Durchwegung zum Park, die direkt an dem Eingang der neuen Schule und der vorhandenen Sporthalle entlang führt.

    Diese Schnittstelle bildet den Auftakt zum Landschaftsraum. Die Promenade führt auf dem vorhandenen Niveau entlang der Böschung zum tieferliegenden Großteil des Grundstücks. Der Baukörper der BHAK BHASCH versteht sich als Vermittler zwischen den unterschiedlichen Gegebenheiten des bestehenden Schulzentrums und des Landschaftsraumes. Er legt sich mit seinem plattformartigen Sockel an die Geländekante und bietet so den Eingang auf der Ebene +1. Das sich aus der Plattform erhebende Volumen vermittelt über zwei Einschnitte zwischen der Ebene +1 und der Ebene 0. Die Verschränkung über diese äußeren Lufträume greift zwischen die beiden Situationen und verweist auf das Innere des Gebäudes.

    Im Zentrum des Volumens liegt das offene Atrium. Das Herz des Hauses, um dieses Atrium wickelt sich förmlich die Haupterschließung der Schule, die Treppenanlage. Entlang des Hofes orientiert sich die ganze Bewegung des Gebäudes. Die Dopplesporthalle liegt unter der Plattform und bindet sich über die Pausenhalle auf Ebene 0 des neuen Hauses an das Atrium an. Eine von allen Seiten durchlichtete Ebene entsteht. Über die Plattform, die das Kunststoffspielfeld und die Pausenfreifläche aufnimmt, gelangt man geschützt in die Eingangshalle der Schule. Hier befinden sich der Verwaltungstrakt sowie das Lern- und Informationszentrum. Der Weg über die kaskadenartige Treppenanlage verteilt über die Geschosse. In den beiden oberen Geschossen lagern sich die Klassenräume nach Osten und Westen an, die größeren Eckräume nehmen die EDV auf. Auf Ebene 0 befinden sich die Naturwissenschaftlichen Räume, das Betriebswirtschaftliche Zentrum sowie einzelne Projekträume. Rund um das Atrium gliedert sich hier die Pausenhalle an. Die große Verschneidung zum Park bietet den Ausblick auf die Alpen und der Luftraum über der Sporthalle gibt den Blick Richtung Stadt frei. Das Buffet liegt im Zentrum der Pausenhalle und kann als Cafe genutzt werden, im Sommer bietet sich die Terrasse am Park an.

    Das gesamte Gebäude ordnet die Nutzungen kompakt zusammen, so entstehen direkte Verbindungen zwischen den einzelnen Einheiten. Der Aufbau des Gebäudes in Schichten spricht eine klare Sprache. Das Selbstverständnis der vertikalen Fassade aus Beton umfasst die gläserne Fassade, die durch das Spiel des textilen Sonnenschutzes den Eindruck des Gebäudes prägt. Die Klassenräume verstehen sich als neutrale Räume, die den Aussenbezug suchen. Innen zur Erschliessung legt sich eine hölzerne Fassade an die Klassenraumwände, die das Gebäude tragen. Diese hölzerne Schicht beherbergt die Garderoben. Die nächste Schicht bilden die breiten Gänge, die sich um die Treppenskulptur legen. Die Treppe stellt dann den Übergang zum Atrium dar, welches über die gläserne Innenfassade die Verbindung zum inneren Aussenraum herstellt. Zum Himmel offen lässt dieser Hof den Aussenraum durch alle Geschosse des Gebäudes dringen.

    Evaluation by the jury

    Ein spannungsvoll verschränktes, homogen gegliedertes Volumen wird in die Verlängerung der Turnhalle, auf die untere Ebene des Grünraumes gesetzt, bindet jedoch mit der vorgezogenen, nordseitigen Sockelpartie der Turnhalle in großzügiger Weise fließend an das Niveau des bestehenden Spielfeldes an. Zudem stellt eine durchgängige Allee die markante, durchlässige Querbeziehung zur Liechtensteiner-Straße her. Das große, markante Bauvolumen erreicht durch seine Setzung und die volumetrische Ausbildung eine völlig neue großräumige Raumordnung im maßgeblichen Gebiet zwischen dem Campus des BORG und dem Reichenfeld. Auch werden klare Voraussetzungen für eine mögliche weitere Bauentwicklung geschaffen.

    Der Schulbau bindet sicht beidseitig gut an das übergeordnete Wegnetz an, welches außenräumlich den Zugangsbereich erfasst und zusätzlich die innere Durchwegung thematisiert. Markanteste Elemente des Baukörpers bilden der Vorplatz und der langgezogene Hof. Diese werden durch zwei im landschaftlichen Maßstab gesetzte, in der Diagonale angelegte Kerben an den Gebäudeecken ergänzt, welche auch die die ringförmig um den Hof angelegte Halle aufbrechen. Damit sind klar lesbare äußere Zeichen für die Durchlässigkeit der Schule gesetzt.

    Die äußere Erschließung ist vom scheinbar alles überziehenden, geschoßweise gegliederten massiv ausgeführten Beton-Stabwerk geprägt. Dieses lässt jedoch subtile Differenzierungen einzelner Partien und deren Inhalte zu. Dieser Aspekt wäre allerdings noch stärker auszuloten. Hingegen stärkt die Tektonik der Fassade die Plastizität der Volumetrie und lässt auch eine gute Rythmisierung der Fenster im Innenraum erwarten. Die gedeckten, eingezogenen Eingänge in der Diagonale legen den Hofumgang frei und tragen zum außenräumlichen Bezug der Halle bei. Kernstück aber ist der von den Kaskadentreppen umwundene, außenliegende, transparente Hofraum, welcher bis auf das gewachsene Terrain reicht. Der großzügig dimensionierte Umgang vermag die horizontalen und vertikalen Raumverbindungen zu leisten. Volle Entfaltung erreicht der Umgang mit seiner ausgezeichneten räumlichen Anbindung an die Turnhalle, welche allerdings mit Garderobenmöbeln ungünstig verstellt ist. Hier zeigt sich auch die Problematik des Geländesprungs, der die Definition eines Hauptgeschosses erschwert.

    Die Turnhalle liegt selbständig vorgesetzt, aber gut angebunden an den Hauptbau. Da der Turnhallenraum weit über die Sportnutzung hinaus das Gepräge eines eigentlichen Festsaales mit Galerie annimmt, ist die Vertikalerschließung zu stark ausgedünnt und müsste zudem mit dem Aufzug erreichbar sein.

    Der Entwurf zeichnet sich in gekonnter Weise durch die Städtebauliche Strategie und die Ausformulierung einer spannenden Volumenkomposition aus, die zudem markante landschaftliche Anbindungen aufzeigt. Fragen stellen sich in Bezug auf auftretende Wahrnehmung von Größe sowie einer gewissen Erstarrung tektonischer Mittel.


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Last updated 23.09.2013, 18:51
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