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  • DE-99094 Erfurt, DE-99086 Erfurt
  • 01/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-206036)

„DANAKIL-KLIMAZONENWELT“ im egapark


  • 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Sebastian Fauck

    Mitarbeit
    Claudia Schreckenbach, Michal Michalski, Christian Soria Ramirez

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: HENCHION REUTER ARCHITEKTEN, Berlin (DE), Dublin (IE)
    Szenographen: stories within architecture, Berlin (DE)
    TGA-Fachplaner: OBERMEYER Planen + Beraten, München (DE), Berlin (DE), Hannover (DE), Stuttgart (DE), Wiesbaden (DE), Köln (DE), Hamburg (DE), Erfurt (DE), Neu-Ulm (DE), Dresden (DE), Leipzig (DE), Chemnitz (DE)
    Tragwerksplaner: EiSat GmbH, Eisenloffel, Sattler + Partner, Berlin (DE)
    Energieplaner: Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart (DE), München (DE), New York, NY (US), Paris (FR)

    Preisgeld
    41.800 EUR

    Erläuterungstext
    1 Erlebnislandschaften – im Klima wandeln

    Im Gartendenkmal egapark entsteht an zentraler Stelle eine „ferne Welt“, in der die unterschiedlichen Klimazonen mit ihren eigenen Landschaften erlebbar werden. Insbesondere Pflanzen vermittelten die Eigenart einer klimatischen Zone. Ihr Habitus, Laub, Blüte etc. künden von einer Angepasstheit an das jeweilige Umfeld. So entstehen Freiräume mit besonderer Exotik und eigenem Erlebnis.
    Als Abschluss der großen Parkwiese entsteht die Danakil- Klimazonenwelt. Um diese gruppieren sich besondere Freiräume mit unterschiedlichem Charakter und thematischer Bestimmung. Innen wie außen werden klimatische Aspekte auf erkenntnisreiche und spannende Art erfahrbar.

    2 Außenräume

    Klimaringe
    Der denkmalgeschützte Park wird insbesondere an den ehemaligen Rosenringterrassen respektiert. Sie werden in ihrer Geometrie und Materialität erhalten, jedoch thematisch neu belegt. Die neue Bepflanzung zitiert die verschiedenen Klimazonen der Welt – es entstehen Klimaringe, die mit Gehölzen, Stauden oder auch Kübelpflanzen je nach Klimazone bepflanzt sind. Inmitten der Ringe bleiben die Terrassen als Außengastronomieflächen erhalten, weitere Informationen zum jeweiligen Klima werden auf einfache Weise mit u.a. Texten und Grafiken auf Tischen und Stühlen vermittelt. „Man wird beim Sitzen schlau.“
    Die Hecke am Mauerversprung zur großen Parkwiese wird zukünftig niedrig gehalten bzw. entfernt, hierdurch entsteht ein stärker räumlicher Zusammenhang zwischen Park und Außengastronomiefläche. Auch wird die gesamte Terrassenfläche leicht angehoben um am Übergang an das Wüsten- und Tropenhaus barrierefrei an die Wege- und Platzflächen anzuschließen.

    Klimawald
    Der Klimawald an der nordöstlichen Längsseite der Danakil-Klimazonenwelt ist ein eigener Erlebnisraum mit entsprechendem didaktischem Programm. Den erlebbaren Klimazonen im Wüsten-und Tropenhaus werden Aspekte unseres heimischen Klimas gegenübergestellt. Klimawandel, Klimaphänomene und die damit verbundenen Auswirkungen auf unsere heimische Vegetation werden erfahrbar. Auf Pfaden mäandriert der Besucher durch diesen Wissenswald und erfährt wissenswertes. Die „Klima-Bäume“ erzählen, mit Hilfe von ansprechenden Hinweisen, die Geschichte von Dreckschleudern, von Staubfängern, Schattenspendern, Wassersaugern und vielem mehr. Somit wird eine vermeintliche Rückseite zum erweiterten Parkraum mit hoher Aufenthaltsqualität.
    Gleichzeitig wird in diesem Klimawald der Andienungsbereich des Wüsten-und Tropenhauses integriert.

    Kübelgarten
    Dem Wintergarten zugeordnet entsteht ein Kübelgarten, der die besonderen Exoten der Pflanzensammlung des egaparkes zeigt. Die eigene Atmosphäre des Kübelgartens besitzt eine hohe Aufenthaltsqualität, besonders bequeme Kübelsitze laden zum Verweilen und Sonnenbaden ein. Auch für Festivitäten, Konzerte, Theateraufführungen etc. bietet der Kübelgarten bei Bedarf Platz. Die terrassierte wassergebundene Wegefläche erschließt zudem die Volieren und bindet diese günstiger in den Park ein. Die vorhandene Hecke wird etwas zurückgenommen um den Einblick in den Kübelgarten von der Parkwiese aus zu ermöglichen. Abgeschirmt hingegen wir der Einblick in den Betriebshof und die Ausfahrt in den Burg-Gleichen-Weg durch ein geschlossenes vegetativ gestaltetes Tor.
    Im Bereich des Betriebshofes werden die gewünschten Stellplätze, sowie weitere Funktionsbereiche ausgewiesen.

    3 Innenräume

    Danakil-Klimazonenwelt
    Eine ereignisreiche Klimareise erwartet den Besucher dieses Hauses. Der Lauf des Wassers, welches zum einen fehlt, an anderer Stelle hingegen im Überfluss vorhanden ist, leitet den „Reisenden“ auf einem barrierefreien Hauptweg mit vielen kleinen Nebenpfaden durch diese Landschaften. Ein dunkles trockenes Wadi mit heißen Winden muss durchschritten werden um im hellen gleißenden Nichts der Wüste anzukommen. Besondere anorganische Phänomene wie die Salzwüsten Danakils werden zu Beginn erlebbar. Ein ausgetrockneter Wasserlauf führt weiter zu ersten Pflanzenthemen, die an diesen extremen Lebensraum angepasst sind. So finden sich Gruppen von Tausammlern, Wasserspeicherern, Tiefwurzlern und erzählen von ihren langen, bis 80m tiefen Wurzeln oder ihrem 1000 Liter Wasserspeicher. Der Besucher diffundiert durch differenzierte spannungsreiche Wüstenlandschaften und erfährt weiteres über Oasen, Pflanzengeographie, Fauna und vieles mehr. Das Vorhandensein von Wasser nimmt zu und der Übergang zu den Tropen erfolgt durch einen Spalt – die „Wetterscheide“. Der Wasserreichtum zeigt sich durch Wasserfälle, Wasserlachen und kleine Seen. Ein grüner Dschungel mit Stegen, Hängebrücken, Regen und Nebel lässt diesen Landschaftstyp zum Erlebnis werden. Besondere botanische Themen wie Hemiparasiten, Epiphyten, spezielle Wurzelformen wie Brettwurzler, etc. werden erlebbar. Eine Vielzahl der im egapark vorhandenen, zum Teil sehr wertvollen Pflanzen, insbesondere Sukkulenten, wird im neuen Wüsten- und Tropenhaus eine neues „Habitat“ finden.
    Auch der Tierbestand mit gewünschter Erweiterung wird Teil des neuen Hauses und unterstreicht die Exotik der jeweiligen Landschaft. Mit geschickt verborgenen Barrieren aus Fels werden einige Tierarten gemeinsam in definierten Gehegen gezeigt, wie zum Beispiel Pfeifhase, Pferdespringer oder auch Erdmännchen. In Felsen und Höhlen werden Terrarien für Reptilien integriert. Leguane, Wasseragame und Andere können sich frei in den Hallen bewegen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Architekturhaltung des Wüsten-/ Urwaldhauses fordert zur Auseinandersetzung mit den Themen der Rekonstruktion, Familienähnlichkeit und Interpretation auf. Der Vorgängerbau, die frühere Zentralgaststätle, war eine andersartige Architektur. Mit dem vorgeschlagenen Neubau gelingt es jedoch überzeugend, die architektonische Haltung der "ega 61" typologisch aufzugreifen und in angemessener Art und Weise in eine zeitgemäße Architektursprache zu übersetzen. Damit wird die "verlorene Mitte" der ega wieder besetzt und ein sich auch denkmalpflegerisch einfügender Beitrag zur Gesamtanlage der ega geleistet. Die Raum- und Wegeführung im Inneren des Gebäudes ist klar, linear und szenegrafisch sehr überzeugend. Die Höhendifferenz wird durch den langen, allmählichen Anstieg bequem und ohne Brüche bewältigt. Die Schleuse zwischen den beiden Ausstellungsbereichen schafft sowohl Trennung als auch Verbindung. Die Lage des Restaurants mit dem unmittelbaren Bezug zu der SW- orientierten Terrasse ist richtig und wird zur Belebung der Freiflächen wirkungsvoll beitragen können. Durch die Randlage des Restaurants wird zudem der Ausstellungsrundgang nicht beeinträchtigt. Als nicht ausreichend werden die Größe des Foyers und die Art der Verknüpfung mit dem Garderobenbereich im UG bewertet. Dasselbe gilt für die Rückführung der Besucher nach dem Ende des Rundgangs. Die funktionale Ausformung der Eingangssituation als additiver Baukörper entspricht nicht der Stringenz des Entwurfes und wird kritisch diskutiert. Die Entwurfsidee der Rendezvousbrücke greift bewusst sowohl die frühere Nutzung als Bühne auf, als auch die beliebte Aussicht auf das große Blumenbeet. Durch die Art der Ausformung können jedoch auch Assoziationen hervorgerufen werden, die typologisch eher an Verkehrsbauten erinnern. Hier empfiehlt die Jury die Ausführung der Brücke im Sinne einer Parkarchitektur weiter auszuformen.
    Inhaltlich wird das tief ausgearbeitete Ausstellungskonzept als tragfähig bewertet und beinhaltet spannende Elemente in Form eines breit angelegten Vermitllungsmixes. Jedoch sollte überlegt werden, das Leitthema Wasser eher im Subkontext zu spielen. "Wüste und Urwald" besitzen starke emotionale Elemente, die sich für eine zielgruppenübergreifende Dramaturgie gut eignen. Dem Konzept fehlt allerdings noch eine emotionale Einstimmung, die nachgearbeitet werden sollte.
    ln der NO-Ansicht wird nicht hinreichend auf den Wechsel von massiven und verglasten Fassadenbereichen eingegangen. Diese sollte bei der Weiterbearbeitung weiter differenziert werden.
    Begrüßt wird die Verbindung des Urwaldhauses mit dem Klimawald im angrenzenden Freibereich.
    Der Wintergarten nimmt sich architektonisch trotz seiner merklichen Höhenentwicklung zurück. Die Orientierung der Hauptnutzungsflächen zum großen Platz ist gut gelöst und ermöglicht eine problemlose Abwicklung verschiedenster Nutzungen. Die angemahnte Größe und Höhe zur Unterbringung der Palmen erscheint lösbar. Die Jury gibt hingegen zu bedenken, ob nicht durch eine veränderte Erschließung der Veranstaltungssäle deren Nutzung variabler ermöglicht werden kann.
    Bei der Haustechnik trifft der Verfasser wenig detaillierte Aussagen zur konkreten Ausrüstung. Das natürliche Lüftungskonzept ist zu bearbeiten bzw. durch größere natürliche Öffnungen und ggf. mechanische Unterstützung zu verbessern.
    Bei der Vorprüfung geht man davon aus, dass der Entwurf die im Wettbewerb formulierten Vorgaben respektiert und im Falle einer Realisierung umzusetzen in der Lage ist.
    Aus statischer Sicht ist der Beitrag unbedenklich. Die Gebäudeaussteifung in Längsrichtung gilt es zu konkretisieren. Die Spannweite der Rendezvousbrücke ist zu prüfen. Die Ausführung in Spannbeton gilt es abzuwägen.
    Insgesamt handelt es sich um einen realisierbaren, der Situation und Bedeutung des Ortes angemessenen entwurflichen Beitrag, der sich harmonisch und verträglich in die historisch gewachsene Gesamtanlage als neues Kapitel der Baugeschichte dieses Ortes einfügen wird. Insbesondere das Ausstellungskonzept weist hervorragende Konzepte auf und verspricht die geforderte Attraktivitätssteigerung der ega erreichen zu können.


INFO-BOX

Angelegt am 09.02.2016, 15:31
Zuletzt aktualisiert 16.02.2016, 11:14
Beitrags-ID 4-115890
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