Architekten
Verfasser
Manfred Bukowski
Mitarbeit
Karsten Boermann
Erläuterungstext
Eingangsregie
Der Haupteingang vom Vorplatz aus bleibt in seiner Funktion erhalten. Durch den Haupteingang erreicht man über den Quergang als Vorraum mit den Nischen für die Glaubensinformationen den Feier- und Andachtsraum. Das eingestellte Gehäuse des Feierraumes kann zweiseitig umgangen werden. Auf der südlichen Seite werden nach dem Rückbau der Beichtstühle die vorhandenen Nischen für Urnenkammern als Wandgrabmale entsprechend der Bauweise im Querhaus genutzt. Ein Eingang von der Straße aus dient als unmittelbarer Zugang des Querhauses mit dem Kolumbarium und zugleich als 2. baulicher Rettungsweg. Die Sakristei wird zusätzlich über einen vorhandenen Nebeneingang erschlossen. Der Bereich der Abschiedsräume mit den Sargkammern erhält einen eigenen, ebenfalls bereits vorhanden Eingang, der über eine Zugangskontrolle gesichert werden kann.
Feier- und Andachtsraum
Der Feierraum und das Kolumbarium werden durch den Einbau eines hölzernen „Gehäuses“ innenräumlich voneinander separiert.
Die holzvertäfelte räumliche Abtrennung des Feier- und Andachtsraumes von dem Bereich des Kolumbariums im Querschiff ist inspiriert und assoziativ verknüpft mit dem Bild des „Heiligen Hieronymus im Gehäuse“, Antonello da Messina, um 1474.
Der hölzerne Einbau aus Douglasien-Dielen vermittelt im Zusammenspiel mit den steinernen Wänden aus Ibbenbürener Sandstein und dem Backsteinmauerwerk, sowie mit dem neuen Werksteinboden aus einem portugiesischen Kalkstein, ggf. aus einem hellen Jura-Kalkstein, eine etwas wärmere Grundstimmung im Feier- und Andachtsraum.
Der bergende Charakter der winkelförmig angelegten hölzernen Wände des „Gehäuses“
nimmt darüber hinaus Bezug auf das Bild der Arche Noah als eines der Urbilder des Alten Testaments. Die Arche Noah steht als Sinnbild für die Zuflucht in der Not und auch für den Übergang von einem Leben zum anderen.
Die Raumstimmung im Andachts- und Feierraum wird darüber hinaus geprägt
von der sakral meditativen Stimmung der Seitenkapelle mit dem Weihwasserbecken, der Pieta, die an Ihrem bisherigen Ort verbleibt, und der Ikone der „immerwährenden Hilfe“.
Im Bereich des mittleren Joches der Seitenkapelle sollte die Außenwand mit einem farbig verglasten Fensterelement versehen werden, um die Atmosphäre und die Lichtstimmung
in der Seitenkappelle und im Feierraum zu verbessern und die neue Funktion der Kirche als Urnenbegräbnisstätte auch nach außen zur Straße hin zu signalisieren.
Kolumbarium
Die Ausformung und die Anordnung der Urnenkammern im Querhaus des Kirchenraumes folgen in assoziativer Verknüpfung dem Bild des Wandgrabmals und dem Bild des Sarkophags. Das Sarkophag-Prinzip erlaubt eine Position der Urnen in Bodennähe und damit einen unmittelbaren Bezug zum Erdreich und zur Erdbestattung. Die Anlage der Urnenaufbewahrung im Bereich der Wände und als Sarkophage auf dem Boden ermöglichen gleichzeitig, dass das Querschiff räumlich unverstellt wirkungsvoll bleibt und die räumliche Differenzierung des bestehenden Kirchraums lediglich durch die hölzerne Wand des „Gehäuses“ erfolgt. Der Schwerpunkt der räumlichen Organisation des Kolumbariums als Ort der Urnenkammern aber auch als Ort der Besinnung, der inneren Einkehr und der Trauer liegt unterhalb des Dachoberlichts in der Achse des Bronzekreuzes auf der Hauptwand des Querschiffs und wird durch die Anlage einer dunkel unterlegten Wasserfläche ergänzt.
Wasser gilt als Sinnbild für das Leben und als Symbol der Reinigung von den Sünden.
Wasser ist die Quelle des Lebens und steht als Bild für das ewige Leben.
Jesus schickt den blinden Bettler zum Teich Schiloach.
„Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich. Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen“
Evangelium nach Johannes, Joh 9, 1-42, Die Heilung eines Blinden
Das Bronzekreuz auf der Sandsteinwand, das Oberlicht, die Wasserfläche und die Sitzbank in der Nische des „Gehäuses“, sowie die „Grabplatten“ des Ewigkeitsraumes sind in Ihrer Anordnung räumlich aufeinander bezogen und definieren so den zentralen Ort der Meditation im Kolumbarium im Zeichen der christlichen Auferstehungshoffnung.
Der Kreuzweg verbleibt an der westlichen Wand des Querhauses.
Empore
Der Raum auf der Empore wird in das Gesamtangebot an Räumen und Orten für die Andacht und das kontemplative Gedenken optional mit eingebunden.
Eine einfache Möblierung, ein Holztisch mit Stühlen, etwas bequemere Sitzmöglichkeiten, bieten die Möglichkeit des Rückzugs verbunden mit einer Nutzung als Gesprächs- und Meditationsraum.
Abschiedsräume
Die Abschiedsräume mit den Sargkammern werden im Bereich des ehemaligen Pfarrsaales und der Sakristei vorgesehen. Die Lüftung und die Kühlung der Sargkammern erfordern eine zusätzliche innere Wärmedämmung. Die erforderliche Technik wird im Kellergeschoss nachgewiesen. Holzvertäfelte Wandkonstruktionen mit bündig eingearbeiteten Türelementen schaffen in Kombination mit dem erneuerten Bodenbelag aus portugiesischem Kalkstein einen angemessen würdigen Rahmen.
Die Fensterkonstruktionen des Bereichs der Abschiedsräume wird durch eine
Holz-Aluminium-Pfosten-Riegel-Konstruktion ersetzt. Die semitransparente Verglasung erfolgt mit einer Holzrastereinlage im Scheibenzwischenraum.
Beurteilung durch das Preisgericht
Liegt nicht vor.