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  • DE-81669 München
  • 04/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-125089)

Lärmschutzbebauung am Innsbrucker Ring


  • 5. Preis

    Ecksituation Innsbrucker Ring/ Grafinger STraße

    Architekten
    florian krieger architektur und städtebau gmbh, Darmstadt (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner partnerschaft mbb, Freising (DE), Freising (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebau und lärmgeschütztes Wohnen
    Leitmotiv des Entwurfes für eine Lärmschutzbebauung am Innsbrucker Ring ist der prägnante „Zahnschnitt“ der Gebäudekubatur. Er erhöht an den lärmgeschützten Seiten die Oberfläche des Gebäudes und schafft mit seinen Kopfbauten die räumlichen Voraussetzungen für eine Orientierung der Wohn- und Schlafräume zum ruhigen Innenhof. Dadurch wird hohe Wohnqualität gewährleistet - unabhängig davon, ob es sich um „normale“ geförderte Mietwohnungen oder Appartements für Azubis handelt. Beide Wohnformen werden in dieselbe Grundstruktur integriert.
    Zwischen den zahnförmigen Kopfbauten schaffen thematisch unterschiedlich behandelte Höfe ein vielfältiges Freiflächenangebot, sei es auf den Dächern des Sockelbaus für Einzelhandel und KITA oder dem ebenerdigen Spielhof im Südwesten. Mithilfe der Kopfbauten werden Gebäudekubatur und Grünräume eng miteinander verzahnt.

    Die viergeschossige Bauweise gliedert sich selbstverständlich in die Umgebung ein und schafft einen prägnanten Abschluss der westlich anschließenden Quartiersbebauung.

    Die Vielzahl an Gebäudeecken, die der Zahnschnitt generiert verschafft den hier gelegenen Wohnungen die hohe Qualität eines Wohnessraums mit Loggia über Eck und die Orientierung zu zwei Himmelsrichtungen. Die Wohnungen sind vornehmlich nach Süden oder nach Westen ausgerichtet. Die Erschließung erfolgt an den besonders lärmbelasteten Seiten über einen (geschlossenen) Laubengang, was insbesondere für die kleinen Einheiten des Azubiwohnens effizient ist. An der südlichen Grundstücksgrenze, wo Lärm und Sonne von derselben Seite kommen ermöglicht eine Spännererschließung die Ausrichtung der Schlafräume zum Hof während die Essküche nach Süden ausgerichtet ist. Bei den großen Wohnungen an der Grafinger Straße wird Durchwohnen angeboten.


    Relief
    An den lärmbelasteten Außenseiten im Norden, Osten und Süden legt sich eine plastisch gegliederte, schichtweise aufgebaute Lärmschutzfassade wie ein langer Schirm um das Gebäude. Dieses „Relief“ verschafft der Architektur einen prägnanten Auftritt im Stadtraum und einen hohen Identifikationswert. Um einen angemessenen Öffnungsanteil auch zur Stadtseite hin kostengünstig zu realisieren wurde die schall- und wärmeschutzrelevante Gebäudehülle an die weitgehend geschlossene Ganginnenseite verlegt und die äußere, z. T. verglaste Hülle nur als Wetterschutz ausgelegt. Die Verglasungen haben daher keine hohen Anforderungen. Die geschlossenen Bereiche, die gleichsam einem Faltwerk für die Plastizität der Fassade sorgen, können aus einfachem Plattenmaterial wie z.B. Faserzement hergestellt werden.
    Dort wo die Wohnungen bis zur Gebäudeaußenseite durchgesteckt werden (z.B. an der Grafinger Straße) und kein Laubengang vorgelagert ist, ist die Relieffassade als hochgedämmte Stahlbetonkonstruktion mit demselben Plattenmaterial als äußere hinterlüftete Schicht ausgeführt.


    Kita
    Die Kita ist in zwei Geschossen an der Grafinger Str. angeordnet, was einen starken Bezug zum Quartier mit sich bringt. Sie öffnet sich mit den Gruppenräumen nach Süden zum Innenhof. Der zentrale Foyerbereich und Treppenaufgang ist über eine Galerie im Obergeschoss natürlich belichtet. Dadurch wird die große Gebäudetiefe des Sockelgeschosses entwurflich bewältigt. Im Obergeschoss öffnet sich der Blick auf die große Spielterrasse, um die die Gruppenräume ringsum angeordnet sind.
    An der Nahtstelle zwischen Kita und Wohnungen ist ein großer Gemeinschaftsraum angeordnet (der optional auch als Wohnung ausgebaut werden kann).

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf trifft eine eindeutige städtebauliche Aussage durch die Fortführung der bestehenden Gebäudehöhen und -kanten. Das Quartier am Piusplatz wird zum Ring hin abgeschlossen. Die geschlossene Straßenfassade wird zum Innenhof hin durch die verzahnten Baukörper aufgelöst, was sich für die Wohnqualität im Innenhof positiv auswirkt.

    Die Wohnungsgrundrisse überzeugen durch gute Organisation und insbesondere auch die Übereckbelichtung. Die geschoßweise gefaltete Fassadengestaltung über Wohnungen und Laubengänge hinweg wirkt sehr rigide. Die Erschließung erfolgt an den noch schallbelasteten Lagen über Laubengänge, zum Hof hin über Spänner.

    Die vorgeschlagene Anlieferung kann über die Grafinger Straße so nicht funktionieren. Die technischen Anforderungen an die Lüftung der Anliefertrasse sind kritisch zu prüfen und wirken sich negativ auf das Energiekonzept aus.

    Die Kinderkrippe ist gut organisiert und bietet ausreichend Freiräume, der Hol-und Bringservice ist flächenmäßig angeboten.

    Die minimierte Über- und Unterbauung hält die Versiegelung gering und kommt dem Baumerhalt zugute.
    Als nachteilig wird die fehlende direkte Zugänglichkeit der Freiflächen (im Innenhof) für die Bewohnerschaft der geförderten Wohnungen gemäß kommunalem Wohnungsbauprogramm empfunden.

    Die Arbeit liegt wirtschaftlich auch im Verhältnis GF/WF im mittleren Bereich.