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  • DE-85748 München
  • 07/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-159436)

Science City Garching


  • Preis

    Vogelperspektive

    Architekten, Landschaftsarchitekten
    AS+P Albert Speer + Partner GmbH, Frankfurt am Main (DE), Shanghai (CN) Büroprofil

    Preisgeld
    36.250 EUR

    Erläuterungstext
    Wie eine Insel liegt das TUM-Campusgelände in der Isar-Aue, eingefasst in einem grünen Landschaftsgürtel. Der Campus wird derzeit dominiert von heterogenen Strukturen der bestehenden Fakultäten. Sie zeichnen sich aus durch ihre Effizienz im Lehr- und Forschungsbetrieb und die räumliche Aufteilung. Allerdings sind sie in ihrer Größe und Strukturiertheit unflexibel in der Anpassung an wechselnde Rahmenbedingungen, Nutzungsänderung oder Erweiterungs- und Rückbaumaßnahmen. Im Kontext einer Campus-Landschaft stehen im offenen Raum für sich und bilden kein Ensemble untereinander und mit der Umgebung.
    Die Entwurfsidee basiert auf zwei Ansätzen: Zum einen sollen die bezugslosen Großstrukturen um eine kleinteiligere Struktur nutzungsgemischter Gebäude erweitert werden. Ziel ist die Schaffung baulich verdichteter Inseln mit einem städtischen Quartierscharakter.
    Zum anderen wirken als Negativ der Baugruppen klar definierte Grün- und Freiraumachsen mit qualitativ hochwertiger und abwechslungsreicher Gestaltung als Gegengewicht zu den verdichteten Feldern. Diese Freiräume schaffen Anschluss zur grünen Umgebung der Isarauen.
    Die beiden Ansätze ergänzen sich und definieren damit klar die neuen Strukturen des Campus als Ensemble aus Bebauung und Landschaft.
    Das System von Grün- und Freiraumachsen sowie einem zentralen Bereich von Sondernutzungen greift die inselartige Situation im Grüngürtel des Campus auf. Der Bereich der Neuen Mitte wird dabei erweitert. Diese zentrale Aktiv- & Sondernutzungszone dient als das Rückgrat des Campus. Zusätzlich lockern kleinere Aktivzonen den Bereich der Neuplanung auf. Das System von Freiräumen und die Sondernutzungszone definieren die Baufelder als Negativ der Grünraumstruktur. Auf diese Bebauungsfelder werden zukünftige Bauvorhaben des Campus beschränkt.
    In den Baufeldern der bereits bebauten Bereiche gibt es hohe Nachverdichtungspotentiale. Das Gebiet des Campus West wird komplett neu geplant. Die Fakultät Elektro- & Informationstechnik ist dabei an prominenter Stelle im Süden vorgesehen. So bekommt der Campus ein urbanes Gesicht, wobei der Campus-Charakter als eine Kombination von „Inseln“ innerhalb von geräumigen Grünräumen bewahrt wird.

    Nutzungskonzept:

    Der Planungsansatz basiert auf der Idee der kleinteiligen Verdichtung und Erweiterung, und damit Schaffung einer städtischen Struktur. Er soll nicht als reine Lern- sondern als Lebensumgebung wahrgenommen werden. Die Regeln zur genauen Nutzung der Bauflächen werden dabei sehr variabel gehalten. Sie sollen ein selbstbestimmtes und bedarfsgerechtes Nachverdichten und Bebauen des Campus ermöglichen.
    Freiraumkonzept
    Die Grün- und Freiraumachsen des Konzepts definieren das Freiraumsystem des Campus. Das Grünsystem hat vier Ebenen:
    Die in Ost-West-Richtung verlaufenden Grünachsen, die sogenannten Fakultäts-Parks, unterteilen den Campus und bieten viele Gestaltungsmöglichkeiten. Hier sollen hochwertige Grünflächen mit abwechslungsreicher, intensiver Nutzung den Freiraum des Campus beleben.
    Die Freiräume der Sondernutzungszone dienen als Interaktionszone und mit Verbindungscharakter in Nord-Süd-Richtung. Die neue, autofreie Mitte gilt weiterhin als der zentrale Umsteigepunkt und die Umgebungsnutzungen stärken in diesem Bereich das Auftreten als Campus-Zentrum. Mit ihren hochwertig gestalteten Freiräumen sind diese Bereiche für Kulturevents nutzbar und gelten als repräsentative Räume für die Universität.
    Die Grünzone der Wiesäckerbach-Aue wird größtenteils von Unterholz befreit. Es mindert die Barriere-Wirkung, verbessert die Luftzirkulation, und macht den Raum für die Nutzer erlebbar. Hier wird eine Mischung aus extensiver Gestaltung und intensiv gestalteter Fläche im Bereich der Grünachsen vorgeschlagen.
    In der bewaldeten und schützenswerten Zone der Isar-Aue sollen ausschließlich naturnahe Freiraumaktivitäten angeboten werden.
    Die Stufigkeit des Freiraumsystems von umfassender Freiraumgestaltung zu starker Naturnähe erzeugt einen fließenden Übergang vom Campus-Inneren zur umliegenden Auenlandschaft.

    Bebauungskonzept:

    Baulich-rechtlicher Rahmen
    Auf starre Regelungen zur baulichen Ausprägung innerhalb der Bauinseln wird verzichtet. Die geplante, kleinteilige Bebauung ist ohne Verlust von Qualität im Bestand realisierbar. Die Bauregeln sind simpel gehalten, um eine einheitliche Anwendbarkeit sicherzustellen.

    Raumprogramm insgesamt
    Das Raumprogramm des Konzepts sieht insgesamt eine Bruttogeschossfläche von etwa 378.000 m² neuer Gebäude vor. Eine Fläche von 149.700 m² ist dabei für die geforderten Neubauten im Bestand und Campus West bereits verplant. Das lässt 228.800 m² als Fläche für flexible Nutzung und Nachverdichtung sowohl im Bereich des Bestandes als auch im Bereich des neuen Campus West.
    Die Flächen sind aufgrund ihrer Typologie für Institutsgebäude, Büro-, Labor-, und Wohnnutzung geeignet und können entsprechend der Nachfrage verteilt werden.
    Raumprogramm Campus West – Fachbereich Elektro- & Informationstechnik
    Die Fakultät für Elektro- und Informationstechnik befindet sich in prominenter Lage im neuen Eingang des Campus Garching. Der Fachbereich ist nicht in einem Gebäudekomplex untergebracht, sondern in einer Gruppe kleinerer Fakultätsgebäude. Die unterschiedlichen Nutzungsanforderungen sind dabei durchmischt in sämtlichen Gebäuden nachgewiesen.
    Mittig im Fakultätsbereich bildet ein Quartiersplatz das Zentrum des Fachbereichs. Er dient als Begegnungszone und Mittelpunkt im Freiraum. Der gesamte Innenbereich ist verkehrsberuhigt, nur Anlieferverkehr ist im Block-Innenbereich gestattet.
    Die Baustruktur des Bereiches wird in den umliegenden Baufeldern weitergeführt, Erweiterungs-möglichkeiten sind somit gegeben.

    Verkehr und Erschließung:

    Der Universitätscampus Garching befindet sich in einer verkehrsgünstigen Lage zwischen der Stadt München im Süden und dem nördlich gelegenen Flughafen.
    Nahmobilität
    Generell entstehen durch die erarbeitete Gesamtentwicklungsstrategie und damit verbundene Nachverdichtung kürzere Wege für Fußgänger und den nicht motorisierten Verkehr.
    Zur Optimierung der Mobilität vom, zum und auf dem Campusgelände ist ein multimodales System vorgesehen. Zur Förderung des Modalsplits des nicht motorisierten Verkehrs einschließlich Pedelecs ist ein Ausbau der Infrastruktur anberaumt.
    Für die Mobilität auf dem Campusgelände ist ein flexibles Vermietsystem für Fahrrad,- und elektrisch angetriebene Einpersonen-Transportmittel (Pedelec, Segway) geeignet, für den öffentlichen Verkehr wird eine zusätzliche Bushaltestelle an zentraler Stelle im neuen Campus West vorgeschlagen.

    Parken & P+R:

    PKW- Stellplätze sind in fußläufiger Erreichbarkeit zu allen Gebäuden in Parkhäusern oder in Tiefgaragen geplant. Im Entwurfsgebiet Campus West entstehen weitere straßenbegleitende Parkplätze, die primär für Besucher und Kurzzeitparker vorgesehen sind.
    Im zentralen Parkhaus östlich des Galileos werden Stellplätze inkl. P+R Plätze angeboten. Die zurzeit vorhandenen und gestalterisch eher unattraktiven Stellplätze rücken dadurch in den Hintergrund und werden im städtebaulichen Kontext kaum mehr wahrgenommen. Zudem wird der motorisierte Verkehr mit Ausnahme der öffentlichen Busse durch die Lage des Parkhauses verlagert, wodurch die Aufenthaltsqualität der Zentralen Mitte gestärkt wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf sieht eine moderate und angemessene Verdichtung und Ergänzung der vorhandenen Clusterstruktur des TUM Campus Garching vor. Im bisher unbebauten Westareal werden unterhalb des Baufeldes der Fraunhofer Gesellschaft 2 neue Clusterareale ausgewiesen, die sehr kleinteilig mit hoher Nutzungsdurchmischung gegliedert werden. Dies schränkt die Bebauungsmöglichkeiten ein. Die Elektrotechnik ist im Baugefüge gut situiert. Die vorgeschlagenen Gebäudekanten, Gebäudetiefen und Gebäudehöhen definieren kleinteilige Bauräume, die die Anforderungen des Hochschulbaus nur teilweise erfüllen können. Die ausgewiesenen Typologien können die geforderten Nutzungen vor allem im Forschungsbereich nur zum Teil abbilden. Die starke räumliche Vernetzung von Wohnen und universitärer Lehre und Forschung ist fraglich. Auch die Aufteilung und Lage der Parkhäuser bzw. Tiefgaragen überzeugt nur teilweise. Die diagonale Nord-Südachse ist beliebig und schränkt die Nutzungsmöglichkeiten der Quartiere ein.

    Mit deutlich und markant ausgeprägten Freiraumstrukturen in einer jeweils klar definierten Charakteristik erfährt der Siedlungsraum eine künftige Gliederung. Die gewählten Elemente wie Auwälder, Wiesäckerbach, Fakultätsparks, Obstwiesen und die Freiräume im zentralen Mittelbereich unterscheiden sich, werfen jedoch die Frage nach dem wirklichen Bedarf aus den angrenzenden Nutzungen auf. Die bandartigen Fakultätsparks sind in Ihrer Lage eher willkürlich, so vor Allem im Süd-Westen mit der Öffnung zur B11. Ungelöst sind auch die Verschneidungen mit den Bachläufen, in der Mittelzone verstellen Gehölzriegel den Blick zur Mensa.

    Die Erschließungsqualität durch die U-Bahn wird im Entwurf nicht ausreichend berücksichtigt. Das weitläufige Areal kann über die Grünbereiche fußläufig nur schwer erschlossen werden. Der Zugang mit dem PKW ist über die dezentrale Parkhausstruktur gewährleistet. Gut gefallen die autofreie Gestaltung der neuen Mitte und die Weiterführung der Erschließung östlich des Galileo-Geländes. Im westlichen Bereich ist die Torsituation als einladendes Element festzustellen.

    Die Arbeit schlägt ein Planungs- und Bebauungskonzept vor, das langfristig nur bedingt umsetzbar sein würde. Die „Bebauungsregeln“ sind zu wenig robust für die Zukunft.