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  • DE-74405 Gaildorf
  • 07/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-178994)

Nördliches Kocherufer


  • 2. Preis


    Landschaftsarchitekten
    lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Axel Lohrer , Ursula Hochrein

    Mitarbeit
    özge menevse, Till Kwiotek

    In Zusammenarbeit mit:
    Verkehrsplaner: ambrosius blanke verkehr.infrastruktur, Bochum (DE)
    Lichtplaner: DAY & LIGHT LICHTPLANUNG, München (DE)

    Preisgeld
    12.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die Kocherwiesen sind räumlich wie funktional der zentrale wie verbindende Landschaftsraum in der Mitte von Gaildorf. Mit unserem Konzept wollen wir ein verstellendes „Zuviel“ an Einbauten und Barrieren beseitigen und durch einen geweiteten, offenen Landschaftsraum im Kontrast zu den dichten Rändern eben diese Mitte auch visuell wieder erlebbar und damit für die Stadt lebendig werden lassen.
    Die Kocherwiesen entwickeln sich dem Fluss folgend längsgestreckt in der Talniederung, flankiert von einer von den Hangkanten kommenden bandartigen Abfolge Wald, Obstwiesen, Gärten und von grün eingebundenem Siedlungskörper.
    Zwei urbane Bereiche werden besonders herausgestellt – südlich des Ufers der historische Kern von Gaildorf mit Kirche und altem Schloss, nördlich des Kochers das neue Schloss mit vorgelagertem Garten. Dazwischen erstreckt sich eine facettenreiche Abfolge von stark grüngeprägten, thematisch unterschiedlich besetzten offenen „Feldern“. Die räumliche Gliederung erfolgt in einer fließenden Rauminszenierung durch kompakte

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der übergeordnete Ansatz, den Kochertalraum als zusammenhängenden und ablesbaren Landschaftsraum zu entwickeln und daher von vorhandenen Einbauten und Barrieren zu befreien, ist grundsätzlich richtig und gut nachvollziehbar herausgearbeitet. Dadurch konnte die verloren gegangene räumlich-landschaftliche Qualität dieses für Gaildorf bedeutenden und charakteristischen Landschaftselementes wieder hergestellt werden. Diesem Ansatz folgend wird jedoch der zentrale Festplatz von vorhandenen Halt gebenden Raumkanten befreit (Abriss Viehhalle) bzw. frei gehalten. Dies erschwert deutlich die Bildung von Aufenthaltsqualitäten und dadurch die Entstehung eines belebten urbanen Stadtraumes. Der Platz wirkt trotz begleitender „Parkhalle“ im Norden und skulp-turaler „Floßbank“ im Süden leer und wenig anziehend. Durch die vorgeschlagene Buslösung mit Zu- und Abfahrt am westlichen Platzrand wird der vorhandene Sportplatz an der Limburghalle darüber hinaus mindestens temporär deutlich beeinträchtigt.

    Problematisch wird der Knotenpunkt am nördlichen Ende der bestehenden Kocherbrücke gesehen, wo im Kurvenbereich mehrere Abbiegefunktionen aufeinander treffen, wenngleich die beibehaltene Sporthallenerschließung an dieser Stelle für richtig erachtet wird.

    Die vorgeschlagenen kreisförmigen Baumgruppen („Clumps“), die im gesamten Talraum punktförmig verteilt werden, setzen auf geschickte Weise räumliche Akzente, wirken in Anzahl und Verteilung jedoch schematisch. Das großzügige Freiräumen der Ufervegetation im zentralen Abschnitt dürfte vor dem Hintergrund des Schutzstatus des Kochers (FFH- und Vogelschutzgebiet) problematisch sein. Gut ist die grundsätzliche Einteilung des Talraumes in grüngeprägte, thematisch unterschiedliche Felder, in die die vorhandenen Sportplätze, das neue Kunstrasenfeld, Spiel- und Lehrfelder, die vorhandene Gärtnerei, der Festplatz sowie Schlossgarten und Kocherwiesen wie selbstverständlich eingebunden werden. Dadurch entsteht eine lockere und flexible „Feldfolge“, die je nach Bedarf auch künftige Nutzungsänderungen zulässt.
    Das Verschwenken der Schloss-Straße ermöglicht zwar einen großen ungestörten Festplatz, bringt aber auch Nachteile in der Verkehrsführung und eine nur ansatzweise gelöste Randsituation zu den angrenzenden Schlosswiesen mit sich.
    Die Situation im Umfeld des Neuen Schlosses/Rathaus ist gut gelöst. Der Standort der Rathauserweiterung wird als möglich erachtet.

    Die Arbeit bietet mit 375 Stellplätzen deutlich mehr als die geforderte Anzahl. Die vorgeschlagene Kurzparkregelung sollte auf die Bereiche der Innenstadt (südlich des Kochers) beschränkt bleiben. Die vorgeschlagenen Fahrflächen rund um die Parkhalle sind für die Befahrbarkeit mit den vorgegebenen Busmaßen nicht ausreichend.

    Der Umgang mit dem Schlosspark hat zwei unterschiedliche Facetten: Während der nördliche Teil getreu dem neubarocken Vorbild fast exakt rekonstruiert wird, wird der südliche landschaftsgebundene Parkteil unter Aufgabe des Teichs und des Baumbestandes als Parkwiese mit Baumclumps stark überformt.

    Ein gut ausgearbeitetes Lichtkonzept spielt mit Blickbeziehungen zur Altstadt. Durch Beleuchtung von Baumgruppen und Raumkanten bietet es Orientierung im weitläufigen Raum.

    Insgesamt ein guter konzeptioneller Ansatz mit Schwächen in der Detailausarbeitung.