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  • DE-44379 Dortmund, DE-44379 Dortmund
  • 09/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-186802)

Neubau Gemeinderäume an der Kirche in Oespel - Kley


  • ein 3. Preis

    Offenes Foyer zur Straße

    Architekten
    brewittarchitektur BDA, Bielefeld (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Thomas Brewitt

    Mitarbeit
    Jörn Börner, Matthias Manuel Gebhardt

    Preisgeld
    2.000 EUR

    Erläuterungstext
    DENKMAL
    Der Umgang mit dem Baudenkmal Oespeler Kirche orientiert sich an folgenden Grundsätzen:
    - Die Nutzungsergänzung verändert die Kirche weder in Struktur noch in Gestalt.
    - Neue Elemente orientieren sich in Proportion und Material an Bestehendem.
    - Denkmalrelevanter Bestand wird nicht verletzt, sondern bleibt erhalten.
    - Alle Eingriffe sind im Grundsatz reversibel.

    ANBAU
    Der Anbau nimmt die Proportionen und Konturen des Bestandes auf. Durch die klare, einfache und doch selbstbewusste Erweiterung entsteht ein neues, ausgewogenes Gleichgewicht des Gesamtensembles.
    Die neuen Räume setzen sich durch das zwischenliegende Foyer von der Kirchenaußenwand ab, die frei sichtbar bleibt.
    Foyer und Saal sind zum Vorplatz der Kirche hin orientiert und werden zur neuen Visitenkarte der Gemeinde. Die weithin sichtbare architektonische Geste signalisiert Offenheit, Transparenz und Zugänglichkeit; diese Attribute werden gebauter Ausdruck der Gemeindearbeit.
    Den erforderlichen Sonnenschutz leistet das beidseitig angeordnete Vordach, sodass weder Lamellen noch Behänge den offenen Charakter des Hauses beeinträchtigen.
    Die dienenden Räume (Küche, WC, Lager) liegen funktional sinnfällig angeordnet im hinteren Bereich des Anbaus und bieten kurze Wege und effektive Nutzung.

    ERSCHLIEßUNG + NUTZUNG
    Die Freitreppe der Kirche wird erweitert und erschließt künftig auch das neue Foyer. Kirche und Anbau verschmelzen durch die gemeinsame Treppenanlage zu einer großzügigen Einheit. Die vorgelagerte Terrasse lädt zum Verweilen ein.
    Ein barrierefreier Zugang ist über den östlichen, zweiten Hauptzugang zum Foyer gegeben; unter Ausnutzung der Topographie kann auf störende Rampenanlagen verzichtet werden.
    Die Nebenbereiche (WC’s, Technik, Lager) sind an einem Nebenflur mit eigenem, ebenfalls barrierefreien Zugang von Außen angeordnet.
    Verbunden sind alle Raumbereiche im Anbau sowie der Kirchenraum selbst über das zentrale Foyer, das für eine gemeinsame Nutzung auch gänzlich dem Saal zugeschlagen werden kann.
    Als Verbindung aller Funktionen und Gebäudeteile ist das Foyer Klammer aller Bereiche und wesentlicher Bestandteil der vielfältigen neuen Nutzungsoptionen.
    Bei Gemeindefesten, Empfängen, Ausstellungseröffnungen, Konzerten, Lesungen, Hochzeiten, Taufen oder ähnlichen Anlässen verschmelzen Foyer, Vorplatz, Saal und Kirchenraum zu einer attraktiven Einheit, die multifunktional und flexibel eine große Bandbreite von Nutzungsvarianten erlaubt.

    KIRCHE
    Im Kircheninneren bleibt der bestehende Raumeindruck trotz gewünschter Entfernung der Bänke erhalten. Die frei werdenden Bodenfelder werden niveaugleich geschlossen und bilden die ehemalige Struktur ab. Der Kirchenraum kann künftig frei möbliert werden. Diese Flexibilität erlaubt ganz neue Nutzungen über den Gottesdienst hinaus. Auch sind neue liturgische Formen denkbar, ohne den gewohnten, würdevollen und traditionellen Charakter des Kirchenraumes aufzugeben.
    Sollte sich die Gemeinde doch gegen eine Entfernung der Bänke entscheiden, lassen sich auch ohne Nutzung des Kirchenraums im Anbau bis zu 120 Personen an Tischen unterbringen.

    MATERIAL
    Der Materialkanon orientiert sich an Vorhandenem. Holz, Glas, Stahl, Natursteinboden und als moderne Ergänzung sandgraufarbener Beton sind die sichtbaren Baumaterialien. Alle Materialien zeichnen sich durch Beständigkeit und Zeitlosigkeit aus und übernehmen farbliche Nuancen des Bestandes. In der minimierten Formensprache ihrer Verarbeitung zeigen sich alle Materialien jedoch selbstbewusst als moderne Zutat.

    FAZIT
    Das vorliegende Konzept basiert auf folgenden Grundüberlegungen:
    - Respekt vor dem Bestehenden
    - Stärkung des Gesamtensembles
    - Sensible Zurückhaltung im Kircheninneren, selbstbewusste und moderne Ergänzung Außen
    - Reversibilität der Eingriffe
    - Dauerhaftigkeit und Zeitlosigkeit von Material und Gestaltung
    - Multifunktionalität der Nutzungen, Schaffung neuer Nutzungsoptionen in allen Bereichen
    - Minimierung der baulichen Eingriffe und Maßnahmen erlaubt kostengerechte Realisierung
    - Einladende Geste zum Vorplatz als Visitenkarte der Gemeinde

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebaulich ein interessanter Beitrag. Eine einladende Geste zum Straßenraum und die zurückgesetzte Bauflucht erlauen einen gebührenden Anstand zur Kirche. Die Barrierefreiheit ist durch die Topografie und die umlaufende Terrasse gegeben.

    Die Zuordnung des Gruppenraumes zur Süd- und Westseite schafft Transparenz und lädt zum Besuch ein. Die zentrale Erschließung erfolgt wie bei der Kirche von der Straßenseite über ein großzügiges Foyer, das zum Gruppenraum zugeschaltet werden kann. Die Grundrissgestaltung ist funktional und gut durchdacht. Schwierig ist die aufwändige äußere Gestaltung mit dem umlaufenden Laubengang und dem Anheben des Gruppenraums. Durch diese Gestaltung bekommt der Anbau eine große Bedeutung und tritt somit in Konkurrenz zur Kirche. Bei der Betrachtung der Innenraumperspektive kommen Zweifel, ob die überdimensionierten Betonstützen vor den Kirchenpfeilern, die Sichtbetondecken und der graue Fußboden nicht zu kühl wirken und ob dieser Eindruck allein durch die Holzvertäfelung aufgehoben werden kann.

    Das Raumprogramm wurde sinnvoll umgesetzt; der sensible Umgang mit dem Inneren des Kirchenraums ist hervorzuheben. Der Kirchenvorplatz und die Gestaltung der Außenanlagen ist funktional und ansprechend.

    Einschätzung aus Sicht der Denkmalpflege
    Positiv ist aus denkmalpflegerischer Sicht zu sehen, dass nur ein Durchbruch benötigt wird und die Bänke vollständig erhalten werden können. Positiv sind gleichfalls die Linienbezüge im Grundriss. Kritisch zu sehen ist aus denkmalpflegerischer Sicht die komplette Anbindung an die Kirche, die Erhöhung über die Unterkante der Obergadenfenster hinaus und die zu aufgeregte architektonische Gestaltung, die den Neubau in starke Konkurrenz treten lässt und das Erscheinungsbild des Denkmals beeinträchtigt.


INFO-BOX

Angelegt am 15.12.2014, 14:04
Zuletzt aktualisiert 20.12.2014, 07:30
Beitrags-ID 4-96628
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