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  • DE-81549 München
  • 12/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-174991)

Neubau einer studentischen Wohnanlage an der Chiemgaustraße


  • 4. Preis

    Grundriss RG, © 03 Arch.

    Architekten
    03 Architekten GmbH Architekten BDA, Stadtplaner DASL, München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: realgrün Landschaftsarchitekten, München (DE)
    Bauingenieure: Müller-BBM GmbH, Planegg/München (DE), Berlin (DE), Dresden (DE), Frankfurt (DE), Gelsenkirchen (DE), Hamburg (DE), Karlsruhe (DE), Köln (DE), Nürnberg (DE), Reutlingen (DE), Stuttgart (DE), Weimar (DE)

    Preisgeld
    7.000 EUR

    Erläuterungstext
    Der Stadtraum entlang des Mittleren Rings wirkt wie ein städtebauliches Flickwerk individueller Strukturen und scheint sich mit seiner hohen Komplexität und Dynamik einem einfachen Verständnis von Ordnung und Schönheit zu entziehen. Noch könnte man versucht sein, die Schönheit im Chaos zu entdecken. Wir aber halten an der Ordnung des physisch erlebbaren Raumes als Bedingung von Städtebau und Wohnungsbau fest und versuchen in der Auseinandersetzung mit der analogen Wirklichkeit - der Bedingungen des Bauens, der Suche nach Wohnkomfort und den individuellen Qualitäten des Ortes - punktuell der pluralistischen Beliebigkeit zu entkommen.

    Die repetitive Struktur ist ein dem Wohnungsbau anhaftendes Thema. Das Projekt nutzt diese prinzipielle architektonische Qualität der Serialität, um mit kleinmaßstäblichen Elementen einen ruhigen zusammenhängenden Stadtraum zu schaffen. Dabei ist ein einfacher Block aus 10 Häusern entstanden. Ein Blockrand mit innenliegendem Park, der direkt am Mittleren Ring einen Ort der Ruhe schaffen soll.

    Die einfache Staffelung der Fassade steht für die Suche nach einer Architektur, die ganz unspektakulär ein Teil der Großstadt sein will. Dabei nimmt der Block die gekurvten Straßenverläufe auf und erinnert an Theodor Fischers Stadträume Münchens.

    Wir wollten ein Studentenwohnheim entwickeln, das sich einerseits mit den objektiven Realitäten des studentischen Wohnens auseinandersetzt und andererseits einen fast bürgerlich wirkenden Wohnkomfort bietet.
    Der serielle Funktionalismus der Moderne trifft hhier auf bürgerliche Raumkompositionen. Die dabei entstandene widersprüchliche Architektur hat uns fasziniert: Eine Architektur, die ihre Vorbilder in der frühen Moderne bei Kay Fisker, Gunnar Asplund oder Alvar Aalto sucht.

    Ziel des Entwurfs ist es, mit jedem Haus eine eigene Hausgemeinschaft auszubilden. Eingang, Garderobe, Bad und Kochzeile bilden eine klare Funktionsschiene aus, die in allen Studentenzimmern gleich ist. Dadurch entsteht eine großzügige individuell bespielbare Zimmerfläche, die sich als Wohnraum mit einem französischen Fenster nach außen hin öffnet.
    Ein abgestuftes System von Räumen und Schwellen soll die Kommunikation fördern. Jedes Haus wird straßenseitig betreten. Gegenüber der Treppe liegen die großzügigen Gemeinschaftsräume - Wohnzimmer eines jeden Hauses - die alle durch Gartenausgänge und Terrassen mit dem Park verbunden sind. So entsteht mit den zweigeschossigen Gemeinschaftsräumen, den Treppen, den Terrassen und den Außentreppen eine Raumfolge die das gesamte Haus vertikal verbindet und mit dem Park in Bezug setzt. Untereinander sind die Häuser durch Fluchttüren verbunden.

    Ziel des vorgeschlagenen Freiflächenkonzeptes ist die Entwicklung einer fast 1 ha großen zusammenhängenden Grünfläche für die studentische Gemeinschaft, die in Verbindung mit dem angrenzenden Park auch im übergeordneten grünplanerischen Kontext stadtklimatisch bedeutsam wird.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Eine konsequente, aus dem Geist der klassischen Moderne und dem Charakter des Ortes abgeleitete, einheitlich viergeschossige Blockrandbebauung besetzt kraftvoll das Baufeld und formuliert eine starke Adresse für das neue Studentische Wohnen. Zum heterogenen Stadtraum ergeben sich hierdurch klare Raumkanten, die zu einer Stärkung der umgebenen Straßenräume führen. Auch der Kirchplatz erhält eine selbstverständliche räumliche Fassung. Im Inneren wird unter Einbezug des gesamten
    Baumbestandes eine qualitätvolle und großzügige, vielfältig bespielbare Hofsituation geschaffen. Frei von Erschließungsflächen und Feuerwehrzufahrten entsteht in idealer Weise ein Aneignungsraum und Mittelpunkt für die Studenten.

    Überzeugt die gewählte Bauform in städtebaulicher Hinsicht, entstehen jedoch auch Probleme durch die einheitliche Behandlung der doch sehr unterschiedlichen angrenzenden Stadträume. Insbesondere im Bereich der Chiemgaustraße wird durch das starke Heranrücken an den Mittleren Ring, der schallschutztechnische notwendige Abstand von 20 m nicht eingehalten. Infolgedessen ergeben sich für die hier ausschließlich nach Süden orientierten Wohnungen sehr ungünstige Wohnverhältnisse.
    Ein direkter Außenraumbezug ist nicht möglich und kann auch nicht durch die angebotene Reinluftansaugung aus dem Innenhof kompensiert werden.

    Der konsequente Blockrand bedingt einen hohen Anteil an ausschließlich nach Norden ausgerichteten Wohnungen sowohl an der Chiemgau- als auch an der Weißenseestraße, wenngleich diese mit einem schönen Blick in den grünen Hof bzw. den Park belohnt werden. Inwieweit die gewählte Großform für die angestrebte Nutzung des kleinteiligen studentischen Wohnens dem Vergleich zum zitierten Hornbeakhus des dänischen Architekten Kay Fisker standhält, wird kontrovers diskutiert.

    Die innere Gebäudeorganisation als durchgehende Mittelflurerschließung mit variierenden Staffelungen der Flurbereiche ist intelligent gelöst und verspricht zusammen mit den innovativen Gemeinschaftsbereichen eine hohe innenräumliche Qualität. Ausschließlich entlang der Chiemgaustraße erscheint die Flurzone zu lang.

    Die Einzelwohnungen sind gut organisiert und weisen durch die subtile Staffelung der Fassaden eine aufgrund der Großform zunächst unerwartete Differenzierung auf. Die deutliche Unterschreitung der Mindestgröße der Individualräume ist nicht nachvollziehbar. Schade ist auch die nur über die Treppenhäuser umwegige Erreichbarkeit der Erdgeschosswohnungen zum Hof.

    Das Erscheinungsbild und die Materialität sind konsequent gewählt, können jedoch in Bezug auf die großen Fassadenlängen in ihrer Einheitlichkeit nicht vollständig überzeugen.

    Das Freiraumgefüge des Hofes ist sehr gut gegliedert und lässt vielseitige Aktivitäten im Außenraum zu. Einzig der Bezug des Hofes über die recht spärlichen Durchgänge zum angrenzenden Stadtraum erscheint zu gering. Die oberirdischen Stellplätze fehlen, die Fahrräder sind gut und in ausreichender Anzahl situiert. Die Tiefgarageneinfahrt liegt ungünstig gegenüber dem Kirchplatz und auch in der Lage zu den Haupterschließungen.

    Die Blockbebauung ist gut in den nachgewiesenen Bauabschnitten realisierbar und lässt aufgrund der kompakten Bauweise sowie der gewählten Materialität eine wirtschaftliche und nachhaltige Erstellung erwarten.

    Insgesamt stellt die Arbeit einen sehr selbstbewussten Beitrag zur Lösung der gestellten Aufgabe dar, der eine herausragende städtebauliche wie freiräumlich Qualität aufweist und dem heterogenen Stadtgefüge einen eigenständigen Stadtbaustein entgegensetzt.