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Nichtoffener Wettbewerb | 02/2020

Neubau eines Forschungs- und Ausbildungszentrum Medizin für die Universität Bern (CH)

2. Rang / 2. Preis

Preisgeld: 50.000 CHF

Bauart Architekten und Planer AG

Architektur

Schnetzer Puskas Ingenieure AG

Bauingenieurwesen

Beag Engineering AG

TGA-Fachplanung

Dr. Heinekamp Labor- und Institutsplanung

TGA-Fachplanung

WÄLCHLI ARCHITEKTEN PARTNER AG BRANDSCHUTZPLANUNG

Brandschutzplanung

Erläuterungstext

Das Projekt « BACKBONE » von Bauart wird mit dem 2. Preis ausgezeichnet.
Das Forschungs- und Ausbildungszentrum Medizin der Universität Bern ist als offenes Wissenschaftshaus konzipiert. Die transparente Umhüllung öffnet das Bauwerk zu seiner Umwelt; gegen Süden zum Inselareal; gegen Norden, im sich verengenden Raumkontinuum, zur Weite des parkähnlichen Bremgartenfriedhofs. Das architektonische Grundkonzept – Kern und Ummantelung – ist optimal auf die betrieblichen Bedürfnisse ausgerichtet: Ein Laborkern ist ummantelt mit Büro- und Begegnungsflächen, die eine niedrige Installationsdichte aufweisen. Demgegenüber steht der hochinstallierte Laborkern. Er besticht durch seine einfache, lineare und flexible Raumstruktur.

Beurteilung durch das Preisgericht

Mit der Situierung eines 7-geschossigen Baukörpers, welcher sowohl auf die Geometrie des Baufeldes 07 als auch auf das Nachbargebäude reagiert, wird eine städtebauliche Einheit angestrebt. Die von den Projektverfassern postulierte Torwirkung bezüglich der zukünftigen, gemäss Masterplan bedeutsamen, Erschliessungsachse des Areals, wird jedoch durch die Höhenstaffelung, die Umgebungsgestaltung sowie durch die Situierung der Einfahrt der Einstellhalle stark relativiert.

Mit einer umlaufenden transparenten Umhüllung beabsichtigen die Projektverfasser einen Öffentlichkeits-bezug zu erreichen, entstehen soll ein zur Aussenwelt offenes Wissenschaftshaus. Die allseitige Gleich-behandlung der Fassaden ohne jegliche kontextuelle Reaktion oder Bezugnahme auf die Hierarchie der öffentlichen Räume schwächt jedoch diese Absicht merklich.

Der Hauptzugang des Gebäudes und somit die Adressierung erfolgt ab der Friedbühlstrasse. Sämtliche öffentlichen Nutzungen sind im Erdgeschoss angeordnet. Die Besucherzone mit Foyer und Cafeteria wird als Schnittstelle zur Öffentlichkeit definiert. Diese öffentliche Zone ist grundsätzlich sehr effizient, jedoch zu eng und infolge der Raumgeometrie für die erwünschten Nutzungen wie Anlässe, Ausstellungen etc. kaum nutzbar. Obwohl die Mehrheit der Nutzer aus dem Areal kommen werden, wird dem südlichen Zugang unverständlicherweise weder bezüglich den Vorgaben des Masterplans noch den zu erwartenden Personen-strömen kaum die entsprechende Bedeutung zugestanden. Die Erschliessung der einzelnen Institute ist ab Inselareal lediglich via Eingangsgeschoss möglich. Die Anlieferung ist bezüglich Lage und Anbindung an die entsprechenden Funktionseinheiten gut gelöst, flächenmässig jedoch eher knapp bemessen. Die Zugänge zum ersten Institutsgeschoss und zu den Präparierräumen der Anatomie im 1. Untergeschoss sind schlecht auffindbar und führen lediglich durch einen geschlossenen Treppenkern, was sich sowohl auf die Attraktivität der Erschliessung als auch auf die Auffindbarkeit negativ auswirkt.

Gebäudestruktur und Raumanordnung basieren auf einem äusserst einfachen Konzept mit Kern und Ummantelung. Eine innenliegende Schicht beinhaltet sämtliche Nebenräume, welche in direkter Beziehung zu den südseitigen Laborräumen liegen. Die Durchlässigkeit dieser Mittelschicht könnte jedoch für eine Verkürzung der Arbeitswege noch verbessert werden. Im Norden sind die öffentlichen Räume der Institute sowie die Büroarbeitsplätze und Aufenthaltsbereiche angeordnet, eine frei bespielbare Fläche mit innen-liegenden Zellenbüros, unterschiedlich zoniert mit unterschiedlichen Atmosphären. Die dargestellte Platzierung der Zellenbüros wird jedoch als zu einschränkend beurteilt.

Die einfache Zonierung mit einer linearen Gebäudestruktur reagiert geschickt auf die Nutzungsanforderungen und deren Installationsdichte. Somit kann eine maximale Flexibilität sichergestellt werden. Die Vertikalverbindungen sind sinnvoll angeordnet und ermöglichen die erforderliche Trennung der Personen- und Materialflüsse. Zusätzlich werden mittels Wendeltreppen die Institute miteinander verbunden, was den gewünschten formellen und informellen Austausch begünstigt. Die einzelnen Institute werden so Teil eines Ganzen ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Die Nutzungsanordnungen sind aus betrieblicher Sicht gut gelöst. Einzig die Situierung der Elektronenmikroskopie im 1. UG ist infolge möglicher Schwingungen eher kritisch. Einzelne Räume erfüllen die Anforderungen an die Tageslichtvorgaben noch nicht.

Das Tragwerk ist als Skelettbau mit Ortbetondecken, vorfabrizierten Stützen und aussteifenden Kernen weit-gehend plausibel und wirtschaftlich konzipiert. Die statischen Massnahmen für den Rasterwechsel in den Untergeschossen sowie für die Überbauung des Photonengebäudes sind nachvollziehbar. Die Machbarkeit der Abfangkonstruktion für die Fassade über dem Eingangsbereich müsste noch nachgewiesen werden.

Das Projekt vermag die Anforderungen an die Nachhaltigkeit trotz dem vergleichsweise hohen Glasanteil zu erfüllen. Die vorgeschlagene Gebäudestruktur ermöglicht zudem eine einfache Systemtrennung.

Das Projekt ist mit seiner Kompaktheit sowohl bezüglich Geschossflächen als auch bei den Gesamt kosten leicht unterdurchschnittlich.

Das Projekt besticht durch die vorgeschlagene Gebäudestruktur, was ein ausserordentlich gut nutzbares und flexibles Regelgeschoss ermöglicht. In einzelnen Bereichen, insbesondere bei der Adressierung und Erschliessung, vermag das Projekt jedoch nicht zu überzeugen.