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Nichtoffener Wettbewerb | 11/2022

Bildungscampus Gallus in Frankfurt am Main

Blick auf den Campusboulevard

Blick auf den Campusboulevard

3. Preis

Preisgeld: 51.600 EUR

gernot schulz : architektur GmbH

Architektur

club L94

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

Das stÀdtebauliche Konzept des neuen Bildungscampus

Der Bildungscampus Gallus ist eines der Leitprojekte des integrierten Stadtentwicklungskonzepts Frankfurt 2030+. Zitat aus der Auslobung: „Hier werden die Themen Bildung und Stadtentwicklung zusammengeführt – dies im Bewusstsein, dass Bildung heute an den unterschiedlichsten Orten stattfindet. Die Stadtteile gewinnen in Bezug auf die Bildung der Menschen an Bedeutung – sie setzen den Rahmen fĂŒr vielfĂ€ltige Bildungsprozesse.“
Sucht man nach einem typologischen architektonischen Bild, welches als positiver „common sense“ fĂŒr einen Bildungscampus Teil der westlichen Baukultur geworden ist, fallen uns historische CampusuniversitĂ€ten in Europa und Amerika ein. Dieses Bild von GebĂ€uden verschiedener Bauzeiten, einheitlicher – oft aus der Farbe des Klinkersteins abgeleiteter – roter FarbprĂ€gung, eingebettet in eine parkartige Umgebung, die sich zu benachbarten Stadtquartieren öffnet, steht Pate, um zwar einen fĂŒr den Ort neuen großen Quartiersbaustein und ein neues architektonisches Bild von Schule zu entwickeln, durch das Verbinden mit bekannten baukulturellen Bildern jedoch gleichzeitig etwas Bekanntes und Positives auszustrahlen.
‹Bild: Campus Exeter, England, Quelle: artandeducation.net
An der Schnittstelle zwischen dem alteingesessenen Quartier Frankfurt Gallus und dem neu errichteten Europaviertel entsteht so ein vielfÀltiger Bildungscampus, der diverse pÀdagogische Nutzungen vereint. Acht verschiedene Einrichtungen bleiben als organisatorisch eigenstÀndige Institutionen bestehen, profitieren dabei jedoch von gemeinsamen Angeboten und Synergien, die durch den Bildungscampus gefördert werden.
 
Um den Campus-Charakter und den Wandel von Schule zum ganztĂ€gigen Lernort stĂ€dtebaulich und typologisch ablesbar zu machen, werden die einzelnen Bildungseinrichtungen in mehreren pentagonalen Baukörpern untergebracht, die in einem lockeren GefĂŒge zueinander stehend und unter Einbeziehung der bestehenden GebĂ€ude einen lebendigen durchgrĂŒnten Campus bilden. GeschĂŒtzte AußenrĂ€ume fĂŒr die Paul-Hindemith-Schule und die Vorschul-Kindereinrichtungen incl. Hort entstehen durch das polygonale Baukörperkonzept „von selbst“, ohne dass ZĂ€une unnatĂŒrliche Barrieren darstellen.
 
Die polygonale Struktur der HĂ€user verhindert zudem schon durch die dadurch entstehenden neuen RaumgefĂŒge das Bild und die Typologie der Flurschule. An deren Stelle treten Lernlandschaften als Wechsel aus rechteckigen InputrĂ€umen und fassadenorientierten nischenartigen DifferenzierungsrĂ€umen.
 
Schon durch die Lesbarkeit als eigene HĂ€user bzw. Hausgruppen entstehen Adressen der einzelnen Bildungsinstitutionen. Den jeweiligen EingĂ€ngen zu den HĂ€usern sind eigene Vorplatz-Situationen zugeordnet, EingĂ€nge befinden sich bei den Neubauten immer in durch GebĂ€udeeinschnitte definierte regengeschĂŒtzten Situationen. Unterschiedliche Fassadenmaterialien, die jedoch in senkrechter Textur und Farbe Verwandtschaften haben, lockern das Bild gleichzeitig auf, ohne die Lesbarkeit als zusammenhĂ€ngender Campus zu negieren.
 
Fassadenmaterialien:
Paul-Hindemith-Schule und Werkhaus: Klinker, ggf. auch Terracottaplatten mit senkrechter Textur durch z.B. gespaltenen Lochklinker, somit um die HĂ€lfte geringerer Materialverbrauch
Kinderzentren: Holzlattung senkrecht , rot dickschichtlasiert, hinterlĂŒftet und mit Klinkerausbildung im Spritzwasserbereich des Sockels.
Haus am Campusherz: Klinkersockel und rote senkrecht profilierte Trapezblechverkleidung der Sporthallen, um hier bei den großen FassadenflĂ€chen und schlechter Erreichbarkeit vom Boden leichtes und pflegefreies Material zu verwenden.
 
Die LernhĂ€user der Integrierten Gesamtschule Paul-Hindemith-Schule bilden die nord-westliche Begrenzung des Campus. Die gegenĂŒberliegende Kante des zentralen Schulhofs nimmt die in einem gemeinsamen Hausensemble untergebrachten Kinderzentren ein, die gleichzeitig den nördlichen Abschluss des öffentlichen Spiel- und Bolzplatzbereichs bilden. ErgĂ€nzt wird das Ensemble in der Mitte des CampusgelĂ€ndes durch das Campusherz mit Aula- und Mensanutzung der beiden Schulen, sowie durch das Werkhaus mit Stadtteilbibliothek und Kreativhaus.
 
Ein öffentlicher Campusboulevard verlĂ€uft in Nord-SĂŒd-Achse ĂŒber das Campus GrundstĂŒck und schafft so die Verbindung des Europaviertels im Norden und des Gallus Quartiers im SĂŒden. 
Entlang dieses Boulevards ­­– der Stelle mit der höchsten öffentlichen Frequenz des Campus – werden alle nach außen ins Quartier wirksamen Funktionsbausteine angeordnet: Den Auftakt an der sĂŒdlichen Kante des GrundstĂŒcks bildet das bereits bestehende CafĂ© am QuĂ€kerplatz mit zugehöriger AußenflĂ€che. Darauf folgt in nördlicher Richtung das Werkhaus mit Stadtteilbibliothek und Schulbibliothek im Erdgeschoss. Zwischen dem Altbau und dem Mensa-/Aula-/SportgebĂ€ude (Haus am Campusherz) befindet sich das Campusherz – dem gemeinsamen Treffpunkt beider Schulen. Die Cafeteria ist an der nördlichen Ecke des Campusherz-Baus positioniert, wo es auch außerhalb der Schulzeiten von Sportvereinen und Quartiersbewohnern genutzt werden kann und bis zum Lotte-Specht-Platz ausstrahlt.
 
 
Ausbildung von Bauabschnitten
 
In einer ersten Phase – der RĂŒckbauphase – wird das Jugend- und Kinderhaus, sowie die Sporthalle im nördlichen Teil des GrundstĂŒcks abgebrochen. Darauf folgt der Neubau der LernhĂ€user fĂŒr die Paul-Hindemith-Schule, des Werkhauses mit Stadtteilbibliothek und Kreativhaus, sowie des Kinderhauses in einer ersten Bauphase. Nach dem Umzug aller SchĂŒler der Paul-Hindemith-Schule inklusive der FachunterrichtsrĂ€ume in die Neubauten kann das Kinderzentrum sowie der Fachunterrichts- und Mensabaukörper abgebrochen und der bestehende Altbau gemĂ€ĂŸ zukĂŒnftigen Anforderungen saniert werden. Eine Interimsnutzung fĂŒr Mensa und die Kinderzentren wird fĂŒr diese Bauphase vorgesehen. In der zweiten Bauphase wird das Campusherz mit Aula und Mensa, sowie zwei ĂŒbereinandergestapelten 3-Feld-Sporthallen und das gemeinsam genutzte Haus der Kinderzentren errichtet. Die Ausbildung der Bauabschnitte ist auf den minimalsten Bedarf an Interimsquartieren, sowie eine schnelle Umsetzung ausgelegt.
 
 
Die FreirÀume
 
Konzept
Die Umgestaltung des Quartiers „Bildungscampus Gallus“ fungiert als Trittstein fĂŒr die angrenzenden Freiraumsysteme Lotte-Specht-Park und den bestehenden Freiraum QuĂ€kerwiese an der Frankenallee. Diese Funktion soll durch das freiraumplanerische Konzept gestĂ€rkt werden, ebenso soll die IdentitĂ€t des neuen Quartiers hervorgehoben und in ein stimmiges Gesamtkonzept integriert werden. Dabei ist es wichtig, qualitativ hochwertige öffentliche Frei- und GrĂŒnflĂ€chen zu konzipieren, die den komplexen AnsprĂŒchen aller Nutzungsgruppen gerecht werden.
Das freirÀumliche Konzept gliedert sich in drei Bereiche: der Campusboulevard, die FreiflÀche der Bildungseinrichtungen und die QuÀkerwiese.
 
Entwurf
Campusboulevard
Am östlichen Teil des Planungsgebiets befindet sich der sogenannte Campusboulevard, der eine wichtige Nord-SĂŒd Verbindung zwischen der Idsteiner Straße und der Frankenallee darstellt. Der Boulevard setzt nicht nur den öffentlichen Charakter des Lotte-Specht-Parks fort, sondern spielt auch eine wichtige Rolle bei der ZusammenfĂŒhrung verschiedener Nachbarschaften. Direkt am Campusboulevard befinden sich verschiedene öffentliche Funktionen: CampuscafĂ©, Sporthalle, Aula, Mensa, Stadtteilbibliothek. Der Boulevard erweitert sich zwischen dem historischen GebĂ€ude (der heutigen Paul-Hindemith-Schule), der Aula/ Mensa und den Bibliotheken, bildet einen gemeinsamen Treffpunkt, das „Campusherz“ fĂŒr alle SchĂŒler*innen, Anwohner*innen sowie Besucher*innen. Dieses bietet mit unterschiedlichen Sitzmöglichkeiten eine AufenthaltsflĂ€che mit hoher QualitĂ€t an.
 
Freiraum der Bildungseinrichtungen
Die FreirĂ€ume der Paul-Hindemith-Schule sowie der Kinderzentren liegen innerhalb der geschlossenen RĂ€ume, die durch die GebĂ€udekomplexe gebildet werden. Entlang des Campusboulevards sowie östlich des erhaltenen SchulgebĂ€udes befindet sich der Freiraum der neuen gymnasialen Oberstufe.  
Der Freiraum jeder Bildungseinrichtung wird in vier Themenbereiche geteilt: der Vorplatz, die Sport- (Spiel-)flĂ€che, die AufenthaltsflĂ€che und der (Schul-) Garten. Der Vorplatz dient als Ankunftsplatz, gleichzeitig bietet den Kommunikationsraum fĂŒr Kinder und Eltern. Die Sport- /SpielflĂ€che bietet eine Vielzahl von Sport- und Spielmöglichkeiten fĂŒr verschiedene Altersgruppen. Die AufenthaltsflĂ€che bildet „GrĂŒnes Klassenzimmer“ oder „GrĂŒner Schulhof“, bietet einen naturnahen Raum zum Austauschen und zur Erholung. Der Garten wird mit ObstbĂ€umen, Bienenwiese, Hochbeeten sowie SitzbĂ€nken dargestellt, bringt die Naturerfahrungen in das Leben der Kinder. In der NĂ€he des Vorplatzes befinden sich zentrale FahrradstellplĂ€tze. Westlich und sĂŒdlich der Mensa befinden sich zwei Außenbereiche fĂŒr die SchĂŒler*innen von der Paul-Hindemith-Schule und der neuen gymnasialen Oberstufe.
Der Außenraum des Kinderhauses befindet sich zwischen den Kinderzentren und dem ehemaligen Bolzplatz. Östlich des Jugendhauses stehen Tischtennis und Outdoor Fitness fĂŒr Jugendliche zur VerfĂŒgung, außerdem wird der Bolzplatz beim Lotte-Specht-Park genutzt.
Die ĂŒberwiegende Mehrheit der gut gewachsenen BĂ€ume wird erhalten, zusammen mit neu gepflanzten KlimabĂ€umen, bieten sich SchattenplĂ€tze zum Verweilen, Treffpunkt- und KommunikationsrĂ€ume.
 
QuÀkerwiese
Die im Bestand sogenannte QuÀkerwiese wird mit der Entwicklung des neuen Campus strukturiert und neu geordnet. Die Formensprache wird dem Entwurf angepasst und mit der neuen Freiraumstruktur eingebunden. Ehemalige Funktionen sowie Angebote werden jedoch erhalten und mit neuen Funktionen qualifiziert. An der Frankenallee werden, von West nach Ost, der Bolzplatz, der öffentliche Spielplatz, die QuÀkerwiese sowie ein Lesegarten als Freiraum der Stadtteilbibliothek verortet. Café am QuÀkerplatz Frankfurt sowie der Wochenmarkt auf der Frankenallee werden als die markantesten öffentlichen RÀume in Gallus in den neuen Campus integriert und bieten den Menschen weiterhin einen hochwertigen Raum.
 
Klimaanpassung
Im Hinblick auf Klimaschutz und Klimaanpassungsmaßnahmen wurde darauf geachtet, die FlĂ€chenversiegelung auf ein Minimum zu reduzieren. Der Bodenbelag wird aus Ökopflaster mit hoher wasserdurchlĂ€ssige vorgesehen. PlĂ€tze und Höfe werden mit Gehölzen begrĂŒnt und GrĂŒnflĂ€chen wassersensibel gestalten.
Der vorhandene Baumbestand auf dem GelĂ€nde wird weitestgehend erhalten. Eventuell notwendige BaumfĂ€llungen werden auf ein Mindestmaß begrenzt und durch Ersatzpflanzungen mit verschiedenen Klimabaumarten ausgeglichen. Der grĂŒne Saum des Gebiets sowie die grĂŒnen WiesenflĂ€chen in den Höfen bieten Nahrung und Lebensraum fĂŒr Insekten und Vögel.
Alle DĂ€cher werden begrĂŒnt. Die DachgĂ€rten der Kinderzentren werden mit klimatoleranten ZiergrĂ€sern dargestellt. Auf dem sĂŒdlichen Dach der Sporthalle befinden sich Fotovoltaikanlagen. Der gewonnene Strom wird im GebĂ€ude wiederverwendet.
Innerhalb des Planungsgebiets ist Regenwasser Wiedernutzung vorgesehen. Das Regenwasser von DĂ€chern wird abgeleitet, gesammelt, bzw. gefiltert, dann wieder fĂŒr die Bepflanzung genutzt.
 
EntwurfsĂŒberlegungen zur Umsetzung des pĂ€dagogischen Lernhauskonzepts
Ausgangpunkt der EntwurfsĂŒberlegungen sind Studien, in welcher geometrischen Form sich die vorgegebene Lernhausidee am besten organisieren und addieren lĂ€sst. Das Ergebnis „FĂŒnfeck“ ist kein Zufall, zeigt sich doch das FĂŒnfeck in vielen Bereichen des tĂ€glichen Lebens und des Wissens/Lernens als leistungsfĂ€higes Grundmodul und Allgemeinwissen. Sei es in der Natur (Form der Ocraschote), der Chemie, der Mathematik (Geometrie/FĂŒnfeck des Pythagoras), der Geschichte (Pythagoras-PythagorĂ€er), der Kunst (Goldener Schnitt) der Architektur (Festungsarchitektur/IdealstĂ€dte), der Landschaftsarchitektur (GiantÂŽs causeway) und des Spiels (Schnittmuster Fußball). 

Die architektonische Idee, das Konzept des Bildungszentrums der „Einheit in der Vielfalt“ – die Schule als Addition von Lernorten – direkt abzubilden erwies sich in der Durcharbeit als starkes und belastbares Konzept. Auch in der weiteren Zusammenarbeit mit allen Beteiligten birgt dieses Konzept die Chance der Weiterentwicklung und Optimierung ohne in ein starres orthogonales Architekturkonzept gebunden zu sein. Die Architektur wird sich daher erst in der Zusammenarbeit und Aneignung der Nutzer vollenden und vielfĂ€ltige Deutungen ermöglichen. Die Chance zu einem Bildungsort mit großem Identifikationspotential ist gegeben.
 
Ein besonderer Ort, eine besondere Gemeinschaft, eine besondere Idee des gemeinsamen Lebens und Lernens in einer „Bildungskette“. Architektonisches Ziel ist es, diese einzigartigen Ideen mit einzigartiger und dennoch sehr alltagstauglicher Architektur abzubilden.
 
FunktionalitĂ€ten und ErfĂŒllung des Raumprogramms
Der bestehende Altbau wird als SchulgebĂ€ude fĂŒr die Neue Gymnasiale Oberstufe gemĂ€ĂŸ neuer pĂ€dagogischer Anforderungen ertĂŒchtigt. Um Synergien zu ermöglichen, wird das Jugendhaus im Erdgeschoss des Schulhauses untergebracht. Die flexiblen Lerncluster der Oberstufe werden als offene Raumstrukturen in den Obergeschossen des Altbaus verteilt. Als Orientierungspunkt im Erdgeschoss befinden sich die VerwaltungsrĂ€ume der Schule.
Die beiden historischen ZugĂ€nge des Altbaus verbleiben in dieser lesbaren Funktion. Der dazwischen liegende Bereich wird als große Eingangshalle mit Sitzstufenanlage an der Fassade als Treffpunkt der OberstufenschĂŒler entworfen.
An der nord-westlichen Ecke des Campus-GrundstĂŒcks befinden sich die LernhĂ€user der Paul-Hindemith-Gesamtschule, die durch zwei aus den Foyerzonen sich aufwĂ€rts entwickelnden Treppenhallen erschlossen werden. Drei notwendige TreppenhĂ€user ergĂ€nzen das Entfluchtungskonzept. Neben den Foyer-/MehrzweckflĂ€chen und dem CafĂ© Comic befindet sich im Erdgeschoss der pentagonalen Baukörper der Verwaltungsbereich und die Naturwissenschaftlichen Lerncluster. Die Jahrgangsstufen Cluster verteilen sich auf drei Obergeschosse der LernhĂ€user.
Im SĂŒd-Westen des GrundstĂŒcks werden die Kinderzentren in einem Hausensemble mit eingefriedetem gemeinsamem Vorplatz jedoch getrennten ZugĂ€ngen sowie separater Erschließbarkeit der MehrzweckrĂ€ume verortet. Das Erdgeschoss bildet den öffentlicheren Ort, der gemeinsam nutzbare RĂ€ume beider Kinderzentren beinhaltet: In einem zentralen Haus befindet sich der Bewegungsraum, sowie die KĂŒche fĂŒr beide Kinderzentren, außerdem werden im Erdgeschoss die MehrzweckrĂ€ume und Eltern-Kind-RĂ€ume untergebracht. In einem Obergeschoss befinden sich auf beiden Seiten des zentralen Hauses weitere GruppenrĂ€ume. Die Gruppen der Krippen erhalten ĂŒber vorgeschaltete „Schmutzschleusen“, welche foyerartig ausgebildet sind, Zugang zu Außenbereichen. Die Gruppen der Kitas erreichen jeweils direkt aus den GruppenrĂ€umen vorgelagerte GĂ€rten oder Terrassen. Der Hortbereich erhĂ€lt eine eigene Terrasse mit Blick ĂŒber die QuĂ€kerwiese und den gesamten Schulcampus.
SĂŒdlich der Kinderzentren – als eigenstĂ€ndiger Baukörper am öffentlichen Freiraum des Campus GrundstĂŒcks – wird das Kinderhaus mit eigener FreiflĂ€che verortet.
An zentraler Stelle auf dem Campus wird das Werkhaus mit großer öffentlicher Wirksamkeit am Campusboulevard platziert. Zwei fĂŒnfeckige Baukörper beheimaten die Schul- und Stadtteilbibliothek mit erdgeschossiger Ausstrahlung zum Campusboulevard. Große Aufmerksamkeit wurde der potentiellen Zusammenschließbarkeit der Bibliotheken in der Zukunft oder auch nur in Teilen des Tages gewidmet. Das Obergeschosse beinhalten die RĂ€ume des Kreativbereichs (Kunst, Musik, Werken und LehrkĂŒche), die sich um foyerartige Mittelzonen mit der Möglichkeit zu Ausstellungen gruppieren. Im obersten Geschoss befinden sich die Hausmeisterwohnungen deren Loggiaeinschnitte dem Werkhaus ein eigenes GeprĂ€ge geben.
An das Werkhaus westlich angefĂŒgt befindet sich die Sporthalle der Kinderzentren mit schaltbarer Erschließungsmöglichkeit direkt vom Garten der Kinderzentren als auch vom öffentlichen GrĂŒn des QuĂ€kerplatzes.
Nördlich des Werkhauses befindet sich das Haus am Campusherz, in dem sich im Erdgeschoss die von beiden Schulen genutzten zusammenschaltbaren RĂ€umlichkeiten fĂŒr Mensa und Aula, sowie die RĂ€ume fĂŒr Darstellendes Spiel befinden. Der fĂŒnfeckige Fußabruck des Hauses im Erdgeschoss entwickelt sich nach oben zur funktionalen rechteckigen Figur der gestapelten Sporthallen, was auch in dem geĂ€nderten Fassadenmaterial seine Entsprechung findet. Die natĂŒrliche Belichtung der Sporthallen erfolgt zenital fĂŒr die obere und mittels einer großen Verglasung mit Austritt auf eine Terrasse im RĂŒcken der TribĂŒne bei der unteren Sporthalle. Mensa, Aula und Cafeteria sind jeweils zu den vorgelagerten AußenflĂ€chen mittels SchiebetĂŒren öffenbar. Zwei ZugĂ€nge von Osten und Westen ermöglichen alle vom Auslober gewĂŒnschten Zugangs-Szenarien.
 
Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz
FĂŒr alle Konstruktionen wird die Lebenszyklusbetrachtung in Kombination mit Wirtschaftlichkeitsaspekten als wichtigstes Entscheidungskriterium fĂŒr die gewĂ€hlten Baukonstruktionen und Materialien angewendet.
 
ZunĂ€chst wird bei der Entwicklung der Baukörper auf einen geringen Fußabdruck, geringem VerkehrsflĂ€chen- und Luftraumanteil und somit viel verbleibender FreiflĂ€che und fast 90%-igem Erhalt des Baumbestands geachtet. Alle DĂ€cher werden begrĂŒnt, so dass verdunstendes Regenwasser das Mikroklima auf dem GrundstĂŒck verbessert.
 
Der Materialwahl wird den Baukörpertypen angepasst. Die Kinderzentren können aufgrund ihrer Zweigeschossigkeit komplett als Holzbauten entstehen. Die LernhĂ€user der Paul-Hindemith-Schule werden in Mauerwerksbauweise erstellt. Hierbei kommen mit Nadelholz gefĂŒllte Mauerziegel zur Anwendung, welche ohne weitere DĂ€mmschicht die Anforderungen des Passivhausstandards erfĂŒllen können. Decken aus Gradientenbeton mit hohem Recyclingbetonanteil, die mit einem geringeren Materialaufwand höhere Spannweiten ĂŒberbrĂŒcken können, helfen effizient mit dem hier aus BrandschutzgrĂŒnden erforderlichen Baustoff Beton umzugehen. Das Haus am Campusherz entsteht in Stahlbeton-Skelettbauweise. Ausfachungen der materialknappen PrimĂ€rkonstruktion werden mittels Verglasungen und Leichtbau-Lehmbauplatten erstellt.
Bei den Schichtenaufbauten der Böden und DÀchern wird auf lösbare Verbindungen und sortenreine Verwendung oder Wiederverwendung von Bauteilen geachtet. Aus diesem Grund sind im Verbund mit Aufbauten und Unterbauten stehende Estriche vermieden.
 
Durch die konsequente Ausbildung jeweils zweier baulicher Fluchtwege aus den Nutzungsbereichen, wird – unter Ausnutzung der zuletzt im Schulbau eingefĂŒhrten Cluster-/Nutzungseinheitregel – seitens des vorbeugenden Brandschutzes angestrebt, alle FlurwĂ€nde ohne Brandschutzklassifizierung erstellen zu können. Die gute Einsehbarkeit der gemeinsamen Mitte und der KlassenrĂ€ume ist visuelles FrĂŒhwarnsystem, welches Rauch und Feuer unmittelbar zu erkennen gibt.
 
 
 
 
 

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser:innen beziehen sich mit ihrer Arbeit auf bestehende Hochschulareale vorwiegend in angelsĂ€chsischen LĂ€ndern und wollen bekannte baukulturelle Bilder und vertraute Materialien (Klinker) zu einem neuen architektonischen Bild von Schule mit pentagonalen Bauformen weiterentwickeln. StĂ€dtebaulicher Grundgedanke ist die Ausbildung eines Campus Boulevards vom CafĂ© am QuĂ€kerplatz im Gallus entlang des BestandsgebĂ€udes zum Lotte-Specht-Park im Europaviertel. Eine Querung vom Boulevard nach Westen wird angeboten. FĂŒr die Neubauten der Paul-Hindemith-Schule und der Kinderzentren entstehen geschĂŒtzte durch pentagonale Formen geprĂ€gte FreirĂ€ume.

Am Übergang zum QuĂ€kerplatz wird am Boulevard das „Werkhaus“ mit den Bibliotheken, der zur FreiflĂ€che der Kinderzentren ausgerichteten 1-Feld Sporthalle, dem Kreativhaus mit Musik- und Kunstcluster im 1. und 2. OG sowie den Dienstwohnungen im 3. OG angeordnet. Die schulischen Einrichtungen in den Obergeschossen werden ĂŒber ein gemeinsames Foyer am Campusplatz erschlossen, die Dienstwohnungen erhalten ein separates Treppenhaus. AblĂ€ufe und VerknĂŒpfungen sind attraktiv und funktional. Das Ă€ußere Erscheinungsbild wird von Klinkern Ă€hnlich wie die Paul-Hindemith-Schule geprĂ€gt.

Das „Haus am Campusplatz“ folgt auf Grund seiner vorherrschenden Nutzung als SportgebĂ€ude nur bedingt der pentagonalen Geometrie der Neubauten. Es weist ein großes Volumen auf und erhĂ€lt ein Sheddach. Im EG werden Cafeteria, Mensa, Aula, in den Obergeschossen 2 gestapelte 3-fach Sporthallen mit zugehörigen NebenrĂ€umen angeordnet. Dabei wird die obere Sporthalle mit GerĂ€terĂ€umen und Umkleiden in den Grundrissen nicht dargestellt. Das „Haus am Campusplatz“ wird geprĂ€gt von seiner GrĂ¶ĂŸe und einer rot eingefĂ€rbten Metallverkleidung der Obergeschosse.

Im BestandsgebĂ€ude sind zur Idsteiner Straße das Jugendhaus (nicht barrierefrei zugĂ€nglich) sowie zum Campus die Toni-Sender-Oberstufe verortet. Die Lerncluster im 1.–4.OG entsprechen in Folge der Einpassung in den GebĂ€udebestand nicht vollstĂ€ndig den Vorgaben, Raumteilungen folgen nicht immer der Bestandsfassade.

Die neue Paul-Hindemith-Schule wird nah an den Nordwestrand des GrundstĂŒcks gerĂŒckt und aus 4 aneinandergereihten 4-geschossigen Pentagonen mit leicht geneigten DĂ€chern gebildet. Die Erschließung erfolgt von der Idsteiner Straße, im EG befinden sich die Naturwissenschaften und die Verwaltung, in den OGs 1-3 werden die Jahrgangsstufen jeweils in Doppelclustern angeordnet. Die jeweiligen Lichthöfe sind fĂŒr ihre Höhe ĂŒber drei Geschosse recht sparsam, die Lernateliers auf Grund der vorgegebenen Außengeometrie der Pentagone differenziert, dafĂŒr aber in ihrer FlexibilitĂ€t begrenzt. Es wird eine Lochfassade mit quadratischen Fenstern unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe vorgeschlagen, das Fassadenmaterial bilden rote Klinker mit DĂ€mmung aus nachwachsenden Rohstoffen. In dem der Schule zugeordneten Freiraum liegen geringe Defizite bei den SportflĂ€chen vor.

Die Kinderzentren werden analog zur Paul-Hindemith-Schule aus 6 Pentagonen um einen zentralen geschĂŒtzten Freiraum angeordnet. In einem etwas abgelösten 7. Pentagon wird das Kinderhaus verortet. Alle GebĂ€udeteile sind 1- oder 2-geschossig, die Erschließung erfolgt entsprechend der Anzahl der unterschiedlichen Einrichtungen vorwiegend von Westen aber auch ĂŒber den inneren Freiraum. Alle Einrichtungen sind gemĂ€ĂŸ den Nutzeranforderungen ausgebildet. Als Fassadenmaterial des Massivbaus sind rot gestrichene Holzschalungen vorgesehen. Zum QuĂ€kerplatz liegt eine Überschreitung des Baufeldes vor.

Eine Tiefgaragenzufahrt ist im Lageplan dargestellt und die Garage befindet sich vermutlich unter dem „Haus am Campusplatz“. Weitere Angaben fehlen, auch in den Schnitten.

Der gesamte Bildungscampus ist in mehreren Bauphasen umsetzbar, beginnend mit einem Teilabbruch der Bestandsbauten, anschließend dem Neubau von „Werkhaus“ und Paul-Hindemith-Schule, in einem weiteren Schritt schließt sich die Sanierung des BestandsgebĂ€udes und abschließend die Errichtung des „Hauses am Campusplatz“ sowie der Kinderzentren an.

Die Gliederung des Freiraums in „Campusboulevard“, nutzungsbezogene FreiflĂ€chen und „QuĂ€kerwiese“ erzeugt schlĂŒssige Raumfolgen und eine hohe atmosphĂ€rische QualitĂ€t in den Außenanlagen. Die Zuordnung von Teilbereichen erfolgt konsequent und die Gestaltung zeigt eine wohltuende Verspieltheit. Das VerhĂ€ltnis von befestigten FlĂ€chen und GrĂŒnstrukturen erscheint sehr ausgewogen. Die nachvollziehbare Auseinandersetzung mit den BestandsbĂ€umen und die vorgeschlagenen Neupflanzungen fallen positiv auf. Die ZugĂ€nge auf den Campus werden als gute Anbindung an den Lotte-Specht-Park im Norden bzw. an die Frankenallee im SĂŒden wahrgenommen. Im Zusammenspiel mit den vorgeschlagenen CafĂ©-Nutzungen ergibt sich eine einladende Außenwirkung. An zentraler Stelle weitet sich der Boulevard zu einem öffentlichen Treffpunkt, an dem sich auch beide Schulnutzungen berĂŒhren. Die Absicht, der PHS einen geschĂŒtzten, aber nicht völlig isolierten Außenraum anzubieten, ist im Entwurf gut erkennbar. Kritisch bewertet werden die rĂ€umlichen Engstellen, die sich zum Teil zwischen den Baukörpern ergeben und dem Gedanken eines quartiersoffenen Campus entgegenstehen. Besonders im Verlauf des „Campusboulevards“ wird die Verengung zwischen Aula und NGO (Baukörper, Möblierung) als störend empfunden - sie widerspricht dem Gedanken des öffentlich frequentierten Durchflusses.

Auch die Lage der PHS-SportflĂ€chen ist nicht gĂ€nzlich nachvollziehbar – als unvertrĂ€glich wird die mangelnde Distanz zu den angrenzenden Bauwerken gesehen. Die FreiflĂ€chen des Jugendhauses an der Schwalbacher Straße wirken deplatziert und nachlĂ€ssig gestaltet. Trotz der zuletzt genannten Defizite ĂŒberzeugt das FreiflĂ€chenkonzept vor allem durch seine unterschiedlichen Stimmungsbilder und die kindgerechte MaßstĂ€blichkeit.

Die Arbeit stellt einen fĂŒr die vielfĂ€ltigen Nutzergruppen attraktiven Lösungsbeitrag der komplexen Aufgabe dar. Anmutung und Funktionen der GebĂ€ude und der FreirĂ€ume entsprechen weitgehend den Anforderungen. Ob die elaborierten Formen der Pentagone VerĂ€nderungen, die bereits wĂ€hrend der lĂ€ngeren Entwicklungszeit des Campus zu erwarten sind, standhalten können, wird im Preisgericht diskutiert. Ebenso wird diskutiert, ob allein durch die Formensprache und Raumbildung der Neubauten der Bestandsbau zu wenig als Teil des Gesamtcampus wahrgenommen werden kann. Hauptkritikpunkt ist jedoch, dass die GroßzĂŒgigkeit der Paul-Hindemith-Schule sowie der Kinderzentren mit einer sehr großen Baumasse beim „Haus am Campusplatz“ erkauft wird, dessen Stellung die FreirĂ€ume der Schule und des Kinderzentrums nahezu verschließt und den Boulevard in seiner Verbindungsfunktion der benachbarten Stadtteile einschnĂŒrt. So bleibt im Falle einer Weiterbearbeitung das VerhĂ€ltnis zwischen mit Nutzungen belegten und öffentlichen FreirĂ€umen erneut auszutarieren.
Blick ĂŒber den Bildungscampus

Blick ĂŒber den Bildungscampus

Modell

Modell

Modell

Modell

Plan 1

Plan 1

Plan 2

Plan 2

Plan 3

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Plan 4

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Plan 5

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Plan 6

Plan 6