• DE-33602 Bielefeld
  • 06/2011
  • Ergebnis
  • (ID 47197)

Kesselbrink Bielefeld – Neugestaltung des zentralen Platzbereiches

Beschränkter Realisierungswettbewerb
  • 1. Preis Mit der Realisierung beauftragt


    Landschaftsarchitekten
    Lützow 7 Cornelia Müller Jan Wehberg, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit::
    Architekten: LÉON WOHLHAGE WERNIK, Berlin (DE)
    Bauingenieure: Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft, Düsseldorf (DE), Frankfurt am Main (DE), Berlin (DE), Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Neugestaltung des zentralen Platzbereiches Kesselbrink Bielefeld

    passepartout

    Die Wiese vor den Toren der Altstadt Bielefelds, der Köttelbrink, erhielt seine für die Stadt
    ungewöhnliche Größe durch die folgenden Nutzungen des Kesselbrink als Exerzierplatz,
    Veranstaltungsort für Volksfeste und Kirmes, als Grünanlage, Parkplatz und Busbahnhof.
    Landschaftsarchitektur:
    Der Freiraum des Kesselbrink ist eine der größten innerstädtischen Freiflächen der Stadt und
    stellt vor dem Hintergrund der historischen Nutzungen einen Hybrid dar. Mal Platz, mal Park,
    Freifläche und grüner Stadtplatz, mal Verkehrsraum. Eine wechselvolle Identität. Eben dieser
    Identität Kontur, Form und Inhalt zu verleihen ist Ziel des Konzeptes.
    Die Berücksichtigung der eine Ordnung und Gestaltung des Freiraumes determinierenden
    Tiefgarage stellt eine besondere Herausforderung aber auch die Chance dar diesen Platz als
    Freiraum, Grünfläche und Stadtplatz wahrnehmbar zu charakterisieren.
    Das perspektivische Zurücktreten der Platzkanten ist der Weite des Freiraumes, der
    heterogenen Struktur der umgebenden Bebauung geschuldet. Ein Passepartout ordentlich
    aufgestellter Bosketts von in Art und Habitus unterschiedlicher Bäume schafft eine zweite
    Raumkante und rahmt den inneren Platz. Der entstehende grüne städtische Platz bietet Raum
    für sowohl die vorhandenen Nutzungsoptionen als auch Angebote die mit Blick auf die
    historischen Nutzungen in der Geschichte des Ortes jeweils lediglich singulär
    Berücksichtigung fanden.
    Eine den inneren Platzbereich umgebende Promenade unter dem lichten Dach der Blätter
    bietet Raum für Spiel und ruhig geschützten Aufenthalt mit Blick auf das Geschehen im
    Gegenüber und der Mitte. Zu den Straßen hin schaffen niedrige Hecken Distanz zum Verkehr.
    Im südlichen Bereich der Promenade verbindet sich der Raum unter den Bäumen mit zur
    Platzmitte hin großzügig angelegten Rasenterrassen zum Aspekt einer Freianlage mit
    vorwiegend grünem Charakter. Hier ergänzt ein Cafépavillon mit Biergarten das Angebot im
    Übergang zur befestigten Fläche des Aktionsraumes der Gesamtanlage. Der offene Bereich
    des Skateparkes und –Plaza bietet im Gegenüber des Cafés ein Angebot aktiver
    Freizeitgestaltung und eine Bühne der Darstellung dieses Sports.
    Die innere Kontur des Passepartouts definiert den Möglichkeitsraum des zentralen Platzes.
    Hier finden Märkte, Kirmes, Feste und andere Events eine großzügig bemessene Fläche.
    Durch die Mitte verläuft die west-östliche Querung des Platzes vom Ravensberger Park /
    Wiesenbad über die Straße Am Hallenbad, dem Skatepark bis zum Cafépavillon, der
    Wilhelmstraße hinein in die Altstadt. Eine jeweilig diagonale Querung der Anlage ist in
    direkter Laufrichtung gegeben.
    Das Zentrum der befestigten Platzfläche definiert ein die inhaltliche Mitte der
    Nutzungsoptionen markierender steinerner Teppich. Banklounges, die in ihrer Formgebung an
    „Ballen ausgerollten Tuches“ erinnern, strukturieren den in Ortbeton gefertigten Teppich. Als
    Fundamentplatte der Stadtloggia, die als Teilüberdachung von Veranstaltung und Markt dient,
    schafft diese Markierung ein solides Grundgerüst zur weiteren Organisation und Planung von
    Märkten und anderen Veranstaltungen. Ausgesuchte Marktstände und ein freier Bereich vor
    den Banklounges sind somit bei Regenereignissen geschützt, ein Ort des Rückzugs vor den
    Unbillen des Wetters.
    Vor dem Cafépavillon im westlichen Entree zum Platz lädt ein kleines, bespielbares
    Wasserspiel, dessen Fontainen sich in einem interaktiven Kontext zum Besucher bewegen,
    Kinder und Erwachsene ein und bietet einen Treff- und Orientierungspunkt auch bei
    Veranstaltung und Markt.
    Als Materialien der Platzbefestigung werden Pflasterplatten in Verbundverlegung
    vorgeschlagen. Im Bereich der Straße Am Kesselbrink ist Großsteinpflaster mit
    Laufplattenwegen vorgesehen. Alle steinernen Materialien sind in Betonwerkstein oder
    Naturstein vorstellbar. Der Skatepark und die Skate-Plaza erhalten als Bodenbelag
    geschliffenen Asphalt oder alternativ Ortbeton. Die Ausstattungselemente der Skate-Plaza
    sind im Bereich des Pools unter dem Baumdach in Beton im offenen Bereich –der Skateparkin
    Holzbauweise vorgesehen. Die Promenade unter den Bäumen erhält eine Deckung aus
    Wasser gebundener Tenne.
    Die Tiefgaragenzugänge werden Vorzugs halber nicht überdacht. Falls eine Überdachung
    zwingend notwendig wird schlagen die Verfasser ein einfaches Glasdach im Duktus der
    dargestellten Bushaltestellendächer vor. Die Absturzsicherung erfolgt durch Glasbrüstungen.
    Der Notausgang im Bereich des Rasenplatzes ist als funktionstüchtige mit einem Gitterrost
    abgedeckte Nottreppe vorgesehen. Im Bereich des Baumhaines über TG wird eine
    Aufbauhöhe von 120 cm angenommen um für die Bäume optimale Wuchsbedingungen zu
    gewährleisten. Die vorgegebene maximale Auflast wird durch Leichtbaustoffe und
    Leichtbausubstrat sichergestellt. Die Decke der Platzfläche über TG folgt in der ihrer
    Höhenlage präzise der Decke der TG mit einem Aufbau von 50 cm. Die Entwässerung erfolgt
    weitgehend über die vorhandenen Übernahmepunkte des Rohrnetzes.
    Das Lichtkonzept sieht eine Ausleuchtung und Effektbeleuchtung mittels Leuchtstelen –
    Mastleuchten mit Mehrfachleuchtköpfen vor. Die Masten sind innerhalb des Rasters der
    Konturen der Baumhaine vorgesehen. Die Platzmitte wird von Masten freigehalten und durch
    Strahler vom Rand her ausgeleuchtet. Für die Inszenierung von Veranstaltungen auf dem
    Platz sind diese beweglich und getrennt schaltbar.
    Die Barrierefreiheit der südlichen Baumterrasse wird durch Rampenanlagen im Westen und
    im Osten sichergestellt.
    Architektur:
    Die Architektur des Platzes nimmt die elegante Rahmung des Platzes durch den Baumhain
    auf, indem sie diesem starken Gestaltungselement zwei architektonische Objekte
    gegenüberstellt. Einfach und elegant zeigen sich der Pavillon des Cafés und die Stadtloggia.
    Beide nehmen mit ihrer Konstruktion das Baumraster des Hains auf. So stehen die
    langgestreckte offene Loggia und der kubische gläserne Pavillon im kompositorischen Dialog
    zueinander und zum großen Ganzen des Platzes, insbesondere zum Baumhain.
    Die Loggia stellt sich als ein additives System dar, deren einzelne Elemente als autonome
    Stahlrahmen ein Gerüst bieten. Die vertikalen Felder des Rahmens sind im Gegensatz zum
    geschlossenen Dach durch eine Art textilem Gewebe aus Metall oder auch Kunststoff variabel
    veränderbar. Darüber kann die Stadtloggia ihre Gestalt verändern, so dass unterschiedliche
    Nutzungen spielerisch aufgenommen werden können. In ihrer Wandelbarkeit wird so die
    Halle zu einer Bühne bei geschlossenen Feldern an beiden Außenseiten. Sie kann als offene
    und doch geschütze Markthalle dienen, wenn das Textil auf halber Höhe ausgefahren wird
    oder sie stellt sich als ein Leuchtkörper dar, wenn die gesamte Verhüllung aktiviert wird.
    Dann wird die Loggia auf einmal zu einer Art temporäre Halle für Veranstaltungen aller Art.
    Diese interaktive Gestaltung der Hülle zielt bewußt auf die öffentliche Nutzung des
    städtischen Raumes ab. Deswegen bildet die Loggia auch das Zentrum des offenen inneren
    Platzraumes.
    Das Café liegt an der Schnittstelle zum höher gelegenen Baumhain und nimmt damit auch
    stärker Bezug auf den Rand des Platzes. Es öffnet sich rundherum zu allen Seiten, sowohl zur
    Stadt als auch, dann zum Baumhain nach Süden. Der Kern könnte eine offene Bar und auch
    eine offene kleine Küche sein, alle Nebenräume für das Personal als auch die WC’s der
    Besucher sind über eine Treppe auf oberer Ebene des doppelgeschossigen Cafés zu erreichen.
    Für mobilitätseingeschränkte Personen gibt es eine Toilette auf der Eingangsebene sowohl
    vom Platz als auch separat vom Café aus zugänglich. Die innere Ausgestaltung der
    Funktionsräume ist auch anders denkbar, wichtig war die Idee, dass sich das Cafè rundherum
    zum Platz öffnet.

    An der Wettbewerbsarbeit haben mitgewirkt:
    Maria Sasse, Laura Doderer, Fabian Fieweger, Annelie Pöthig
    Maria Kuhn, Piet Nolting, Michael Reepel, David Theidel

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 28.01.2011, 16:15
Zuletzt aktualisiert 16.09.2011, 09:25
Beitrags-ID 4-42199
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