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  • DE-30175 Hannover
  • 01/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-193838)

Wohnungsbau an der Seelhorststraße / Zeppelinstraße


  • 2. Preis


    Architekten
    ahrens & grabenhorst architekten stadtplaner BDA, Hannover (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Roger Ahrens , Prof. Gesche Grabenhorst

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover (DE)

    Preisgeld
    4.500 EUR

    Erläuterungstext
    Palais am Zoo

    Städtebau / Entwurfskonzept / Leitidee

    Das Wettbewerbsgrundstück liegt eingebettet zwischen Eilenriede, Congress Zentrum, dem Zoo und der Musikhochschule, im Herzen des Stadteils Zoo und beschreibt mit seiner Lage ein prominentes Eckgrundstück am Kreuzungspunkt von Seelhorst- und Zeppelinstraße.
    Die vorherrschende solitäre und gründerzeitliche Villenbebauung mit ihrem hohen Anteil an Grünräumen, prägt den Charakter des Viertels. Hieraus resultiert auch die Setzung des neuen Volumens; ruhig, respektvoll und selbstbewusst nimmt der Baukörper die Körnung des Areals auf und schließt das Villenensemble wie selbstverständlich mit einem Schlussstein. Die klare und einfache Form nimmt die Straßenkanten auf und präsentiert sich nach Westen als offene und großzügige Geste, die der Blick-beziehung entlang der Seelhorststraße bis weit in das Viertel hinein Geltung verleiht.
    Mit der Ausrichtung des Gebäudes nach Südwesten positioniert sich der Baustein optimal, um die Wohnungen hochwertig und gleichwertig belichten zu können.
    Der Eingang präsentiert sich zentral an der Frontseite und verkörpert mit seinem offenen Charakter die Großzügigkeit des Innenlebens. Durch seine prominente Lage wird eine hochwertige und eindeutige Adressbildung geschaffen, die die Besucher durch die Fassadengliederung mit offenen Armen empfängt. Die auf den Eingang folgende weitläufige Empfangshalle mit überdachtem Vorbereich verleiht dem Haus seine Exklusivität.

    Die Gestaltung des dreigeschossigen Baukörpers als Hochparterre mit Walmdach unterstützt mit seinen Proportionen seine kubistische, ruhige Anmutung. Die Gliederung der Fassade folgt der klassischen Architektursprache; Der Eingangsbereich wird durch den Rücksprung der Fassade bis in die Mittelgaube und der breiten Freitreppe betont. Die fein gegliederte Fassade aus Dietfurter Kalk- Naturstein verleiht dem Gebäude ein helles und freundliches Erscheinungsbild.
    Die vorgelagerten Terrassenbereiche für die Wohnungen im Hochparterre sind gleichzeitig die Decken der darunter liegenden Tiefgarage.

    In Anlehnung an die gründerzeitliche Bebauungsstruktur, wird das Gebäude durch eine umlaufende hochwertige, offen wirkende Einfriedung umrahmt. Direkt dahinter, verläuft eine Hecke, die neben der freundlichen Gestaltung der Privatsphäre der Bewohner im Hochparterrebreich Rechnung trägt. Sie sind durch das Blickdichte immergrüne Blätterwerk im Terrassen- und Privatbereich geschützt.

    Die Grundrisse orientieren sich an der Leitidee der Einfachheit, Klarheit und Offenheit (des Gebäudes); Im Osten befinden sich die privaten Räume. In der Längsachse des Gebäudes schließen sich die Eingänge mit Eingangsbereich, Garderobe und Küchenbereich an. Im westlichen Flügel folgen die großzügigen lichtdurchfluteten Wohn- und Essbereiche, die durch eine weiträumige Loggia erweitert werden.
    Im Dachgeschoss befindet sich eine freizügige Wohnung mit großer Loggia, die durch bodentiefe Gaubenfenster zu allen Seiten optimal belichtet wird. Die Dachfläche wird für Photovoltaik reserviert, kann optional aber auch als Dachterrasse für die Dachgeschosswohnung fungieren. Dies würde ihr ein unübertreffbares Maß an Exklusivität verleihen.


    Erschließung / Funktion / Gebäudetypologie

    Alle Wohnungen werden von der öffentlichen Fläche von der Seelhorststraße barrierefrei erschlossen. Der barrierefreie Zugang wird durch eine unscheinbare Hebebühne, eingelassen im Bodenbereich gewährleistet. Der Eingang befindet sich in der Mitte des Gebäudes an der Westseite. Der überdachte Eingangsbereich mit der sich anschließenden, durchgesteckten Halle knüpft an den Erschließungskern an. Die Erschließung der Wohnungen ist als Zweispänner organisiert. Pro Geschoss werden zwei unterschiedlich große Wohnungen angeboten. Jede Wohnung in den Vollgeschossen besitzt eine Loggia, die sich in beiden Wohnungen über Eck an der Westseite befinden. Die Ausgestaltung der Wohnungen hat neben den geschützten Privatbereichen, offene Wohn- Essbereiche, die jedoch in Abstimmung mit den Nutzern als geschlossen ausgebildet werden können. Optional können die zweieinhalb Zimmerwohnungen auch als dreieinhalb Zimmerwohnungen angeboten werden. Alle Wohnräume verfügen über eine großzügige lichte Höhe von 3,10m. Die Tiefgarage wird als Sockelge-schoss konzipiert mit Zufahrt von der Zeppelinstraße. Der Erschließungskern wird durchgehend vom Dachgeschoss bis in die Tiefgarage geführt. Wohnungskeller sowie Fahrradabstell- und Technikräume ergänzen die Nutzung des Sockelgeschoss. In der klar gegliederten Tiefgarage befinden sich 8 Stell-plätze mit Option auf Starkstromanschluss für Elektrovehikel. Die Hochparterre Wohnungen verfügen jeweils über einen Garten, der über die Terrassen erschlossen werden kann.
    Im Bereich der Tiefgaragenzufahrt wird ein Bereich für Abfall vorgehalten.


    Freianlagen

    Die Eingangssituation ist geprägt durch eine großzügige Stufenanlage aus Naturstein.
    Zu den angrenzenden Straßenbereichen und Nachbarschaften wird das Grundstück durch eine Kom-bination aus Zaun und Hecke gerahmt. Der Sockel und die Pfosten des Zaunes werden in Naturstein ausgebildet, die Ausfachung aus eingelegten Metallrahmen in anthrazit. Unmittelbar angrenzend bietet die Hecke (Taxus baccata), durch ihre dichte immergrüne Struktur und dunkelgrüne Farbe einen ganzjährigen Sichtschutz.
    Die den Erdgeschossen vorgelagerten Terrassen werden in großformatigen Platten aus Naturstein belegt. Einfassungen in Form von Mauern und Pflanzbeeten rahmen die unmittelbar angrenzenden pri-vaten Terrassenbereiche.
    Der umgebende grüne Garten ist geprägt durch den wertvollen Baumbestand. Durch den Erhalt der Gehölze fügt sich das Grundstück in das grüne Erscheinungsbild der Umgebung ein. Eine repräsenta-tive Bepflanzung aus großblättrigen Stauden und Gräsern rahmen den Garten und sind zu jeder Jahreszeit ein attraktiver Blickfang. Die Zonierung der beiden Gartenhälften erfolgt durch Strauchpflan-zungen von in Kugelform geschnittenen Buchs Sträuchern (Buxus sempervirens). Runde Sitzgelegenheiten in mitten der Rasen- und Staudenbereiche schaffen einen zusätzlichen Anlaufpunkt und geschützten Rückzugsort für die Bewohner.


    Konstruktion / Material / Wirtschaftlichkeit / Technik / Energiekonzept

    Das Gebäude ist in massiver Stahlbeton- und MW-Konstruktion konzipiert. Tragende Außenwände und Wandscheiben in der Kernzone leiten die Lasten der unterzuglosen, zweiachsig gespannten Flachdecke vertikal ab. Die Gebäudeaussteifung erfolgt über die tragenden Wände.
    Die zweischalige Fassade besteht aus tragender Rohbauwand, Kerndämmung und vorgehängten Na-tursteinplatten. Durch Vor- und Rücksprünge erhält die Fassade eine klar strukturierte und feingliedrige Ornamentierung
    In zweiter Ebene wird das Erscheinungsbild durch ein stehendes, raumhohes und sich wiederholendes Fensterformat geprägt.
    Die dreifach verglasten Fenster mit entsprechend angepassten Schallschutzwerten bestehen aus Holz-Aluminium Profilen. Die Öffnungsflügel ermöglichen eine natürlich manuelle Belüftung. Außen liegende, verdeckt eingebaute Markisen stellen den sommerlichen Wärmeschutz sicher.
    Die schwere Masse des Rohbaus sorgt für optimale Brandschutz-, Schallschutz- und bauphysikali-sche Eigenschaften.
    In Anlehnung an die umgebenden Bauformen erhält das Gebäude rote Tondachsteine.

    Der Materialkanon Stahlbeton-Naturstein-Holz entspricht in hohem Maße der inhaltlichen Konzeption.
    Bei der Auswahl sämtlicher Materialien wird besonderer Wert auf eine natürliche Alterungsbeständig-keit gelegt, auf den Einsatz chemischer Konservierungsmittel, Kleber, Dichtungen wird verzichtet.
    Durch günstige A/V-, BRI/BGF- und NF/BGF-Verhältnisse, optimale Fensterflächenanteile, einfache Baukonstruktionen, ein schlüssiges und werthaltiges Materialkonzept sowie angemessene Haustech-niklösungen ergibt sich ein wirtschaftlicher Gebäudeentwurf mit einer neoklassizistischen Anmutung.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das symmetrische Gebäude ist städtebaulich mit seiner Kubatur gut auf dem Grundstück positioniert und in seinem Äußeren angenehm zurückhaltend in die nachbarschaftliche Bebauung integriert. Die Struktur der Fassade fällt in Bezug auf Materialität und Elementgestaltung positiv auf, wirkt aber in ihrer Flächen-gesamtheit zu aufgelöst. Die angedachte Filigranität der dargestellten Dachgauben wird hinsichtlich ihrer Ausführung in Frage gestellt. Das klar definierte Hochparterre des Hauses ist durch Zäune, Hecken und Balustraden zum Straßenraum gut abgegrenzt. Damit sind die vorgelagerten Privatbereiche nutzungsoptimiert und gut umsetzbar. Eine einfache barrierefreie Erschließung ist nicht gegeben. Im Innenbereich überzeugen die Grundrisse durch eine schöne Erschließungssituation und insgesamt eine sehr präzise und gute Durchplanung. Ein möglicher Rundlauf um das Haus herum, derzeit gestört durch die Tiefgarageneinfahrt, wäre von Vorteil. Das Preisgericht würdigt die Tiefe der Ausarbeitung des Entwurfes und die gute innenräumliche Qualität. Die stark aufgelöste Fassade kann hingegen nicht voll-umfänglich überzeugen.