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  • Anerkennung

    Lageplan

    Architekten
    doranth post architekten, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Rainer Post

    Mitarbeit
    Katja Klingholz, Gerhard Waibel

    Preisgeld
    7.000 EUR

    Erläuterungstext
    Hauptaugenmerk des Entwurfs liegt darin, die Sichtbeziehung zum Ortszentrum Straubing, zur Gstütt-Insel und dem Donauraum zu erhalten bzw. die Erlebbarkeit der Donau zu steigern und sich maßvoll in die umgebende Bebauung einzufügen. Andererseits wird eine starke bauliche Identität für das Wissenschaftszentrum geschaffen und so der städtebauliche Auftakt für die künftige Campusbebauung entlang der Uferstraße gebildet.

    Eine Plattform als weitläufiges Holzdeck dient als repräsentative Eingangsebene und überspannt den Park-und Anlieferbereich des Instituts. Südlich wird die Plattform über eine großzügige Treppe mit der Uferstraße bzw. Petersgasse verbunden; östlich über eine Rampe mit dem Uferweg an der Donau, sodass für die Fußgänger eine neue Wegeverbindung von Donau zur Stadt entsteht.

    Der Neubau WZS wird entsprechend der übergeordneten Funktionsbereiche in drei Bauteile für den Seminar-/Hörsaal-, Labor- und Bürobereich gegliedert. Es entstehen separate Nutzungseinheiten, die über die Plattform auf der Eingangsebene bzw. über einen institutsinternen Verbindungssteg im Obergeschoss untereinander verbunden werden.

    Die Fassaden bilden ein feinmaschiges Raster aus offenen und geschlossenen Flächen, das die Riegel zu einem Volumen zusammenbindet, aber auch die flexible Struktur der Innenräume widerspiegelt. Bei den Glasflächen entsteht ein ausgewogenes Verhältnis transparenter bzw. opaker Anteile, welche einen optimierten Tageslichteintrag ermöglichen bei gleichzeitiger Reduzierung des sommerlichen Wärmeeintrags.
    Gezielte Blickbeziehungen zur Stadt und zur Donaulandschaft bieten die Terrassen, die südlich und nördlich vorgelagert sind, sowie der institutsinterne Verbindungssteg im Obergeschoss.

    Eine feingegliederte Holzstruktur als Außenhülle umschließt die Baukörper, dient als konstruktiver Sonnenschutz und sorgt für ein einladendes Erscheinungsbild eines modernen Forschungsgebäudes.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Verfasser gliedert seinen Entwurf in drei Baukörper die auf einer verbindenden Plattform platziert sind. Die schmalen nord-süd orientierten Baukörper vermitteln zwischen dem städtebaulichen und dem landschaftlichen Kontext, indem Sie Durchblicke ermöglichen und den Landschaftsraum nicht vollständig abriegeln. Die Erschließung auf die Plattform in unmittelbarerer Fortführung der Petersgasse ist schlüssig und nachvollziehbar. Das „Ankommen“ mit direktem Blickbezug zur Donaulandschaft wird positiv beurteilt. Typologisch bedingt ist jedoch der zweite entstehende Raum zwischen den Gebäuden von weniger Aufenthaltsqualität geprägt. Die Erweiterungsmöglichkeiten sind innerhalb des Konzeptes mit direkter Anbindung gut gegeben. Nachteilig ist hier jedoch, dass die weiteren Gebäudeteile sich immer mehr vom Zentrum des Haupteingangsbereichs entfernen.

    Die einzelnen Bauteile gliedern sich folgerichtig in drei Funktionsbereiche für Lehr,-Labor- und Bürobereich. Die städtebaulich gewünschte Durchlässigkeit des Gebäudeensembles wird in der inneren Erschließung zum Nachteil. Die Eingangsbereiche im EG sind nicht attraktiv und von geringer räumlicher Qualität. Auch die Stege im Obergeschoss sind so minimiert, dass keine Aufenthaltsqualitäten in den Übergängen mit dem schönen Ausblick erzeugt werden.

    Die innenräumlichen Qualitäten und Möglichkeiten zur Förderung der Kommunikation sind in den einzelnen Gebäuden von unterschiedlicher Qualität. Hier würde das Preisgericht sich eine durchgehende Qualität für alle Funktionsbereiche wünschen.

    Die Funktionsabläufe und Zuordnungen in den jeweiligen Gebäudeteilen sind klar und nachvollziehbar angeordnet und berücksichtigen in ihrer Höhenentwicklung die unterschiedlichen funktionalen Notwendigkeiten. Die technische Ver- und Entsorgung der Labore ist gegeben.

    Bei all den genannten positiven funktionalen Aspekten der Gliederung wird jedoch kritisch
    gesehen, dass die strikte Trennung, und der verbindenden Plattform lediglich mit Aufenthalts-qualitäten im Freien, die übergeordnete Kommunikation aller Forschenden, Lehrenden und Studierenden nicht gefördert wird.

    Das Planungs- und Baurecht wird weitestgehend eingehalten, lediglich das Audimax ist hinsichtlich seiner Lage im Hochwasserbereich und der barrierefreien Zugänglichkeit für den Vortragenden kritisch zu hinterfragen. Die Planungskennwerte liegen im oberen Bereich.

    Das Besondere dieser Arbeit liegt jedoch in ihrer Fassadengestaltung.
    Das expressive Erscheinungsbild wird über auskragende Deckenplatten mit vorgesetzten
    Holzlamellen auf einer Stahlunterkonstruktion erzeugt.
    Die gestalterische Absicht wird im Hinblick auf ihre Angemessenheit und als Ausdruck für die Forschungsinhalte im Preisgericht kontrovers diskutiert.
    Leider wird dieser hohe gestalterische Anspruch im Detail nicht nachgewiesen, z.B. die Wirksamkeit des Sonnenschutzes durch Ausrichtung der Lamellen nach den unterschiedlichen Himmelsrichtungen und erscheint so zu vordergründig.

    Mit der Anordnung der Baukörper versuchen die Verfasser einen Bezug zur Flusslandschaft und die Verbindung der Stadt mit der Donau. Dabei entwickeln sie unterschiedlich dimensionierte Freiraumschneisen, die einen vielfältigen Erlebniswert und differenzierte Perspektiven ermöglichen. Dies wird mit einer relativ intensiven Ausnutzung der zur Verfügung stehenden Fläche erkauft. Die Planung der Hörsäle im Hochwasser wirkt durch ihre Lage im oberstromigen Gebäudebereich sehr ungünstig auf das Abflussgeschehen und wie ein geschlossenes Geschoß. Weitere wasserwirtschaftliche Anforderungen sind eingehalten, die Energiegewinnung (Gründungspfähle) ist genehmigungsfähig.
    Der westliche Baukörper rückt relativ nahe an den Ufergehölzsaum heran. Die Zufahrt von Osten über den bestehenden Weg wird grundsätzlich positiv gewertet, ihre Ausformung versucht offensichtlich die partielle Erhaltung des Gehölzbestandes.

    Insgesamt eine Arbeit, die durch eine klare städtebauliche und funktionale Konzeption überzeugt, im architektonischen Ausdruck der Aufgabe jedoch nicht ganz gerecht wird.