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  • DE Hamburg
  • 10/2006
  • Ergebnis
  • (ID 2-6045)

Bahnhofsvorplatz Hamburg-Bergedorf


  • 1. Preis

    Blick Richtung Serrahn

    Landschaftsarchitekten
    arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Günter Greis Peter Köster Anne Layer

    Erläuterungstext
    Serrahn – Aalfang – Wasserkunst
    Mit einem neuen Einkaufszentrum am Bahnhof erhält Bergedorf die Chance, den Serrahn, seinen alten Hafen, in das Netz der öffentlichen Räume zu integrieren und die Innenstadt an den Bahnhof und den ZOB anzubinden. Wer heute Bergedorf mit öffentlichen Verkehrsmitteln besucht, wird von einem großen Verkehrsknotenpunkt empfangen. Der Weg zum Serrahn und der Innenstadt ist mit Geländern und Ein-bauten gegen den überbordenden Verkehr verstellt. Durch das neue Einkaufzent-rum und vor allem durch die Neuorganisation des öffentlichen Nahverkehrs wird der Weg zum Wasser frei gemacht.

    Drei platzartige Aufweitungen werden in Zukunft das Entree nach Bergedorf bestimmen: der Aalfang als großzügiger Platz vor dem Bahnhof, der Serrahn als ehemaliger Hafen, und der Baumhain an der Bergedorfer Straße. Alle drei Bereiche thematisieren das Wasser. Wasser wird das verbindende Element und zur prägnan-ten Visitenkarte Bergedorfs.

    Der Serrahn wird mit einer 20 m hohen Fontäne ein sichtbares Zeichen zwischen dem Sachsentor und dem Bahnhof setzen. Vom Bahnhofsplatz und von der Brücke ins neue Einkaufszentrum wird die Fontäne gut sichtbar sein. Ein kleiner Austritt am Serrahnufer, am Ende des Aalfangs, schafft eine Geste eines Balkons, bringt seine Gäste einen Schritt näher an den Serrahn und lädt sie ein zu einem weiten Blick über die Wasserfläche hinüber zum Bergedorfer Zentrum. Diese ‚Öffnung’ am Serrahnufer schafft zusammen mit der Fontäne in einer Achse die Verbindung zum Bahnhof und lädt zu einer Pause am Wasser ein, bevor die nächste S-Bahn nach Hamburg den Alltag zurückbringt.

    Es lohnt sich Bergedorf zu besuchen. Auf dem Weg zum Bahnhof liegt der Aalfang mit seinem Wasserspiel und seinen Bänken im lichten Schatten der Gleditsien.
    Der Brunnen mit den Wasserüberläufen, an den zum Platz und zum Bahnhof zuge-wandeten Seiten, bildet einen Blickfang und wird sich zum beliebten Treffpunkt entwickeln. Auf den Bänken am Rand des Platzes unter den Gleditsien treffen sich Bergedorfer und Gäste und genießen die Sonne und die urbane Atmosphäre. Denn das ist es, was Bergedorf gegenüber Hamburg auszeichnet – die Entdeckung der Langsamkeit als Chance im ansonsten ungleichen Wettbewerb.

    Der Platz ist weit und offen, denn hier ist zur Hauptverkehrszeit viel in Bewegung. In der Sichtachse zum Serrahn wird so schon früh die große Fontäne sichtbar. Die Platzfläche wird gerahmt von einem 60cm breiten Steinband, das gleichzeitig die Entwässerung des Platzes aufnimmt.


    Seinen Namen hat der Aalfang vom alten Hafen, denn der Sprachgeschichte fol-gend ist Serrahn das alte wendische Wort für Aalfang. Eine zweite Bedeutung für Serrahn ist Überlauf, was für die Gestaltung des Brunnens auf dem Platz aufgriffen wurde. Aber nicht nur dieser Serrahnplatz wird zur Visitenkarte Bergedorfs.

    Schon an der Kreuzung vor diesem Platz, am Stadteingang und am Treffpunkt der Reisebusse, wird ein Stück Bergedorf repräsentiert. Eine leicht geneigte Fläche, schiebt sich in Richtung Bergedorfer Straße – Weidenbaumsweg heraus und verleiht mit dem davor liegendem Wassergraben und seinem aufsteigenden Baumhain-dach aus Crataegus ‚Carrierei’ einen repräsentativen Auftakt. Form und Elemente bilden eine Referenz an die Vier- und Marschlande. So zeigen sich schon in den Verkehrsräumen einladende und viel versprechende Zeichen, die so manchen Vorbeifahrenden oder Umsteigenden dazu bewegen, hier einen Halt einzulegen. Insbe-sondere bei Nacht wird dieser Platz Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Nachts werden die Wände der Scholle aus dem davor liegenden Wassergraben angestrahlt. Die von unten beleuchteten Ziergehölze bilden ein auffallendes Blätterdach dar-über.

    Vor dem neuen Parkhaus gliedern im Rhythmus der Pfeiler des Gebäudes Säulen-eichen die Fassade. Zwischen den Säulenbäumen sind die Fahrradstellplätze für die S-Bahn-Pendler eingerichtet. Nachts werden die Eichen von vorn angestrahlt. Mit dieser wirkungsvollen Gestaltung wird zum einen ein freundlicher und heller Bereich geschaffen und zum anderen wird aufgrund der Dominanz der eleganten Gehölze vor dem dahinter liegenden Parkhaus auch bei Nacht eine attraktive Aufwertung erreicht.

    Die bei Nacht dunkel und unangenehmen Bereiche unter Brücken – wie der Fußgängerbrücke zwischen CCB-Passage und Parkhaus oder auch die Fußgängerunter-führung der B5 – werden mit flächig beleuchteten Decken zu hellen, stimmungsvol-len Bereichen.

    Auf dem Platz bilden bei Nacht die geschwungene, beleuchtete Platzeinfassung, die angestrahlten Bäume und der beleuchtete Brunnen ansprechende Lichtaspekte. Im Hintergrund schafft die beleuchtete Fontäne auf dem Serrahn einen reizvollen Blickfang. Der Serrahn wird durch drei Lichtinstallationen gerahmt. Die Promenade entlang des Serrahnufers ist mit Lichtstelen beleuchtet, der Wasserfall ist flächig ausgeleuchtet und die neue Stufenanlage am Übergang zur Innenstadt ist linear beleuchtet, um auch bei Nacht den schönen Weg am Wasser einladend in Szene zu setzen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    \"Die Verfasser des Entwurfes sehen in dem neuen Einkaufszentrum am Bahnhofsvorplatz die Chance, den Serrahn und den alten Hafen in das Netz der öffentlichen Freiräume einzubeziehen. Durch das neue Einkaufszentrum und durch die Neuordnung des öffentlichen Nahverkehrs wird der Weg zu Wasser freigemacht. Leitidee des Entwurfes ist die Herausarbeitung von drei deutlich voneinander zu unterscheidenden Plätzen, die in Zukunft das Entree nach Bergedorf bestimmen:
    der Serrahn als ehemaliger Hafen, der großzügige Platz vor dem Bahnhof und die Wasserkunst auf der südwestlichen davon liegenden Dreieckfläche als Visitenkarten Bergedorfs.\"

    \"Die Transformation slawischer Begriffe des historischen Ortes in ein gestalterisches Konzept ist nachvollziehbar und konsequent.

    Der Wasserbezug zum Serrahn mit der Hinführung zur Plattform am Wasser (+ Fontäne) ist gut gelungen und führt die Menschen zum Wasser. Die Hervorhebung des neuen Platzes ist konsequent gelöst. Der Umgang mit den Höhen ist gelungen und für den Querungsbereich wurde eine realistische Lösung gewählt, die in die Platzgestaltung gut integriert ist. Aufenthaltsbereiche liegen auf der richtigen, nämlich auf der besonnten Seite. Für die Dreiecksfläche wurde ein starkes Element gewählt, um den Zugang zum Bahnhofsvorplatz deutlich zu akzentuieren. Dabei nimmt die Fläche Bezug auf dei Hofgestaltung der CCB-Erweiterung. Das Serrahnufer ist in seiner Gesamtheit gut in das gestalterische Gesamtkonzept einbezogen, einschließlich des Zugangs am Ostufer. Der Baumbestand am Ufer von Serrahn und Schleusengraben ist behutsam und wohltuend in der Freiraumgestaltung integriert.

    Insgesamt schätzt die Jury die zurückhaltende, schlichte Gestaltung.\"