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  • DE-73037 Göppingen
  • 05/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-176450)

Bahnhofumfeld


  • 3. Preis Städtebaulicher Ideenteil

    © büro luchterhandt, Landschaftsarchitektur+

    Architekten, Landschaftsarchitekten
    büro luchterhandt • stadtplaner architekten landschaftsarchitekten, Hamburg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Landschaftsarchitektur+ Felix Holzapfel-Herziger & Julian Benesch PartG mbB, Hamburg (DE)

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    AUS DEM DORNRÖSCHENSCHLAF ERWECKT
    BUNTWEBERQUARTIER GÖPPINGEN
    In unmittelbarer Nachbarschaft des Bahnhofs Göppingen entsteht an historischer Stätte der Buntweberei ein zukunftsweisender, geschichtsbewusster Ort zum Schaffen und Wohnen. Ein Ort für kreative Menschen, des Erlebens von Schaffensprozessen, unterschiedlichster Menschen und ihrer Begabungen. Arbeits- und Wohnstätten drängen in die Stadt zurück und verhelfen ihr zu neuer Blüte. Es wird wieder bunt in Göppingen.

    TYPISCH GÖPPINGEN – BEHUTSAM AUS DEM BESTAND
    Göppingen bekommt mit dem Buntweberquartier ein neues Antlitz zur Bahn. Ein Quartier, das sich im Grundriss am städtebaulichen Maßstab der Altstadt orientiert – in Proportion, Höhenentwicklung und Körnigkeit. Mit dezenten Hochpunkten wird sowohl von der Bahn als auch aus dem Stadtraum heraus die neu ergänzte Silhouette Göppingens erkennbar. Rund um Zollamt und Buntweberei entsteht ein buntes, lebendiges Viertel zum Wohnen und Arbeiten von einzigartiger Atmosphäre.

    BUNTE NUTZUNGEN, BUNT VERWOBEN
    Vorgeschlagen wird ein Konzept intensiver Nutzungsmischung, das dem Ort ein attraktives Profil gibt und auch die Innenstadt dauerhaft stärkt und – zum Wohnen, zum Arbeiten, zum Handeln, zum Leben. Servicezentrum (8.000 qm BGF): Bürgerservice/Touristeninformation/Stadtcafé; Büros
    Handelshof: Einzelhandel, kleinteiliges Gewerbe, Arztpraxen; hochwertiges Hotel; ggf. Seniorenwohnen Wohnhof: Gemischte Wohnformen, Angebote für Paare, Familien und Senioren; Eigentum und Miete Werkhof: Gerade junge Familien und Existenzgründer, die auf eine enge Verknüpfung von Wohnen und Arbeiten setzen, sollen für diesen Ort mit seiner urbanen Atmosphäre im Wohn- oder Werkhof gewonnen werden. Gereihte Stadthäuser am Festplatz bieten individuellen Raum zum Wohnen/Arbeiten. Gewerbehof: Flächen für größere Gewerbeansiedlungen (an der Kanalstraße) schaffen hervorragend erschlossene Arbeitsstätten für Dienstleistungen, Handel und Produktion.

    DER BAHNHOFSPLATZ
    Der neue Stadteingang zum Bahnhof in Göppingen wird sich zukünftig als großzügig aufgespannte Platzfläche präsentieren. Die Platztopographie steigt leicht zum Bahnhof hin an und der aus der Altstadt kommende Stadtboden wird typologisch aufgegriffen und fortgeführt. Die Platzflächen werden in großformatigen, naturgrauen Granitplatten ausgebildet, die in einem Reihenverband und in einer Breite von 25 cm mit unterschiedlichen Längen verlegt werden. Man wird zukünftig aus der Stadt kommend über den Bahnhofsplatz fußläufig bequem in das neue Bundweberquartier kommen oder vom Bahnhof zügig zum ZOB gelangen und umgekehrt. Im städtebaulichen Zusammenhang wird der Bahnhofsplatz auf diese Weise seiner Rolle als Bindeglied zwischen Altstadt und dem neuen Quartier im Westen gerecht.
    Die Organisation des Platzes folgt den logischen und funktionalen Zusammenhängen des Stadtgefüges, der Topografie und der Exposition. Hauptbewegungsrichtungen werden frei gehalten und auf der nördlichen Seite wird man zukünftig an und unter den Baumarkaden sitzen, sich sonnen oder im Sommer den kühlen Schatten finden. Die Tiefgaragenzufahrt im Norden wird an die Bahnhofsstraße verlegt und auf diese Weise wichtige Platzflächen vom Verkehr freigehalten. Ziel ist es den Platz von seinen Rändern her zu beleben und die zentralen Flächen für vielfältige Nutzungen frei zu halten. In einem Teilbereich der zentralen Platzfläche wird die Integration eines Fontainenfelds vorgeschlagen.
    Das Vorfeld der Villa Gutmann (Bahnhofstraße 6) wird gestalterisch aufgewertet und dort in einem lockeren Wechsel von Heckenbosquettes und Bänken die Möglichkeit zum Aufenthalt geboten. An dieser repräsentativen Stelle sollte idealerweise eine Fläche für Kunst im öffentlichen Raum angeordnet werden. Im Zusammenhang mit der Planung
    zum Verwaltungszentrums wird zukünftig eine gestalterische Verbindung der Außenräume zwischen den beiden Gebäuden angestrebt.
    Die Baumpflanzungen der Baumarkarden sind außerhalb der Tiefgaragengeometrie und mit natürlichem Bodenanschluss vorgesehen, für die Baumpflanzung werden Bäumen mittlerer Größe wie Pontischer Ahorn (Acer cappadocicum) vorgeschlagen. Für die Ausstattungselemente Sitzmöbel, Abfallbehälter, Fahrradparker und Poller wird eine Produktfamilie vorgeschlagen, mit geradlinig schlichtem Ausdruck, hohem Verschleißwiderstand entsprechend dem gewünschten Nutzungsdruck und Bezug zu vorhandenem Mobiliar. Mastleuchten, Poller, Abfallbehälter, Fahrradparker und Sitzmöbel bestehen aus silbergrau lackiertem Metall. Sitzmöbel und Fahrradparker erhalten zusätzlich eine Holzauflage.

    BELEUCHTUNG
    Ziel des Beleuchtungskonzeptes ist es, den Bahnhofsplatz als zentralen Verbindungs- und Aufenthaltsort zu kennzeichnen und eine einladende attraktive Platzatmosphäre in den Dunkelstunden zu schaffen, die den freiraumplanerischen Entwurf unterstreicht. Das Konzept sieht folgende Beleuchtungssituation für den Platz vor:

    A) Eine flächige Grundausleuchtung des Platzes über Mastleuchten. Ihre Anordnung ist nicht auf maximale Mastabstände ausgelegt, sondern auf eine optimale Raumwahrnehmung. Schlichte, formal reduzierte Mastleuchten mit einer in den kreisrunden Mastkopf integrierten, gut entblendeten LED-Technik erlauben einen wirtschaftlichen Betrieb (Lumen/Watt) für die Grundbeleuchtung. Das allgemeine Lichtniveau kann in der Intensität in den späten Nachtstunden über Dimmung oder Halbschaltung reduziert werden, ohne das geplante Erscheinungsbild des Platzes zu verändern. Eine warmweiße Lichtfarbe (3000K) mit guter Farbwiedergabe (Ra >80) verleiht dem Raum eine angenehme Aufenthaltsqualität.

    B) Die Beleuchtung der Vertikalen / der Baumkronen in der Allee und den angrenzenden Fußgängerzonen mittels Bodeneinbaustrahlern vermittelt Sichtbezüge und gestaltet Übergänge, die die Orientierung im Stadtraum erleichtern und einzelne Bereiche visuell miteinander verbinden. Ergänzt wird dies durch die Akzentuierung raumbildprägender Elemente und Fassaden. Niedriges Licht aus dem Boden heraus, hebt die Vertikale der vorgelagerten Bodenkante graphisch hervor und setzt das Wasserspiel stimmungsvoll in Szene. Ergänzendes Licht aus dem Inneren des Bahnhofgebäudes und die Unterleuchtung der Sitzbänke charakterisieren den Platz zusätzlich und markieren den Standort.
    Die Beleuchtung von Fassadenflächen zur Raumwahrnehmung steht in Abhängigkeit von der Nutzung des Gebäudes und seinem Umfeld. Für die Kennzeichnung von Fassadenflächen sind nur geringe Lichtintensitäten notwendig, deren Leuchtdichte zwischen 1-3cd/m² liegen sollte. Das Helligkeitsniveau der einzelnen Bereiche ist aufeinander abgestimmt, so dass eine Überstrahlung/Blendung vermieden wird, um die raumprägenden Elemente in ein angemessenes Verhältnis zueinander zu setzen.

    VERKEHRLICHES KONZEPT
    Die Bahnhofstraße und im weiteren Verlauf die Gartenstraße sind bei einer Belastung von 7.000 Kraftfahrzeugen in 24 Stunden als örtliche Geschäftsstraßen einzustufen. Örtliche Geschäftsstraßen liegen in Stadtteilzentren. Besondere Nutzungsansprüche sind Fußgängerlängs- und -querverkehr, Parken, Liefern und Laden und ÖPNV. Der Radius im Mündungsbereich Freihofstraße/Bahnhofstraße wurde verringert und ist mit 10 m ausreichend dimensioniert. Aufgrund der großen Anzahl von Bussen (367 Busse pro Tag) schlagen wir vor, die Fahrbahn mit Beton oder einer halbstarren Decke in Betonoptik auszubilden. Eine punktuelle Pflasterung im Bereich der Fußgängerzone ist bei entsprechender Ausführung möglich. Die Radien auf dem Bahnhofsvorplatz sind für PKWVerkehr ausgelegt.
    Entlang der Bahnhofstraße ist vor der Einfahrt in die Tiefgarage eine Einfädelungsspur von ca.20 m berücksichtigt, um Rückstau in die Bahnhofstraße zu vermeiden. Für die Zu- und Ausfahrten der Tiefgarage wurden die derzeit vorgesehenen Breiten übernommen. Kiss and ride Plätze (Kw+R) entlang der Bahnhofstraße anzuordnen ist sinnvoll, um den Individualverkehr vom Bahnhofsvorplatz fernzuhalten. Es ist sinnvoll, die Parkplätze im Bereich der Tiefgaragenausfahrt als Mitarbeiter-Plätze zu deklarieren. So finden an dieser telle wenige PKW-Bewegungen statt. Der Taxi-Stand ist vom Bahnhofausgang gut einzusehen. Die Taxen fahren anschließend über die Bahnhofstraße und die Gartenstraße ab. Der weniger befahrene Bahnhofvorplatz kann nach der Belastungsklasse 1,8 (RStO 12) ausgebaut werden. Die Bahnhofstraße ist mit einer Breite von 4 m als Einbahnstraße ausreichend dimensioniert. Die Freihofstraße ist ebenfalls eine Einbahnstraße in Richtung Bahnhof. Hier kann die eine Spur ausschließlich für Busse reserviert werden, die andere Spur ist für den Individualverkehr vorgesehen.

    ATTRAKTIV FÜR FUßGÄNGER UND RADFAHRER
    Bahnhofsplatz, Platz am ZOB und der neue Festplatz am Zollamt bilden eine Platzfolge eigener Charakteristik. Von diesem Rückgrad aus führen zahlreiche Wege in die historische Innenstadt und zu den dortigen Stadträumen. Die Plätze bieten auf ihre jeweilige Weise Verweilqualitäten und Möglichkeiten unterschiedlicher Bespielungen an. Sie ergänzen sinnfällig den öffentlichen Raum und bieten Fußgängern wie Radfahrern (dunkelblau) optimale und attraktive Zugänge in die Altstadt.

    AUTOS DEZENT INTEGRIERT
    Der ruhende Verkehr wird weitgehend auf den Grundstücken bzw. in den Blockstrukturen untergebracht. Geplant sind Tiefgaragen, wobei Stellplätze teilweise auch in das EG integriert werden können. Der Festplatz steht ebenfalls als (temporäre) Stellplatzanlage zur Verfügung, ohne die Anmutung eines schönen Stadtplatzes aufzugeben. Auf eine Durchbindung der Kanalstraße für den MIV wird zur Entlastung des Bahnhofsplatzes bewusst verzichtet. Eine Durchfahrtsmöglichkeit bleibt Taxen (gelb) vorbehalten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die städtebauliche Grundkonzeption bietet eine klare Orientierung hinsichtlich der Mobilitätselemente in Göppingen. Es werden sehr gute Wege- und Blickbeziehungen vom Bahnhof zu den weiteren Verkehrsmittel – Taxi, Busbahnhof, Tiefgaragenzugänge definiert.

    Die Oberflächengestaltung und Ausstattung des Bahnhofsvorplatzes bis in die Seitenbereiche hinein ist in der Gliederung und im Erscheinungsbild subtil angelegt, so dass eine gute Aufenthaltsqualität entsteht sowie die gewünschten städtebaulichen Bezüge und Wegebeziehungen tatsächlich wahrgenommen werden können. Die funktionale Anforderungen an die räumliche Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes sind gut in die Platzgestaltung integriert. Das gewünschte Bahnhofs-Vordach ist im Bezug auf Wetterschutz und Wartefunktionen zu klein dimensioniert.

    Die Gebäudehöhe des Verwaltungsgebäudes pointiert die Platzkante zum Bahnhof hin und akzentuiert das bauliche Ensemble im Umfeld.
    Das Beleuchtungskonzept ist atmosphärisch ausgelotet und im Hinblick auf die Verkehrssicherheitsaspekte bedacht. Die lichttechnische Ausarbeitung der Gestaltungsbereiche des Platzes (Baumreihe, Wasser, Mobiliar) schafft eine klare Zonierung; die Mastleuchten sorgen für Orientierungsfähigkeit und binden die Einzelbereiche durch die flächige Ausleuchtung zusammen. Insgesamt eine situationsgerechte Lichtinszenierung.

    Die Verlegung der Tiefgaragenzufahrt um 9 m nach Norden erfordert hohe leitungstechnische Umbaumaßnahmen, die kaum realisierbar sind. Das Baumdach vor der Sparkasse wird in diesem Zusammenhang kontrovers diskutiert.

    Der Vorplatz zur Villa Gutmann mit Heckenbändern und Sitzelementen ist überinstrumentiert. Eine einfache Vorplatzgestaltung wäre wünschenswert.

    Der städtebauliche Ideenteil wird schlüssig aus Bestand und durch ergänzenden Blöcke mit unterschiedlichen Nutzungen entwickelt, wobei das westliche Ende ist in der Gesamtkonzeption unbefriedigend ist. Die Erschließung ist weitgehend autofrei was die Freiflächenqualität des Quartiers steigert. Die Bebauung westlich der Brücke ist als Nutzungsvorschlag akzeptabel, jedoch weiterhin als Restfläche belegt. Das alte Zollamt ist mit einem umgebenden Festplatz gut integriert. Das Verwaltungsgebäude ist gut organisiert und definiert mit dem Vordach die Platzkante zum Bahnhofsplatz.

    Insgesamt bietet die Arbeit sehr gute Gestaltungsansätze für den Bahnhofsvorplatz auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sowie ein gutes Ideeninput für die weitere städtebauliche Gestaltung des Ideenteils.


INFO-BOX

Angelegt am 07.05.2015, 14:41
Zuletzt aktualisiert 15.05.2015, 11:44
Beitrags-ID 4-102677
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