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  • DE-95028 Hof/Saale
  • 04/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-183550)

Neubau eines Studierendenwohnheims


  • 4. Preis

    Ansicht - Fassadenschnitt

    Architekten
    a + p Architekten Kellner – Krämer Partnerschaft mbB, München (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Mareike von der Beeck, Julia Weber, Deniza Horländer, Adriano Frasca

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Wendler Landschaftsarchitekten bdla, München (DE)
    Modellbauer: Bodak Modellbau

    Erläuterungstext
    Ort
    Das Baugrundstück befindet sich am Rande des Entwicklungsgebiets der Hochschule Hof. Es wird geprägt durch die freie Lage mit bisher unverbautem, weitem Blick in die leicht abfallende Landschaft. Östlich des Grundstücks ist eine weitere Ausdehnung des Areals vorgesehen. Der Blick nach Norden bleibt jedoch auch in Zukunft erhalten.

    Städtebau
    Die Großform des Wohnheims fügt sich in die vorhandene städtebauliche Situation ein. Derzeit ist das Zentrum des Hochschulgeländes westlich des Baugrundstücks. Von hier werden sich die Bewohner des Wohnheims dem Gebäude nähern. Die leicht abgeknickten Baukörper sind so gegeneinander versetzt, dass Fußgänger und Radfahrer durch den längeren der zwei Baukörper in den sich öffnenden, trapezförmigen Eingangshof hineingeleitet werden und das Gebäude durch den zentralen, transparenten Mittelbaukörper betreten. Hier kann der Blick des Bewohners durch die durchlässige Fassade und die trapezförmige Form des nördlichen Gartenhof ungehindert in die Weite der Landschaft schweifen.
    Der westliche Baukörper nimmt die Gebäudeflucht der angrenzenden Institutsgebäude auf.

    Gebäudeform
    Das Gebäude wird durch die gegeneinander versetzten Baukörper bestimmt. Auf kleiner Grundfläche wird viel belichtete Fassadenfläche mit West-Ost-Ausrichtung für die Apartments geschaffen.

    Außenraumqualität
    Die Gebäudeform ist so konzipiert, dass sich im Außenraum gefasste Flächen mit unterschiedlicher Aufenthaltsqualität bilden.
    Nach Süden öffnet sich der größere, urbane Eingangshof. Dieser südliche Hof ist durch den Haupteingang sehr belebt. Er ist Treffpunkt und Kommunikationsort.
    Nach Norden entsteht ein dem Gemeinschaftsraum vorgelagerter Freisitz mit Blick auf die umliegenden Felder. Dieser hintere Gartenhof ist freier, grüner und stellt für allen Studenten eine vielseitig nutzbare Gartenfläche dar.

    Gebäudestruktur
    Die Gebäudezonierung ist eindeutig. Serviceflächen, Haustechnik, Fahrräder und PKWs sind im EG des östlichen Baukörpers bzw. entlang der östlichen Grundstücksgrenze
    angeordnet. Im Zentrum des Wohnheims befinden sich auf allen Ebenen Gemeinschaftsflächen unterschiedlicher Qualität, um die Kommunikation und das Zusammenleben der internationalen Studenten zu fördern. Alle Apartments sind nach Westen oder Osten orientiert. Durch die Gebäudeform ergeben sich Typologien mit unterschiedlichen Qualitäten (Typ „Q“; Typ „L“).

    Mögliche Erweiterung
    Die Gebäudeform lässt sich sehr gut nach Norden erweitern. Die bestehenden Treppenhäuser sind so situiert, dass ein Anbau zunächst ohne weitere vertikale Erschließung auskommen könnte. Auch die oben beschriebene Anordnung von PKW und Fahrrädern kann bei einer Erweiterung dem gleichen Prinzip folgend fortgesetzt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die zwei viergeschossigen Baukörper sind über ein Gelenk miteinander verbunden. Durch das Abknicken der Gebäudevolumen wird die Länge optisch reduziert. Es wird ein gut proportionierter Hof geschaffen. Vorhandene Gebäudefluchten am Campus werden bewusst aufgenommen und weiterentwickelt. Insgesamt kann sich der Gesamtbaukörper gut in seiner Nachbarschaft behaupten. Der südliche, öffentliche Hof dient als großzügiger Eingangsbereich und Treffpunkt. Der nördliche Hof mit Landschaftsblick dient ausschließlich als interne Freifläche des Gemeinschaftsraums. Die PKW‐Stellplätze sind entlang der östlichen Grenze angeordnet und stören den Wohnalltag nicht. Die Fahrräder sind an der richtigen Seite vorgesehen. Der Haupteingang befindet sich richtig im Gelenk der Anlage, ein Nebeneingang knüpft die Stellplätze an.
    Die Grundrisse der Appartements bieten eine erfrischende Vielfalt, deutlich abweichend von gängigen Standards. Es gibt längs ausgerichtete und quer ausgerichtete Einheiten. Trotz der amorphen Gestalt werden die tragenden Elemente konsequent über alle Geschosse hinweg angeordnet. Die Rollstuhleinheit wird geschickt in den Gebäudeknick eingebunden.
    Wohngemeinschaften können flexibel an den Gebäudeköpfen nachgewiesen werden. Die Gemeinschaftsräume im Gelenk stellen ein gutes Angebot dar. Sie können über die beiden Treppenhäuser von allen Studenten auf kurzem Weg erreicht werden, ohne die Individualbereiche zu stören. Die Funktionsräume werden gebündelt im nordöstlichen Erdgeschossbereich nachgewiesen.
    Für die Fassaden werden vorgefertigte Leichtbauelemente vorgeschlagen, was eine kostengünstige Erstellung erwarten lässt. Als Fassadenmaterial sollen Faserzementplatten zur Ausführung kommen.
    Durch die sehr kompakte Bauweise kann der Entwurf eine sehr hohe Anzahl an Apartments nachweisen. Der geringe Grundflächenbedarf lässt viel Fläche für die Freianlagengestaltung übrig. Die kurzen Erschließungswege innerhalb des Baukörpers deuten auf ein günstiges VF/NF‐Verhältnis hin.
    Durch die exponierten Wohnungen des Westflügels ist für das zukünftige Institutsgebäude eine Reaktion empfehlenswert.
    Bei dieser Arbeit handelt es sich um einen sehr gelungen Entwurf, der auch in wirtschaftlicher Hinsicht überzeugen kann.