loading
  • DE-77652 Offenburg
  • 11/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-186435)

Ostflügel


  • Anerkennung

    © RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn (DE), Hamburg (DE), Köln (DE), Mannheim (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Volker Lescow

    In Zusammenarbeit mit:
    Verkehrsplaner, Stadtplaner: BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH, Aachen (DE)

    Preisgeld
    10.000 EUR

    Erläuterungstext
    Ostflügel Offenburg Konzept – Raum für Geschichte

    Entwurfserläuterung
    Der Entwurf schafft zwischen den historischen Fassaden einen erlebbaren Freiraum mit Aufenthaltsqualität. Dadurch wird die historische Innenstadt mit ihrem mittelalterlichen Standgrundriss gut lesbar und inszeniert die erhaltene Architektur. Die dezente und qualitätvolle Freiraumgestaltung macht die historische Innenstadt als attraktives Gesamtbild erlebbar.
    Durch die hierarchisierte Ausgestaltung der Straßenräume wird eine intuitive Leitung ermöglicht. Hierbei stehen die Fußgänger und Radfahrer im Vordergrund, wobei der MIV nicht vernachlässigt wird.
    Die Straßengestaltung konterkariert hierbei die steinerne historische Innenstadt nicht und geht auf die kontemporären Bedürfnisse wie Klima, Aufenthalt ein. Es gibt neue und ergänzte lineare Baumsetzungen entlang Lange Straße, Steinstraße und dem Grünring.
    Der historische Grüngürtel wird durch ein großzügiges ‚Grünes Band‘ in der Gustav-Ree-Anlage unterstrichen und mit einer ergänzenden Baumreihe gestärkt. Die in weiten Teilen erhaltende Stadtmauer wird durch Akzentbeleuchtung bei Nacht inszeniert und die Stadttore zur historischen Innenstadt durch Stahlbänder markiert.

    Lichtkonzept
    Unter den Leitideen „Blickbeziehungen stärken“, „Wege aufzeigen“ wurde das Lichtkonzept entwickelt. Es verstärkt die Ensemblewirkung des Quartiers und sorgt für eine angenehme Aufenthaltsqualität. Funktionales Licht sorgt für angemessene Beleuchtungsniveaus und Blendungsbegrenzung im Straßenraum; Akzentbeleuchtung schafft visuelle Reize und lenkt den Blick auf die Besonderheiten.
    Für die allgemeinen Bereiche werden schlichte Leuchten aus einer Serie vorgeschlagen: Leuchten mit zylindrischem Leuchtenkopf auf Masten oder zur Montage an der Wand. Je nach Möglichkeit vor Ort können diese Leuchten auch als Seilleuchten montiert werden. Für den gesamten Wettbewerbsbereich ist die Lichtfarbe warm weiß (3000 K) vorgesehen. Nach Lichttests und Abstimmung vor Ort, ist es denkbar, mit unterschiedlichen Lichtfarben die besonderen Bereiche des Quartiers zu betonen. Die allgemeine Straßenbeleuchtung könnte in neutral weiß (4000 K) erfolgen, während Fassaden, Plätze, Stadttore und die Stadtmauer in der Lichtfarbe warm weiß (3000 K) beleuchtet werden können.
    Aus technischer und wirtschaftlicher Sicht z.B. hinsichtlich Farbwiedergabe, Wartung und reduzierbarer Nachtschaltung (Dimmung, Sensorsteuerung) werden Leuchten mit LED-Technik vorgeschlagen.

    Gustav-Ree-Anlage, Lange Straße, Steinstraße, Zunftgasse
    Für die Straßenbeleuchtung werden regelmäßig Mastleuchten platziert abhängig von den unterschiedlichen Situationen vor Ort. Nur für die Zunftgasse sind ausschließlich Wandleuchten vorgesehen.

    Klosterkirche und Klosterplatz
    Der Klosterplatz wird mit Lichtstelen beleuchtet. Von diesen Lichtstelen erfolgt auch die Beleuchtung der Kirchenfassade in der Langen Straße. Die Positionen der Leuchten sind vor Ort auch hinsichtlich der vorhandenen Bäume genau abzustimmen. Für die Beleuchtung der seitlichen Fassade der Kirche sind Bodenleuchten vorgesehen.

    Lindenplatz
    Vor dem Lindenplatz erfolgt die Straßenbeleuchtung mit Mastleuchten. Die besondere Torsituation zum Platz hin wird mit Lichtstelen betont, die fortgeführt auch den gesamten Platz beleuchten.

    Stadtmauer
    Die Stadtmauer wird akzentuiert beleuchtet in ausgewählten Positionen mit Bodenleuchten abhängig von den besonderen Begebenheiten vor Ort. Hierfür können die Leuchten z.B. in zwei oder drei Positionen gruppiert werden. Auf der Stadtmauer ergibt sich so ein Wechselspiel von Licht und Schatten.

    Verkehr
    Die verkehrliche Erschließung erfolgt durchgängig gemäß dem beschlossenen neuen Verkehrskonzept. In den Straßenräumen für die eine regelmäßige Befahrung mit Kraftfahrzeugen gewünscht wird erfolgt durchgängig eine Gestaltung in „weicher Separation“ in dem die für eine Pkw-Begegnung vorgehaltene Kernfahrbahn (4,75m) durch beidseitige, im Begegnungsfall größerer Fahrzeuge befahrbare Rinnen (0,50m), von dem für den Fußgängerverkehr vorbehaltenen Seitenraum separiert wird. Der Radverkehr wird gemeinsam mit dem Kfz-Verkehr geführt. Einbahnstraßen würden vom Radverkehr auch in Gegenrichtung benutzt werden. Im Fall des westlichen Abschnittes der Gustav-Rée-Anlage wird hierzu ein Radfahrstreifen angelegt. In den übrigen sehr gering belasteten Straßen und Gassen sind keine besonderen Anlagen vorgesehen. Es wurden vier Pkw-Kurzzeitstellplätze markiert, davon zwei beim Klosterplatz und zwei bei an der Einmündung Schuttergasse. Liefern- und Laden kann zu bestimmten Zeiten und ausgewiesenen Abschnitten am Fahrbahnrand zugelassen werden.
    Die Ausgestaltung der Straßen folgt dem Verkehrskonzept, kann jedoch aufgrund der gewählten Profile flexibel auf zukünftige Veränderungen reagieren und auf allen Straßen (bis auf Steinstraße) Beidrichtungsverkehr ermöglichen.

    Die Straßenraumtypologien gliedern sich in 4 Stufen:
    1. Hauptstraße – Kopfsteinpflaster mit Tiefborden (Hochborde außerhalb der Innenstadt)
    2. Konnektoren – (z.B. Lange Straße) Bodengleicher Ausbau, Fahrbahn markiert durch Entwässerungsrinnen
    3. Fußgängerzone - (z.B. Steinstraße) Bodengleicher Ausbau aus Betonwerkstein
    4. Nachbarschaftsstraßen - (z.B. Strohstraße) Bodengleicher Ausbau, Fahrbahn markiert durch Kopfsteinpflaster, Straßensaum aus Betonwerkstein

    Die Sondernutzungsflächen im Straßenraum wie gastronomischen Flächen werden durch Metallbänder als Intarsien in den Belagsfugen gekennzeichnet. Fahrradständer reihen sich in das Band mit Bäumen, Leuchten, Papierkörben und Bänken ein und bieten ausreichend Stellplätze für die zukünftigen Bedarfe. Ebenfalls gibt es noch einen überdachten Fahrradständer mit kombinierter E-Bike Mietstation an der Zauberflötenbrücke.

    Materialität / Stadtmöbel
    Für den Straßenraum werden hochwertige Betonsteinzeilen (Pflasterformate: 37,5x20 cm, 37,5x25 cm, 50x25 cm, 25x25 cm, 25x12,5 cm) mit hochwertigem Vorsatz für den Straßenraumverwendet, in Anlehnung an die Steinformate am Marktplatz. Die multifunktionalen attraktiven Platzflächen werden mittels einer hochwertigen befahrbaren Granitplatte 50x100cm hervorgehoben. Schlichte Stadtmöbel aus pulverbeschichtetem Stahl fügen sich ins Stadtbild ein, wobei in Anlehnung an den Marktplatz Granitblocksitzbänke mit Holzauflage im Straßenraum sowie den Plätzen integriert werden.
    Das barrierefreie Leitsystem wird mittels Materialunterschieden und Fräsungen im Bodenbelag realisiert.

    Gustav-Ree-Anlage
    Intuitive erfährt die Gustav-Ree-Anlage eine Verkehrsberuhigung am neuem Parkhaus durch Belagswechsel und bodengleichem Ausbau. Das intensiv gestaltete ‚Grüne Band‘ in diesem Bereich ist von der historischen Wallbegrünung abgeleitet.
    Über diese Neugestaltung und die zukünftigen grünen Neugestaltung der Okenstraße schließt sich der Grüngürtel wieder. Zusätzliche Baumpflanzungen stärken den Grüngürtel und ergänzen die beiden Bestandsplatanen. Das neue Einzelhandelsareal mit Sparkasse könnte wie die Steinstraße ausgestaltet werden und einen zentralen attraktiven Platz mit Aufenthaltsqualität erhalten.

    Langestraße / Klosterareal
    Die Klosterkirche erhält einen ihr zugeordneten adäquaten Klosterplatz als Entree. Dieser wird durch die westlich angrenzende Gastronomie dauerhaft belebt. Die Kirche wird sowohl über eine zentrale barrierefreie Treppen-Rampenanlage als auch durch eine sich seitlich anliegende Rampe erschlossen.
    Die städtebauliche Lücke an der Klosterkirche wird mit einem transparenten Pavillon für Gastronomie geschlossen. Dadurch wird der Freiraum an der Klosterschule zu einem ‚grünen Hof‘ mit Aufenthaltsqualitäten für die ganze Familie. Die neue Baumreihe in der Langen Straße mit dem darunter integriertem Mobiliarstreifen schafft ein schönes Licht- und Schattenspiel und erzeugt angenehme Aufenthaltsqualität.

    Lindenplatz
    Von der Zauberflötenbrücke kommende werden die Besucher mit einem großzügigen Fußgängerüberwegs auf den Lindenplatz geleitet. Der Lindenplatz wird mit einem Plattenbelag und den im Randbereich integrierten Sitzbänken herausgearbeitet und bildet den Auftakt zur historischen Innenstadt. Er gliedert sich in zwei Bereiche. Der eine Bereich ist durch die vorhandenen Linden dominiert, in deren Mitte der vorhandene Narrenbrunnen verortet wird. Hier entsteht ein ruhiger Aufenthaltsbereich.
    In den Granitbelag integrierte Wasserdüsen setzen einen Gegenpol zum Narrenbrunnen und werden im Sommer zu einem Wasserspielplatz für Kinder. Sollte dieser Platzbereich auch für andere Nutzungen gebraucht werden, können diese abgeschaltet werden. Außenflächen für die westlich gelegenen Gastronomien werden geboten und bilden den Übergang zur Steinstraße.

    Steinstraße
    Die schlichte Gestaltung der Steinstraße erlaubt eine hohe Multifunktionalität auch für die stattfindenden Märkte. Die Bestandsbäume werden ergänzt und bilden das Dach für das Ausstattungsband. Der ‚Steinriese‘ bleibt als Brunnenanlage erhalten und wird integriert.
    Die entstehenden großzügigen Vorflächen an den Bestandgebäuden geben die Möglichkeit für einen belebenden Gastronomiestreifen (markiert durch Stahlbänder im Fugenbild).

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit ist durch eine verstärkte und ergänzende Begrünung im Bereich der Gustav-Rée-Anlage, der Lange Straße und auch in der Steinstraße gekennzeichnet. Dies soll zum einen durch Baumpflanzungen in den drei Straßenzügen erreicht werden. Zum anderen wird durch die Schaffung eine die Stadtmauer begleitende Grünanlage mit Zierpflanzungen in der Gustav-Rée-Anlage erreicht werden. Der konzeptionelle Ansatz zur Schließung des „Grünen Rings“ bzw. die Verknüpfung mit der Grünanlage an der Bahntrasse wird grundsätzlich positiv bewertet.

    Die Gestaltung der Grünfläche mit Zierpflanzungen wird in der dargestellten Form eher kritisch gesehen. Ebenso wird die durchgängige Baumreihe, insbesondere im Eingangsbereich zum neuen Einkaufsquartier, nicht befürwortet. Die Schaffung einer Baumreihe auf der östlichen Seite der Lange Straße ist ein guter konzeptioneller Ansatz. Allerdings stellt sich die Frage, ob durch die Baumpflanzung in der Steinstraße ein dem Stadtraum angemessener Charakter erreicht wird.

    Die Umlenkung der Lange Straße im Bereich des Klosterplatzes wird negativ beurteilt. Mit der starken Verschwenkung wird eher der Eindruck vermittelt, dass die Lange Straße am Klosterplatz endet und schwächt damit die verbindende Funktion zwischen Lindenplatz und Gustav-Rée-Anlage bzw. neuem Einkaufsquartier.

    Der Zugang von der Zauberflötebrücke auf den Lindenplatz sowie auch der Übergang von der Lange Straße auf den Lindenplatz sind gut gelungen. Die durchgängigen Fahrbahnlinien in der Lange Straße im Bereich des Lindenplatzes suggerieren hingegen eine Durchfahrbarkeit, die nicht gegeben ist. Nicht ganz nachvollziehbar ist auch die Verlagerung des Narrenbrunnens in das bestehende Baumquartett. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass an dem alten Standort des Narrenbrunnens ein zusätzliches Wasserspiel eingerichtet werden soll. Die dargestellte einheitliche Möblierung der Außengastronomie im Bereich des Lindenplatzes vermittelt einen positiven Raumeindruck.

    Grundsätzlich wird die durchgängige Pflasterung der unterschiedlichen Räume mit homogenen Materialien positiv bewertet. Die Hierarchisierung der unterschiedlichen Räume (Verkehrsfläche in der Schuttergasse, Verkehrsberuhigter Bereich in der Lange Straße und Gustav-Ree-Anlage, Platzflächen) ist gegeben. Die Nutzung von Betonpflaster im Straßen- und Gehwegbereich ist vor dem Hintergrund der Wirtschaftlichkeit gut. Allerdings wird keine Aussage zu den Übergangen zum historischen Pflasterbelag gemacht. Starke Brüche in der Materialität und Gestaltung sind zu erwarten.

    Die Wahl der Beleuchtungskörper bietet ein Höchstmaß an Flexibilität. Die einseitige Positionierung scheint eine gelungene Einbindung der Steelen zwischen den Bäumen zu ermöglichen. Jedoch bedarf sie der Überprüfung hinsichtlich der Fassadenausleuchtung und der Gleichmäßigkeit. Die Differenzierung der nächtlichen Stadträume über Lichtpunkthöhen sowie Lichtfarbe sind erkennbar und richtig.

    Zum Ideenteil im Bereich des Klosters lässt sich festhalten, dass es die einzige Arbeit ist, die eine Bebauung an der Lange Straße vorsieht. Dies kann durchaus mit einem neuen Angebot zur Stärkung der Einkaufslage „Lange Straße“ führen. Allerdings steht die Schaffung dieser klaren neuen Raumkante im Widerspruch zum Vorschlag für den neuen, vorgelagerten Kirchplatz.

    Insgesamt handelt es sich um einen konzeptionell guten Beitrag, der im Detail aber Schwächen hat.