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  • DE-14109 Berlin
  • 06/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-186066)

Seminargebäude für das Haus der Wannsee-Konferenz


  • 2. Preis

    © Brückner & Brückner Architekten Tirschenreuth I Würzburg mit PONNIE IMAGES Aachen

    Architekten
    Brückner & Brückner Architekten GmbH Tirschenreuth I Würzburg, Tirschenreuth (DE), Würzburg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: Ingenieurbüro Bodensteiner & Partner, Weiden i. d. OPf. (DE)
    TGA-Fachplaner: SÜSS Beratende Ingenieure GmbH & Co. KG, München (DE), Nürnberg (DE), Frankfurt (DE)
    Brandschutzplaner: DAI Dorn Architekten Ingenieure GmbH, München (DE)
    Landschaftsarchitekten: realgrün Landschaftsarchitekten, München (DE)
    Modellbauer: SCALE Architekturmodelle, Frankfurt am Main (DE)
    Visualisierer: PONNIE Images, Aachen (DE)

    Preisgeld
    3.700 EUR

    Erläuterungstext
    Mensch und Raum im Dialog
    Ein Ort am See, einzigartige Parklandschaft und klare Architektur – zugleich ein gewichtiger Ort der Erinnerung. Das neue Gebäude erzählt von menschlichem Maßstab, Offenheit, von Transparenz und Kommunikation. Zwischenräume entstehen. Außenräume – Innenräume. Einblicke – Durchblicke – Ausblicke. Der Dialog zwischen See, Villa und Park ist Inspiration für das Entstehende.
    Das Seminargebäude nimmt den Klang der Villa auf und tritt in einen neuen Dialog mit Menschen und Räumen. Es zeigt Respekt vor dem Ort. Proportionen und Materialität sind in die Jetztzeit transformiert. Offenheit, zarte Filigranität, transparentes und transluzentes Glas und helle, samtige Oberflächen aus gegossenem Stein setzen einen architektonischen Kontrapunkt zur dunklen Historie. Sensibel, im Querschnitt leicht modulierende Säulen erlauben individuelle Zwischenräume und bilden Freiräume für Gespräche und Gedanken.
    Kolonnaden und Terrassen sind Orte für das lebendige Gespräch der Menschen. Die Materialien nehmen sich zurück. Die Räume – innen wie außen – spielen mit Licht, Schatten und den Jahreszeiten. Ein Zwiegespräch von Konzentration und Inspiration durch Blicke in die Natur.
    Off ene Türen, Zonen des Übergangs, hineingegossen in den Park – schwellenloser Zutritt über den Kolonnadengang. Raumhohe gläserne Fenster und Türen schaffen gerahmte Bilder der Parklandschaft. Textiles Gewebe weht im Wind und bietet Diskretion und Schutz.
    Innen, ein weicher wertiger hölzerner Kern aus echtem Material schafft flexible Tagungsräume. Die Struktur ist einfach. Der Sockel nimmt das Gedächtnis auf und bietet Raum für die dienenden Einheiten. Menschen füllen die Räume und treten in den Dialog mit Ort und Geschichte.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf schlägt einen in der Grundfläche trapezförmigen Baukörper vor, der sich an den vorhanden Wegebeziehungen zum Eingangspavillon und zur Villa orientiert. Er ist von einem Kolonnadengang gerahmt, der sich zum Garten von dem beheizten Volumen löst und einen L-förmigen gedeckten Freibereich erzeugt. Dieser öffnet sich als Filter zum Garten und nimmt selbstverständlich die Besucherströme auf. Geschickt nutzt er dabei die Aufweitung des Trapezes und bildet eine gedeckte Fläche mit Aufenthaltsqualität aus. Auf der Nordseite wird eine Baumreihe vorgelagert, die die Filterwirkung verstärkt und gleichzeitig an den Obstgarten erinnern kann.
    Der eingeschossige Baukörper nimmt sich durch die Kolonnade aus Sichtbeton-Fertigteilen angenehm zurück, sodass das Gebäude den Charakter einer Pergola bekommt. Der Pavillon wird von Westen her ebenerdig erschlossen. Auf der Wasserseite ist ihm eine schmale - zu schmale? - 4-stufige Treppe vorgelagert, um den Höhenunterschied zu überbrücken.
    Alle Funktionen des Gebäudes werden über einen gemeinsamen Eingang an der Nordseite unterhalb der Pergola barrierefrei erschlossen. Der Seminarraum ist gut unterteilbar und öffnet sich großzügig zum Garten. Dieser direkte Sichtbezug wird erkauft mit Einschränkungen in der Raumqualität des Foyers: dieses ist zwischen Seminarraum und Treppenkern durchgesteckt und wirkt schmal und wenig attraktiv für einen Aufenthalt. Ein weiterer Nachteil dieser Anordnung ist, dass seminarfremde Besucher direkt vor den großzügig verglasten Seminarräumen entlang gehen, um zu Caféteria und Sanitäreinrichtungen zu gelangen. Durch die Anordnung des Treppenkerns entlang der westlichen Fassade wendet das Gebäude dem Gewächshaus den Rücken zu. Es wurde die Chance vertan, mit diesem über den Außenraum in einen Dialog zu treten.
    Die Nebenräume sind grundsätzlich gut im Untergeschoss angeordnet, wobei die Teeküche zu eng: Die Lage des Technikraums ohne Anschluss an Schächte ist fragwürdig. Durch den gemeinsamen Zugang entstehen Überlagerungen der externen Besucher mit den Seminar- und Veranstaltungsteilnehmern.
    Trotz der genannten Defizite überzeugt die Arbeit insgesamt durch die lapidare Selbstverständlichkeit, mit der sie die Aufgabe erfüllt und sich sensibel und in Maßstab und Gestalt in den Garten einfügt.