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  • CH-8193 Eglisau
  • 05/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-203820)

Arealentwicklung "Quelle Eglisau"


  • 1. Rang zur Weiterbearbeitung empfohlen

    kein Bild vorhanden
    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Oliver Schwarz Architekten / ARGE OS+MB, Zürich (CH)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Eisenbahnlinie im Westen und Süden, der Böschungswald zum Rhein im Norden und der Rand des Siedlungskörpers im Osten sind die wichtigsten ortbaulichen Elemente, die das bestehende Industrieareal nicht nur begrenzen, sondern auch stark prägen. In diesem Spannungsfeld zwischen Industriebestand und Kontext sucht das Projekt QUELLENHÖFE seinen konzeptionellen Ansatz. Es nutzt die lateralen Baufelder, um den baulichen Anschluss ans Quartier zu schaffen und das heute vorherrschende Bild der grossen Volumen der Industrie mittels ebenso grossen Neubauten fürs Wohnen weiterhin nach aussen zu tragen. Damit gelingt ihm nicht nur die gewohnte und ortsbildprägende Silhouette der Quelle Eglisau massstabsgetreu zu erhalten. Es vermag auch über die Ergänzung hoher Bauten rund um den Industrieblock stark gefasste Aussenräume mit urbaner Stärke zu schaffen, die über hohe Aufenthaltsqualität verfügen. Diese sind über ein feingliedriges Erschliessungsnetz fussläufig wie auch für Fahrzeuge an das Quartier und den nahen Bahnhof gut angebunden.

    Besonders gelobt wird der Hochbau an der Nordwestecke des Areals. In seiner, vielleicht noch etwas verhaltenen Ausgestaltung bildet es dort einen schönen Abschluss. Dennoch wäre da durchaus noch Raum vorhanden, es in seiner Höhe noch etwas deutlicher zu entwickeln. Auf diese Weise würde es sich noch stärker zu einem Merkzeichen entfalten und träte spannungvoller in den Dialog zum horizontalen Viadukt.

    Die geplante Schulanlage am südlichen Rand des Perimeters liegt dort in direkter Erreichbarkeit zu Quartier und den Familienwohnungen auf dem östlichen Baufeld. Sie besteht aus einem Schul- und einem Turnhallentrakt. Beide Gebäude lassen sich von ihrer Struktur und Orientierung her mühelos auch für Gewerbenutzungen und bei einem allfälligen Erhalt der «Wewahalle» sogar für Wohnzwecke verwenden. Der Standort für die Schule liegt ausserhalb des störfallrelevanten Abstandsbereichs von 50 m zur Bahnlinie, aber innerhalb des Konsultationsbereichs. Die Turnhalle und die Freiräume der Schule liegen hingegen teilweise im Abstandsbereich von 50 m, in dem gemäss Arbeitshilfe zur Störfallvorsorge keine personenintensiven Nutzungen liegen sollten. Inwieweit die Freiräume im Abstandsbereich der Bahnlinie risikorelevant sind, hängt von der Nutzungsintensität ab. Die Personenbelegung von Gebäude 9 (Wohnen) und ist allenfalls im Rahmen einer Risikobeurteilung zu klären.

    Dank der baulichen Unabhängigkeit der einzelnen Baukörper, einschliesslich der Schulanlage, lässt diese städtebauliche Konzeption verschiedene Etappierungsschritte zu. Naheliegend würde man mit dem langen Gebäude an der Geländekante beginnen. Dieses beinhaltet schon ungefähr 90 Wohnungen der gesamthaft ca. 230 Wohnungen und bietet damit - ausgelöst durch eine unterschiedlich tiefe Gestalt des Baukörpers – bereits in der ersten Etappe eine grosse Varianz an Wohnungen an. Das Erdgeschoss erlaubt je nach Bedarf auch gewerbeorientierte Wohnformen. In den oberen Geschossen sind es vorwiegend zweispännig erschlossene Geschosswohnungen, die über ihr durchgehendes Grundrisslayout jeweils auf das lagespezifische Thema der unterschiedlichen Ausrichtung zu Sonne und Aussicht reagieren. Im derzeit noch unbelegten Untergeschoss des Industriebaukörpers wird mittels Einzug einer neuen Decke ein zweigeschossiges Parkhaus vorgeschlagen. Dieses bedient von dort aus sämtliche Alt- und Neubauten. Letztere sind über unterirdische Verbindungen zwar auf langem Wege aber dennoch trockenen Fusses erreichbar. Diese Konzentration der Parkierung auf den Kern der Anlage entlastet die peripher gelegenen Neubauten. Insbesondere kann auf diese Weise der kontaminierte Bereich im westlichen Bereich bei den heutigen Tennisplätzen von Tiefbauten entlastet werden.

    Aus der Sicht Markt/Marketing fällt das vielfältige Angebot unterschiedlichster Wohnungstypen positiv auf, womit ein ebenso breites Zielpublikum angesprochen werden kann. Ob die Ateliers in den Erdgeschossen als Büros, Wohnungen oder in Kombination davon konzipiert werden sollen, ist diskutabel.

    Die resultierende Hauptnutzfläche ist im Verhältnis zum Bauvolumen nicht optimal. Auch ist der Gewerbeanteil in der Gesamtbetrachtung zu gross. Hingegen bilden die vergleichsweise einfachen und grossen Baukörper eine gute Ausgangslage für eine effiziente und ökonomische Bauweise.

    Punkto Lärmschutz sind die Vorgaben weitgehend eingehalten. Die Wohnbauten sind ausreichend weit von den Gleisen entfernt, sodass keine Lärmschutzmassnahmen notwendig sind.

    Die verschiedenen Aussenräume sind klar definiert und stellen viel Nutzungspotenzial dar. Das stimmige Landschaftskonzept bleibt kohärent und zurückhaltend, es verstärkt die bestehenden Eigenschaften des Ortes. Die Rheinsfelderstrasse wird im Bereich des neuen Wohngebäudes deutlich verbreitert und als Begegnungszone mit locker bepflanzten Baumgruppen entwickelt. Sie passt gut zur ländlichen Stimmung des Rheinuferweges. Ein grosser Wohnhof östlich des Dachsbergweges birgt viel gemeinschaftliches Potenzial und strahlt Gemütlichkeit aus. Beim Schulhof könnten die Aussenräume noch etwas besser definiert sein. Der Vorschlag wirkt noch etwas unvollkommen, so als fehlte dort ein richtiger Spielplatz mit hartem Belag. Weniger verständlich sind die kleinen quadratischen Gartenfiguren und die gerasterten Baumreihen im Schatten des Viadukts. Zu den Vorzügen des Konzeptes gehört die grosse Vielfalt an Bewegungsmöglichkeiten, die den Charakter des Standortes stärken.

    Dem Projekt QUELLENHÖFE gelingt es mit wenigen aber prägnanten Massnahmen guten Raum zu schaffen und gleichzeitig auch Identität zu bewahren. Mit der Aufnahme des grossen Massstabes des Industriebestandes geht das Projekt eine volumetrische wie auch räumliche Einheit ein. Dabei grenzt es sich keineswegs zum nahegelegenen Quartier ab. Im Gegenteil, es öffnet sich diesem gegenüber mit einer starken einladenden Geste. Auf diese Weise gelingt es auch diesem Ort seine Unverwechselbarkeit zu bewahren, ihn aber gleichzeitig auch mit neu geschaffenen Aussenräumen und guten Wohnungen in ein lebendiges Stück Quartier zu verwandeln. Das Hochhaus bei den Viaduktbögen ist wohl präzise gesetzt, würde sich jedoch mit etwas mehr Höhe in den angezielten Massstab besser einfügen.