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  • DE-38118 Braunschweig, DE-38100 Braunschweig
  • 10/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-197266)

Wohnbebauung Feldstraße


  • Anerkennung

    Wettbewerbsmodell, © NVO+HJA+NOWAK

    Stadtplaner
    N-V-O Nuyken von Oefele Architekten BDA, München (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Luise Leon Elbern

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: Händel Junghans Architekten GmbH, München (DE)
    Landschaftsarchitekten: Nowak Partner Landschaftsarchitekten, München (DE)

    Preisgeld
    2.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Einfügung

    Die städtebauliche Struktur setzt sich aus unterschiedlichen, aber miteinander verwandten Wohnhöfen zusammen. Durch die unterschiedliche Stellung zueinander entstehen abwechslungsreiche und lebendige Räume.
    Die neue Bebauung sucht Bezüge in der Nachbarschaft und übernimmt sie in die eigene Struktur. Im Norden werden Straßenzüge vervollständigt und Fluchten aufgenommen, im Süden werden die unterschiedlichen Ausrichtungen der Gebäude und Grundstücke umspielt. Die Bebauung nimmt übergeordnete Grünbezüge auf und führt diese durch das Quartier hindurch. So fügt sich die neue Siedlung selbstverständlich in ihr heterogenes Umfeld ein und entwickelt gleichzeitig eine Eigenständigkeit.


    Bebauungsstruktur und Höhenentwicklung

    Alle Höfe bestehen aus der gleichen DNA: sie sind aus dreigeschossigen L- und U-förmigen Volumen zusammengesetzt. Je nach Ausrichtung der Schenkel sind Reihenstadthäuser mit Südorientierung (12m Bebauungstiefe) oder Wohnungen mit Ost-West-Orientierung (14m Bebauungstiefe) vorgesehen.
    Jeder Hof besitzt einen fünfgeschossigen Hochpunkt.

    Die dreigeschossige Bebauung erzeugt eine ruhige und einheitliche Traufhöhe und fügt sich maßstäblich in die Nachbarschaft ein. Alle Hochpunkte sind so platziert, dass sie untereinander in Beziehung treten und eine abwechslungsreiche Silhouette erzeugen und jeweils auf die Grüne Mitte ausgerichtet sind.


    Verkehr und Erschließung

    Die verkehrliche Erschließung wird auf ein Minimum beschränkt: Drei der sechs Höfe werden vom Norden erschlossen, die anderen drei Höfe von Süden. An den Erschließungsstraßen liegen jeweils die Tiefgarageneinfahrten zu jedem einzeln Wohnhof. Über die TGs ist jedes Stadhaus und jede Wohnung direkt zu erreichen.

    Die Wohnhöfe und Grünräume sind weitestgehend autofrei gehalten, wenngleich Feuerwehr und Rettungswagen eine Zufahrtsmöglichkeit haben.
    So steht das vielfältige Wegenetz Fußgängern und Fahrradfahrern zur Verfügung. Eine einfache und fließende Anbindung an die Grünflächen im Osten sowie die Waldflächen im Westen ist so ermöglicht.


    Nutzung und Variabilität

    Durch die Reduktion auf drei Geschosse und eine einheitliche Traufhöhe lassen sich die Stadthäuser selbstverständlich in die Bebauung integrieren; es entsteht eine angenehme Durchmischung. Der Verteilungsschlüssel (70% GWB und 30% Reihenstadthäuser) lässt sich außerdem jederzeit variieren, ohne die Bebauungsstruktur grundlegend ändern zu müssen.

    In der Quartiermitte wird ein Cafe vorgesehen. Im Süd-Osten wird eine KITA vorgeschlagen, die ideal bzgl. Belichtung und Lärmausrichtung orientiert ist. Beides sind wichtige Bausteine für ein lebendiges und angenehmes Wohnquartier.


    GRÜNBEZÜGE UND FREIRAUM

    Durch die Durchlässigkeit werden differenzierte Freiraum-Qualitäten erhalten und neu geschaffen: die Grün- und Sportflächen im Osten, die Kleingartensiedlung im Norden, das Waldgebiet im Westen und neu, ruhige Wohnhöfe und eine grüne Mitte als Aufenthals- und Spielraum. Davon profitieren die neuen Bewohner sowie ihre Nachbarn.
    Durch die Offenheit der Bebauungsstruktur ist auch eine übergeordnete Anbindung an die Ringgleisweg im Osten sowie den Westpark im Westen möglich.

    Die Außenanlagen der Wohnhöfe auf der Kälberwiese sind dynamisch und gärtnerisch gestaltet. Neben der bestehenden Feldstraße erschließt eine neue Anbindung im südlichen Bereich das Plangebiet. Diesen Hauptstraßen angebunden ist ein, dem Hochbau entsprechendes, polygonales Wegenetz.
    Zentrum dieser wabenartigen Struktur bildet eine großzügige, grüne Mitte als Aufenthalts-, und Spielraum. Nördlich dieses Kerns findet sich ein sonniger Quartiersplatz mit Cafe als Treffpunkt. Entlang dieses öffentlichen Freiraumes verläuft in Ost-West-Richtung die neue Grünverbindung. Hier verknüpft die Planung den vegetativen Kontext des Gebietes durch fortlaufende lockere Baumpflanzungen regional typischer Arten.
    Als halböffentliche Freiräume dienen die Innenhöfe der Wohnbauten, welche eine eigene, ruhige Atmosphäre bieten. Erschlossen werden diese durch zwei Anbindungen an das übergeordnete Wegenetz. Eine als schnelle Verknüpfung zu den Haupterschließungsachsen, eine als Tor zu den öffentlichen Grünflächen.
    Formgebend für die Flächengestaltung der Innenhöfe sind die privaten Grünflächen, welche individuell, entsprechend der jeweiligen Sonnenausrichtung, dimensioniert sind. Heckenpflanzungen schaffen eine klare Flächenabgrenzung und schenken Privatsphäre. Das Thema der Polygone wird im Innenhofbereich durch einzelne Felder aufgegriffen, welche als Flächen zum Gärtnern für die Bewohner genutzt werden können. Der Hofraum wird von lockeren Pflanzungen aus Gleditsien, Ahorn und Kirschen gerahmt, welche für eine räumlich angenehme Atmosphäre innerhalb des Gemeinschaftshofes sorgen. Diese Kombination bietet vielfältige, aufeinanderfolgende Frühjahrsblüten, sowie reizvolle Herbstfärbungen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser interpretieren überraschend Blöcke in einer eher freien Form und arrangieren sie rahmend um eine großzügige freie grüne Mitte. Auch wenn diese Form auf den ersten Blick fremd wirken mag, so gelingt es ihr doch durch ein differenzierte Wechselspiel Vor- und Rücksprüge ein angemessen Verortung im vorgefundenen Raum - wenngleich hierbei weder aus narrativen noch aus rein räumlichen Aspekten die reine Wiederholung der Struktur im Baufeld B nachvollziehbar ist.

    Durch die verschobenen Blöcke entstehen sowohl für die meisten Wohnlagen wie auch für die Flaneure im öffentlichen Raum spannungsreich versetzte gebaute Räume mit attraktiven Blickbeziehungen, sowohl nach innen in die gemeinschaftliche Mitte wie auch
    nach außen in die umgebenden landschaftlichen Potentiale - eine Einsichtigkeit, die übergeordnete Gemeinschaftlichkeit prägt wie auch eine angemessene soziale Kontrolle gewährleisten kann. Der großzügige Umgang mit grünem Freiraum, seine Reihung von recht gleichförmigen Freiraumtypen - und dies noch ergänzt durch die großzügigen Innenhöfe lassen Fragen nach der tatsächlich erlebbaren Spannungsfolge der Freiräume und Zweifel an der Angemessenheit der baulichen Dichte aufkommen.

    Durch das gewählte getrennte Erschließungssystem ist eine robust - flexible wie wohl auch belebende Durchfahrt durch das Gelände nicht mehr gegeben. Die Erschließung von randseitigen Stadthäusern nur mit Fuss-und Radwegen erscheint nicht angemessen. Die öffentlichen Stellplätze sind zu knapp ausgewiesen. Durch die weitgehende Beschränkung des privaten Parkens auf Tiefgaragen sind neben einer vielleicht eingeschränkteren Akzeptanz durch die Bewohner sicherlich deutliche höhere Gestehungskosten zu erwarten. Der Lärmschutz nach Westen ist strukturell gewährleistet. Durch die Geometrie ergeben sich im Areals jedoch auch ungünstig zu entwickelnde Nord-Ostlagen. Die Verteilung der Reihenhäuser innerhalb der einzelnen Blockstrukturen ist grundsätzlich nachvollziehbar, in der baulichen Struktur jedoch nicht konsequent ablesbar.
    Die Realisierbarkeit in Abschnitten ist grundsätzlich gewährleistet und durch die verbindende Tiefgarage auf die einzelnen Blöcke als kleinste Einheit beschränkt.

    Die Arbeit stellt so ein erfrischender Beitrag bei der Suche nach einer angemessen Lösung für diesen Ort dar, es gelingt ihr jedoch nicht, diesen konzeptionellen Ansatz auch in den notwendigen städtebaulichen Details und Hardfacts überzeugend nachvollziehbar werden zu lassen.