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  • DE-09669 Frankenberg/Sa., DE-09669 Frankenberg/Sa.
  • 11/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-202962)

8. Sächsische Landesgartenschau 2019


  • 4. Preis

    Mühlbachtal, © Station C23

    Architekten, Landschaftsarchitekten
    Station C23 - Büro für Architektur, Landschaftsarchitektur und Städtebau, Leipzig (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Michael Rudolph , Prof. Sigrun Langner

    Mitarbeit
    Sebastian Pietzsch, Franziska Busch

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    FLUSSBLICKE - STADTBLICKE

    Zwei neue Parks entstehen in Frankenberg, sehr verschieden im Charakter der sie prägenden Landschaft. Der neue Uferpark entlang der Zschopau wird geprägt durch die Weite der Aue und des Flusses, er hat fast regionale Bezüge bis in die Nachbarorte und entlang des Flusslaufs. Der kleinere der neuen Parks wird als „romantisches Mühlbachtal“ eine unmittelbare und hoffentlich innige Beziehung zu den umgebenden Wohnquartieren haben.
    Im Mühlbachtal eröffnet ein Hangweg entlang des ehemaligen Mühlgrabens immer wieder spannungsreiche Blicke über das Tal und auf die umgebende Stadt. Im Uferpark der Zschopauaue führen die Wege immer wieder auf kleine Anhöhen von denen aus man über den Deich den weiten Blick über den Fluss genießen kann.

    Der neu zu belebende Mühlbachweg verbindet mit seinem Bezug zum fließenden Wasser beide Parks und deren besondere Orte am Wasser miteinander..

    So werden in Frankenberg einige verloren gegangene Verbindungen wieder hergestellt: entlang der Zschopau, entlang des Mühlbachtals Richtung Innenstadt und weiter zum Hammertal, alte Wege quer durch die Zschopauaue.

    Schnelle und überregionale Radwegeverbindungen ergeben sich ganz offensichtlich entlang der Zschopau und als Talweg im Mühlbachtal, für Flaneure aber sind die neuen Parkwege im Hinterland des Flusses sowie im Mühlbachtal entlang des reaktivierten Mühlgrabens viel interessanter. Hier werden die Nachbarn der neuen Parks auf kurzem Wege angebunden, die vorhandenen kleinteiligen Stadträume direkt verknüpft.


    ROMANTISCHES MÜHLBACHTAL

    Als „Romantisches Mühlbachtal“ soll dieser Ort ein großzügiger, offener Landschaftsraum in Mitten der Stadt werden. Die gärtnerische Prägung bleibt erhalten und wird durch Obstbaumsammlungen, Nachbarschaftsgärten und Schaugärten weiterentwickelt. Die Geschichte des Ortes wird durch die Schwerpunktsetzung der Gestaltung auf die beiden Wasserläufe Mühlbach und Mühlgraben erzählt.

    Der Mühlgraben wird als kleine Wasserrinne im alten Lauf reaktiviert und begleitet einen neuen Hauptweg -die Mühlgrabenpromenade- entlang der oberen Hangkante mit Aussicht auf das Mühlbachtal. Entlang des Weges sind immer wieder Ausblicke möglich, an zwei Stellen werden kleine Wasserbecken angelegt, welche aus dem Mühlgraben gespeist werden. Sie sind als Wassergärten mit Ufer- und Wasserstauden bepflanzt. Dieser höher gelegene Weg verbindet die offene Weite des Tals direkt mit den umliegenden Quartieren, zu welchen es mehrere Zugänge gibt. Auf halbem Weg fällt das Wasser des Mühlgrabens über ein Wassertreppchen wieder zum Mühlbach zurück. Am westlichen Endpunkt wird ein Wasserspielplatz am Standort der ehemaligen Oberen Mühle den Auftakt bilden für den Mühlbachweg, welcher von hier aus weiter durch die Stadt über den Dammplatz bis zum Mühlensteg direkt zur Zschopau führt und so die beiden neuen Parks miteinander verbindet.

    Am oberen Ende des Tals, im „Talschluss“ entlang der Sachsenstraße, führt der neue Hauptweg stetig bergan bis hinauf zur Kreuzung, von dort bietet sich ein Blick über das Tal auf die Altstadt und den Turm von St. Aegidien.

    Der in gerader Linie kanalisierte Mühlbach wird im oberen Teil des Mühlbachtals flach angestaut, die hier bereits bestehenden sumpfigen Bodenverhältnisse werden genutzt und verstärkt und der Bereich zu einer Flachwasserzone mit Schilf, Gräsern und blühenden Uferstauden gestaltet. Alle übrigen Uferbereiche werden moderat entsprechend den verfügbaren Mitteln mit vegetativen Maßnahmen gestaltet, der Verlauf bleibt bestehen. Der Mühlbachtunnel unter der Sachsenstraße wird mit einer einfachen Stegkonstruktion zum Durchgang für den Talweg.

    Um das Ökosystem Mühlbachtal aufzuwerten, wird ein Großteil der Fläche als standortangepasste, extensive Wiese angelegt, Aufwuchs ausgelichtet, bestehende und neu zu ergänzende Solitärbäume bieten Blickpunkte vom neuen Hauptweg aus und spenden Schatten im Tal. Zusammen mit standortgerechter Uferbepflanzung und Staudensäumen entlang des Mühlgrabens soll hier eine große Artenvielfalt entstehen, welche den kleinräumigen Charakter des vorgefundenen Ortes unterstreicht, ohne ihn räumlich vollkommen zu überprägen. Das „Landschaftstheater im Mühlbachtal“ (zur LGS Kleinkunstbühne) bietet hier eine kleine, für jedermann nutzbare offene Fläche inmitten der Auwiesen.

    Die Bereiche am Übergang zum Baderberg sind im Sinne eines Nachbarschaftsparks intensiver gestaltet und mit Spielflächen und gärtnerischen Motiven ausgestattet. Der „Baderplatz“ als Auftakt für das Mühlbachtal am Baderberg ist auch für kleine Veranstaltungen oder Märkte nutzbar, ebenso die anschließende Wiese. Ein Gartenband mit Schauflächen begrenzt den neuen Hauptweg zur Straße Mühlgraben hin, hier können später neue Wohnhäuser mit Gärten direkt am Park entstehen.

    Die Kleingärten südlich des Mühlbaches werden weiter entwickelt und partiell geöffnet, der Uferweg entlang des Mühlbaches wird durchgängig benutzbar und bietet die schnelle Alternativroute durch das Tal.

    Der Bereich Stadtpark wird über den Mühlbachtunnel mit dem unteren Mühlbachtal verknüpft, sonst im Bestand entwickelt und um weitere Spielangebote ergänzt, die Anbindung an die Veranstaltungshalle aufgewertet.


    STÄDTISCHE ZWISCHENSTÜCKE

    Entlang des Mühlbaches führt der Mühlbachweg durch die Innenstadt Frankenbergs Richtung Zschopau. Es wird die historische Mühle mit ihrem kleinen Platz passiert, weiter Richtung Dammplatz. Dieser wird neu gestaltet, der Mühlbach geöffnet und eine deutliche Wegeführung entlang des Mühlbaches an der südlichen Platzkante entlang geführt. Die Platzfläche selbst bleibt bewusst offen, um diverse Nutzungen von Veranstaltungen bis hin zum Parken zu ermöglichen. Die südliche Platzkante wird neu gefasst durch den Botanischen Garten, welcher im Vorbereich der privaten Villa unter bestehenden alten Bäumen angelegt wird. Von hier aus kann auch ein direkter Zugang zum Mühlbach angelegt werden. Entlang des Mühlbaches führt der Weg zur Jochen-Köhler-Straße, auf deren östlicher Seite ein kleiner Eingangsplatz den Zugang zum Uferpark markiert.

    Die zweite wichtige Verbindung zur Zschopau führt entlang der Chemnitzer Straße Richtung Auenweg. Diese viel befahrene Einbahnstraße kann im Querschnitt verringert werden, um den Fußgängern mehr Raum zu bieten. Gleichzeitig erhöht sich die Aufenthaltsqualität, Stellplätze für die Geschäfte können in die Gestaltung integriert werden.

    Alle übrigen innerstädtischen Gassen und kleinen Plätze werden im Sinn der bereits an einigen Stellen begonnenen Gestaltung einfach und angemessen ausgebaut und aufgewertet.

    Während der Gartenschau können entlang des Mühlbachweges und auf den kleinen Stadtplätzen Garteninstallationen mit Bezug zum Thema Wasser und Mühle den Weg bereichern, im botanischen Garten werden kostbare Pflanzen ausgestellt.

    UFERPARK ZSCHOPAUAUE

    Neue Blicke auf den Fluss öffnen und inszenieren ist die Idee für den neuen Uferpark, das Erleben des Flusses steht im Mittelpunkt. Drei Aussichtspunkte entlang des Ufers bilden die Schwerpunkte des neuen Parks:
    im Süden, anschließend an den Sportpark, eine große Landschaftsterrasse; ein Gehölzplateau auf der Mühleninsel an der Wassermühle, und der Zschopaubalkon auf dem Deich in Verlängerung der neuen Brücke „Mühlensteg“. Von diesen Orten aus kann der Blick schweifen über den Fluss und die Aue. Auch Blicke zur Altstadt und zu St. Aegidien bieten sich von hier. Die Aussichtspunkte sind gegenüber ihrer Umgebung leicht überhöht, entsprechend den bestehenden Geländegegebenheiten, und sind somit auch von außerhalb des Parks und vom westlichen Ufer aus sichtbare Bezugspunkte.

    Diese drei Bezugsorte zum Fluss werden nicht nur entlang des neu angelegten Deichweges für die schnellen Radfahrer miteinander verbunden, sondern auch über einen parallel verlaufenden neuen Parkweg, welcher die stadtwärts liegenden Teile des Sportparks und des Uferparks auf kleinteiligere Weise erschließt.

    Im Bereich um die Lisema-Halle herum verzweigen sich die Wege und bilden offene Platzflächen, welche für die Gartenschau die Funktion des Haupteinganges und des Festplatzes übernehmen. Später bilden sie den Hauptzugang zum Sportpark und zur Halle vom Auenweg aus. Dieser bleibt als historisch begründete Querverbindung ein wichtiger Verbindungsweg zum Fluss und hinüber nach Lichtenau. Südlich der Lisema-Halle leitet die offene Platzfläche mit begleitenden Stauden und Ziergehölzen Richtung Uferpark, es bietet sich hier ein Durchblick durch die teils bestehenden Gehölze Richtung Zschopauufer. Der hier bereits im Bestand höher gelegene Uferpark mit Zschopauterrasse rückt somit in den Blickpunkt von der Lisema-Halle aus. Hier schließt der Parkweg wieder an den Deichweg an, darüber hinaus gibt es einen direkten Zugang zum Fluss.

    Im mittleren Teil, auf der Mühleninsel, wird die Fläche zwischen Wassermühle und Zschopau leicht erhöht, um einen Ausblick über die Ufermauer und den Fluss genießen zu können. Der Blick schweift bis Chemnitz mit dem markanten Schornstein des dortigen Heizkraftwerks. Das kleine Plateau ist mit einem kleinen Hain aus Ziergehölzen bestanden und bietet somit auch vom westlichen Ufer und der Zschopaubrücke, als auch von der Bundesstraße aus einen Blickfang im Uferpark.

    Nördlich anschließend führen Deichweg und Parkweg parallel entlang auf der schmalen Mühleninsel, der Parkweg etwas tiefer liegend erschließt hier Gartenfelder, welche zur Gartenschau mit diversen Ausstellungsbeiträgen, Schaugärten und Pflanzungen einen besonderen Schwerpunkt bilden. Als nördlicher Abschluss bietet der Zschopaubalkon einen Blick über den Deich auf den Fluss. Als minimale Stahlstruktur kann die Konstruktion über den Deich ragen und beeinträchtigt ihn somit nicht in seiner Funktion. Hier verknüpfen sich die Hauptwege des Uferparks mit der Verbindung über Mühlensteg und Mühlbachweg Richtung Innenstadt und Mühlbachtal.

    Das Ökosystem Zschopauaue wird mit einfachen Mitteln ergänzt, um eine bessere Durchgängigkeit herzustellen. Jenseits des Deiches werden im „Flusspark“ nur minimale Interventionen vorgenommen, um den Kontrast der „wilden“ Flusslandschaft zum neuen Uferpark deutlich hervortreten zu lassen. Einzelne bauliche Ergänzungen sind die Badestellen mit Steg, gleichzeitig Anlegestellen für Kanufahrer. Diese erhalten über einen einfachen Pfad die Möglichkeit zum umtragen des Wehrs. Standortangepasste Bepflanzungen mit Wildstauden und kleinen Gehölzen (Weiden) sowie sehr einfache Pfade im Uferbereich machen den Fluss und seinen Überflutungsbereich zugänglich, ohne ihn in seiner ökologischen und wasserbaulichen Funktion zu beeinträchtigen.


    ÖKOLOGISCHE VIELFALT UND VEGETATIONSKONZEPT FÜR DIE DAUERANLAGEN

    Ziel ist es, in den neuen Parks eine reiche Artenvielfalt zu etablieren, und gleichzeitig interessante und vielfältige Ausstellungsbereiche für die Zeit der Gartenschau miteinander zu verbinden. Durch die Etablierung größtmöglicher ökologischer Vielfalt können durch Versiegelung und Neubauten entstehende Ausgleichsanforderungen im Plangebiet ausgeglichen werden.

    Flusspark: die Auenbereiche an der Zschopau werden mit standortangepassten Kleingehölzen, Weidenpaketen, Wildstaudenfluren und artenreichen Ansaaten ökologisch aufgewertet und strukturiert. Größere Gehölze sind im Bestand vorhanden.

    Uferpark: auf den exponierten Stellen mit Aussicht (und zum gesehen werden von weitem) werden Ziergehölze und blühende Bäume gesetzt, ergänzt durch Staudenpflanzungen. Einheimische kleinere Laubbäume werden entlang des gesamten Teilbereichs teils neu gesetzt, teils aus dem Bestand heraus entwickelt. Bestehende dichter bepflanzte Bereiche entlang der B 169 werden durch Neupflanzungen ergänzt. Neben nutz- und strapazierbaren Rasenflächen sind auch artenreiche Wiesen in Teilbereichen vorgesehen.

    Sportpark: bespielbare Rasenflächen prägen den Bereich, einheimische Laubbäume ergänzen den Übergang zu dem bestehenden großen Gehölzbestand entlang der B 169.

    Mühlbachtal: extensive Wiesenflächen prägen den gesamten Bereich, ausgenommen am neuen Platz am Baderberg. Wildstaudensäume und Uferbepflanzung begleiten die Ufer von Mühlgraben und Mühlbach, ebenso Schilf- und Gräserpflanzungen. Eine Verbesserung der Gewässerqualität kann durch reinigende Pflanzensysteme erreicht werden, insbesondere im Mühlgraben.
    Standortangepasste Solitärgehölze in der Bachwiese ergänzen den Bestand, Streuobstwiesen bzw. einzelne Obstgehölze bilden Übergänge zu den Kleingärten.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.