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  • DE-09669 Frankenberg/Sa., DE-09669 Frankenberg/Sa.
  • 11/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-202962)

8. Sächsische Landesgartenschau 2019


  • Anerkennung


    Landschaftsarchitekten
    Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Claudia Schreckenbach , Sebastian Fauck

    Mitarbeit
    Johanna Günzel, Eliška Vaňková

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    Konzept
    Die Gartenschau in Frankenberg spiegelt in besondere Weise den geschichtlichen Wandel der letzten Jahrhunderte dieser Region wieder. Insbesondere Flüsse und Bäche, wie hier die Zschopau und der Mühlbach, die den Handwerkern und der Industrie als stetige Energiequelle dienten, künden vom wechselhaften Lauf der Geschichte.
    So sind hier in Frankenberg die Wasserläufe auch Geschichtsläufe - die Geschichten erzählen, Geschichten und Geschehnisse bildhaft erfahrbar machen, ja sogar bespielbar sind. Eine Zeitreise in die Vergangenheit, die neue Orte und neue Perspektiven für die Zukunft schafft.
    Es entstehen zwei markante neue Freiräume mit je einer eigenen städtischen Funktion. Der Freiraum des Mühlbachtals mit neuem Mühlgraben wird zum innerstädtischen Garten. Die Geschichte der alten Mühle wird hier auf facettenreiche Art zum neuen Erlebnis. Der Auenpark an der Zschopau ist nicht nur das Fenster zur Landschaft, er bringt die Stadt wieder zum Fluss. Wo einst Industriekomplexe die Zschopau unerfahrbar machten, entstehen nun Wasserzugänge und Grünflächen für die aktive Freizeitgestaltung, die dem Wohn- und Arbeitsstandort Frankenberg einen neuen lebenswerten Akzent verleihen.

    Mühlbachtal - zwei Wassergeschichten
    Das Mühlbachtal umgeben von Gärten der angrenzenden Bebauung wird selbst zum grünen Stadtgarten. Die Kleingärten werden nach Süden verlagert, so entsteht ein großes grünes verbindendes Band zwischen Innenstadt und Hammertal.
    Zwei unterschiedliche Wasserläufe charakterisieren diesen „neuen alten“ Freiraum. Im Tal mäandert der Mühlbach, an dem flache Ufer gefahrlosen Zugang zum Wasser bieten. Ein Uferweg als Fuß-und Radweg führt begleitend durch diesen Naturraum. Ein Kulturraum entsteht durch die besondere Chance der Reaktivierung des alten Mühlgrabens und das Aufleben der früher hier genutzten Wasserenergie. Dieser zweite Wasserlauf verläuft hangseitig, wird zur Wasserpromenade mit Sitzplätzen und Gärten mit Blick ins Tal. Dieses lange Wasserspiel aus Stein lädt zum matschen, schleusen, ablassen an den Abschlägen, kneippen und vielen weiteren nassen Späßen ein. Es mündet am alten Mühlenstandort in das neue Mühlgerinne (Gerinne ist das Bauteil vor dem Wasserrad). Oberschlächtig angetriebene Wasserräder lassen hier ein Wasserspiel für Jung und Alt entstehen. Gleich einer Wasserkunst lassen sich hier verschiedene Wasserwege durch Freifluter oder Leerschüsse (Fachbegriffe der Mühlensteuerung) steuern. Auf spielerische Weise wird die Kulturgeschichte der Wassermühlen mit all Ihren wissenschaftlichen Aspekten erlebbar gemacht. Aber auch Energie wird gewonnen – zum Beispiel für die Parkbeleuchtung. Das Mühlgrabenwasser mündet im Bereich des neuen Parkcafe´s in einen flachen Strand. Vom Freisitz der neuen Gastronomie lassen sich der Park und das Treiben auf dem Mühlgerinne überschauen.
    Als Parkkulisse werden am Südhang entlang des Mühlgrabenwassers Obstbaumpflanzungen angelegt, die z. T. auf den angrenzenden neu bebauten Grundstücken fortgesetzt werden können. Regionale alte Obstsorten werden wieder entdeckt und somit ein bedeutendes Kulturgut für kommende Generationen bewahrt.
    Der Zugang zum Mühlbachtal erfolgt stadtseitig durch einen baumbestandenen multifunktional nutzbaren Grünen Markt mit flexibler Möblierung. Zur Gartenschau entsteht hier ein wichtiges Gelenk zwischen den einzelnen „Austragungsorten“. Aufgrund der Nähe zu den angrenzenden privaten Gärten entsteht hier das Angebot des öffentlichen Gartens, in dem nicht nur Obstgehölze und Beerensträucher zu finden sind, sondern auch Beete gemeinsam bewirtschaftet werden können.
    Ein neuer Parkeingang, der zugleich während der Gartenschau der Hauptzugang für dieses Areal sein wird, entsteht an der Sachsenstraße. Er bindet die südlichen Stadteile an die neue Grünverbindung an. Aufgrund seiner exponierten Lage ist er Parkbellevue mit Stadt- und Parkausblick. Auf der gegenüberliegenden Seite am sonnigen Südhang entstehen als Pendant das große Gartenschaukelplateau sowie ein Landschaftstheater für kleinere Aufführungen.
    Unterhalb des Hanges befindet sich ein vorhandenes Wäldchen, dessen Charakter durch die behutsame Integration von einzelnen Spielelementen gestärkt wird. Auf Waldstegen erkundet man das Areal, in dem man zwischen den Bäumen hangeln und abhängen kann. Stege führen auch über den kleinen neu angelegten Mühlteich, der von Ufer- und Wasserpflanzen umrahmt wird.
    Die Freiflächen östlich der Sachsenstraße werden durch ein Deck im Durchlass des Baches erschlossen. Die parkseitige Böschung des Mühlbaches wird teilweise abgeflacht und der neue Radweg bachbegleitend westwärts bis zum Anschluss an das Hammertal weitergeführt. Die vorhandenen Spielangebote werden weiter ausgebaut.
    Während der Gartenschau erblüht das ganze Mühlbachtal. Großflächige Wechselflor-Flächen begrüßen den Besucher am Haupteingang und an der großen Wiesenfläche am Café´. Die Hangbereiche entlang des Mühlgrabenwassers werden mit naturnahen Staudenpflanzungen betont. Entlang des Mühlbaches werden naturnahe Uferbepflanzungen und eine Wasserpflanzenschau auf dem Mühlteich erlebbar gemacht. Thematische Gärten werden ortsbezogen integriert, so z.B. der „Reißende Garten“ an der ehemaligen Reißerei. Die Fläche des ehemaligen Kaufhauses wird zum „Grünen Markt“. Hier können Gärtner- und Handwerkermarkt auf flexiblen Markttischen ausstellen, die nach der Gartenschau als Sitzmöbel oder bei Wochenmärkten genutzt werden. Als Präsentationsflächen der Baumschulen steht der Obstbaumhang zur Verfügung. Die Kleingärten südlich des Mühlbaches werden z.T. als Schaugärten während der Gartenschau geöffnet. Ein Rundweg bindet die Gärten über zwei Brückenstege in den Park ein.

    Auenpark - die Stadt am Fluss
    Mit der Entstehung des Auenparkes erschließt sich Frankenberg den Zugang zum Wasser und schafft Orte mit wichtiger städtischer Bedeutung. Als Kern der Anlage entsteht ein neuer multifunktionaler Parkraum der sich zwischen Uferplatz und Zeitenplatz aufspannt.
    Von der Stadt kommend leitet ein großzügiger Vorplatz entlang des Auenweges zum Zeitenplatz. Hier werden zur Gartenschau der Eingang mit Kassen, Informationsständen, Bushalt etc. eingeordnet. Die vorhandene Halle dient zur Schau als Blumenhalle, eine angeschlossene Gastronomie ergänzt das Angebot über das Jahr 2019 hinaus. In Zukunft entwickelt sich hier die Zeit-Werk-Stadt, welche zum einen über die besondere Geschichte der Stadt und Automobilindustrie informiert, aber auch Veranstaltungen ermöglicht. Die Platzfläche wird hierbei zum Ausstellungs- und Festort.
    Als Pendant zum Zeitenplatz entsteht an der Zschopau der Uferplatz mit Auenbühne und Strand-Café´, der den Blick über die Landschaft bis nach Lichtenau frei gibt. Dieses Landschaftsfenster ist ein Ort hoher Aufenthaltsqualität und wird daher mit entsprechend bequemer Möblierung versehen. Die Sitzangebote zitieren dabei Produkte des ehemaligen Lisema-Werkes. Der neue Wasserplatz ist gleichzeitig Zugang zum Stadtstrand mit Badestelle und Bootsleihe am Uferweg.
    Zwischen Zeitenplatz und Uferplatz spannt sich eine große Wiesenfläche auf, die zukünftige als städtische Festwiese, aber auch als Sport- und Spielfläche dient. Sie wird von einem ganz besonders aktiven Weg gerahmt: der Parcours der Barkatour. Er bietet nicht nur den Rollsportarten Freude, es wird auch an die besonderen Fahrzeuge wie Barkas und Roller der heimischen Industrie erinnert. Auf großzügigen Wegeflächen sind die unterschiedlichsten Sport- und Spielangebote aufgereiht: bedruckte Spielfelder, Skater- und Rollbahn, Rennstrecke und vieles mehr laden Jung und Alt zum Bespielen ein und halten gesund und fit. Der Rundkurs wird durch die Öffnung der Grünzüge zwischen den Bebauungen nach der Gartenschau noch nach Norden erweitert.
    Die Auenpromenade, die entlang der Zschopau den Park auf gesamter Länge erschließt und Teil des übergeordneten Rad- und Wanderwegenetzes ist, verbindet alle Parkräume miteinander. Sie erschließt in nördliche Richtung weitere Erlebnisräume, die auf die Besonderheiten des Ortes eingehen. So wird an die Geschichte der Flößer erinnert. Die Flößerterrassen bieten nicht nur Anglern lauschige Orte am Wasser. Das Hohe Holz, ein Flößerturm mit aufgestellten Stämmen ist Aussichtsort und Kletterturm am Abzweig von Zschopau und Mühlgraben, dem neuen Energiekanal.
    Der Parkabschnitt zwischen Zschopau und Kanal steht unter dem Thema Energiegewinnung und Nachhaltigkeit. Auf Energiefeldern können unterschiedliche Sport- und Spielgeräte, wie z.B. die „4-Takt-Schaukel“ oder die „Sprungfedern“ getestet werden. Die spielerisch erzeugte Energie kann dann z.B. zur Beleuchtung des Turmes genutzt werden. Der Kanalabschnitt nach dem Wasserwerk kann während der Gartenschau Austragungsort für wassersportliche aber auch spielerische Wettkämpfe wie „Fischwettschwimmen“ oder „Entenrennen“ sein. Über den Kanal spannt die neue Energiebrücke den Bogen zurück zur Stadt, und bietet künftig einen zweiten Ein- bzw. Ausgang des Parkes.
    Die Bepflanzung des Auenparkes orientiert sich an der Vegetation einer typischen Flussaue – raumwirksame Gehölzgruppen aus Weiden, Erlen, Eschen aber auch Eichen und Hainbuchen ziehen sich bandartig in Nord-Süd-Richtung entlang des Flussverlaufes und geben dem Park ein Grünes Grundgerüst.
    Während der Gartenschau werden besondere Schaupflanzungen und Themenräume den Auenpark attraktiveren. Einen Schwerpunkt bildet hierbei die Wechselflorfläche an zentraler Stelle. Zwischen Blumenhalle und Zeitenplatz flaniert man durch üppige Blumenmeere. Dauerhafte Staudenpflanzungen sind punktuell entlang der Auenpromenade vorgesehen. Entlang der Energiefelder werden Energiepflanzen präsentiert. Themengärten sind an besonderen Stellen integriert, wie die „Rollenden Beete“ am zukünftigen Fahrzeugmuseum. Die Schauflächen der Friedhofsgärtner liegen weitab von allem Trubel, auf der anderen Seite der Zschopaubrücke. Hier kann man die Ruhe und den Blick auf die Frankenberger Stadt- Silhouette genießen.

    Stadtwege
    Zur Gartenschau werden Auenpark und Mühlbachtal durch zwei städtische, thematisch eigenständige Wege miteinander verbunden. Hierdurch bietet sich für Besucher ein geschlossener Rundweg durch Parkanlagen und Stadt, der alle relevanten Bereiche erschließt.
    Der Mühlweg als Geschichtenweg, u.a entlang des neu gestalteten Dammplatzes folgt dem Lauf des Mühlbaches bis zur Mündung. An Wegen, Plätzen und Gärten ist hier die Geschichte der Stadt Frankenberg „aufgefädelt“. Meilenmühlensteine leiten auf unterhaltsame Weise durch die Stadt und somit den Wandel der Zeit.
    In südliche Richtung führt der Industrieweg durch die Stadt. Hier wird dem Besucher die vielseitige, aber auch schicksaalhafte jüngere Industrievergangenheit und vor allem der Aufbruch in die Zukunft erfahrbar gemacht. So parken Zeitfahrzeugen und Zukunft nebeneinander.
    Entlang beider Wege begleiten Baumpflanzungen den Straßenraum zwischen den Parkanlagen. Aufgrund der teils sehr beengten Straßenräume der Frankenberger Innenstadt wird hier Das etwas andere Grün entwickelt. Zwischen den Gebäuden oder auch an Fassaden hängend leitet das Gedruckte Grün durch die Stadt. In Erinnerung an den ehemals ortsansässigen Textildruck zieren große textile Banner mit floralen Mustern die Straßen. An Stellen mit besonders beengten Fußwegesituationen wird als Zitat der Fahrzeugindustrie am Straßenrand das Geparkte Grün ausgestellt.
    Auch die aktive Einbeziehung der Bürger Frankenbergs in die Entwicklung und Präsentation der Stadt ist ein wichtiger Aspekt. Über Aktionen, Wettbewerbe, Patenschaften usw. können Bürger einbezogen werden und somit die Identifikation mit der Stadt gestärkt werden. Im großen Blumenkastenwettbewerb kann jeder selbst entscheiden, welches Grün ausgestellt wird. Auch Baulücken von abgerissenen Gebäuden, können der Stadt einen neuen Charakter verleihen. Die als Lückensprießer ausgewiesenen Flächen können für jeweils ein Jahr „bestellt“ werden. Ob als Grünes Klassenzimmer, Vereinsplatz, Stadtoase, Familiengarten, Plattform für Ausstellungen oder Aktionskunst, sie beleben die Stadt, stärken das Miteinander und geben neue Impulse für die Zukunft Frankenbergs.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.