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  • DE-29223 Celle, DE-29221 Celle
  • 12/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-199173)

Allerinsel - Wohnen am Stadthafen


  • Los 2 2. Rang


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    Architekten
    JA:3, Winsen (Aller) (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Investoren: PRIMUS developments GmbH, Hamburg (DE)
    Architekten: Architekturbüro Hubertus von Bothmer, Hermannsburg (DE)

    Preisgeld
    1.750 EUR

    Erläuterungstext
    Der nördliche Teil der Allerinsel wird mit zwei Gebäudetypen
    bebaut, die zusammen das MarinaQuartier bilden. Auf der zur
    Hafen gerichteten Seite entstehen fünf solitäre Gebäude, die
    eine ausgeprägte Orientierung zum Hafenbecken aufweisen.
    Der Hafen soll damit in seiner Bedeutung als städtebaulicher
    Höhepunkt der Allerinsel gestärkt werden.
    Jedes der Gebäude ist entlang der Nord-Süd-Achse
    ausgerichtet. Seitliche Fassaden aus glanzlackiertem Holz
    erinnern mit ihrer leichten Krümmung an Schiffsdecks. Die
    Körper aus drei Obergeschossen werden durch Garagen
    aufgeständert. Die dadurch entstehende Auskragung
    suggeriert eine Promenade, die die bereits bestehende am
    Beckenrand ergänzt.
    Auf die oberen Etagen verteilen sich pro Gebäude sechs
    Wohnungen von exklusivem Charakter. Durch einen Versatz
    im Gebäudekörper wird auch den nördlichen Wohnungen ein
    Ausblick auf die Hafenanlagen ermöglicht. Schiebbare
    Elemente der nördlichen und südlichen Glasfassaden
    erweitern die Wohnräume um Balkone. Großzügige
    Aussparungen in den Ost- und West-Fassaden fungieren als
    kleine Loggien und eröffnen weitere Ausblicke.
    Geschlossene Paneele auf der Südseite unterbrechen die
    Fassade. Angebrachte Photovoltaikelemente sorgen neben
    der Stromerzeugung für eine Verschattung der dahinter
    liegenden Räume. Automatisch gesteuerte Raffstoreanlagen
    schützen zusätzlich vor zu hohen solaren Wärmegewinnen.
    Der Aufheizung des Daches wird durch eine extensive
    Begrünung mit Gräsern begegnet. Dies hilft dem Gebäude bei
    der Klimaregulierung und bietet Vorteile auf die
    Regenwasserversickerung.
    Das gesägte Großpflaster wird von der Marinakante bis in die
    Innenhöfe der Gebäudesolitäre fortgesetzt. Dieser
    hafentypische Bodenbelag unterstreicht den maritimen und
    großzügigen Promenadencharakter für die Gebäude ´in der
    ersten Reihe´. Den direkten Anwohnern ist es gestattet,
    diesen Bereich mit ihrem PKW als Zufahrt zu nutzen.
    Auf dem Gelände wird eine Gartenlandschaft angelegt, die
    durch Wege und silbrig schimmernde Bauminseln die
    Gebäude mit der zur Straße gerichteten Bebauung erkennbar
    als ein Ensemble zusammenbringt. In zwei Innenhöfen, die
    nicht als Zufahrt benötigt werden, sind mehrere bepflanzte
    Hochbeete aus Stahl platziert. Die Eigentümer der
    Wohnungen können in diesen Höfen oder im angrenzenden
    Garte nbereich die gemeinschaftlichen Flächen nutzen.
    Die frei stehenden Gebäude erschaffen durch ihre Gestaltung
    und ihre Lage direkt an der Hafenkante ein einmaliges
    Ambiente. Sie fügen sich ins Bild der Allerinsel ein und
    verleihen ihr zugleich einen hohen Wiedererkennungswert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Los 2 wird mit 2 Gebäudetypen entwickelt, die gemeinsam ein Marinaquartier mit deutlicher Ausrichtung auf den Stadthafen formulieren. Auf der Seite des Hafens entstehen 5 vier-geschossige Solitäre, die für die Hafenkante eine prägende Wirkung entwickeln.
    Sie stehen senkrecht zum Hafenbecken und bilden in ihrer Nord-Süd-Ausrichtung markante Kopfbauten aus. Die Baukörper werden mit leicht gekrümmten Holzschalen vorgetragen und erinnern an Schiffsdecks beziehungsweise an maritime Bilder.
    Die Zweispänner mit zentral angeordnetem Treppenhaus weisen jeweils einen Versatz auf. Dennoch partizipieren aber die nördlichen Wohnungen nur bedingt an der Orientierung zum Stadthafen partizipieren lässt. So entstehen pro Gebäudetyp in 3 Obergeschossen zusammen 6 Wohnungen (= 30 WE).
    Als zweiter Bautyp zeichnen drei Ost-West-orientierte Wohnriegel die Kontur der Hafenstraße konsequent nach. Sie schaffen eine Adresse zur Straße und schirmen das neue Quartier gleichzeitig vom Straßen- und Veranstaltungslärm des Schützenplatzes ab. Auf 4 Geschossen verteilen sich 44 Wohneinheiten. Die Wohnräume sind klar an der Südseite angeordnet und sind richtig zum Hafenbecken ausgerichtet. Die städtebaulichen Kenndaten der gesamt 74 WE liegen unterhalb des Durchschnitts (=96 WE). Der entstehende Freiraum im Quartier ist sowohl für private wie gemeinschaftliche Aktivitäten gut nutzbar.
    Die prinzipielle städtebauliche Anordnung in der Setzung der beiden Gebäudetypen überzeugt und lässt ein hochwertiges Wohnquartier erwarten, dessen Wohnungen mehrheitlich vom Hafenmilieu profitieren.
    Sehr problematisch wird jedoch das dem Parken überlassene Erdgeschoss der Kopfbauten beurteilt. Es bleibt unverständlich, weshalb die Kopfbauten nicht an die Tiefgarage des Wohnriegels an der Hafenstraße angebunden werden, weil damit jegliche Chance für eine produktive Beziehung von Wohnen und Wohnumfed vertan wird. Hier ist eine Überarbeitung dringend geboten. Es wird ein Nachweis erwartet, wie die prädestinierte Lage am Hafenbecken sowohl als öffentliche Promenade mit Aufenthaltsfunktion als auch als Wohnlage ausdifferenziert entwickelt werden kann. Besonderes Augenmerk wäre der Trennlinie zwischen öffentlicher Hafenkante und privaten Höfen zu widmen. Auch die partielle Einordnung von Gastronomie wäre wünschenswert.
    Insgesamt stellt die Arbeit einen interessanten Beitrag zur zukünftigen Bebauung der Allerinsel dar. Die Maßstäblichkeit der vorgetragenen Baumassen trifft die Eigenlogik des Ortes, eine gute Raumwirkung entsteht in der Stellung der Baukörper aus einem ausgewogenen Verhältnis von Offenheit und Geschlossenheit: Das Motiv der Kopfbauten – richtig eingesetzt – könnte einen einprägsamen Ort mit einer starken Bildwirkung entstehen lassen.


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