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  • DE-46395 Bocholt, DE-46395 Bocholt
  • 11/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-202330)

LernWerk


  • Engere Wahl

    Außenperspektive, © De Zwarte Hond, render Birger Bergfeld

    Architekten, Stadtplaner
    DeZwarteHond, Rotterdam (NL), Groningen (NL), Köln (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Matthias Rottmann, Alexia Radounikli, Martijn korendijk, Wouter Stoer

    Erläuterungstext
    Entwurfskonzept / Leit-Idee
    Die denkmalwürdigen Elemente des ehemaligen Spinnereigebäudes sind Fassade und Tragstruktur. Der beschriebene Nutzungskatalog des Lernwerks erfordert jedoch ein hohes Maß an räumlicher Flexibilität. Das Besondere zu erhalten und dieses mit der hohen Nutzungsflexibilität zu kombinieren, ist wesentliches Ziel des vorliegenden Entwurfs. Daher sieht das dargestellte Konzept einen eigenständigen Neubau innerhalb der Fläche des Bestandsgebäudes bei gleichzeitigem Erhalt der bestehenden architektonischen Elemente in einem Teilbereich des Gebäudes vor.
    Funktionalität
    Für das neue Gebäude wird eine sehr kompakte Form vorgeschlagen. Diese zeichnet im Norden und Osten die Fassade des Bestandsgebäudes nach und rückt gegenüber der zu erhaltenden Fassade im Westen und Süden von der Hülle ab. Dadurch entsteht ein spannungsreicher überdachter Außenraum zwischen Alt und Neu, in dem Fassade und Tragstruktur des ehemaligen Spinnereigebäudes erhalten und freigelegt werden. Der Stadtvestibül ist während der Öffnungszeiten öffentlich zugänglich und kann multifunktional genutzt werden.
    Das LernWerk wird auf insgesamt 5 Geschossen organisiert, von denen eines unterirdisch ist. Dort finden das Magazin und notwendige Lagerräume Platz.
    Im Erdgeschoss sind vornehmlich die öffentlichen Bereiche wie Foyer, Bibliothek und Speisesaal mit den dienenden Funktionen angeordnet.
    Über die zentral angeordnete breite Freitreppe wird das erste Obergeschoss erreicht. Hier finden Veranstaltungen statt, die je nach Platzbedarf auch über die Freitreppe hinweg in das Erdgeschoss erweitert werden können. Ebenso ist hier der Gymnastikraum mit Blick in den überdachten Freiraum und auf die freigestellte Fassade angesiedelt. Entlang der Ostfassade erstreckt sich die Verwaltungsspange.
    Im 2. und 3. Obergeschoss sind die Unterrichts- und Kursräume untergebracht. Diese werden von Musikschule und VHS gleichermaßen genutzt.
    Das 4. OG befindet sich außerhalb der Kubatur des Bestandsgebäudes und wird sowohl durch Musikschule wie durch freie Kulturschaffende genutzt, die hier ihren eigenen Bereich haben.
    Durch diese Untergliederung der Grundrisse werden folgende Ziele erreicht:
    Der Bezug zum Altbau ist für die Besucher jederzeit erfahrbar
    Das Gebäude ist flexibel nutzbar und kann sehr wirtschaftlich hergestellt und betrieben werden
    Statische, brandschutztechnische und bauphysikalische Anforderungen können ökonomisch realisiert werden.
    Kommunikation, Inspiration und Synergien werden gefördert
    Kulturschaffende haben über die Zugänge zu den notwendigen Treppenhäusern die Möglichkeit, auch außerhalb der Öffnungszeiten in das Gebäude zu gelangen.

    Materialien und Konstruktion
    Altbau
    Fassaden und Fenster bleiben erhalten. Notwendige Ertüchtigungen der Fassade nach Abbruch der angebauten Gebäudevolumina werden ensprechend der bauzeitlichen Ausführung mit Backstein ergänzt.
    Die filigrane Konstruktion bleibt im Bereich des Stadtvestibüls erhalten und wird lediglich weiß gestrichen und wo notwendig mit Aussteifungen / Zugbändern verstärkt.
    Neubau
    Die Tragstruktur des Neubaus wird in Stahlbeton hergestellt und mit Backstein verkleidet. Diese immitieren nicht die bauzeitlichen Steine, sondern erhalten eine eigene Identität und Rahmen große Fenster mit eloxierten Aluminiumrahmen ein.
    Auf diese Weise verbinden sich alt und neu zu einem harmonischen Ganzen mit jeweils eigener Ausstrahlung und Kraft.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Grundsatzidee wird durch das Preisgericht positiv gewürdigt, da der Verfasser es schafft mit seinem Wettbewerbsbeitrag die wesentlichen bauphysikalischen, brandschutztechnischen, konstruktiven und funktionalen Problemstellungen zu lösen. Er erkauft sich diese Situation durch einen weitestgehend Abriss des ehemaligen Spinnereigebäudes und durch einen kompletten Neubau. Lediglich die Süd- und Westfassade bleiben als Kulisse erhalten. Im Ergebnis verbleibt ein attraktiver, dreieckiger Raum zwischen der alten Fassade und dem Neubau, der in der Erdgeschosszone und auf den Balkonen begehbar und nutzbar ist. So sehr der Eingangsbereich im Erdgeschoss, in Verbindung mit dem „Stadtvestibül“ zur Kommunikation einlädt, so sehr verlieren die Obergeschosse an Attraktivität, da sie in einer zweibündigen Flursituation enden. Die Verwendung von Ziegelmauerwerk für den Neubaukörper lässt nach Ansicht des Preisgerichtes einen Spannungsbogen zu dem Bestandsziegelmauerwerk nicht erwarten. Funktionale Zusammenhänge, wie in der Wettbewerbsauslobung gefordert, sind bis auf wenige Ausnahmen erfüllt. Funktion und Gestalt der gebäudeumgebenden Freiflächen sind vielversprechend. Die Klarheit der Flächengestaltung unterstützt die Adressbildung, leider nicht im Norden. Wirtschaftlich scheint die Arbeit im Vergleich der Bruttogrundfläche und des Bruttorauminhaltes in einem positiven Rahmen zu liegen. Betrachtet man den fast kompletten Abriss des Gebäudes und die gänzliche Neuerstellung der Programmflächen, so ist dies deutlich in Frage zu stellen. Insgesamt ein außergewöhnlicher Beitrag der durch die rigorose und kompromisslose Vorgehensweise beim Preisgericht Fragezeichen hinterlässt, da eine derartige Haltung eher bei dem Umgang mit Ruinenfragmenten zu erwarten wäre.