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  • Ankauf

    Lageplan

    Architekten
    Braun + Müller Architekten BDA, Konstanz (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Verfasser: Jutta Braun Christian Müller , Freiraumplanung: Andrea Gerischer, Berlin

    Erläuterungstext
    An der Gänsheidestrasse in Stuttgart soll eine neue Altenpflegeeinrichtung entstehen. Mit dem neuen
    Haus der Pflege bietet sich die aussergewöhnliche Chance, die soziale Aufgabenstellung einer modernen
    Pflegeeinrichtung im städtebaulichen Kontext eines innerstädtischen Quartiers umzusetzen.

    Die Liegenschaften der Vinzenz v. Paul gGmbH befinden sich in einem Stadtquartier, das durch seine Hanglage, seine gewachsene Bebauung aus Stadthäusern und kleinen Villen entlang der Strassen sowie grosszügige grüne Innenbereiche geprägt ist.

    Zwei präzise gesetzte Baukörper ergänzen die typologische Gebäudeabwicklung entlang der Gänsheidestrasse. Bezugnehmend auf Hang und Nachbargebäude sind diese in Höhe und Breite differenziert ausgebildet. Sie reagieren so masstabsgerecht auf die Körnigkeit des Quartiers und erzeugen einen Dialog mit der Umgebung.

    Eine gläserne Klammer verbindet die beiden Baukörper und bildet einen zur Strasse offenen Eingangshof. Er ist nicht nur empfangende Geste für die Öffentlichkeit, sondern auch Kommunikations- und
    Aufenthaltsbereich für Gäste und Bewohner. Von hier betritt man das einladende Foyer, das mit Cafe und Veranstaltungsraum die Mitte des neuen Hauses darstellt. Die öffentliche Zone des Foyers setzt sich als geschützter Gartenhof nach Osten fort und verbindet das Haus mit dem gestalteten Garten.

    Neben der Pflegeabteilung und dem Personalbereich ist die Verwaltung des Hauses im Erdgeschoss untergebracht und ist Anlaufstelle für Bewohner und Gäste.

    Über die zentrale Treppe mit Lift werden die drei darüberliegenden Wohngeschosse sowie die Verwaltung der Vinzenz v. Paul gGmbH im Dachgeschoss erschlossen.

    Während in den beiden Hauptbaukörpern die privaten Pflegezimmer untergebracht sind, findet sich über dem öffentlichen Foyer jeweils der Wohn- und Essbereich der drei Wohngruppen. Durch seine Ausrichtung nach Westen und Osten entsteht ein lichtdurchfluteter Raum mit abwechslungsreicher Besonnung im Verlauf des Tages. Die Blickbeziehungen über die beiden Höfe zu Strasse und Park können mit beweglichem Sonnenschutz reguliert werden. Zur Parkseite ist dem Wohnbereich eine geschützte Loggia vorgelagert.

    Die Pflegezimmer sind auf kompakte Weise in drei Blöcken organisiert und orientieren sich nach Westen, Osten und Süden. Sie sind auf kurzem, übersichtlichem Weg an den Wohnraum angeschlossen. In jeder Gruppe bietet sich ein abwechslungsreicher Rundweg durch die Ebene.

    Die vorwiegend paarweise angeordneten Zimmer werden über Raumnischen erschlossen, welche zur Privatheit des individuellen Zimmers überleiten. Jedes Zimmer verfügt über einen Vorraum mit Einbauschrank, von dem auch die rollstuhlgerechte Nasszelle erschlossen wird. Schiebetüren erleichtern die Handhabung für die Bewohner. Jeder Bewohner kann neben der Grundausstattung sein Zimmer individuell möblieren. Grosszügige Verglasungen öffnen die Zimmer zur Umgebung, bewegliche Schiebeläden aus Holz dienen als Sonnen- und Sichtschutz.

    In Ergänzung zu den Gemeinschaftsräumen im Erdgeschoss befindet sich auf dem Dach an privilegierter Lage ein Wintergarten, der allen Bewohnern offen steht.

    Die Geschäftsführung der Vincenz v. Paul gGmbH ist über Treppe und Lift räumlich direkt aus dem Foyer bzw. der Parkgarage erschlossen und gruppiert sich mit seinen Geschäftsräumen um einen geschützten Dachgarten.

    Die erforderlichen Stellplätze für das neue Haus der Pflege und das angrenzende zukünftige Ärztehaus sind in einer kompakten, natürlich belichtet und belüfteten Parkgarage untergebracht, die von der Gänsheidestrasse aus erschlossen wird.

    Von der Parkgarage besteht eine barrierefreie Verbindung zum Foyer. Das Ärztehaus kann neben seinem Hauptzugang auch über eine ebenengleiche Brücke im Erdgeschoss des Neubaus erreicht werden. Die Anlieferung des Gebäudes bzw. Krankentransporte erfolgen über einen rückwärtigen Anlieferhof zwischen Ärztehaus und Pflegehaus.
    Mit seiner ruhigen und eigenständigen Architektursprache fügt sich das Gebäude harmonisch mit dem gebauten und landschaftlichen Kontext und prägt die Identität der Institution Vincenz v. Paul.

    Der Freiraum wird im Zuge des Neubaus als gartenarchitektonische Gesamtanlage gestaltet, die zugleich die Bestandsgebäude der Liegenschaft freiräumlich integriert. Die Einfriedung des Gesamtgeländes kann wahlweise durch einen Zaun oder eine Hainbuchenhecke erfolgen. Entsprechend der Umgebung prägen Vorgärten das strassenseitige Bild der Anlage. Diese bestehen aus unterschiedlichen Stauden, in die Felsenbirnen und Ebereschen als vertikale Elemente eingestreut sind.

    Das Potenzial des Gartens liegt im Altbaumbestand, der überwiegend aus Ahorn und Buchen besteht
    sowie in der spannenden Topographie des Geländes. Der bewegte Wald- und Wiesencharakter bestimmt das Gestaltungskonzept des Gartens. Die geringe Flächengrösse wird zur Tugend erhoben und die Kleinteiligkeit zum Prinzip. So wird eine geborgene Umgebung geschaffen, die dennoch leise Reize bietet, um die Wahrnehmung und Bedürfnisse der Bewohner anzusprechen. Der Garten berücksichtigt die räumliche und zeitliche Orientierungslosigkeit demenzkranker Bewohner sowie deren Bewegungs- und Betätigungsdrang.

    Der Garten besteht aus einer modellierten Landschaft aus Pflanzenhügeln und einer geschwungenen, zentralen Wege- und Aufenthaltsfläche. Die Flächen ziehen sich als drei Bänder entlang des Gebäudekörpers. Der wetterfeste Weg aus wasser- durchlässigem Bodenbelag (Terraway oder Dränasphalt) bietet die Möglichkeit sich behindertengerecht durch den Garten zu bewegen, ohne sich zu verlaufen. In den Nischen werden kommunikative Bänke in Form von Exedren angeboten. In die zentrale Fläche ist die Feuerwehrumfahrt integriert und sie bietet Anschlussmöglichkeiten an die vorhandenen Wege.

    Zwei unterschiedliche Pflanztypologien erzeugen bereits bekannte Bilder, die Erinnerung wachrufen sollen. Ein Teppich aus Immergrün, Efeu und Maiglöckchen mit Zaubernuss, Zwergflieder, Schneeball und Hortensie bildet das Duftband entlang des Gebäudes. Rhododendron, Frauenmantel und Funkie prägen das östliche Pflanzband. Rollstuhlgerechte Pflanztische sind in das westliche Pflanzenband integriert und bieten die Möglichkeit selbst gestaltend tätig zu werden. Sie können von den Bewohnern entsprechend der Jahreszeiten mit Küchenkräutern und Sommerflor bepflanzt werden.

    Unterschiedliche Geräusche und Strukturen von Materialien bieten anregende Sinneseindrücke.

    Eine markant gestaltete, behindertengerechte Rampe verbindet den Gartenhof mit dem Garten. Die Gartenhöfe sind als integraler Bestandteil des Gebäudes ebenfalls mit warmtonigen Natursteinplatten belegt. Im Eingangshof dominieren ein Cortenstahltisch, der mit leicht bewegtem Wasser gefüllt ist sowie eine Zierpflaume, die die heitere Stimmung unterstützt.

    Im Garten spiegeln sich die warmen Farben des Gebäudes wider, jedoch in transformierter Materialität. Cortenstahl, ein graugrüner grobkörniger Bodenbelag und Holz sind hier die Leitmaterialien. Die Pflanzfarben sollen Ruhe ausstrahlen. Sie beschränken sich daher auf weiss, blau-violett und enthalten
    nur wenig gelb und rot.

    Für die Fassade wird in Anlehnung an die historischen Fassaden der Umgebung ein heller, warmtoniger Naturstein verwendet, der mit grossformatigen Fassadenöffnungen aus Holz und Glas kombiniert wird. Bewegliche Schiebeläden aus Holz und innenliegende orange Vorhänge dienen als Sonnen- und Sichtschutz und beleben in ihrer individuellen Stellung die Fassaden des Gebäudes. Die Dachflächen sind extensiv begrünt und sorgen gemeinsam mit Wintergarten und Dachgarten für eine differenzierte Dachlandschaft.

    Warmtonige und helle Oberflächen bestimmen die Räumlichkeiten des neuen Hauses. Durch eine harmonische Farbgestaltung wird Geborgenheit und Vertrautheit vermittelt. Die einzelnen Wohngruppen sind farblich differenziert gestaltet, erleichtern so die Orientierung für die Bewohner und sind auch Hilfsmittel für die Therapie.

    Klare, selbstverständliche Möbel aus Massivholz schaffen eine ruhige, angenehme und wohnliche Atmosphäre. Eine abgestimmte Kombination von direktem und indirektem Licht erzeugt eine blendfreie und freundliche Stimmung. Gerade für ältere und gehbehinderte Menschen sind leicht überschaubare Räume von Bedeutung für das Gefühl von Schutz und Sicherheit.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am
Zuletzt aktualisiert 09.11.2008, 20:02
Beitrags-ID 4-11415
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