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  • DE-59065 Hamm
  • 03/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-6736)

Neubau des Kultur- und Bildungszentrums


  • Anerkennung

    Lageplan

    Architekten
    studioinges, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Francesca Saetti Stefan Schwirtz Thomas Bochmann Mitarbeit: Elmar Khan

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: welter+welter architekten BDA, Berlin (DE)
    Bauingenieure: TEKO Ingenieurbüro GmbH, Berlin (DE)
    Bauingenieure: Ingenieurbüro Lengeling und Markgraf, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept

    Das Bild der Stadt Hamm ist geprägt durch eine zum Teil noch vorhandene kleinteilige Stadtstruktur, zum anderen aber auch durch eine starke Überformung durch große bauliche Strukturen der Nachkriegszeit.
    Durch den Abriss des ehemaligen Horten-Kaufhauses eröffnet sich die Möglichkeit an dieser markanten Stelle der Stadt, an einem Platz, den man als erstes betritt, wenn man in Hamm ankommt, die ursprüngliche Maßstäblichkeit der Stadt wieder herzustellen.
    Es entstehen drei Baukörper, welche die drei Nutzungen, Bibliothek, Fachhochschule und Volkshochschule repräsentieren. Durch diese drei Baukörper erhält jeder Nutzer eine eigene Identität. Mit dem Bibliotheksplatz entsteht ein Platz über den die Bahnhofstraße eine direkte, städtische Anbindung zum Hauptbahnhof erhält. Durch die Bibliotheksgasse wird der Bibliotheksplatz auch Richtung Luisenstraße / Kaufhof im Norden angebunden und somit vollständig mit dem städtischen Umfeld vernetzt.


    Architektonisches Konzept

    Die beiden nördlichen Baukörper sind eine typologische Ergänzung der bestehenden Blockecken. Durch die Fortführung der Trauflinien, die Ausbildung der Fassaden und ihre Materialität bilden sie zurückhaltende Blockrandschließungen und fassen den Raum, in dessen Mitte sich der solitäre Baukörper der neuen Zentralbibliothek als Zentrum des Areals erhebt. Der gläserne Baukörper der Bibliothek bildet durch Material, Höhe und Lage einen Kontrast zu den anderen beiden Baukörpern.

    Der mit dem Bibliotheksplatz neu entstandene Stadtplatz ist das wichtigste freiräumlichen Element des Entwurfes. Seine Lebendigkeit und Urbanität erhält er durch die Orientierung der Gebäude und die Anordnung der Nutzungen. So orientieren sich alle Foyers zur Platzmitte. Die Gastronomische Nutzung ist an den Platz angelagert und die große Freitreppe zum Forum lädt zum verweilen ein.

    Der scheinbare Widerspruch zwischen drei einzelnen Baukörpern und einem funktional zusammenhängendem Gebäudekomplex wird durch das verbindende Forum im Untergeschoss gelöst. Es bildet das Foyer des gemeinsam genutzten Veranstaltungssaals und schafft gleichzeitig einen Raum für Ausstellungen, Präsentationen und verschiedenste Veranstaltungen, der allen drei Nutzern zur Verfügung steht. Durch den nach unten geführten Luftraum des Bücherturmes, die große Freitreppe vom Platz und zusätzliche Lichtbänder entsteht ein spannungsvoller, lichtdurchfluteter Raum, der durch den großzügigen Außenzugang auch unabhängig von Fachhochschule, Volkshochschule und Bibliothek genutzt werden kann.

    Bibliothek / Veranstaltungssaal
    Die Bibliothek ist das Herzstück des neuen Kultur- und Bildungszentrums. Sie hebt sich in ihrer Erscheinung von der umgebenden Bebauung deutlich ab. Der westliche Teil der Bibliothek ist der Freihandbibliothek, mit dem Bücherturm als Identität stiftendes Element, vorbehalten. Der östliche, niedrigere Teil nimmt die Verwaltung auf. Zwischen diesen beiden Teilen ist eine großzügige Erschließungsschiene angeordnet, die an das Foyer angebunden ist und sowohl den Freihandbereich als auch die Verwaltung erschließt. Auf dem Dach des niedrigeren Gebäudeteils ist eine Leseterrasse, die vom Freihandbereich im 3. Obergeschoss zugänglich ist.
    Die schillernde Wirkung der zweischaligen Glasfassade unterstreicht die zentrale Bedeutung der Bibliothek. Ihre Transparenz lässt den Bücherturm schon von außen sichtbar werden.
    Der Veranstaltungssaal im Untergeschoss ist über das verbindende Forum erschlossen und ragt um 2 m aus dem Boden, sodass er natürlich belichtet werden kann und dem Fußgänger interessante Einblicke gewährt.

    Fachhochschule
    Die Fachhochschule befindet sich am Willy-Brandt-Platz mit dem Hauptzugang vom Bibliotheksplatz. Ein separater Eingang vom Willy-Brandt-Platz gewährleistet eine unabhängige Erschließung der Hochschulverwaltung im Westflügel. Die Unterrichtsräume befinden sich im Süd- und Ostflügel. Nördlich angrenzend an den Ostflügel kann die Fachhochschule später um ca. 1.400 m² erweitert werden. Das Foyer öffnet sich zum Bibliotheksplatz und hat eine direkte Verbindung zum Forum im Untergeschoss.


    Volkshochschule / Gastronomie
    Die Volkshochschule befindet sich an der Bahnhofstraße und hat ihren Hauptzugang ebenfalls vom Bibliotheksplatz. Zwei Nebeneingänge an der Bahnhofstraße für die Gastronomie und an der Bibliotheksgasse für die Verwaltung ermöglichen eine von den Öffnungszeiten der Volkshochschule unabhängige Nutzung dieser Bereiche. Die Verwaltung befindet sich im westlichen Teil des Gebäudes, die Unterrichtsräume liegen im südlichen und östlichen Teil. Das Foyer orientiert sich zum Bibliotheksplatz und verfügt ebenfalls über eine direkte Verbindung zum Forum im Untergeschoss.
    Die Gastronomie im Erdgeschoss öffnet sich zum Bibliotheksplatz und ist über das Foyer der Volkshochschule an das Forum angebunden. Im Untergeschoss besteht eine direkte Verbindung zur Anlieferung.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Auflösung der Bauaufgabe in drei identifizierbare separate Gebäude wird begrüßt. Insbesondere die unterschiedliche architektonische Gestaltung der drei Baukörper wird positiv vermerkt. Durch die unterirdische Verbindung und dem im Untergeschoss gelegenen gemeinsamen Veranstaltungssaal werden die Synergieeffekte der drei Institute trotzdem genutzt. Die Wegebeziehungen und die Ausbildung des Platzes erscheinen schlüssig, die Gastronomie zur Ecke Bahnhofstraße sinnvoll platziert. Die Baulücken der Luisenstraße, die bis zur Erstellung des 2. BA dort verbleiben, werden jedoch möglicherweise auf lange Zeit durch zwei weitere „Brandwände“ belastet. Das Gebäude der Bibliothek wird von einem Magazinturm durchdrungen, der zwar von der Form und den unterschiedlichen Raumeindrücken überzeugt, für den Nutzer jedoch zu viele Zwänge in der Präsentation der Medien erzeugt. Gleichfalls wird die Bibliotheksnutzung über fünf Geschosse kritisch gesehen. Konstruktion und gewählte Materialien überzeugen. Trotz Überschreitungen der BGF und BRI scheint die Arbeit im wirtschaftlichen Bereich. Die Inanspruchnahme des Gesamtgrundstückes und die Organisation der Bibliothek bleiben hinter den Erwartungen des Auslobers deutlich zurück.