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  • DE-96268 Mitwitz
  • 01/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-221658)

Neuordnung der Fischer-Brache an der Coburger Straße


  • 1. Preis

    Lageplan Gesamtkonzept, © Station C23

    Landschaftsarchitekten
    Station C23 - Büro für Architektur, Landschaftsarchitektur und Städtebau, Leipzig (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Michael Rudolph , Prof. Dr. Sigrun Langner

    Mitarbeit
    Sebastian Pietzsch

    Erläuterungstext
    Die Neuordnung der Fischer-Brache ermöglicht es, zwei wesentliche Landschaftsräume in Mitwitz miteinander zu verbinden – den vom Wasser geprägten Landschaftspark des Wasserschlosses mit dem Mitwitzer Berg. Dieser Weg bietet verschiedene Stimmungen und Ausblicke, vom Landschaftspark bis zum Bergwanderweg, Blicke zum Schloss und Blicke über den Ort.

    Die Interpretation vorhandener Landschaftselemente und gestalterischer Details ist der Ausgangspunkt für die Gestaltung des neuen, verbindenden Parks. Ein direkter Weg führt vom Schloss über den Festplatz und die Föritzaue zum neuen „Parkbalkon“ auf der ehemaligen Fischer-Brache an der Coburger Straße, und von dort aus als Bergweg hinauf zum Mitwitzer Berg, weiterführend als einfacher Wanderweg zum Steinernen Löwen.

    Die historischen Balustraden im Schlosspark, sowie die ortstypischen hangbegleitenden Natursteinmauern bieten sich als Vorlage für die Gestaltung des neuen Weges an. Als Stützmauer oder als Brüstung gliedern sie in zeitgemäßer Formensprache, den Freiraum und lenken Wege und Blicke. Die Trockenbauweise und Materialverwendung jedoch ist traditionell und verbindet so Neues mit Bestehendem.

    Das bestehende Teehäuschen am Schlossteich ist Inspiration für eine Reihe weiterer kleiner Bauten, welche in der Tradition von „Follies“ den Landschaftsraum ergänzen und teilweise Nutzungen aufnehmen. Der Beginn ist gemacht mit einem Vogelbeobachtungsturm am nördlichen Abschluss des Parks. An der Coburger Straße schlagen wir ein „Willkommens-Häuschen“ vor, und am Mitwitzer Berg ein „Berghäuschen“ als Zielpunkt und Ausgangspunkt des Wanderweges.

    Der Parkbalkon an der Coburger Straße ist die neue Verbindung zwischen Berg und Tal. Für den Besucher bietet die Fläche an der Coburger Straße am Eingang zum Naturpark Frankenwald eine erste Anlaufstelle. Ein kleiner Platz, ergänzt mit einigen Stellplätzen, bildet einen „Parkbalkon“ mit Blick über die Föritz zum Wasserschloss. An der Stelle des ehemaligen Fritz-Fischer-Gebäudes schlagen wir einen kleinen Neubau vor, welcher die Gäste willkommen heißt. In regional typischer Manier der „etwas besseren“ Häuser sind Fassaden und Dächer aus dem regional typischen Schiefer, zur Ankunftsseite und mit Blick zum Schloss ist das Gebäude großzügig verglast.

    Der Blick zum Schloss wird freigestellt, der Baumbestand der Schlossallee reduziert und einseitig mit neuen, kleinkronigen Bäumen ersetzt.

    Ein Weg führt vom Parkbalkon aus durch eine Blumenwiese zur Flusslandschaft der Föritz, welche aufgeweitet wird und einen großzügigen Retentionsraum erhält. Die Wasserlandschaft wird auf einem einfachen Steg überquert. Der Höhenunterschied zur Coburger Straße wird mit flach ansteigenden Wegen bewältigt, die bestehenden Höhenverhältnisse erlauben eine einfache Bauweise und ermöglichen gut zu begehende Wege. Direkt am und im Gebäude wird der Höhenunterschied von gut 2,7 m genutzt, um den Innenraum über ein Doppelgeschoss zu überhöhen. Dadurch wird ein großzügiger Raum geschaffen, von welchem aus die Besucher einen Blick über die neue Parklandschaft zum Wasserschloss genießen können.

    Die Wasserlandschaft der Föritzaue wird mit Flachwasserzonen und wechselfeuchten Überflutungsbereichen gestaltet, und mit standorttypischen Gräsern, Wildstauden und kleinen Gehölzen offen bepflanzt. Der Flussverlauf kann sich der natürlichen Fließgewässerdynamik entsprechend ergeben. Die Wiese zum Parkbalkon bietet als artenreiche Wildblumenwiese zweimal im Jahr eine reiche Blüte.

    Der Festplatz wird in seiner Dimension etwas verkleinert und flächig mit Schotterrasen ausgebaut. Dies erlaubt das Parken und die Nutzung für wechselnde Veranstaltungen. An der Turnhalle werden einige befestigte, dauerhafte Stellplätze angeboten. Entlang des neuen Weges kann der bestehende Überlaufgraben des Schlossteiches/Grabens geöffnet und erweitert werden, abhängig von der technischen Realisierbarkeit. Vom Wasser durchströmte Schilfbeete böten hier die Möglichkeit, den Festplatz mit dem Weg von den Stellplätzen der Sporthalle visuell zu trennen.
    Parallel zur Föritz führt ein weiterer neuer Weg Richtung Schlosshaupteingang und zu den kleinen Brücken Richtung Ort.

    Im Schlosspark wären langfristig Maßnahmen zur Aufwertung und Wiederherstellung historischer Bezüge sinnvoll. Hierzu gehört vor allem die Öffnung des Bereiches nördlich des Schlosses. Einst bestehende Ausblicke in die offene Landschaft sollten wieder hergestellt werden. So korrespondieren dann die Blickbeziehungen innerhalb des neuen Landschaftszusammenhanges zwischen Park und Mitwitzer Berg in ihrer Gesamtheit.

    Der Übergang zum Mitwitzer Berg wird mit Anschluss an den bestehenden Gehweg Coburger Straße als Bergweg ausgebaut. Dieser führt bis zum „Berghäuschen“ oberhalb der Straße, welches als einfaches Bauwerk den Endpunkt des ausgebauten Weges und den Beginn des Wanderweges markiert. Als kleiner Unterstand bietet es Wetterschutz für Wanderer mit Aussicht auf das Wasserschloss. Vom Schlosspark aus gesehen ist es ein Blickpunkt am Übergang von baulich intensiver gestalteter Landschaft zum Mitwitzer Berg, durchaus in der Typologie eines Folly gedacht.
    
Auch das Berghäuschen ist mit dem typischen Schiefer verkleidet, es steht auf einer kleinen Stützmauer auf, welche auch den bergwärts führenden Weg begleitet. Die Konstruktion ist in Holzrahmenbauweise mit offenem Tragwerk ausgeführt.

    Der Bergweg folgt teils bestehenden Wegen im Gelände, teils wird er neu auf kleinen Stützmauern aufgebaut. Die Bauweise und die Materialien sind angelehnt an die bestehenden Wege. Die bestehende Stützmauer Richtung Ortsausgang mit den Kellern wird erhalten und bis zum Aufgang des Bergweges verlängert. Auf den ersten Höhenstufen werden zwischen teils bestehenden Hangmäuerchen die bestehenden Obstbäume durch Nachpflanzungen ergänzt, so dass hier ein blühender Obsthang entsteht, über welchem das Berghäuschen als oberer Abschluss steht.

    Das zur Disposition stehende Wohnhaus sollte abgebrochen werden, um die Freiräume großzügig miteinander verbinden zu können. Denkbar ist aber auch der Erhalt und Ausbau z.B. zu Ferienwohnungen mit Blick auf das Schloss.

    Für den Willkommens-Pavillon am Parkbalkon sind mehrere Möglichkeiten der Bewirtschaftung denkbar. Wünschenswert wäre bevorzugt ein bewirtschafteter Informationspunkt mit kleinem Café und laden für lokale Lebensmittel und andere Erzeugnisse (z.B. Korbwaren), welche hier gebündelt und leicht zugänglich angeboten werden können. Direkt am Ortseingang gelegen, bietet sich hier ein Anlaufpunkt für Kraftfahrer, Radfahrer und Wanderer gleichermaßen, ausgestattet mit den entsprechenden Stellplätzen. Von hier aus kann das Wasserschloss zu Fuß über die neue Verbindung durch die Föritzaue erreicht werden, oder die Wanderwege um den Mitwitzer Berg und weiter zum Steinernen Löwen.

    Alternativ kann der Pavillon auch mit Automaten und Informationsmaterial ausgestattet als Selbstversorger-Stützpunkt funktionieren, so dass kein dauerhafter Personaleinsatz erforderlich ist.

    Eine dritte Möglichkeit ist eine gänzlich unbewirtschaftete Variante, in welcher das Gebäude stark verkleinert lediglich als offen zugänglicher Unterstand und Rastplatz dient.

    Allen Gebäudevarianten gemein ist der gerahmte Blick über die Föritz hin zum Wasserschloss und die Funktion als „Blickfänger“ für den Ankommenden aus Richtung Coburger Straße. Weiterhin sind in allen Varianten im Untergeschoss öffentlich zugängliche WC-Anlagen vorgesehen.

    Konstruktion und Materialien sind jeweils gleich. Vorgeschlagen wird eine Holzrahmenbauweise im Standardraster 1,25m, welche im Innenraum offen sichtbar bleibt. Die Gebäudehülle ist an Fassade und Dach mit dem regionaltypischen Schiefer verkleidet, große Fensteröffnungen an der Parkseite bieten Ausblick auf da Schloss. Der Innenausbau ist mit naturbelassenen bzw. lasierten oder geölten regionaltypischen Hölzern gestaltet. In der bewirtschafteten Variante entspricht das Gebäude den Anforderungen der EnEV und ist entsprechend gedämmt, die Beheizung kann über Gasheizung oder Fernwärme erfolgen. Die unbewirtschafteten Varianten erhalten lediglich eine Frostsicherung in den WC-Anlagen, die Fassaden sind ungedämmt und dienen dem Wetterschutz. Das Berghäuschen ist eine vollständig offene Konstruktion im Außenraum ohne Glasflächen.

    Ziel ist es, mit minimalen Eingriffen eine größtmögliche räumliche Wirkung zu erreichen. Wichtig ist eine landschaftliche Weite mit offenem Blick zum Wasserschloss und, als Gegenblick, zum Mitwitzer Berg. Der Höhenunterschied zwischen Föritzaue und Coburger Straße wird durch einen nur eicht ansteigenden Hang bewältigt, welcher nur im unmittelbaren Umfeld des neuen Pavillons als Steilhang mit Treppe gestaltet wird. Die Aufweitung der Föritzaue soll extensiv im Rahmen des Machbaren erfolgen. Der Bergweg und die hier befindlichen Terrassen orientieren sich an bestehenden Wegen und Höhensprüngen. Neue Wege sind in wassergebundener Oberfläche oder Asphalt befestigt. Der Steg über die Föritz kann überflutet werden, bietet jedoch auch genügend Raum für den Durchfluss, welcher überwiegend in der Breite deutlich erweitert werden kann. Die bestehende Brücke an der Mündung in die Steinach wird entfernt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit ist in allen Bereichen, räumlich und thematisch, sehr gut durchdacht. Sie nimmt Bezug auf die Besonderheiten des Ortes, greift diese auf und entwickelt sie mit einfachen, selbstverständlichen Mitteln weiter. Dabei entsteht ein eigenständiges neues Milieu von klarer Markanz.
    Richtig ist die Aufweitung des Mündungsbereiches der Föritz in die Steinach und die veränderte Querung. Der Festplatz ist entsiegelt und begrünt, temporäre Nutzungen sind möglich. Der Überlauf aus dem Schlossteich ist klar definiert und prägt das Vorfeld der Turnhalle. Das Gelände zum Parkbalkon wird angehöht, so dass dessen Kante nicht zu hart ausfällt. Der Parkbalkon selber ist angemessen in seiner Größe dimensioniert, die Kfz-Stellplätze sind auf einfache und sinnfällige Weise angeordnet. Für das Gebäude wird ein schönes Modulsystem angeboten, aus dem der noch zu ermittelnde Bedarf gut entwickelt werden kann. Die Wegeführungen in die Aue und zum Mitwitzer Berg sind klar und barrierefreundlich angelegt.
    Das Motiv der 'Follies' als bestimmendes Merkmal für den Zusammenhang von Schlosspark, Föritzaue, Parkbalkon und Mitwitzer Berg bereichert das Gesamtprogramm.