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  • DE-58840 Plettenberg, DE-58840 Plettenberg
  • 01/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-211056)

Umgestaltung Innenstadt


  • 2. Preis

    Gesamtkonzept

    Architekten
    pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Dortmund (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Dr. Franz Pesch

    Preisgeld
    18.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Idee:
    Der historische Stadtkern Plettenbergs, der sich um die evangelische Christuskirche herum entwickelt, bietet in seiner baulichen Substanz und mit dem hochwertigen Stadtboden eine gute Basis für die von der Bürgerschaft gewünschte Attraktivitätssteigerung. Unser Konzept greift diese Qualitäten auf und entwickelt sie mit wohl dosierten Eingriffen weiter. Grundlage der Planung ist das Wechselspiel der Straßen und Gassen auf der einen und der drei Plätze auf der anderen Seite. Unser Vorschlag zur Neugestaltung des öffentlichen Raums baut auf vorhandenen Qualitäten auf: der in der Substanz hochwertige Stadtraum wird mit gezielten Interventionen herausgearbeitet und die hochwertigen Bodenbeläge werden gesichert. Zunächst werden die Freiräume entrümpelt. Die gewünschte Aufwertung der Gestaltqualität und die Verbesserung der Begehbarkeit (einschließlich Barrierefreiheit) werden mit einem angemessenen Aufwand erreicht. Die in Segmentbogen verlegten Melaphyr-Beläge werden erhalten, die eher zufällig verteilten Porphyr-Intarsien sollten indes entfernt werden. Alle Straßen und Gassen erhalten komfortable Teppiche aus einem großformatigen, hellen Betonsteinbelag, in die erneuerte Entwässerungsrinnen und die taktilen Elemente integriert werden. Mit diesen Plettenberger Läufern gewinnen die Straßenräume eine neue Gestalt, ohne dass die hochwertigen Bestände aufgegeben werden müssen. Die drei Plätze werden individuell gestaltet, damit sie ihrer Funktion besser nachkommen können und eine jeweils eigene Stimmung in die Plettenberger Raumkontinuität hineintragen.

    Verkehrskonzept:
    Die verkehrliche Erschließung der Altstadt bleibt im Wesentlichen erhalten. Die Altstadttangenten behalten ihre Verkehrsbedeutung, werden aber mit einer oder zwei Baumreihen zu Alleen umgestaltet. Die Einfahrten in den Stadtkern werden zu Gehwegüberfahrten zurückgebaut. Verkehrsrechtlich sind die Straßen im Stadtkern als Mischfläche (VZ 325/326) gewidmet. Die Zahl der Stellplätze in den Straßen und Platzräumen wird zugunsten des Fußgänger- und Fahrradverkehrs und der konsequenten Umsetzung der Barrierefreiheit reduziert. Als Entlastung wird ein Parkdeck in einer Neubaumaßnahme Ecke Lindengraben/Kobbenrod angeboten. Im Inneren des historischen Stadtkerns werden die Parkstände in den Straßen und auf den Plätzen zurückhaltend mit Stahlnägeln markiert, um die Gestaltqualität des Bodenbelags nicht durch Funktionsflächen zu stören.

    Straßenräume:
    Alle Straßen im historischen Stadtkern werden mit den Plettenberger Läufern ausgestattet. Je nach Funktion und Breite des Straßenraums kommt entweder ein breiterer Läufer (Hauptwege), oder ein schmaler Läufer (Nebenwege) zur Anwendung. Das gestalterische Motiv entspricht in der Tat ausgelegten Teppichen, wird also immer wieder unterbrochen. Auf diese Weise kann systematisch und kostengünstig auf die wechselnden Richtungen in den Straßenräumen eingegangen werden. Die Mittellage des Komfortstreifens haben wir gewählt, um Marktstände, Warenauslagen oder eine Cafébestuhlung nicht mit den barrierefreien Laufzonen in Konflikt zu bringen. Gestalterisches Rückgrat eines jeden Läufers ist ein breiter Rinnenstein, der als vorgefertigtes Element verbaut wird und auch mit einer taktilen Leitlinie kombiniert werden kann, falls – denn das wäre aus unserer Sicht die gestalterisch attraktivere Lösung – der Materialwechsel zwischen Platten und Pflaster nicht als Orientierungshilfe ausreicht. Der Viertälerbrunnen von Peter Klassen am Obertor wird etwas versetzt, um ihn als Gelenk zum Kirchplatz hin herauszustellen. Das Zusammenspiel des Gelenks und der „Plettenberger Teppiche“ ermöglicht eine barrierefreie Durchwegung der Altstadt und wird zur direkten fußläufigen Verbindung des zukünftigen Mylaeus-Areals.

    Maiplatz:
    Die Fahrspur auf dem Maiplatz wird verlegt, um die nutzbare Platzfläche zu vergrößern. Die Ostseite erhält einen überbreiten Gehweg, der eine angemessene Außengastronomie für das Eiscafé anbietet. Der Parkplatz vor dem SB-Warenhaus Real wird erhalten, seine Eingrünung mit einem attraktiven Baumdach weiterentwickelt. Weitere Parkplatzflächen entstehen ebenso auf der östlichen Seite des Maiplatzes. Die Platzfläche wird locker mit Bäumen überstellt, die mit Rundbänken zum Verweilen im Schatten einladen. Die Platzfläche wird mit Melaphyr und locker eingestreuten Quarzit mit Glimmer im Passé-Verband belegt. Wir verfolgen damit die Absicht, über die schimmernden Punkte eine besondere Nachtstimmung zu erzeugen. Eine gesägte Oberfläche garantiert vollständige Barrierefreiheit. Attraktion des Maiplatzes ist das Wasserband, das als attraktiver Spielraum für alle Generationen fungieren wird und mit seiner Lage die im Untergrund geführte Oester nachzeichnet. Die Skulptur des Hammerschmiedes von Waldemar Wien, auch „Otto Maloche“ genannt, findet am nördlichen Platzrand in Nachbarschaft der Gehölze mit Rundbank sowie des Wasserspiels ihren neuen Aufstellungsort.

    Kirchplatz:
    Den Platz um die Christuskirche verstehen wir als Refugium in der Plattenberger Mitte. Geprägt durch den 1230 entstandenen Hallenbau und die ringförmige Wohnbebauung braucht dieser Raum nur wenige gestalterische Zutaten. Der ruhige Melaphyr-Belag wird erhalten, der Umriss des Kirchgebäudes dezent mit einem Belag aus regionalem Sandstein nachgezeichnet. Auf der Südseite werden zwei lange Bänke als komfortable Sitzmöglichkeit angeboten. Der Höhenversprung auf dem Kirchplatz wird durch eine der Flucht des Platzes folgende Treppenanlage zurückhaltend überbrückt.

    Alter Markt:
    Um den Platz funktional aufzuwerten, wird die Baumreihe auf der Nord-Ost Seite entfernt, die flankierenden Baumreihen etwas nach außen versetzt. Die zweiarmigen Leuchten werden zwischen den Baumreihen und dem Stephansdachstuhl platziert Dieser Eingriff verbessert die Möglichkeit zur Durchführung von Veranstaltungen aller Art und steigert die Wirkung des gläsernen Dachs als Objekt im Raum. Um die Besonderheit des Orts zu betonen, werden die Betonplatten im römischen Verband verlegt. Unser Vorschlag wäre außerdem, die Farbigkeit der Konstruktion zugunsten einer wertigen Stimmung des Raums etwas zurückzunehmen. Die Skulptur des Hammerschmieds findet zugunsten einer besseren Präsens am Maiplatz ihren neuen Aufstellort.

    Stadtgrün:
    Mit Blick auf den inzwischen allgegenwärtigen Klimawandel werden die vitalen Bäume erhalten und großzügig ergänzt. Während die Tangenten, Umlauf, Lindengraben, Offenbornstraße und Zimmerstraße eher als Allee interpretiert werden, wird im Inneren des historischen Kerns eine freie Positionierung der Bäume bevorzugt, um die räumliche Charakteristik des Stadtgrundrisses zu unterstreichen. Eine Ausnahme bildet der Alte Markt, auf dem die Baumreihen versetzt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Konzept:
    Den Verfassern gelingt ein überzeugendes Gesamtkonzept: Sie entwickeln mit sparsamen Mitteln eine durchgehende qualitative Aufwertung des Altstadtbereichs. Es gelingt, die Einheitlichkeit des Gesamtbereichs zu stärken. Das vorgeschlagene Parkhaus am Lindengraben / im Kobbenrod ist ein interessanter Vorschlag, die Parkproblematik zu entschärfen. Der Maiplatz ist mit seiner gesonderten Lage außerhalb der historischen Altstadt einerseits hiervon deutlich getrennt, andererseits doch durch die durchgehende Materialität an die Innenstadt angebunden. Die Prägnanz der unterschiedlichen Stadteingänge ist aus Sicht des Preisgerichts nicht ausreichend
    ausgearbeitet.

    Alter Markt:
    Die Freistellung des Stephansdachstuhls wird vom Preisgericht als angemessen und gut bewertet – ebenso die Rahmung des Gebäudes mit großformatigem Bodenbelag. Der vorgeschlagene Betonsteinbelag sollte eine qualitätsvolle Oberfläche haben. Die Menge der Baumpflanzungen erscheint zu groß. Die Neugestaltung ermöglicht eine flexiblere Platznutzung. Die Variante „mit Autos“ zeigt, dass ein Parken auf dem Platz die Qualität und Nutzungsmöglichkeiten der Fläche sehr stark mindert.

    Fußgängerzone:
    Der mittlere Mobilitätsstreifen betont geschickt den historischen Straßenverlauf. Durch die Beleuchtung mit Hängeleuchten wird die Anzahl gestalterischer Elemente im Straßenraum wohltuend gemindert. Die Verlegung des Vier-Täler-Brunnens aus der Achse stärkt den städtischen Raum und wird als geschickt angesehen.

    Kirchplatz:
    Die Gestaltung des Platzes ist sehr einfach und zurückhaltend. Die Abgrenzung der Fläche vor dem Südeingang der Kirche durch die geschickt in die Topografie eingelassene Treppenanlage wird als sehr gelungen angesehen. Das Preisgericht hätte sich für Teilbereiche eine vertiefte Darstellung gewünscht. Genauere Angaben zur Beleuchtung des Platzes fehlen.

    Maiplatz:
    Die Straßenverbindung zwischen Maiplatz und Altstadt verbindet beide Bereiche gut, kritisch wird die Verkleinerung der Fläche für die Außengastronomie beurteilt. Der südliche Parkplatz mit Baumdach ist sinnvoll weiterentwickelt, jedoch ist dadurch die Vorfläche des Real-Markts beschränkt und weniger gut an den übrigen Platz und in Richtung Fußgängerzone angebunden. Der Platz vor der alten Post stärkt die Qualität des Gebäudes. Die Wasserbecken oberhalb des Oesterbaches werden als gelungener Beitrag zur Identität des Platzes und zur Erlebbarkeit des Ortes angesehen.

    Insgesamt stellt die Arbeit einen sehr guten, umsetzungsfähigen Entwurf dar, der auch Freiraum für künftige Entwicklungen lässt.


INFO-BOX

Angelegt am 04.02.2016, 15:47
Zuletzt aktualisiert 08.02.2016, 14:35
Beitrags-ID 4-115680
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