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  • 3. Preis


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    Architekten
    Erchinger Wurfbaum Architektur, Berlin (DE)

    Verfasser
    Martin Erchinger

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Arnke Häntsch Mattmüller AHM Architekten BDA, Berlin (DE)
    Brandschutzplaner: hhpberlin - Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin (DE), Frankfurt am Main (DE), München (DE), Hamburg (DE), Bremen (DE), Braunschweig (DE)
    TGA-Fachplaner: Rentschler und Riedesser Ingenieurgesellschaft mbH, Filderstadt (DE), Berlin (DE)
    Tragwerksplaner: Dierks, Babilon und Voigt Ingenieurbüro für Tragwerksplanung, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: häfner jiménez betcke jarosch landschaftsarchitektur gmbh, Berlin (DE)

    Preisgeld
    9.700 EUR

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAU / GESAMTGEBÄUDE

    Der Erweiterungsbau des RRI/OLS ist so gesetzt, dass er zum Kopfbau des Gesamt- gebäudes wird.
    Der Baukörper schiebt sich in voller Höhe vor das Bestandsgebäude Haus 47.1. Der Eingang in den Neubau bildet zukünftig den Haupteingang des Gesamtgebäudes.
    Mit Betreten der Eingangshalle sind die Zu- gänge zu den Funktionsbereichen des Neubaus, zu den Bestandsbereichen Haus 47 und Haus 53 sowie der Zugang zum Innenhof direkt wahrnehmbar. Die Anordnung von Lufträumen ermöglicht auch geschossübergreifend eine Orientierung.

    Die Cafeteria ist im 1. OG des Eingangsberei- ches angeordnet. Hierdurch ist sie einerseits aus dem direkten Besucherstrom herausgenommen, andererseits im Eingangsbereich und von außen präsent. Die Cafeteria ist von allen Ebenen gleich gut zu erreichen. Der Innenhof stellt einen geschützten Arbeits- und Rückzugsort im Freien für alle im RRI/OLS arbeitenden Forschungsgruppen dar.


    FORSCHUNGSEBENEN
    Die Forschungsflächen sind auf drei Ebenen organisiert. Alle drei sind als Open Lab
    Space konzipiert. In der Erstbelegung sind im Erdgeschoss die OMICS Plattformen
    ange-ordnet, im 1. und 2. Obergeschoss befinden sich die Forschungsverfügungflächen für die translationalen Arbeitsgruppen. Zentrale Räume der Infrastruktur wie Spülküche etc. sind in den belichteten Bereichen des Sockelgeschosses zusammengefasst.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser möchten einen neuen Kopfbau für die bestehende Situation schaffen. Indem sie den neuen Baukörper als gesamtes Gebäude in Form eines kompakten Riegels vor die Bestandsgebäude stellen, dominiert der Neubau die städtebauliche Situation. Die damit beabsichtigte neue Eingangssituation für das Gesamtgebäude bleibt dabei eher zurückhaltend, Dachüberstand und/ oder Windfang fehlen.
    Im Stadtraum entsteht durch den Neubau eine ruhige, straßenbegleitende Front, die in Ihrer Maßstäblichkeit eher wenig auf die Kleinteiligkeit ihres Gegenübers reagiert. Die Vorfahrtsituation ist nicht explizit ausgewiesen und überschneidet sich mit den Fußgängerbereichen. In seiner Dreigeschossigkeit und mit der zurückliegenden Technikzentrale im Dachbereich passt das Volumen des Baukörpers gut und mit Bezug zum Bestand in den Stadtraum.
    Über der Eingangshalle gibt es zum Innenhof einen schmalen, aber direkten Bezug, der ebenerdig auf einer über dem Garten liegenden Plattform endet. Dieser vorgelagerte Terrassenbereich bietet zusammen mit einem separaten Zugang über die Südseite eine gute Erschließung des Gesamthofes. Treppenanlagen auf die 1,60 m tiefer liegende Hoffläche ermöglichen Zugang zum Grünen für alle.
    Von außen, suggerieren die großen Öffnungen der Straßenfassade des neuen Baukörpers mehr Großzügigkeit als die einzelnen Büros dahinter bieten. Die Hoffassade übernimmt das Thema und führt spielerisch mit eingestellten Brüstungselementen in die großen Öffnungen das Thema fort, so dass der Baukörper als Ganzes lesbar bleibt.
    Im Inneren überzeugt die Eingangssituation mit dem Café im 1. OG, das über einen Luftraum mit dem EG in Verbindung steht. Ebenso ist das Café an der Schnittstelle zwischen Alt- und Neubau als kommunikativer Ort zwischen den unterschiedlichen Funktionsbereichen gut platziert. Von hier erschließt sich selbstverständlich und in allen Etagen der Rundweg durch das Gesamtgebäude über die direkt einsehbaren, anschließenden Flutbereiche.
    Parallel steht für die Forscher der translationalen Forschung mittig und ebenfalls auf allen Etagen ein interner Ort für Austausch, Diskussion und Entspannung zur Verfügung.
    Alle Bürobereiche ebenso wie die Auswertebereiche haben direkten Tageslichtbezug und sind durch außenliegenden Sonnschutz vor Blendung und Überhitzung geschützt. Der Ausbau ist angemessen. Die gewählte monolithische Leichtbetonkonstruktion scheint einfach, ist aber mit ihren Spannweiten in der Fassade nur aufwendig zu realisieren. Fraglich ist die Genehmigungsfähigkeit nach der neuen EnEV. Die Aluminiumfensterkonstruktion verspricht Langlebigkeit.
    Insgesamt ist das Raumprogramm überschritten, Der Arbeitsbereich insgesamt ist funktional geordnet und verspricht Flexibilität durch das gewählte Stützenraster. Die gewählten Fluchtwege funktionieren, allerdings müsste der Ausgang über das Foyer brandschutztechnisch überprüft werden. Technikbereiche sind sowohl im Keller als auch auf dem Dach (Lüftung) vorgesehen, wobei die lichte Raumhöhe im Keller eher knapp bemessen ist. Position und Lage der Lüftungsschächte unterstützen die Flexibilität des Gesamtkonzepts.
    Die Kosten liegen aufgrund der erhöhten BGF ca. 10% über den Kostenvorgaben. Der Entwurf schlägt ein Gebäude vor, welches deutlich größer als der Durchschnitt der Arbeiten ist. Dies wird hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit kritisch gesehen. Die Lebenszykluskosten sind aufgrund der gewählten Konstruktion eher niedrig einzuschätzen.
    Insgesamt ein überzeugendes Konzept für ein modernes, selbstbewusstes Forschungsgebäude, das in seiner äußeren Anmutung ebenso wie in Bezug auf die Eingangssituation noch Überarbeitungsmöglichkeiten bietet.


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