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  • DE München
  • 05/2002
  • Ergebnis
  • (ID 2-6811)

Neubau des Zentralen Omnibusbahnhofs - ZOB


  • Ankauf

    Grundriss \"Deck\"

    Landschaftsarchitekten
    arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: me di um Architekten Roloff . Ruffing + Partner, Hamburg (DE)
    Architekten: architekten prof. klaus sill, Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    Man a Passerby – Der Mensch ein Vorüberziehender

    „Gärten sollen Spielplätze des Paradoxen sein, in denen die Spiele ernst sind aber
    nicht feierlich: Territorien von Natur und Kultur, von körperlicher Lust – durch Ansichten,
    Klänge, Gerüche, Texturen, Geschmack – und auch von metaphysischer
    Einsicht. Sie sind Zufluchtsorte vor der Geschäftigkeit, dem negotium der Welt; aber
    diese Zufluchtsorte sind in Wirklichkeit Angriffe, Rügen, Ermahnungen oder Herausforderungen.“
    John Dixon Hunt, Universität von Pennsylvania

    Ein zentraler Omnibusbahnhof ein Garten, ein Zufluchtsort?
    Ein Holzdeck verbindet den Ort mit der Stadt und die Stadt mit den Bussen. Vom
    Bahnhof kommend erhebt sich das Deck als schräge Ebene über den Stellplätzen
    der Busse. Es ist kein Holzweg, die Bohlen des Decks sind aus recyceltem Kunststoff.
    Aber Fragen stellen sich – nach festem Boden oder schwankendem Grund.
    Nach Süden öffnet sich der Raum wie eine weite Terrasse. Sonne fällt auf das Deck
    – ist es das Meer oder das Fernweh, was uns hinausschauen läßt? Oder hinunter, in
    eine der kreisrunden Öffnungen, aus denen das Brummen der Motoren zu uns heraufdringt.
    Von der Decke herab hängen flache Glaszylinder. Sie durchstoßen die Decke zu den
    oberen Geschossen. In ihrem Boden sind wie in einem durchsichtigen Herbarium
    Blätter verschiedener Bäume gesammelt. Jeder Zylinder enthält die Blätter nur einer
    Baumart, die sich als Pioniergehölz draußen auf den Gleisen wiederfinden läßt. Am
    Tag wirft die Sonne ihr Licht durch diese organisch-anorganische Membran und die
    Blätter fallen wie im Herbst als Schattenlaub auf die Bohlen des Decks und bilden
    zufällige Muster. Der wartende Reisende kann die Gelegenheit nutzen, sich in einen
    der bereitgestellten Liegestühle, ebenfalls aus recyceltem Kunststoff, zu setzen und
    die Farbbilder des Lichtlaubs zu betrachten. Oder er bewegt sich in Gedanken inter
    artes et naturam – zwischen Kunst und Natur.
    Über dem Holzdeck, zwischen Büros die schwebenden Gärten. Ihre Besonderheit:
    Am Tag erhalten Sie ihr Licht von oben und in der Nacht, durch die bereits erwähnten
    Herbarien, von unten, aus Bodenstrahlern, die niveaugleich im Belag des Decks eingelassen sind. Wo ist Natur und wo ist Kultur – oder ist die Besonderheit dieses Ortes,
    daß beides sich nicht voneinander trennen läßt? Das Konzept des Freiraums
    versucht diese Paradoxien spielerisch zu bearbeiten ohne Antworten zu geben. In
    den schwebenden Gärten wachsen auf Granitschotter, wie er für die Anlage der
    Gleiskörper dient, Birken, Ebereschen, Weiden und Wildkirschen. Jede Baumart bekommt einen Hof zugewiesen, um ihm seinen eigenen Charakter zu geben. Ihre
    Blätter finden sich in den Herbarien und ihre ´wilden´ Verwandten auf den Gleisen
    nebenan. Begleitet werden sie von gelbem Heinrich und duftender Himbeere. Zusammen
    bilden sie einen Abriß (das Lexikon definiert ´Abriß´ als ´komprimierte Wiedergabe´) der Vegetation der Gleiskörper und somit schwebende Biotope, robust genug den Menschen als vorüberziehenden Gast aufzunehmen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.