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  • DE-48143 Münster
  • 04/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-229082)

Neugestaltung des Straßenraumes Bült - Voßgasse


  • 1. Preis

    Perspektive, © scape Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    scape Landschaftsarchitekten, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Funk , Hiltrud Maria Lintel , Prof. Rainer Sachse

    Mitarbeit
    Ben Zemke, Vivien Ildikó Harmati, Lars Kallfelz

    Preisgeld
    11.000 EUR

    Erläuterungstext
    Der Entwurf zur Neugestaltung des Straßenraumes Bült – Voßgasse bildet eine prägnante Sequenz aus Straßen und Plätzen. Es entsteht ein wiedererkennbares Ensemble, das den Stadtraum in Wert setzt, die Wegebeziehungen nachzeichnet und gleichzeitig die notwendige Funktionalität für alle Verkehrsteilnehmer herstellt.

    Der KFZ-Verkehr wird zweispurig auf 6,0m Breite geführt. An die Fahrspuren schließt sich jeweils ein Schutzstreifen (1,25m) für den Radverkehr an. Die Höchstgeschwindigkeit für den gesamten Straßenabschnitt soll mit 30km/h ausgeschildert werden. Durch die Aufhebung des autonomen Radweges gelingt es, großzügige, zusammenhängende Seitenbereiche auszubilden.

    Die Schutzstreifen werden in farbigem Asphalt ausgeführt, um die Radfahrflächen deutlich zu kennzeichnen und den Straßenraum weniger dominant erscheinen zu lassen. In den Eingangs- und Kreuzungsbereichen wird die Fahrbahn ebenfalls mit Farbasphalt belegt und so kleine Platzbereiche ausgebildet. Damit werden für alle Verkehrsteilnehmer die Querungsbereiche ablesbar und das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme verdeutlicht. Die Fußgängerüberwege befinden sich in den farblich abgesetzten Bereichen. Ein besonderer Baum (Blauglockenbaum) betont die Platzbereiche. Damit wird auch der bereits im Bestand vorhandene Blauglockenbaum als wichtiges stadträumliches Element gestärkt. Im Bereich der zentralen Bushaltestelle wird der 3,0m breite Busstreifen in Betonbauweise farblich an den Farbasphalt angeglichen und damit dem Platz optisch zugeordnet. So entsteht ein funktionaler, harmonischer Straßenraum mit einer prägnanten Gliederung.

    Der Hauptplatz wird über eine Pflasterintarsie betont und durch Baumpflanzungen aufgewertet. Großformatige Betonplatten mit unterschiedlicher Oberflächenbearbeitung (kugelgestrahlt, gestockt, geschliffen) definieren subtil die Platzmitte. Das Fugenbild zitiert auf moderne Weise die Formensprache der 50er Jahre und setzt das prägnante Gebäudeensemble in Wert. Der Platz wird von kleinteiligen Einbauten befreit und dadurch zu einer multifunktional nutzbaren Fläche, die genügend Raum für Bespielung, individuelle Nutzung und Gastronomie bietet.

    Die notwendigen Anwohnerstellplätze werden an der Hörsterstraße konzentriert und mit einer Fahrradabstellanlage verbunden. Ein weiterer Stellplatz wird im Einmündungsbereich Korduanenstraße angeboten. Zusätzliche Fahrradständer finden sich immer wieder entlang der Gehwegflächen. Der Platz wird zur Straße hin von einer skulpturalen Buswartehalle gerahmt, die gleichzeitig Schutz bietet, Sitzmöglichkeiten ausbildet und eine WC-Anlage aufnimmt.

    Neue Bankelemente auf dem zentralen Platz und im Bereich der straßenübergreifenden kleineren Plätze definieren Orte zum Verweilen.

    Das Beleuchtungskonzept greift das Lichtkonzept für die Innenstadt Münsters auf. Neben den Fassaden des Theaters werden die besonderen Bäume (Blauglockenbäume, Bäume auf dem neugestalteten Platz) durch Bodenstrahler illuminiert. Die Buswartehallen erhalten ebenfalls eine prägnante Beleuchtung. Der übrige Straßenraum wird durch Straßenlaternen angemessen ausgeleuchtet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Vorgabe, die gestalterische Aufwertung des Straßenraumes nicht nur im Knotenpunkt Bült zu betrachten, sondern auch in der Fortsetzung Voßgasse im Norden und dem Platz vor der Stadtbibliothek im Süden ist vorbildlich umgesetzt. Die Verfasser zeigen eine Betrachtung des Straßenraumes in seiner Gesamtheit. Das Konzept sieht eine Folge von Gestaltungselementen vor, die den Straßenverlauf mit einem Wiedererkennungswert versehen und die Aufmerksamkeit für den neugestalteten Straßenraum herstellen. An den Endpunkten sollte noch eine stärkere Ausformulierung und Anbindung erfolgen. Die seitliche Anpflanzung zusätzlicher Straßenbäume sorgt einerseits für eine zusätzliche Aufwertung im Straßenraum, wird gleichzeitig aber auch in der Notwendigkeit hinterfragt, auch weil z. B. Tiefgaragenausfahrten die Rhythmik stören werden.

    Auf der Grundlage eines einheitlichen Materials, Gussasphalt, werden die unterschiedlichen Funktionsbereiche durch eine farbliche Differenzierung herausgestellt. Wie einzelne Teppiche legen sich die von Pkw genutzten Flächen neben die Rad- und Busspuren. Dazwischen liegen die großzügigen und übersichtlichen Kreuzungsbereiche, die die beiden Straßenseiten innerhalb der Altstadt miteinander verbinden. Durch die Ablesbarkeit dieser Querungsbereiche wird das Gebot der Rücksichtnahme für alle Verkehrsteilnehmer verpflichtend. Kritisch wird dabei jedoch gesehen, dass die gewählten Spurbreiten durch die Mindeststandards bestimmt sind. Dadurch wird eine gewisse Enge zwischen Bus und Fahrradfahrer provoziert. Gleichzeitig entsteht dadurch jedoch eine großzügige Platzfläche im Norden, die nunmehr Aufenthaltsqualität bietet.

    Die Platzfläche ist unabhängig von der Ausgestaltung der verkehrlichen Flächen mit Betonintarsien gestaltet, die auf subtile Weise Bezug nehmen auf die umgebende Bebauung der 1950er Jahre. Die Fläche ist frei bespielbar und nicht durch Stadtmobiliar überfrachtet. Die notwendigen Pkw-Plätze für Behinderte und Anwohner werden sinnvoll an der Hörsterstraße angeordnet, die an dieser Übergangsstelle ebenfalls in die Gestaltung einbezogen wurde und somit die Ecksituation zu einer Platzerweiterung ausbildet.

    Die neuen Wartehäuschen werden als eigenständige skulpturale Hochbauelemente verstanden, die sowohl den Haltestellen als auch den Begleitflächen vielfältige Mitnutzung bieten werden. In strenger linearer Folge sind diese Stadtskulpturen markante Zeichen, die den Haltestellenbereich rahmen. Die notwendige WC-Anlage wird in diese Überdachungen einbezogen.

    Insgesamt stellt die Arbeit einen wichtigen Beitrag zur gestellten Aufgabe und löst sie auf selbstverständliche und unaufdringliche Art an den neuralgischen Punkten mit hoher gestalterischer Qualität.


INFO-BOX

Angelegt am 26.04.2016, 12:54
Zuletzt aktualisiert 02.05.2016, 16:35
Beitrags-ID 4-120021
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