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  • DE-01067 Dresden, DE-01001 Dresden
  • 05/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-214044)

Westlicher Promenadenring


  • 1. Preis

    Boskett mit Wiesenparterre, © plancontext

    Landschaftsarchitekten
    plancontext gmbh landschaftsarchitektur, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Christian Loderer , Uwe Brzezek

    Mitarbeit
    Enrico Kliem, Jan Gordon, Lukas Bucher, Sabina Motak, Finn Sommer

    Erläuterungstext
    Westlicher Promenadenring Dresden

    Der Ring um den Altstadtkern in seiner heutigen Form entstand über viele Jahrhunderte im Zuge der baugeschichtlichen und stadträumlichen Entwicklung Dresdens. Seit der Kriegszerstörung von 1945 und dem Wiederaufbau ist der historische Stadtgrundriss allerdings nur noch schwer nachvollziehbar. Die Anlage eines Promenadenrings um den Altstadtkern ist daher ein vorrangiges strategisches Planungsziel Dresdens. Der Verlauf der ehemaligen Festungsanlage soll im Stadtbild wieder erlebbar werden und die Außenkante der Altstadt definieren. Gleichzeitig soll ein Grüngürtel um die Altstadt mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen.

    Promenadenring als Geschichtsband

    Der Verlauf der inneren Befestigungsmauer mit ihren Wallanlagen und Bastionen soll im Stadtgrundriss durchgängig markiert werden. Bereits vorhandene Abschnitte der Markierung und sichtbare Reste der Wallanlagen werden verbunden und damit wieder zusammenhängend ablesbar. Die dafür verwendeten anthrazitfarbenen Betonelemente sind eindeutig als ergänztes Material identifizierbar.

    Doch nicht nur der Festungsbau sondern die gesamte wechselvolle Geschichte Dresdens soll erzählt werden. Authentische Spuren oder Gedenkorte werden bei der behutsamen Gestaltung des Freiraums einbezogen und zurückhaltend erläutert. Die Markierung führt Besucher zu wichtigen „Geschichtspunkten“ und bedeutsamen historischen Gebäuden. Diese werden durch Infotafeln erklärt. Auf erhaltene historische Spuren oder bedeutende Ereignisse wird zusätzlich durch Gravierungen im Band hingewiesen. Zusatzinformationen sind mittels Audioguide in mehreren Sprachen abrufbar.

    Diese „Outdoor-Ausstellung“ bildet einen informativen Stadtrundgang und ergänzt die Inhalte des Festungsmuseums unter der Brühlschen Terrasse. Ein weiterer Anlaufpunkt für vertiefende Informationen soll auch der neue Stadtpavillon am Dippoldiswalder Platz werden.

    Wesentliche Geschichtspunkte im Planugsbereich:
    An den ehemaligen Bastionen Saturn und Merkur erhält der Besucher Ansichten und Informationen zum Festungsbau.
    Das Denkmal für den Volksaufstand des 17. Juni 1953 erinnert an die gewaltsam niedergeschlagene Demonstration auf dem Postplatz von rund zehntausend Dresdnern gegen die SED-Herrschaft
    Der Grundriss der ehemaligen Postdirektion bleibt ablesbar; der vorhandene Mauersockel wird bündig in das Rasenparterre eingelassen. Zusammen mit dem benachbarten Telegrafenamt prägte es das Bild des Postplatzes. Bei der Zerstörung der Innenstadt wurden entlang der Marien- und Wallstraße alle raumbildenden Gebäude beschädigt, Einzige Ausnahme sind Reste der Hauptpostdirektion.


    Rhythmisierung durch Plätze und Knotenpunkte

    Die ehemals charakteristischen Plätze, die den Ring um Dresden rhythmisch gliederten, werden wieder klar herausgearbeitet und bilden ein stadträumliches Gerüst. Daneben existieren wichtige Knotenpunkte, die Übergangs- und Orientierungspunkte bilden. Dazu gehören der Südliche Postplatz und der Dippoldiswalder Platz im Planungsbereich. Sie werden als Eingangsplätze in den westlichen Promenadenabschnitt gestaltet.

    Nördlicher Postplatz - Schauspielplatz
    Das Schauspielhaus erhält ein „Lustgärtchen“. Es gibt dem Gebäude zum Platz hin einen Außenraum, der die Bedeutung und architektonische Qualität widerspiegelt und gleichzeitig einen grünen Brückenschlag zum weiteren Promenadenverlauf bildet.
    Der neue Kulturkubus wird in das Gärtchen integriert. Plattenstreifen und Rabatten rhythmisieren die Fläche und bilden Übergänge zum Zwinger und zum Promenadenring. Die Rasenstreifen sind mit Rasengittern stabilisiert und für die Feuerwehr und die Andienung befahrbar. Die „Waterscreen“ von Rainer Splitt verbleibt am vorhandenen Standort und soll nachts wieder als Projektionsfläche dienen.

    Südlicher Postplatz
    Er bildet den Vorplatz für das geplante Zwingerforum und gleichzeitig den Auftakt zum westlichen Promenadenring. In der leicht abgesenkten Tennenfläche tritt die Markierung der Festungsanlage markant hervor. Das Denkmal für den Volksaufstand des 17. Juni 1953 verbleibt am heutigen, authentischen Ort.

    Dippoldiswalder Platz
    Vor dem Hochhaus Marienstraße 20 schlagen wir einen „Stadtpavillon“ vor, der als Stadtteiltreff und gastronomische Einrichtung genutzt werden soll. Der transparente Glaskubus soll wie eine „Vitrine“ gestaltet und auch zum Informationszentrum des Geschichtspfades werden. Er bildet den optischen Abschluss und Umlenkpunkt der westlichen Promenade in Richtung Dr.-Külz-Ring. Nördlich des Pavillons entsteht ein geschützter Platzbereich mit Tennenbelag, der zum Treffpunkt und Aufenthaltsort werden soll.


    Westliche Promenade: Boskett und Wiesen-Parterre

    Der Raum des westlichen Promenadenabschnitts spannt sich zwischen Motel One und Centrum Galerie auf und bekommt klare räumliche Kanten.
    Auf ein ursprünglich geplantes Wasserband wird aus Platz- und Kostengründen verzichtet. Der ehemalige Festungsgraben wird durch leicht abgesenkte, parterreartige Wiesenflächen nachvollziehbar.
    Die räumliche Kanten des Parterres werden durch einen breiten Granit-Rahmen und umlaufende Platanen-Baumreihen gebildet. Dadurch entsteht die Wirkung eines Bosketts. Wie in historischen Gartenanlagen, wo die Boskette wie Innenräume genutzt wurden und als Aufführungsort von Konzerten, Schauspielen oder anderen Vergnügungen dienten, so sollen auch hier ein lebendiger, flexibel nutzbare Raum entstehen, der zur individuellen Aneignung einlädt.
    Eine der beiden vorhandenen Platanenreihen wird verpflanzt.

    Promenade
    Der Planungsbereich wird als großzügige, grüne Promenade gestaltet. Sie bildet eine ruhige Oase und damit ein Pendant zur parallel laufenden, belebten Wallstraße, die vor allem als Transferraum und für den Handel genutzt wird.
    Der vorhandene Höhensprung zur Wohnbebauung am See wird als klare Böschungskante modelliert und durch eine flächige Bepflanzung in ihrer räumlichen Wirkung zusätzlich verstärkt. Die Böschung erinnert an die Glaciskante der historischen Wallanlagen. Der entstehende „grüne Sockel“ auf dem privaten Grundstücksbereich schützt zugleich die Privatsphäre der Bewohner.
    In Form eines „Gedeckten Weges“ - ebenfalls ein Anklang an den Festungsbau - liegt am Fuß der Böschung im öffentlichen Grundstücksteil eine großzügige, vier Meter breite Promenade, die zum Aufenthalt und Flanieren einlädt.
    Als die Wallanlagen ihre Schutzfunktion verloren hatten, wurden sie oft als Gartenanlagen genutzt. Daran erinnern die privaten Vorgärten, an denen die Promenade entlang des Baufeldes 5, der ehemaligen Postdirektion führt.

    Marienstraße
    Die Marienstraße und die Übergangsbereiche zur Wallstraße werden gemäß dem vorliegenden Gestaltungskonzept realisiert. Die östliche Seite der Marienstraße erhält zwischen Neubebauung und Straße einen großzügigen Fußgängerbereich. Westlich wird die Straße durch eine Platanenreihe in einer Tennenfläche gesäumt. Wir schlagen eine Pflasterung der Fahrbereiche vor.


    Ausstattung und Beleuchtung

    Die Ausstattung der Promenade orientiert sich im Bezug auf Materialien und Mobiliar am Gestaltungshandbuch der Stadt.

    Die Ausleuchtung des Promeadenbereichs erfolgt durch Mastleuchten entlang der Promenade und der Marienstraße. Darüber hinaus werden Vorschläge des Masterplans Licht aufgegriffen:
    die Lichtstelen auf dem Postplatz bleiben erhalten
    zusätzlich werden die Fassaden am Platzraum angestrahlt
    Solitärbäume am Postplatz und Dippoldiswalder Platz werden durch Bodeneinbaustrahler akzentuiert
    der Verlauf der Bastionen wird durch Lichtlinien nachgezeichnet

    Das Wiesenparterre erhält nachts durch eine künstlerische Beleuchtung eine eigene Atmosphäre und Identität: Spezielle Reflektoren und LED-Leuchten an den Masten erzeugen nachts ein sanft changierendes, an Wasserspiegelungen erinnerndes Licht.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.