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  • DE-37083 Göttingen, DE-37133 Friedland
  • 06/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-218386)

Neubau einer Dreifeld-Sporthalle


  • 4. Preis

    Perspektive, © o5 architekten

    Architekten
    o5 architekten bda - raab hafke lang, Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: TRAGRAUM Ingenieure PartmbB vormals Dr. Kreutz+Partner BERATENDE INGENIEURE mbB, Nürnberg (DE), Oberschleißheim (DE), Bamberg (DE), Münnerstadt (DE), Regensburg (DE)

    Preisgeld
    3.000 EUR

    Erläuterungstext
    Projektteam
    Jan-Henrik Hafke, Claudia Rothe, Conny Römer, Melanie Nathan

    Lage und Freiraum
    Hauptaugenmerk für die Lage und Ausrichtung der Dreifeldsporthalle der Carl-Friedrich-Gauss-Schule ist die optimale Anbindung an und Integration des Baukörpers in das bestehende Schulensemble sowie eine dem baulichen Kontext angemessene Gliederung des großen Gebäudevolumens.
    Der Zugang zum Gebäude befindet sich zugunsten einer direkten Anbindung an der Nordostecke der Halle vis à vis zum Eingang Pausenhalle/Aula. Im Gegensatz zur bestehenden Halle ist die Eingangssituation (Adressbildung) auch von der Straße „Am Kirschgarten“ kommend für andere Nutzer (Sportvereine), gut einsehbar. Die Müllstation sowie die Geräteräume (Anlieferung, Entsorgung) befinden sich im südlichen Gebäudeteil und können direkt über die Zufahrt angedient werden. Außenlagerflächen werden sowohl im südlichen Gebäudeteil als auch als freistehendes Lager im Norden der Halle am Bolzplatz angeboten.
    Da die Freianlage des Schulhofes im Rahmen des Hochwasserschutzkonzeptes neu entwickelt wird, enthält der Entwurf lediglich Aussagen zum unmittelbaren Umgriff. Hier ist die neue Höhenlage (197,00m üNN) der Halle Gestalt prägender Faktor. So muss im Rahmen der späteren Neugestaltung das Schulhofniveau leicht zur Halle hin erhöht bzw. verzogen werden. Entlang des Neubaus der Halle werden über Sitzstufenanlagen neue qualitätvolle Aufenthaltsbereiche vorgeschlagen. Nach Westen (Grundstücksgrenze) wird ein Sockel ausgebildet, um die Zufahrt zum Nachbargrundstück auf alter Geländehöhe zu gewährleisten. Der Geländeversprung wird durch Treppenanlagen im Nordwesten überbrückt.

    Dreifeldsporthalle – Gestalt, Typologie, Funktion
    Die tragende Entwurfsidee für den neuen Baukörper ist die Gliederung des Volumens in drei unterschiedlichen Höhen. Dabei ist die Höhenausprägung maßgeblich über die Raumanforderungen von Halle, Geräteraumschiene und Eingangs-, Gymnastik- und Umkleidebereichen zu erklären. Gestalt prägend wird dieses Thema in die Fassadengliederung aus horizontalen, gegeneinander verschobenen Bändern übersetzt.
    Weiterhin gilt es, eine räumlich-funktional und wirtschaftlich optimierte Sporthalle zu entwickeln, um den Anforderungen der Nutzer und dem engen Kostenrahmen Rechnung zu tragen. Das Gebäude ist zugunsten der Barrierefreiheit und der angestrebten niedrigen Bau- und Betriebskosten komplett ebenerdig organisiert.
    Die teilbare Dreifeldsporthalle liegt als höchster Gebäudeteil mittig und ist zugunsten der Ausrichtung des Baukörpers um 90 Grad gedreht. Im Süden befinden sich die Geräteräume (Müllstation, Regieraum), im Norden der Halle liegen in einer Schiene an der Haupterschließung der Eingang mit Foyer (Teeküche, Hausmeister), die Umkleidebereiche (mit weiteren Nebenräumen) sowie mittig der Gymnastikraum. Die Erschließung erfolgt kammartig über einen linearen Bewegungsraum, an dem einerseits die Zugänge zur Halle liegen und sich auf der anderen Seite die Umkleidebereiche und der Gymnastikraum befinden.
    Die räumliche Organisation der Dreifeld-Sporthalle basiert auf den Funktionsanforderungen der unterschiedlichen Nutzer und Sportarten. Die Halle verfügt über eine ausziehbare Teleskoptribüne für publikumsaffine Nutzungen. Im Normalbetrieb wird die Tribüne in der Wand integriert und bietet zusätzlichen Raum auf dem Spielfeld. Bei einer Dreiteilung der Halle lassen sich die Zugänge, die Tribünenteile und die dienenden Räume (Geräteräume, Lehrerzimmer) segmentweise nutzen.
    Die Belichtung der Halle, des Gymnastikraumes und der Bewegungsräume erfolgt über Oberlicht-Fensterbänder in den Wänden; ein dreiseitiges Fensterband aus Gussglasdielen (Ost-West-Südfassade) unterhalb der Tragwerksebene und einem Fensterband oberhalb der Tribüne.

    Nachhaltigkeit - Materialität, Konstruktion und Technik
    Die äußere Gestalt der dreiteilig gebänderten Fassade wird maßgeblich durch zwei Materialien geprägt. Zum einen die geöffneten Bänder in Gussglas- bzw. Glasfassadenelementen und zum anderen die geschlossenen Bereiche mit einer Vorhangfassade aus oxidierten Kupfertrapezblechelementen. Über die patinierten Blechoberflächen wird eine angemessene Materialität erzielt, die in Punkto Alterungsfähigkeit und Patina dem Klinker der Schulbauten angemessen ist, aber trotzdem im Sinne der Vorfertigung eine wirtschaftliche und leichte Fassadenkonstruktion ermöglicht, mit der auch untergeordnete Öffnungen bekleidet werden können. Die Gussglasdielen ermöglichen eine blendfreie, natürliche Belichtung der Räume ohne weiteren Sonnenschutz, aber mit Sichtschutz, und stellen in dieser Form eine gleichsam wirtschaftliche wie auch atmosphärische Lösung dar. Dabei verlaufen die Dielen an der Nordfassade sowohl als Fassadenelement vor geschlossenen Raumbereichen als auch – im Aufbau mit transluzenter Wärmedämmung - vor offenen Raumbereichen (Foyer, Flure, Gymnastikraum).
    Im Inneren prägen vorzugsweise sichtbar belassene, natürliche Oberflächen aus Beton (Wand), Holz (Wand und Tragwerk) und Linoleum (Boden) die Räume. In der Sporthalle, im Gymnastikraum und im Foyer ist im Funktionsbereich der Wände (Tribünen, Tore und Türen, Kletterwände, Einbaumöbel, Theke etc.) eine Holzvertäfelung vorgesehen. Die flächenelastischen Sportböden wie auch die Böden in den Bewegungsbereichen sind in Linoleum ausgeführt. Das Dachtragwerk aus Holz korrespondiert mit den Holzvertäfelungen und bewirkt im Zusammenspiel mit dem Sichtbeton eine warme, natürliche Atmosphäre in den Räumen.
    Das Tragwerk der Sporthalle gliedert sich in zwei Bereiche: Die mit Brettschichtholzbindern weit überspannte Sporthalle und die in Massivbauweise konzipierten Nebenraumspangen. Über der Sporthalle sind im Raster von 3 Metern Brettschichtholzbinder angeordnet, die auf der einen Seite von einem in der Fassadenebene liegenden Stahlbetonrandträger und auf der anderen Seite von der Wandachse der Nebenraumspange getragen werden. Die Stahlbetonrandträger liegen im Bereich der Fensterbänder auf schlanken Stahlbetonstützen auf. Zwischen den Brettschichtholzbindern sind vorgefertigte ausgedämmte Holzkassetten als Rippenkonstruktion mit ober- und unterseitiger Holzwerkstoffverkleidung eingehängt. Die Aussteifung der Hallenkonstruktion erfolgt über die scheibenartig ausgebildete Dachebene und deren Anschluss an die Nebenraumspange. Die Decken der Nebenräume sind meist schlaff bewehrte Stahlbetonflachdecken und über dem Gymnastikraum auf Grund der Spannweite vorgefertigte Spannbetonhohldielen, die jeweils linienförmig auf den begleitenden Wänden aufliegen. Die Stahlbetonflachdecken lassen sich als Halbfertigteilelemente mit Ortbetonergänzung vorfertigen und ausbilden. Die Gründung des Gebäudes erfolgt über eine elastisch gebettete Stahlbetonbodenplatte mit einem umlaufenden Frostriegel und im Bereich konzentrierter Belastungen voutenförmiger Verstärkungen. Das klar strukturierte Tragwerk bietet sowohl im Bereich der Dachkonstruktion für die Sporthalle als auch für die Decken der Nebenraumspange einen hohen Vorfertigungsgrad mit dem daraus resultierenden zeitlich und wirtschaftlich optimierten Bauablauf.
    Das Energiekonzept sieht eine Kombination von Bedarfsminimierung und Versorgung mittels Anschluss an den Bestand (Heizwärme- und Warmwasserbedarf) sowie ggf. erneuerbarer Energieträger unter Berücksichtigung der Investitions- und Unterhaltskosten vor. Die Belüftung durch eine kontrollierte Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist bei der hochwertig gedämmten Gebäudehülle obligatorisch. Die Anlage befindet sich im Technikgeschoss oberhalb der Funktionsschiene direkt am Hallenraum in zentraler Lage. Weitere Ausweichflächen bilden sich durch die hohe Attika im nördlichen Bereich des Daches. Durch die gewählten Baustoffe wird eine robuste und nachhaltige Bauweise mit optimaler Speichermasse für ein ausgeglichenes Raumklima gewährleistet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Baukörper fügt sich in Kubatur und Höhenentwicklung gut in die umgebende Bebauung ein. Die kompakte Eingeschossigkeit mit der entsprechenden Grundfläche schafft für die verbleibenden Außenräume keine zusätzlichen Qualitäten. Die Proportionen und die Gliederung der geschlossenen und transluzenten Flächen sind gut gestaltet und nehmen dem an sich kompakten Baukörper die Schwere. Die Materialkombination aus Gussglas und oxydiertem Trapezblech kann bei sorgfältiger Wahl der Oberflächenstruktur des Bleches mit der Klinkerfassade des Schulgebäudes gut harmonieren. Der Innenraum der Sporthalle bietet mit den verwendeten Materialien Holz und Sichtbeton und dem Linoleum-Fußboden eine warme natürliche und angenehme Atmosphäre. Die Empfangssituation mit überdachtem Eingang und das Foyer mit einer angemessenen Größe und der angegliederten Ausgabeküche entsprechen gut den Anforderungen sowohl an den Schul- als auch den Gästebetrieb. Die Funktionsbereiche sind gut nutzbar angeordnet. Die Flure sind angemessen dimensioniert und belichtet. Die Lage des mittleren Lehrerraums in Kombination mit dem Regieraum wird für beide Funktionen in seiner Lage angezweifelt. Die Lage der Lüftungsanlage über dem Nebenraum ist gut gewählt. Die Kompaktheit des Gebäudes und die verwendeten Konstruktionen sind geeignet, bei entsprechender Ausführung eine gute Energieeffizienz zu erreichen. Die Baukosten liegen unter dem Mittelwert aller Teilnehmer. Der Entwurf erreicht mit großer Angemessenheit der Mittel eine hohe funktionale und gestalterische Qualität.