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  • DE-10557 Berlin, DE-10629 Berlin
  • 05/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-225122)

Europacity Riverside - Wohnen und Gewerbe in der Europacity


  • 1. Preis Block am Stadtplatz (Baufeld C)

    Europacity Riverside I Block am Stadtplatz, © ROBERTNEUN™

    Architekten
    ROBERTNEUN™, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Nils Buschmann , Tom Friedrich

    Mitarbeit
    Laura Becqueriaux, Jaro Böer

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: LOHRENGEL LANDSCHAFT, Berlin (DE)

    Preisgeld
    48.000 EUR

    Erläuterungstext
    VIELFÄLTIGE GROßFORM
    Wir verstehen den Stadtblock als Großform, die in ihrer robusten Struktur ein hohes Maß an Vielfalt, Mischung, Differenzierung und Lebendigkeit ermöglicht und in Ausdruck und Maßstab die bislang vor Ort dominierende Gewerblichkeit als Identitätsmerkmal in eine zeitgenössische Stadtarchitektur überführt.

    Der kulturelle Kontext ist die gewerbliche Historie des Areals, die bis heute fragmentarisch im Kornspeicher, um den Hamburger Bahnhof herum und in der Architektur der Kaimauern präsent ist.
    Die gefundene Gewerblichkeit bietet die Möglichkeit diese weiterzubauen und ein integriertes Stück Stadt zu realisieren, dass in Ausdruck und Maßstab selbstverständlich eine unverwechselbare Identität erlangt.

    Da wir keinerlei Interesse an kontextlosen Neubauarealen haben, das Modell der Berliner Gewerbebauten als Wohnraum im kollektiven Bewusstsein der Bewohner verankert ist und die Gewerbearchitektur in ihrer Einfachheit und strukturellen Variabilität eine Alternative zum aktuellen oberflächenfixierten Wohnbau darstellt, wählen wir diesen Kontext als unseren
    Ausgangspunkt.

    Unser Block am Stadtplatz verzichtet auf Hofunterteilungen, um einen maximal großen, identitätsstiftenden Hofgarten als kollektives Zentrum zu schaffen (und zugleich die Auslastungsvorgaben zu erreichen).
    Der Baukörper gliedert sich in einen durchlaufenden Sockel als Erdgeschoss (Geschosshöhe 4,50m), der je nach Lage differenziert wird: Stadtplatz mit Arkade, Kanal mit Garten- Laderampe, Quartierstrasse mit Hochparterre- Wohnen und Heidestrasse mit Schaufenstern.

    Über Rücksprünge und Aussparungen werden die aufgehenden Geschosse bereits
    im Baukörper als einzelne Häuser unterteilt und im Rahmen der Möglichkeiten in der Höhe differenziert, so dass spezifische Ensembles (Stadtplatz und Quartierplatz) und unterscheidbare Häuser entstehen.
    Der Maßstab der Häuser leitet sich aus dem Wohnungsschlüssel her (Verhältnis von 2-, 3-, 4- Zimmerwohnungen) und antwortet auf die Großmaßstäblichkeit des gewerblichen Kontextes.

    Der grosszügige Hof gliedert sich in drei Bereiche, den Park, gefasst von einem umlaufenden Weg und dem grünen Rahmen der Vorgärten.
    Die 3m breiten Vorgärten schaffen einen sanften Übergang von den privaten Loggien der Hochparterres, sowie den Erdgeschossen der Gewerbeflächen und dem gemeinschaftlich genutzten Hofgarten. Private Treppen und Stege ermöglichen den Bewohnern der Hochparterres und den Nutzern der Erdgeschosse, wie beispielsweise den Kindern
    der Kita, einen individuellen direkten Zugang zum Hof. Eine 40cm hohe Sitzkante fasst die Vorgärten ein, bietet eine Vielzahl an Sitzmöglichkeiten und ermöglicht eine üppige Bepflanzung durch Substratstärken bis 120cm über der
    unterbauten Fläche.

    Die einzelnen Häuser sind gemäß des Wohnungsschlüssels (Wohnungsgrößen L = 100,00qm, M = 75,00 und S = 50,00qm) strukturell typologisiert.
    Die Gebäudestruktur als Skelett formuliert nutzungsungebundene Räume, so dass unabhängig der Wohnungsgrößen jeder Raum jede Nutzung aufnehmen kann und sehr variabel Wohnungsgrößen untergebracht werden können.
    Die Vielfalt, Mischung, Differenzierung und Lebendigkeit wird über spezifische Modifikationen der Struktur erreicht.
    Die durchgehende Erdgeschoss- Geschosshöhe von 4,50m wird in den Wohnbereichen im Erdgeschoss für ein Hochparterre genutzt, das zur Strasse und zum Hofgarten eine Schwelle zwischen privat und gemeinschaftlich herstellt.
    Die gemäß der Lage spezifisch gesetzten Freisitz- Typologien führen zu unterschiedlichem Ausdruck der einzelnen Bauteile und verändern die Wohnungen und Räume in Tiefe und Aussenbezug.

    Jedes Haus erhält eine Eingangshalle, die öffentlichen Raum mit Hofpark verbindet. Angrenzend liegen die vertikalen Erschliessungen, die immer an der Aussenfassade und je nach spezifischer Lage im Block angeordnet werden (am Stadtplatz im Nordwesten zum Hof, zur Quartierstrasse zum Nordosten, zur Heidestrasse und am Kanal
    zum Hof), sowie einen Fahrrad- und Kinderwagen- Abstellraum.

    Die Typologie ermöglicht je zwei durchorientierte Wohnungen (S, M oder L) und je nach Belegung der Geschosse 1, 2 oder 3 kleine Wohnungen.

    Die einheitliche Struktur aller Gebäude wird über verschiedene Aussenraumtypologien (punktuelle Loggias, durchlaufende Loggias, punktuelle hervorstehende Balkone, durchlaufende Balkone), variierende Sturz- und BrüstungshoÅNhen mit verschiedenen Ausfachungen (Beton, geschlämmter Ziegel, roter Ziegel), verschiedenen Fensterformaten und -gliederungen, sowie verschiedenen Sonnenschutztypen und -farben (textile Senkrecht-,
    Fallarm- Markisen) differenziert.

    Ziel ist eine zeitgenössische, kontextuelle Architektur, die den kulturellen Kontext des Areals nicht negiert, sondern diesen als Ausgangspunkt einer zeitgenössischen Stadtentwicklung versteht.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit einem Sockelgeschoss als Basis werden acht Häuser entwickelt, die den Stadtblock formulieren. Im Inneren entsteht ein großer begrünter Innenhof. Die einzelnen Häuser sind oberhalb des Sockelgeschosses durch ca. fünf Meter breite Abstände freigestellt.

    Wesentliches Merkmal des Entwurfes ist das modulare Raster mit ca. 313 cm, der über das gesamte Grundstück gelegt wurde und die einzelnen Scheibenhäuser prägt. Dieser Modulor – eine Referenz an die klassische Moderne (z. B. Le Corbusier) – ermöglicht eine flexible Gestaltung der Grundrisse innerhalb einer größeren Ordnung. Daraus resultiert auch eine Vielfalt und Abwechslung innerhalb der Fassadengestaltung im vorgegebenen Ordnungssystem. Die ökonomischen Grundrisse erlauben multiple funktionelle Organisationsformen. Die Fassade als sichtbares Skelett aus Sichtbetonteilen mit Ausfachungen lehnt sich in Materialiät und Gestaltung angenehm am industriellen Charakter des Kornversuchsspeichers an, ohne ihn zu kopieren.

    Das Projekt verlangt eine präzise und im Detail qualitätsvolle Ausarbeitung und Umsetzung, um die gestalterischen Ideen positiv wirken zu lassen. Das Projekt hat die Qualität einen besonderen Ort direkt am Park entstehen zu lassen, in dem der urbane Maßstab und die Individualität der einzelnen Wohnung eine erfreuliche Diversität reflektieren. Ein besonders vielversprechendes und autonomes Projekt im Kontext des Berliner Wohnbaus.

    Die ca. fünf Meter breiten Abstandsflächen, welche den Blockrand perforieren, sollten jedoch aus schalltechnischen Gründen (und aus Gründen der Bauordnung) geschlossen werden. Die Nutzung dieser Zwischenräume bietet Potentiale für das Projekt. Hier können gegebenenfalls Sondernutzungen vorgesehen werden, wie zum Beispiel Wintergärten, Ateliers u. ä., die auch über zwei Geschosse gehen können (evtl. auch mit „Luftaussparungen“). Sofern dies zur Überschreitung der Geschossfläche führen würde, wird eine Befreiung in Aussicht gestellt.

    Der Wohnungsmix trifft nur im WA3 exakt die Vorgaben, eine Anpassung im MI3 erscheint aufgrund des modularen Systems möglich. Die Wohnungsgrößen sind teilweise zu groß. Die Grundrisse mit dem durchgängigen Achsmaß von ca. 313 cm schlagen konzeptionell bestimmte Formen des Wohnens vor, die hinsichtlich ihrer Funktionalität zu überarbeiten sind. Die Wirtschaftlichkeit des Projektes wird kritisch gesehen, im vorgegebenen Kostenrahmen erscheint es nur bedingt realisierbar.

    Die Lage der Kita am Stadtplatz ist aus sowohl aus wirtschaftlichen Gründen wie auch aus dem Wunsch nach Belebung durch Einzelhandel kritisch. Gleiches gilt für die erdgeschossig angeordneten Fahrradabstellräume am Stadtplatz. Die Arkaden fügen sich als urbanes Element schlüssig an den Charakter des Stadtplatzes, sind jedoch hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit zu überprüfen.

    Das Projekt zeichnet sich durch einen stringenten konzeptuellen Entwurf aus und sticht in seiner architektonischen Haltung deutlich aus dem Feld der Arbeiten hervor.


INFO-BOX

Angelegt am 14.06.2016, 12:29
Zuletzt aktualisiert 06.07.2016, 10:26
Beitrags-ID 4-122739
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