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  • DE-72202 Nagold
  • 06/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-7150)

Grüne Urbanität - Landesgartenschau Nagold 2012


  • 5. Preis

    Perspektive Kleb mit Schloßberg

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    Architekten
    Haberland Architekten, Berlin (DE)

    Mitarbeit
    Torsten Rosinsky

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: LA.BAR Landschaftsarchitekten bdla, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Fashion fades - Style remains

    Von der Gartenschau zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung

    Nagold, die international renommierte Stadt des Textilhandels und hochwertigen Produktdesigns legt sich ein florales Gewand an und feiert die Landesgartenschau 2012. Blüten und Blumen - so vergänglich und flüchtig wie die Mode. Stadt und Fluss - Laufsteg der aktuellen Blumen-Kollektion. Kleidung und Pflanzen - Zierde, Schmuck, Verhüllung, Geheimnis und Ausdruck der Persönlichkeit. Vielfalt der Schnitte, Stoffe, Muster, Farben und Formen. Mal klassisch, mal hip - Immer vergänglich. „Fashion fades, Style remains“ befand Coco Chanel. Was bleibt nach der Blumenschau?

    Nagold beschreitet mit der Landesgartenschau einen Weg des Stadtumbaus, der in mehrfacher Hinsicht paradigmatisch ist für die nachhaltige Transformation unserer Städte am Anfang des 21. Jahrhunderts. Mit der Konversion einstiger Gewerbeflächen, Industriebrachen und regulierter Fluss-Landschaften in attraktive Wohnstandorte, Parks und Freiräume gewinnen die Städte verloren gegangene Attraktivität zurück. Es gilt, sehr unterschiedliche Areale für die Stadt zurück zu gewinnen, und miteinander zu verbinden. Die historische Altstadt und das neue Riedbrunnen Quartier einerseits, die Landschaftsräume der Waldach und der Nagold andererseits. Es gilt Leitbilder zu entwickeln für die Transformationsprozesse der Stadt aber auch der Landschaft - für die Grüne Urbanität und das Urbane Grün.

    Der Nagold Park
    Die in den letzten Jahren realisierte Innenstadtumfahrung und die damit einhergehenden Umgestaltungsmaßnahmen haben die Altstadt als urbanen Lebensraum spürbar aufgewertet. Jetzt gilt es die angrenzenden Freiräume insbesondere die Uferbereiche mit der historischen Altstadt zu verbinden und neue, auch überregional wirksame, Akzente zu setzen. Unser Konzept für den Nagoldpark sieht hierzu die spezifische Entwicklung der Bereiche Longwy-Platz, Kleb und des Krautbühlareals vor. Der Longwy-Platz wird zu einem städtischen Platz am Wasser gestaltet, der Kleb im Sinne seiner Funktion als Stadtpark mit vielfältigen Freizeit-, Spiel- und Sporteinrichtungen behutsam weiterentwickelt und das Krautbühl-Areal zu einem Kultur- und Geschichtspark gestaltet.

    Der Longwy-Platz
    Heute als Parkplatz genutzt und auf der Rückseite der Altstadt gelegen, wird der Longwy-Platz zur städtischen Terrasse am Wasser. Nicht mehr als Rückseite, sondern als Weiterführung der Altstadt an die Nagold verstanden, orientiert sich die Platzgestaltung an der Materialität und Farbigkeit der Marktstraße. Lange, die polygonale Gestalt der Altstadt aufgreifende Sitzelemente und Baumreihen bilden die wesentlichen raumbildenden Akzente des Platzes. Eine großzügige Sitzstufenanlage erweitert den Platz in einem Abschnitt bis an die Nagold und lädt zum Verweilen am Wasser ein. Das vorhandene Bootshaus wird auf das Kulturufer umgesetzt. Im Bereich der südlichen Brücke ist ein Biergarten vorgesehen.

    Der Kleb
    Der Stadtpark erfährt eine moderate Umgestaltung hinsichtlich einer klaren Zonierung und räumlichen Staffelung. Ziel ist es ferner, den Verlauf der Nagold durchgängig erlebbar zu machen und den Park nach Westen zu erweitern. Dem vorhandenen Parkweg am Fuße des Schlossberges wird ein Plateau vorgelagert, das intensivere Nutzungen wie Spielplätze, die Minigolfanlage, Beach- und Ballsportflächen, wie auch gärtnerisch gestaltete Bereiche und kleine Plätze aufnimmt. Eine lang gezogene Mauerbank begleitet die Promenade und fängt den Höhensprung zu den Waldterrassen ab. Der Übergang zum Schlossberg wird mit Terrassen formuliert, auf denen sich die Hanggärten befinden Von dieser, mit Waldstauden- und Farngärten bepflanzten Partie bietet sich ein schöner Blick über den Park. Die vorhandenen Karstquellen werden behutsam integriert und inszeniert. Eine große Liegewiese führt an die Nagold, kleine Plätze am Wasser begleiten die Uferpromenade, die südlich des Freibades nach Westen verlängert wird. An der nördlichen Parkseite schlagen wir eine neue Brücke vor. Hierdurch wird eine direkte Verbindung von der Stadtbibliothek in der Altstadt, entlang der Stadtmauer zur Burg Hohennagold ermöglicht. Kleine ausgewählte Waldplätze, am Weg zur Burg gelegen, bieten Rastmöglichkeiten in den Wipfeln der Bäume.

    Geschichts- und Kulturpark am Krautbühl
    Der Krautbühl - das mit 4,5 Meter Höhe größte und bedeutendste keltische Fürstengrab in Baden-Württemberg - bildet den Anlass, diesen Bereich Nagolds grundlegend neu zu ordnen und zu einem Geschichts- und Kulturufer mit überregionaler Strahlkraft zu entwickeln. Streifen aus lokalem Muschelkalk gliedern die Ausstellungs-Fläche und können als zweidimensional dargestellte Zeitschichten gelesen werden. In diesen Zeitstreifen befinden sich transparente
    Ausstellungs-Pavillons, die sich der keltischen und römischen Geschichte Nagolds und des Hügelgrabes widmen, ergänzend hierzu sind wechselnde Ausstellungs- und Kunstprojekte denkbar.

    Die Spitze an der Flussmündung wird neu gestaltet. Ziel ist es, diesen Bereich besser mit dem Longwy-Platz und dem Kleb zu verbinden. Die vorhandene Brücke wird deshalb entfernt, und durch eine Verbindung zum Longwy-Platz bzw. eine Brücke in Fortführung des Uferweges zum Kleb ersetzt. Die auf diese Weise gestärkte Mündungsspitze wird zu einem kleinen Platz mit einem Kultur-Café entwickelt, Rasenstufen führen hinab zum Wasser.

    Die neue Stadtkante südlich des Ausstellungsgeländes wird durch dreigeschossige Stadthäuser formuliert. Die Hauseingänge orientieren sich zum Park und befinden sich an einer, das Ausstellungsgelände rahmenden, Promenade. Die Stellplätze sind in einer gemeinsamen Halbgeschoss-Rampenanlage untergebracht. Die PKW-Erschließung erfolgt über den Uferweg von der Freudenstädterstraße.

    Grüne Urbanität – Der Riedbrunnenpark
    Das Riedbrunnen-Areal wird zu einem innenstadtnahen Wohnstandort mit Angeboten für Familien Mehrgenerationen-Wohnen und Gewerbe entwickelt. Es gliedert sich in einen westlich und einen östlich der Waldach gelegenen Bereich. Während sich die meisten Nagolder Freiflächen, historisch bedingt, außerhalb der Altstadt befinden, bilden sie hier das Zentrum. Das Riedbrunnenquartier setzt so einen eigenständigen Kontrapunkt zur Altstadt, ohne mit ihr in Konkurrenz treten zu wollen. Die Erschließung des westlichen Riedbrunnen-Quartiers erfolgt von der Lindachstraße. Die Goethestraße endet hier am Park und wird nicht auf die östliche Seite fortgeführt. Die Schillerstraße wird nach Osten verlegt und zur neuen Anwohnerstraße des östlichen Riedbrunnenquartiers. Die heutige Goethestraße (östlich der Waldach) wird zu einer autofreien Parkpromenade für Fußgänger und Radfahrer. Eine neue Brücke verbindet die Uferpromenade am Meisterweg mit dem Riedbrunnenquartier und ermöglicht eine durchgängig querungsfreie Anbindung an die Innenstadt.

    Das Herzstück des Quartiers bildet der neue Riedbrunnen-Park an der renaturierten Waldach, der bis an die Grafenwiesenstraße herangeführt wird. Hier und am Park sind dreigeschossige Stadthäuser, die dahinter liegenden Baufelder sind für 1-2 geschossige Atriumhäuser vorgesehen. Eine differenzierte Freiraumtypologie mit Angeboten für unterschiedliche Altersgruppen und Ansprüche vermindert Konflikte der diversen Nutzergruppen: Atrien – und Dachgärten als privates Grün, halböffentliche Grünzüge mit Kleinkinderspielplätzen im Nahbereich der Häuser, Spielstraßen zum Skaten und Fahrradfahren, in ausgewählten Bögen des Viadukts sind Freizeit- und Sportangebote wie z.B. Streetball und ein Klettergarten für Jugendliche und Erwachsene vorgesehen. Entlang der autofreien Parkpromenade befinden sich weitere Spielplätze mit Blick über den Park. Dieser wird zu einem Wiesenpark gestaltet. Sitzmauern akzentuieren die sanft zur Waldach hin abfallende Topografie. Ein großzügiger Wasserspielplatz an der Waldach macht das Element Wasser für Kinder und Erwachsene erlebbar.

    Urbane Landschaft

    Die Parklandschaft der Waldach
    Auf die Grüne Urbanität des Riedbrunnens folgt die urbane Landschaft der Gewerbegebiete und Einzelhandelskisten an der Haiterbachstraße. Es gilt diesen strukturlosen Raum langfristig neu zu ordnen und Flächen für eine nachhaltige Landschaftsentwicklung im Sinne einer Rekultivierung der Flusslandschaft zu gewinnen. Hierbei spielt die Renaturierung der Waldach eine wichtige Rolle. Weitere strukturierende Schritte sind Grünzäsuren. Ferner schlagen wir vor, die Haiterbacher- bzw. Talstraße als neues Rückgrat bis nach Iselshausen fortzuführen und mittels einer Baumreihe signifikant zu gestalten.

    Dieses neue Baumband stellt gleichsam die östliche Grenze des zu rekultivierenden Landschaftsraumes an der Waldach dar. Ziel ist es, die noch vorhandene Gewerbenutzung westlich des Baumbandes langfristig umzusiedeln bzw. ehemalige Gewerbeflächen wie die der Calwer Deckenfabrik und der Messe nicht wieder zu bebauen. Stattdessen schlagen wir vor, dieses Gebiet zu einer extensiven Parklandschaft bis nach Iselshausen zu entwickeln. Die Flächen östlich der Talstraße können für eine zukünftige Wohnbebauung und kleinere Gewerbeeinheiten vorgehalten werden. Die Parklandschaft kann hierfür einen positiven Standortfaktor, im Sinne des Leitbildes „Grüne Urbanität“ darstellen. Ein durchgängiger Uferweg und neue Brücken erschließen die Parklandschaft und vernetzen diese mit den angrenzenden Landschafts- und Siedlungsräumen. Ausgewählte Orte der Waldach werden mit kleinen Plätzen am Wasser gestaltet und stellen besondere Stationen in der Landschaft dar.

    Die Parklandschaft der Nagold
    Der Landschaftsraum am Glockenrain wird geprägt durch Obstbäume und Wiesen. Es gilt, vorhandene Qualitäten zu erhalten und durch punktuelle Maßnahmen - wie eine bessere Zugänglichkeit an die Nagold und weitere Obstbaumpflanzungen - zu ergänzen.


    Gartenschaukonzept Landesgartenschau Nagold 2012 – Die Stadt als Laufsteg

    Leitidee
    Unsere Leitidee für die Gartenschau ist inspiriert durch die Mode und die in Nagold ansässige Lehranstalt des Textilhandels. Die Gartenschau wird als Schau der neuesten Blumenkollektionen interpretiert, Stadt und Landschaft fungieren hierbei als Laufsteg. Für die 4 Bereiche Waldach, Riedbrunnen, Burg / Altstadt / Nagoldpark und Nagold werden spezifische auf die Charakteristik der Bereiche eingehende „Kollektionen“ entworfen:

    Renature widmet sich den Themen Renaturierung entlang der Waldach.

    Innovation thematisiert die städtebauliche Transformation des Riedbrunnens und setzt sich mit den Themen Zukunft und Nachhaltigkeit auseinander.

    History bespielt das Dreieck des Nagoldparks sowie die Burg Hohennagold. Durch florale Inszenierungen und Schaugärten wird die geschichtliche Entwicklung dieses zentralen Bereichs erlebbar gemacht.

    Romance thematisiert die romantische Seite der Landschaft

    Während der 6 monatigen Gartenschau wird für die jeweiligen Kollektionen eine Frühjahrs-, eine Sommer- und eine Herbstlinie entworfen. Ziel ist, eine möglichst abwechslungsreiche Bespielung der „Laufstege“, um die Gartenschau auch für einen mehrmaligen Besuch attraktiv zu gestalten.

    Burg / Nagoldpark / Altstadt

    Burg Hohennagold
    Während der Gartenschau werden hier Installationen der Kollektion „History“ gezeigt, Musik- und Theaterveranstaltungen ergänzen das Programm.

    Longwy-Platz
    Während der Gartenschau werden hier Installationen der Kollektion „History“ gezeigt

    Kleb
    Plateau, Hangterrasse und Waldplätze können als Ausstellungsfläche der Gartenschau genutzt werden. Auf der Burg Hohennagold werden Installationen der Kollektion „History“ gezeigt

    Geschichts- und Kulturpark am Krautbühl
    LAGA Konzept: Die Pavillons können während der Gartenschau für wechselnde florale z.B. „Die Pflanzenwelt der Kelten und Römer“ genutzt werden.

    Altstadt
    In Ergänzung zum Nagoldpark wird auch die Altstadt zur Bühne floraler Gestaltungen: sinnbildlich rollt Nagold den „Grünen Teppich“ aus. Fassaden ausgewählter Gebäude werden in wechselnde Blumengewänder „gekleidet“ und zu besonderen Orten in der Altstadt die mit weiteren Veranstaltungen wie z.B. Modenschauen etc. bespielt werden. Auch weitere Orte wie z.B. der neue Park an der Stadtmauer und die Anlagen des ehemaligen Lehrerseminars werden mit floralen „Applikationen“ geschmückt.

    Riedbrunnen
    Der Riedbrunnen wird ein Ort der Innovation. Nachwachsende Rohstoffe, ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten und weitere Zukunfts-Themen wie Umwelt, Nachhaltigkeit und Grüne Urbanität werden in der Struktur des zukünftigen Städtebaus mit seinem neuen Herzstück - dem Riedbrunnenpark – präsentiert. Die gartenbauliche Tradition des Riedbrunnens und Nagolds spiegelt sich in den Ausstellungsflächen wider. Sie zitieren die kleinteilige Struktur der Nagolder Felderparzellen. Ergänzt werden die genannten Themen durch Gärten, die sich mit dem Thema Textil und Gewebe auseinandersetzen. Die Bühne unter dem eindrucksvollen Viadukt wird faszinierender Ort für Musik- und Theater-Veranstaltungen. Der Eingangsbereich mit der Blumenhalle befindet sich an der Grafenwiesenstraße.

    Die Parklandschaft der Waldach
    Der Weg vom Parkplatz am Messegelände durch die Parklandschaft an der Waldach in die Stadt wird begleitet von Landschaftsstationen, die den Transformationsprozess von einer industriegeprägten zu einer Parklandschaft künstlerisch und informativ veranschaulichen.

    Die Parklandschaft der Nagold
    Dieser Standort wird als externe Gartenschaukulisse mit punktuellen Inszenierungen und der Einbeziehung vorhandener Gärten (z.B. als private Obst-Weingärten) extensiv bespielt. Die Kollektion Romance inszeniert an der Nagold sinnliche Orte mit Stoffen und Farben. Orte der Verzauberung und Romantik, der heiter bukolischen Gelassenheit unter Apfelbäumen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

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