loading
  • DE-64285 Darmstadt, DE-64295 Darmstadt
  • 07/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-221477)

Quartiersmitte Lincoln-Siedlung


  • 3. Preis Hochbau mit Freianlagen

    Lageplan, © h4a Architekten

    Architekten
    h4a Gessert + Randecker Architekten | h4a Gessert + Randecker + Legner Architekten, Stuttgart (DE), München (DE), Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Gessert , Albrecht Randecker

    Mitarbeit
    Nicolas Henn, Mathias Aiple, Martin Maxa, Julian Bollinger

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn (DE), Hamburg (DE), Köln (DE), Mannheim (DE), Berlin (DE)

    Preisgeld
    10.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf löst sich mit seiner eigenständigen amorph anmutenden Formgebung selbstbewusst aus dem weitgehend orthogonalen Raster der umgebenden Bebauung. Den Verfassern gelingt es, ein für die Nutzer und das Neue Stadtquartier Identität stiftendes Gebäudevolumen zu entwickeln, das auch in seiner äußeren Gestaltung den Charakter seiner Nutzungen widerspiegelt. Die Fassaden wirken gut durchgearbeitet und unterstreichen den Charakter des Gebäudes als Solitär am Park, der auf die unterschiedlichen Randbedingungen gut reagieren kann.
    Der durchgängig zweigeschossige und kompakt gestaltete Baukörper öffnet sich über seine Grundrissgestaltung allseitig zur Umgebung und erscheint in seinem Maßstab angemessen und gut proportioniert. Die gut gelöste und eindeutig formulierte Eingangssituation der Schule am Quartiersplatz ergibt sich selbstverständlich und wirkt einladend.
    Die Leitidee der Verfasser, das Gebäudekonzept mit seinen sich um die zentrale multifunktionale Mitte miteinander verwobenen und sinnvoll aufgeteilten Funktionsbereichen aus dem pädagogischen Konzept heraus zu entwickeln, ist aus Sicht des Preisgerichts konsequent und funktional mit hohem Gestaltungsanspruch gelungen. So gruppieren sich auf der Ebene des Erdgeschosses die verschiedenen Funktionsbereiche der Schule (Mensa, Fachklassen, Verwaltung), die Turnhalle sowie die Kindertagesstätte um das großzügige Foyer, das das multifunktionales Herz und damit ein wichtiger Begegnungsort für die schulinterne wie auch für die bürgerschaftliche Nutzung darstellt. Positiv wird hierbei auch die Verortung der jeweiligen Funktionsbereiche im Grundrissgefüge bewertet. Turnhalle und Kita werden von Süden erschlossen. Leider fehlt ein separater Zugang für die Kita.
    Die Grundrissorganisation für die Schulnutzungen erscheint plausibel. Kritisch werden jedoch die Unterversorgung mit sanitären Anlagen und die nicht durchgängige Barrierefreiheit bewertet.
    Aus funktional organisatorischen Gründen muss der Bereich der Kindertagesstätte grundsätzlich vom Schulbetrieb abgetrennt werden können. Dies ist mit dem vorgeschlagenen Grundriss nicht lösbar, jedoch heilbar. Der Kindertagesstätte fehlt die eigene Mitte.
    Die von den allgemeinen Nutzungen im Erdgeschoss entrückte Lernebene im Obergeschoss mit den vorgeschlagenen sich um die Mitte des Gebäudes gruppierenden vier Lernclustern geben Raum für innovative Lernformen und sind überzeugend organisiert.
    Die amorphe Form sowie die bis ins Erdgeschoss eingestanzten grünenden Lichthöfe versprechen eine angenehme, vielseitige und lichtdurchflutete Raumanmutung und eine hohe Aufenthaltsqualität.
    Die jeweiligen Außenbereiche für Schule und Kita setzen in ihrer Gestaltung die Architektursprache des Gebäudes fort. Es wäre jedoch wünschenswert, dass alle Gruppenräume der ebenerdigen Kindertagesstätte direkten Zugang zum Außengelände haben.
    Der zum Quartierspark orientierte Schulhof wird durch ein, bis zur Heidelberger Landstraße durchgängiges Gestaltungselement sanft aber eindeutig gefasst und ist aufgrund seiner Ausformung Teil der öffentlichen Freiflächen. Die Freiflächen des Schulhofs sind allerdings zu gering dimensioniert. Kritisch gesehen werden zudem die vorgesehene Andienung der Mensa über den Schulhof sowie die Anfahrbarkeit für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge von Westen. Die Stellplätze für Kfz auf der Südseite des Grundstücks und Fahrradstellplätze sind gut gelöst.
    Die Verfasser setzen sich textlich mit der Problematik der Höhenentwicklung des Geländes auseinander. In der Durcharbeitung des Entwurfs gelingt dies jedoch beim Übergang zum Quartierspark nur bedingt, da hier kaum auf die tatsächliche Bestandstopografie reagiert wird. Dies wird grundsätzlich für problematisch gehalten.
    Der vorgelegte Entwurf erfüllt unter Berücksichtigung der vom Verfasser vorgeschlagenen Maßnahmen weitestgehend die baurechtlichen und brandschutztechnischen Anforderungen, wobei die Entfluchtungsmöglichkeiten aus dem Obergeschoss über die umlaufenden Fluchtbalkone durch geringe Eingriffe, z.B. durch zusätzliche Fluchttreppen und Rampen optimiert werden sollten.
    Die ermittelten Kennzahlen, die vorgeschlagene Bauweise und Auswahl der Materialien versprechen einen wirtschaftlichen Entwurf.
    Den Verfassern gelingt mit dem Entwurf ein eigenständiger schöner Beitrag zur gestellten Wettbewerbsaufgabe. Das Gebäude kann als markanter Baustein die neue Quartiersmitte der Lincoln-Siedlung prägen und hohe Nutz- und Aufenthaltsqualitäten bieten.


INFO-BOX

Angelegt am 11.07.2016, 14:43
Zuletzt aktualisiert 18.07.2016, 11:49
Beitrags-ID 4-124175
Seitenaufrufe 400